Verbrausen - Was passiert genau?

  • Moin,


    so nun ist es mir auch passiert und hat mein schönstes Volk erwischt.


    Ich habe am Abend die Völker aufgeladen und mit nassen Schwämmen verschlossen und am nächsten Morgen gegen 4 wollte ich die verzurren und stand in einer Honigfütze. Sofort habe ich den Deckel hochgerissen und das Flugloch freigemacht aber da war nichts zu retten. Die Beute dampfte wie ein Spaghettitopf. Selbst auf der Wanderfahrt hatte ich diesen Dampf im Rückspiegel. Später habe ich die Beute zerlegt und geschmolzene Waben und massenweise Tote Bienen gefunden. Es war ein Drohnenspendervolk und deshalb voller Drohnen. Die drei Baurahmen waren frisch geschnitten und ein HR mit MW war drauf. Das Verbrausen geschah nicht auf der Wanderung sondern in der Zeit von 22:00 bis 4:00 Uhr bei Nieselregen. (traurige Bilder folgen :-( ) Es hat keine Biene überlebt. Was sich beim Aufreißen noch bewegt starb binnen weniger Stunden auch - schwarz, verklebt.


    Meine Frage nun: Wie können es die Bienen schaffen, dermaßen hohe Temperaturen zu erzeugen? In meinem Gedanken müßten die doch schon tod sein, ehe das Wachs schmilzt oder wenigsten butterweich wird. Die Temperatur in der Beute lag nicht nur etwas über der Normaltemperatur. Da waren nicht nur 45°C drin. Da war Dampf.

  • Hallo, Henry,
    die Erfahrung zeigt daß die offenbar doch die notwendige Temperatur erreichen. Hier, grad in einem Wiki gefunden:

    Zitat

    Gefahr bei der Wanderung durch Überhitzung eines Bienenvolks.
    Bei der Wanderung besteht insbesondere an heißen Tagen oder bei fehlender Belüftung die Gefahr, dass das Bienenvolk "verbraust". Die Bienen wollen wegen der zu hohen Temperatur die Beute verlassen, das Flugloch ist aber für die Wanderung verschlossen. Um flugfähig zu sein, haben die Bienen auch noch Futter ("Treibstoff") aufgenommen. Dieses wird jetzt durch einen erhöhten Stoffwechsel (Panik) verbrannt, was zu einer weiteren Erwärmung führt. Schließlich entsteht eine Temperatur, die dazu führt, daß auch ein Teil des Wabenbaus (die durch Honig schweren, unbebrüteten Zellen des Honigraums) in der Beute instabil wird und zusammensackt. Ein trostlosen Bild entsteht! Bienen, Honigvorräte und Wachs, alles durcheinander als "Pampe" unten im Beutenboden.


    Das passt ja ganz; beeindruckend nur daß das auch bei niedrigen Außentemperaturen "klappt" - hatte die Beute einen geschlossenen Boden? Vielleicht auch zu starke Wasserdampfentwicklung durch den Schwammverschluß?


    Arme Bienlis; ist mir aber eine gute Warnung, diese Geschichte...ich will morgen einen frei bauenden Schwarm abholen und dem werde ich dann mal einen offenen Boden spendieren...


    Mein Beileid!
    Melanie

  • Hallo Henry,


    Du hast Dampf gesehen, und dafür habe ich keine Erklärung.
    Ansonsten würde ich eher vermuten, daß die Bienen ersticken denn den Hitzetod sterben.
    Durch die Erwärmung wird das Wachs weicher und die (mit Futter gefüllten, dicht mit Bienen besetzten, daher schwereren?) Waben reißen ab. Darunter werden die Bienen zusammengedrückt, evtl. läuft noch Nektar über die Bienen - beides führt dazu, daß die Stigmen der Bienen verlegt werden und diese ersticken.
    Aber Dampf ist Dampf, und bei meinem Erklärungsversuch sollten zumindest einige Bienen am Leben bleiben. Ich bin gespannt, was andere wissen.


    Robert

    Was auch immer geschieht: nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken! (E. Kästner)

  • Der Boden war - bis er von Bienen verstopft war, jede Masche ein Bienenkopf mit Zunge raus - vollflächig offen. Nasse Schwämme nehme ich, weil die Bienen bei Nässe am Flugloch wegen "Regenwetter" umkehren und nicht raus "wollen". Der Schwamm war auch noch naß. Die Nacht war nieselig und kalt. Der Anhänger stand ruhig da. Hätte ich die Fluglöcher nachts offen gelassen bzw. nach dem Aufladen wieder geöffnet und erst vor der Abwanderung geshlossen, wäre wohl nichts passiert ... oder eben bei der Wanderung.


