Wieviel Raps pro Biene?

  • Moin Moin,


    in den Werbebroschüre wird ja immer versprochen, dass Bienen dem Landwirt x % mehr Ertrag bringen.


    Wie sieht das beim Raps aus? Wieviel Völker (normal in 2 Segeberger Beuten entwickelt) je Hektar Rapsacker (durchschnittliche Rapsentwicklung) braucht es zu einer deutlichen Ertragssteigerung und wieviel Bienen dürfen es maximal sein?


    Hat jemand von euch Zahlen für mich, ggf auch für andere Trachten?


    Gruss und Dank


    willem

  • Hallo,


    ich glaube, mich an Zahlen von 20% bis 30% Mehrertrag beim Raps erinnern zu können, weiß aber nicht mehr, ob die Kontrollflächen nur bienen- oder ganz bestäuberinsektenfrei gehalten wurden.
    Bei Bedarf müßte ich nochmal in staubigem Papier stöbern.


    Robert

    Was auch immer geschieht: nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken! (E. Kästner)

  • Im Kopf spuken mir bis zu 40% mehr Ertrag bei 4-6 Völkern pro Hektar.
    Die Werte sind m.E. grundsätzlich mit anderen Bestäubern und Wind ermittelt worden.


    Die Arbeit, die Omni da gefunden hat, ist sehr interessant.
    Leider ist es schwer, die Daten auf 1 Volk - von Raps umgeben - umzurechnen.


    Theoretisch könnte ein einziges Volk einen Hektar Raps locker bestäuben.
    http://www.imkerverein-sanktmartin.at/bienenkunde_biene.htm


    Wikipedia sagt: bis 70 Körner pro qm, bis 60 Blüten pro Pflanze,
    Blühzeit 3-5 Wochen (Einzelblüte nur ca. 2 Tage).
    Da macht pro Hektar also 42 Mio Blüten (in 3-5 Wochen !), wobei pro Volk mit 40 Mio Blütenbesuchen (pro Tag!) gerechnet wird.
    Aber in der Praxis werden die Blüten eben doch häufiger besucht... oder das Wetter ist schlecht (Regen, Trockenheit, Wind).


    Übrigens: laut diesen Zahlen und der Info, dass pro Blüte 0,53mg Nektar pro 24h mit 55% Zucker erzeugt werden, kommt man auf ~ 25kg Honig pro Hektar im optimalen Fall (in Internet findet man da Zahlen zwischen 20 und 170 kg pro Hektar). Bei der Anzahl der Blüten habe ich ja bereits Maximalwerte angenommen. Damit möchte ich nur sagen: wenn es jemand auf Honigertrag abgesehen hat, sollte nicht 6 Völker pro Hektar einsetzen...


    Hat jemand *aktuelle* Untersuchungen/Meßwerte mit Quellenangabe, die dem Praktiker eher helfen ? Ich habe bisher nur Verweise auf Untersuchungen aus den 1980ern gefunden. Seit dem hat sich meines Wissens nach viel in der Sortenauswahl/Züchtung getan (Hybridsorten, Holli-Raps).

  • Moin,


    das war genau die Antwort, die ich suchte. Ein Volk je Hektar bringen 40% mehr Ertrag. Das versteht jeder Bauer (auch der mit den grossen Kartoffeln)


    Haerzlichen Dank.


    Gruss willem

  • Hallo Willem,


    sorry, ich muss Dich etwas korrigieren: 4-6 Völker pro Hektar bringen BIS ZU 40% mehr Ertrag.


    Nicht, dass zu große Erwartungen geweckt werden, die nachher nicht eingehalten werden. Dann gibt es Enttäuschung.

  • Ich will da jetzt nichts "schlecht" schreiben, aber ich finde es immer etwas Abstrakt von 20-40 % mehr Ertrag zu sprechen.
    Wie will man den so was genau nachweisen?
    Mal ist das Wetter trocken oder zu nass, dann zu kalt oder zu warm, dann kommt die böse Heuschrecke, oder irgend ein Schimmelpilz und es gibt auch noch anderes Getier, was eine Bestäubung auslöst.
     
    Ich will jetzt nicht bestreiten, das die Biene das Bestäuben mit am besten kann und das der Ertrag dadurch auch positiv beeinflusst wird, aber ich Frage mich ab und an immer wieder, wie jemand so was errechnen mag. Es ist ja nicht jedes Jahr das gleiche Wetter und je nach Winter und Wetter gibt es von gewissen Insekten mal mehr oder weniger.
     
    Für mich steht halt einfach fest, um so höher die (bestäubend wirkende) Insekten-Dichte pro km² um so effektiver können alle Pflanzen bestäubt werden.


    Gab es eigentlich schon mal einen Artikel in den Medien oder sonstige Berichte, dass jemand geschrieben hat: "Das Klima war optimal für den Raps, aber da es zu wenig Insekten gibt, ist die Ernte ausgefallen!" :confused:

  • ich finde es immer etwas Abstrakt von 20-40 % mehr Ertrag zu sprechen.
    Wie will man den so was genau nachweisen?


     
    Indem man z.B. an nem Obstbaum die eine Hälfte so in ein Netz einpackt, dass keine Bienen rankommen zur Blütezeit. Dann muss man nur noch im Herbst die Äpfel jeder Seite zählen und wiegen und hat dann den Unterschied Ernte mit Insektenbestäubung und Ernte ohne Insekten.


    Ähnliches macht man dann beim Raps etc.


    Stefan

  • Indem man z.B. an nem Obstbaum die eine Hälfte so in ein Netz einpackt, dass keine Bienen rankommen zur Blütezeit. Dann muss man nur noch im Herbst die Äpfel jeder Seite zählen und wiegen und hat dann den Unterschied Ernte mit Insektenbestäubung und Ernte ohne Insekten.


    Ähnliches macht man dann beim Raps etc.


    Stefan


    Aber dann kommen die Hummeln, Wildbienen und Co. auch nicht ran, das verfälscht doch das Ergebnis enorm...! ODER ???

  • Ich will da jetzt nichts "schlecht" schreiben, aber ich finde es immer etwas Abstrakt von 20-40 % mehr Ertrag zu sprechen.
    Wie will man den so was genau nachweisen?


    Durch wissenschaftliche Experimente kann man so etwas schon nachweisen. Klar kann immer etwas dazwischen kommen, darum macht man auch nicht nur eine Messreihe, sondern mehrere. Optimal wäre sicherlich das Experiment aus der verlinkten Arbeit auf noch viel mehr Rapsfeldern quer über die Welt verteilt in mindestens 10 aufeinander folgenden Jahren durchzuführen, um eventuelle unberücksichtigte Umstände herausrechnen zu können.
    Aber generell zeigt die Arbeit doch, wieviel mehr Ertrag unter den angegebenen Umständen durch Bienenbestäubung erreicht werden kann.
    Und das ist doch das erwünschte Ergebnis, oder?


    EDIT wegen Querposting: Das Experiment wurde durchgeführt ohne Netz gegen Wildbienen etc., es wird sogar hingenommen, dass irgendwo in weiter Ferne andere Honigbienen stehen (könnten), welche durch das Experiment nicht erfasst werden. Dadurch wird der durch Honigbienenbestäubung ermittelte Mehr-Ertrag sogar gemindert, d.h. die ermittelten Prozentzahlen sind sogar kleiner als sie tatsächlich sind.

    Gruß, Chris

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Omni () aus folgendem Grund: Querpost

  • Aber generell zeigt die Arbeit doch, wieviel mehr Ertrag unter den angegebenen Umständen durch Bienenbestäubung erreicht werden kann.
    Und das ist doch das erwünschte Ergebnis, oder?


    Na ja, wie schon gesagt, ich bestreite nicht, das die Biene durch ihre beachtliche Leistung einen großen Betrag dazu leisten "kann", aber bei z.B. angegebenen 40% muss ich schon einen starken Glauben haben um davon auszugehen, das dies nur durch die liebe gute Honigbiene geschafft wird ;-)


    Da ich mich aber selbst der Imkerei verschrieben habe, werde ich einen Teufel tun und es vehement bestreiten, das machen die armen Bauern schon selbst genug, damit sie um eine kleine Spende herum kommen, oder gar ein 1-3 Honiggläser für den Stellplatz beanspruchen... . Für mich ist einfach wichtig, das jeder weis, das der Nutzen für beide Seiten von Vorteil ist. Ausnahmen wie Mandelblüten bestätigen ja, das die Biene ein absolutes muss ist (wo der Imker wohl nur wegen der Prämie hinfährt, da der Honig wohl eher nicht so angesehen ist)!

  • aber bei z.B. angegebenen 40% muss ich schon einen starken Glauben haben um davon auszugehen, das dies nur durch die liebe gute Honigbiene geschafft wird ;-)


     
    Schau mal in der Arbeit die Abbildung auf Seite 4: "Rapsertrag in Abhängigkeit von der Entfernung...", die unterste (blaue) Messreihe.
    Dort ist bei 500 Metern (diese Entfernung wurde mal plump als "Bienenlos" definiert) ein durchschnittlicher Ertrag (schwarze Linie) von ca 210g/m² ermittelt worden, bei 15 Metern (also da wo die Bienendichte am größten ist) ein Ertrag von durchschnittlich ca 300g/m².
    Macht einen Mehrertrag von etwas über 40%, nur weil eine Bienen-Beute in der Nähe ist...
    Zugegeben, die oberste Messreihe bringt es "nur" auf 25% Mehr-Ertrag (einfach weil offensichtlich die Grundvoraussetzungen schon günstiger waren), aber alle Versuchsreihen bringen über 100g/m² mehr Ertrag mit Bienen.


    Das Ergebnis finde ich schon ziemlich eindeutig.

  • Ich will da jetzt nichts "schlecht" schreiben, aber ich finde es immer etwas Abstrakt von 20-40 % mehr Ertrag zu sprechen.
    Wie will man den so was genau nachweisen?


    Wie man den Einfluß der Biene prinzipiell aufzeigt, hat Drops schon geschrieben. Die Wissenschaft macht das natürlich etwas ausgeklügelter.


    Die abstrakte Angabe 20-40% kommt vereinfacht so zustande:
    - alle Besonderheiten wie z.B. "Bauer plügt den Raps vor der Blüte um", Heuschrecken, Überschwemmung usw. werden ausgeklammert.
    - es werden möglichst viele Versuche auf unterschiedlichem Boden, in unterschiedlichen Jahren, usw. gemacht. Dann wird gemittelt und eine sog. Standardabweichung vom Mittelwert errechnet (wie stark die Meßwerte so vom Mittel abweichen). Dann wird der Bereich der Abweichungen als "Ergebnis" verkündet, z.B. als 20-40% oder 30+/-10%.


    Und Du hast natürlich recht:
    - es kann Jahre geben, wo die Biene nur 10% Erntesteigerung bringt.
    - es kann Jahre geben, wo die Biene aber evtl. 60% Erntesteigerung bringt.


    Damit es für den Landwirt (über längere Zeiträume) aber berechenbar bleibt, ist die Angabe 20-40% durchaus sinnvoll.


    Einen Zeitungsartikel mit "Totaler Ernteausfall beim Raps, da keine Bienen" ist eher unwahrscheinlich, denn:
    - Raps bestäubt sich zum Teil selbst, auch wenn die Qualität der Früchte nicht besonders gut ist.
    - Raps wird durch Wind bestäubt (gab es jemals ein Jahr, wo 5 Wochen lang - im Frühjahr - kein Wind geht ?)
    - es gibt natürlich "Fremdbestäuber" im Raps, die spielen aber - so weit ich weiß - eine untergeordnete Rolle. Dazu hat ein Rapsfeld einfach zu viele Blüten.


    Für einen Landwirt spielen 20% mehr Ertrag eine entscheidende Rolle.
    Rechenbeispiel: beackern,spritzen,düngen,ernten etc. verursachen Kosten in Höhe von 800 € / Fläche. Egal ob nun viele Früchte oder wenige am Raps hängen.
    Sagen wir, der Verkaufserlös liegt normalerweise bei 1000 € / Fläche (ohne Bienen). Gewinn = 200 €.
    Mit Bienen (20% mehr Ertrag) liegt der Verkaufserlös jetzt bei 1200 € (20% von 1000 € = 200 €). Gewinn also 400 €. Damit hat der Landwirt seinen Gewinn um 100% gesteigert, obwohl die Bienen nur für 20% mehr Rapsernte gesorgt haben.
    Jetzt staunt der Landwirt...


    Darum sollte jeder Landwirt mit Raps einen Imker in der Hinterhand haben !