    Ich verstehe nicht, wie Eiweißlebewesen mit sich selbst Temperaturen erzeugen können, bei der Eiweiße gerinnen und Wachs instabil wird. Ein dick angezogener Kraftprotz kann sich doch auch anstrengen wie er will, der stirbt eher als, daß es unter seiner Jacke 50°C hat. Der fällt um und kühlt wieder ab. Bienen heizen sich weiter auf. Da muß eine fataler Vorgang dahinter liegen. Bei 38°C ist Wachsbau jedenfalls nicht instabil und auch bei 40°C oder 42°C fallen keine Waben runter insbesondere nicht, wenn die Beute ruhig steht ... Ab wann gerinnt Eiweiß genau?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Da waren ganz viele Drohnen drin. Das beweist wiederum mal, dass Drohnen nicht unnütz sind, sondern gut heizen können. Überleg mal was das für das Volk bedeutet: Arbeiterinnen können sich anderen Aufgaben widmen, Varroa verträgt auch keine Wärme, mehr Brut, mehr Sammlerinnen, trocknerer Honig.....

  • ... die (mit Futter gefüllten, dicht mit Bienen besetzten, daher schwereren?) Waben reißen ab. Darunter werden die Bienen zusammengedrückt ... Robert

    Die Bienen waren außerhalb des zusammengebrochenen Wabenbaues. Der bestand aus leeren Honigwaben. Ich war am Wandern, da fährt man so leer wie möglich, die sollen ja die Zieltracht eintragen und dafür Platz haben. Wie Du auf den Bildern sehen kannst, starben die Bienen am Rand und im Boden. Mitten im Boden waren Bienen unverklebt und trocken. Wie ein gefülltes Bonbon. Außen schwarze nasse Bienen, innen Drohnen und saubere Leichen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hmm,


    dann war es sicher doch die thermische Überlastung (aber Du schriebst von Honigpfütze - das habe ich fehlinterpretiert). Bei Dampf hab' ich nur an kochendes Wasser gedacht - aber Du hast ja die Beute am sehr frühen Morgen aufgemacht, da ist sicherlich die sehr warme, sehr feuchte Stockluft ausgetreten und der Wasserdampf in der Morgenkühle kondensiert.
    Aber wenn man davon ausgeht, daß Bienenwachs so um 65°C schmilzt, vorher schon entsprechend weich wird und somit Waben abreißen können, und reguläre Betriebstemperaturen von bis zu 47°C im Flugmuskel auftreten, ist die zu überbrückende Temperaturdifferenz nicht so beträchtlich. Und wenn ich mir im verlinkten Artikel die Überlebensdauer von Bienen bei 50°C anschaue, kann ich mir problemlos vorstellen, daß in der entsprechenden Zeit genug Wärme produziert wird, um im Beuteninneren entsprechende Temperaturen zu erreichen.


    Robert

    Was auch immer geschieht: nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken! (E. Kästner)

  • Henry ich bin mir nicht sicher ob es notwendig ist, dass sich die Körper der Bienen auf diese hohen Temperaturen erhitzen. Die Wärme wird erzeugt und abgeleitet durch ventilieren. Durch Verdunstung wird der Körper unter der kritischen Temperatur gehalten aber der Umgebungsluft wird immer mehr Energie in Form von Wärme zugeführt, sodass sie sich weiter erhitzt.
    Es scheint aber wohl ab und zu mal sowas vorzukommen wie hier zu lesen ist http://redaktion.dlv.de/redakt…achtungen/Lange_06_10.pdf .
    My 2 cents
    Olli

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Hallo Henry,



    du hast entschiedene Fehler gemacht, die feuchten Schaumgummistreifen sind ein Grund warum die Völker verbraust sind, die Feuchtigkeit wollen die Bienen los werden und ventilieren stärker.


    Ein weiterer Punkt ist die Völker sollte nach Möglichkeit nicht zu viel Honig in den Waben haben, der Futtervorrat ist bei mir in der unteren Zarge, der ist verdeckelt und hat keinen Einfluss auf die Feuchtigkeit.


    Sehr wichtig, die Völker brauchen eine ausreichende Belüftung durch Gitterboden, sind die Völker sehr stark, sollte man nur an kühlen Tagen wandern.


    Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung eines Segeberger Innendeckel mit einen Gitter + Stegplatte als Wanderlüftung, da verbraust kein Volk.


    Bei Dreizarger nie mit vollen Honigräumen wandern, die Zarge sollte völlig leer sein, genauso bei einen Zweizarge mit einen Brut und Honigraum.


    Die Völker nicht lange stehen lassen, verschließen aufladen und wegfahren.


    Soll kein Vorwurf sein, mir ist sowas auch schon mal passiert, man lernt aus solchen Fehlern.

  • Aber Henry schreibt doch, dass das Gitter ursprünglich offen war.


    Der Teufelskreis ist die Fliegerei, Sauerstoffmangel, Temperaturanstieg, noch mehr Verbrauch, dann Gitter zu - Ende.


    Meines Erachtens sind auch nicht ausschließlich die hohen Temperaturen Schuld, sondern Ersticken wie schon geschrieben.
    Die Panik, Start der Flugaktivität bzw. intensiver Betrieb der Flugmuskulatur mit infolge sehr stark erhöhtem Sauerstoffverbrauch wird mit die Ursache sein.
    Die Temperatur ist angestiegen durch die Muskelarbeit, das Wachs wird weicher, alle mit jetzt vorhandener "Luftnot" setzen sich wohin?
    Auf das Gitter.
    Das ist somit eher zu als auf, die ersten kommen vollgetankt für die Flugmuskelaktionen in den Sterbeprozess, dabei wird sehr oft getankter Nektar/Honig wieder abgegeben.
    Das ganze durch Bewegung und Fliegerei immer wieder ein wenig durchmischt aber nur noch in den Randzonen. Hier wurde bei Sauerstoffmangel am schnellsten gestorben,
    daher in der Mitte trockenere Bienen aber auch verendet, vielleicht schon den Tank leergebraust?


    Mein "Imkerpate" hat mir das nun zweimalig auch mit Segebergern und eingeschlagenem Schwarm vor Augen geführt, ich möcht es nie mehr sehen. Farbeimer randvoll in den Kompost.
    Bei Schwarm Nr zwei hat er genauso zentral noch ein Häuflein Lebende finden können, darin war sogar noch die Königin, sie sind in einen Ablegerkasten gekommen, vielleicht zwei suppenkellen, dazu Brutwabenspenden - immerhin.


    Beileidige Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • die feuchten Schaumgummistreifen sind ein Grund warum die Völker verbraust sind, die Feuchtigkeit wollen die Bienen los werden und ventilieren stärker.

    Das klappte bislang problemlos auch alle anderen Völker dieser Wanderung haben den Kontakt zu den nassen Streifen gemieden und stürzten nicht beim Öffnen sofort ins Freie. Für die war eben Regenwetter. Genau wie ich mir das gedacht hatte und wie es seit Jahren funktioniert.

    ein weiterer Punkt ist die Völker sollte nach Möglichkeit nicht zu viel Honig in den Waben haben, der Futtervorrat ist bei mir in der unteren Zarge, der ist verdeckelt und hat keinen Einfluss auf die Feuchtigkeit.

    Die Völker (konkret dieses) hatten einen HR bestehend aus leeren Waben und MW und zudem 3 leere Baurahmen in den 2 Brutraumzargen

    die Völker brauchen eine ausreichende Belüftung durch Gitterboden,

    Segeberger Boden mit Vollflächigem Alu-Gitter. Größer geht kaum.

    sind die Völker sehr stark, sollte man nur an kühlen Tagen wandern.

    Die Nacht war kalt und regnerisch, um die 5°C. Tot waren sie schon am Morgen kurz nach 4.

    Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung eines Segeberger Innendeckel mit einen Gitter + Stegplatte als Wanderlüftung, da verbraust kein Volk.

    Bislang ist auch ohne obere Wanderlüftung noch nie eines verbraust. Obere Wanderlüftung ist bescheiden einzubauen, weil die Abdeckplatte bzw. Folie runter muß, sonst bringts ja nichts. Die Bienen müssen also mit Bienenkontakt auf die Wanderung vorbereitet werden und nach der Wanderung muß das dann auch wieder zurückgebaut werden. Das geht nicht. Läßt man ein Gitter oder Gaze immer oben drauf ist die bald verpropolisiert und auch dicht ...

    Bei Dreizarger nie mit vollen Honigräumen wandern,

    Mach ich auch nicht, warum auch und war auch diesmal nicht so.

    die Zarge sollte völlig leer sein, genauso bei einen Zweizarge mit einen Brut und Honigraum.

    leer? Ohne Waben? Nur die Zarge?

    Die Völker nicht lange stehen lassen, verschließen aufladen und wegfahren.

    Normalerweise geht das so, aber es war bislang auch nie ein Problem um Mitternacht mit dem PickUp in den Wald zu fahren und die Fluglöcher z.B. der Wanderwagen zu schließnen und am nächsten Morgen bei Tageslicht mit dem Unimog anzurücken und abzuwandern. Es war auch noch nie ein Problem, die Völker abends zu verschließen und am frühen Morgen abzuwandern. Diesmal war jedoch vorher ein Trachttag und das Volk war recht gut.

    Soll kein Vorwurf sein, mir ist sowas auch schon mal passiert, man lernt aus solchen Fehlern.

    Ich komm klar mit deutlichen Worten, denn ich will ja Fehler erkennen. Tote Bienen in der Situation des wunderschönen Sonennaufganges und der Wanderfreude sind ohnehin nicht zu toppen.


    Hat schon mal jemand offene Futterzargen als Wanderlüftung benutzt?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Ich denke, der Knackpunkt ist diese Feuchtigkeit. Die hohe Luftfeuchtigkeit in der Umgebung wie auch im Stock, die sie nicht entfernen konnten obwohl sie es wollten. Was war denn bei diesem Volk im Vergelcih zu den anderen, die diese Nacht ueberstanden haben, anders? Staerker? Andere Position auf dem Wagen? Einziges mit so vielen Drohnen? Vergleich das doch mal ganz kritisch!


    Gruesse
    Melanie

  • Stärker, mehr Drohnen, (Merke: Wo ein Volk ist kann kein zweites sein!) auch andere Position, genau genommen Ecke. König erst einen Tag vorher gezeichnet. Nr 66 blau wegen "nachzuchtwürdig".

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder