Honig hart :-(

  • Hallo Forum,


    die letzten drei Jahre hatte ich wunderbar cremigen Honig, der mir von den Kunden quasi aus der Hand gerissen wurde.
    Vor ein paar Tagen die neue Ernte abgefüllt, muss ich nun feststellen, dass man sich das Messer abbrechen kann beim Brötchen schmieren. Uahhrr was ein Mist.
    Ich würde sagen, dass der Honig über Nacht fast ganz weiß und recht hart im Glas geworden ist.


    Ich bin der Überzeugung, dass eventuell viel mehr Obsteintrag als die letzten Jahre vorhanden war. Könnte das ein Grund sein? Normalerweise überwiegt der Rapsanteil bei meiner Frühtracht und die wurde bis dato immer suuuuupercremig.


    Soll ich meinen Kunden nun gleich einen Meisel mitverkaufen?? Ohh menno..


    Gruß Ralf

  • Hallo Antars,


    1.) Du hast nicht geschrieben, wie Du ihn von der Ernste bis zu Abfüllung behandelt hast.


    2.) Wenn Du ihn wenigstens ein bisschen gerührt hast dann lagere ihn kühl (Keller) - zum Winter hin kann er evtl. durch weitere Reife etwas streichfähiger werden...


    beim nächsten mal etwas längerer rühren !

    Meine Betriebsweise ist es keine Betriebsweise zu haben - jedes Jahr ist anders !

  • Ich bin der Überzeugung, dass eventuell viel mehr Obsteintrag als die letzten Jahre vorhanden war. Könnte das ein Grund sein? Normalerweise überwiegt der Rapsanteil bei meiner Frühtracht und die wurde bis dato immer suuuuupercremig.Gruß Ralf


    Moin , Moin aus Hamburg,
    ich denke , es war eher andersherum :wink: Wie von Weimaraner beschrieben solltest Du auf das sogenannte Weihnachtswunder warten :wink:
    Alternativ könntest Du den Honig auch den Honig nach Schleswig Holstein verkaufen. Der Holsteiner meißelt grundsätzlich seinen Honig. :wink: Frag mal den doc. Je weicher der Kerl um so härter der Honig :cool:


    Beste Grüße aus Hamburg ( da wo der Honig grundsätzlich flüssig ist :cool:) )

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Hallo Forum,


    Ich würde sagen, dass der Honig über Nacht fast ganz weiß und recht hart im Glas geworden ist.
    Soll ich meinen Kunden nun gleich einen Meisel mitverkaufen?? Ohh menno..


    Gruß Ralf


    Hallo Ralf , über Nacht ganz weiß hört sich nach Raps an .


    Im Hobbock fest werden lassen ,dann im Wärmeschrank bei 35 Grad 24 Stunden auftauen lassen . Rühren und dann
    abfüllen gibt bleibenden cremigen Honig .


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • N`Abend zusammen!


    Ich schließe mich meinen Vorschreibern an. Ich habe letztes Jahr meinen fast komplett reinen Rapshonig bei beginnender Kristallisation gerührt wie immer und auch wie den zeitgleich geernteten Raps-Obst-Honig. Ergebnis war von Beginn bis heute sehr cremiger Raps-Obst-Honig und ein nach wenigen Wochen steinharter Rapshonig.
    Nach nun ca. einem Jahr ist der Rapshonig wunderbar cremig und streichfähig und Raps-Obst fast ausverkauft ;).
    Wenn man also das Jahr Zeit hat weil man noch "alten" Honig auf Lager hat, dann ist das Problem keines, da nach ca. einem Jahr auch festgewordener Rapshonig (immer?) wieder cremig wird.
    Ansonsten ist erwärmen vermutlich die einzig sinnvolle Maßnahme.


    Gruß
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Hallo,


    vielen Dank erst mal für eure Hilfe.


    Also. Ich habe den Honig bearbeitet wie die Jahre zuvor auch schon.
    Schleudern, durchs Doppelsieb in den Hobbock. Dann nach ein bis zwei Tagen mit dem Auf und Ab jeden Hobbock ca. 3 Minuten, mit 40-60 Hüben bearbeitet. Als er dann nach ca. einer Woche bereits recht steif geworden war in Gläser abgefüllt.
    Der Wassergehalt schwankte zwischen 15-17% Letztes Jahr hatte ich im mittel ca.17,5%
    Dieses Jahr eher 15,5 16,0 im mittel. Der Honig sieht stumpf aus. Letztes Jahr hatte er eher eine glänzende Oberfläche.


    Ok. dann ist wohl doch wahrscheinlich der Rapsanteil höher.
    Bekommt man reinen Rapshonig mit der richtigen Behandlung denn in eine Nutellaartige Konsistenz?


    Weihnachtswunder? Klingt gut!:cool: Ich hab leider keinen Honig aus dem letzten Jahr mehr und meine Kunden fragen schon alle Nase lang wann ich denn nun endlich wieder Honig habe. Jetzt habe ich bedenken, dass die dieses jahr nicht zufrieden mit der gebotenen Qualität sein werden. Ausgerechnet jetzt, wo sich der Kundenstamm zu festigen beginnt.
    Denn Konkurenten habe ich hier genug. Alleine in der Firma in der ich arbeite gibt es sieben Imkerkollegen, die allesamt günstiger verkaufen als ich.


    Josef, einen Wärmeschrank habe ich noch gar nicht. Ich habe immer sofort die ganze Ernte abgefüllt. Es waren aber auch in der Vergangenheit erst drei Völker von denen Honig kam. Dieses Jahr 8, nächstes Jahr 16. (Ableger und Schwärme)


    Ansonsten war der oben beschriebene Ablauf doch Ok oder?


    Gruß Ralf

  • Moin


    ja, wer dieses Jahr den richtigen Zeitpunkt verpasst hat, den Rapshonig abzuernten, hat ziemlich harten Honig im Glas.
    Es nützt nichts, nur nach der jeweiligen Blüte zu gucken, sondern man muss auf das ganze achten. Bei uns hat es 8 Wochen nicht geregnet. - nur so als Hinweis.
    Da steht schon mal der Erntezeitpunkt mitten in der Rapsblüte an.
    Nächstes mal überlege den Raps zu ernten, wenn etwa 3 -5 cm oben verdeckelt sind.
    Wassergehalt messen oder bestimmen nicht vergessen.
    Solltest Du noch Raps mit höherem Wassergehalt haben: probier den mal dagegen.
    Der Honig mit höherer Wassergehalt entfaltet den Geschmack eher als der trockene.


    Probier mal ein wenig rum, aber jeder Honig hat seinen optimalen Wassergehalt, wo der Geschmack am besten zu Geltung kommt.
    - Nein und es ist nicht immer der niedrigste Wassergehalt, wo der Geschmack am besten zur Geltung kommt.


    2 Wassergehalte beim Raps hast Du ja schon mal ausprobiert.
    Jetzt sollte Du diese Erfahrungen für die Zukunft mitnehmen!


    Und nicht vergessen: immer einen Blick auf das Ganze werfen.
    Es kann auch ratsam sein, die Robinie mit in den Rapshonig laufen zu lassen, um die Konstistenz besser hin zu bekommen.


    Ja man bekommt reinen Rapshonig mit nutellaartiger Konsistenz hin, ohne Wärmeschrank und Auftauen - der Schleuderzeitpunkt ist erst einmal ausschlaggebend!


    Gruß
    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

  • Patricks Aussagen zum Wassergehalt der Frühtracht unterschreibe ich. Eine Ernte mitten in der Rapsblüte finde ich aber - zumindest für mich - nicht sinnvoll. Was ich hier schreibe, bezieht sich daher auf meine Situation und Erfahrung. Bei Dir mag das anders aussehen.


    Das Problem, das bei mir dann entstünde, wäre, daß die zweite, "späte" Frühtrachtschleuderung zu robinienlastig würde und damit die Struktur des Honigs nicht mehr optimal wäre, da sie durch den zu hohen Fructoseanteil vergröbern würde. Ich will meine Frühtracht ultrafein, weil das mit dem hiesigen Lagencharakter am besten harmoniert.


    Eine Schleuderung des zweiten Frühtrachtanteils vor der Robinie ist einerseits nicht sinnvoll, weil dann die Robinie die Textur der Sommertracht versaut (anders als die vor Glucose überbordende rapsige Frühtracht, die die Robinie locker mittragen kann, ohne texturell zu leiden, reagiert die Sommertracht empfindlicher auf zu viel Fructose und vergröbert, schlimmstenfalls bis hin zu einer grießigen Glasigkeit. Patrick hatte ja alternativ schon vorgeschlagen, die Robinie mit in die Frühtracht hineinzunehmen - damit mache ich hervorragende Erfahrungen). Zum anderen steigt die Gefahr eines zu hohen Wassergehaltes in der zweiten Frühtracht, da sie ja unbedingt vor der Robinie runter müßte, egal wie reif sie schon ist. Und da von vornherein auf weiter trockenes Wetter zu spekulieren, wäre mir zu riskant. Und außerdem wird das ganze dadurch erschwert, daß hier die Robinie inzwischen oft schon aufgeht, wenn die Rapstracht noch ergiebig ist.


    Das Geheimnis, auch einen rapsstarken Frühtrachthonig zu einer schönen, festen aber noch streichfähigen Viskosität zu bekommen, ist das Rühren. Du schreibst, Du hättest abgefüllt, als er

    Zitat

    bereits recht steif geworden war

    . Bei einem so glucosehaltigen und noch dazu übertrockenen Frühtrachthonig reicht das nicht. Meine Faustregel ist diese: Täglich rühren und Frühtracht erst abfüllen, wenn man die Panik im Nacken spürt, ob man den im Hobbock fest stehenden Honig da überhaupt noch 'rausbekommen kann. Ich habe alle Hobbocks mit einem Quetschhahn versehen. Irgendwann merkt man, daß der Zeitpunkt des Abfüllens naht, weil die Kristallisation rapide zunimmt - der Honig kippt regelrecht. Gegebenenfalls muß man zu diesem Zeitpunkt häufiger als einmal täglich rühren. Wenn der HOnig erstmals so im Hobbock steht, daß die Oberfläche stumpf wird und er beim Kippen des Kübels stehen bleibt und nicht fließt, gehe ich ein letztes mal extrem langsam (wegen des Risikos, Luft einzurühren) mit dem Aufundab durch und fülle dann sofort ab. Manchmal geht es dabei um ein paar Stunden früher oder später. Einen bereits so festen Honig abzufüllen ist ein Geduldsspiel. Aus dem Quetschhahn kriecht der Honig anfangs wie eine träge Schlange heraus. Manchmal habe ich bis nachts um drei davor gesessen. Aber das Ergebnis war es wert.


    Viel Erfolg!

  • Hallo Antars,
    Wärmeschrank für Anfänger: Alten nicht mehr gebrauchten Kühlschrank nehmen und den Stromsnschluss für das Kühlsystem abklemmen, direkt an den Anschluss für die Lampe anschließen - an den Stromanschluss für die Lampe Kabel anschließen - Thermostat anschließen - Fassung für eine Birne dran - 40 Watt Birne reinschrauben - wenn´s nicht klappt von einem strombegabten Freund helfen lassen - Honigeimer reinstellen -
    Tür zu - einen Tag warten - Honig gewärmt - fertig.
    Gruß Krause

  • Hallo Johannes


    Danke, das Du so ausführlich über das Rühren geschrieben hast.
    Ich hatte erst überlegt, nach meiner Ausführung mit dem Schleuderzeitpunkt auf das Rühren einzugehen, aber Dein Artikel beschreibt es besser als ich es vermocht hätte auszudrücken.
    Ich kann die Aussage von Johannes nur bestätigen, das das Rühren wie oben beschrieben ein weiterer elementarer Bestandteil auf dem Weg zum perfekten Honig ist.


    Nur so als Hinweis: richtig guter Honig wird auch von den Kunden als solcher wargenommen.
    Dann darf man auch mit Stolz einen angemessenen Preis für seine Spitzenware verlangen!


    Gruß
    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

  • Der Honig mit höherer Wassergehalt entfaltet den Geschmack eher als der trockene.


    Probier mal ein wenig rum, aber jeder Honig hat seinen optimalen Wassergehalt, wo der Geschmack am besten zu Geltung kommt.
    - Nein und es ist nicht immer der niedrigste Wassergehalt, wo der Geschmack am besten zur Geltung kommt.


     
    Ah ja..... Ist das so?
    Und stimmt dass denn für alle Tracht-Arten, dass je niedriger die Wasserdichte, je kleiner die Entfaltung des Geschmacks?


    Aber Du schreibst ja auch:

    ..., aber jeder Honig hat seinen optimalen Wassergehalt, wo der Geschmack am besten zu Geltung kommt.


    Kann das auch heissen dass es Trachten gibt die im Gegenteil gerade den niedrigeren Wassergehalt brauchen um den Geschmack zu entfalten?


    Eléonore

  • Hallo Johannes,



    Meine Faustregel ist diese: Täglich rühren und Frühtracht erst abfüllen, wenn man die Panik im Nacken spürt, ob man den im Hobbock fest stehenden Honig da überhaupt noch 'rausbekommen kann. .....Wenn der HOnig erstmals so im Hobbock steht, daß die Oberfläche stumpf wird und er beim Kippen des Kübels stehen bleibt und nicht fließt, gehe ich ein letztes mal extrem langsam (wegen des Risikos, Luft einzurühren) mit dem Aufundab durch und fülle dann sofort ab.


    Entstehen bei Dir da dann nicht doch Luftblasen zum Zeitpunkt des Abfüllens ins Glas?


    Ich meine wenn der schon so fest ist, entsteht dann da nicht das Problem dass die Luft die beim Abfüllen zum Honig kommt, nicht mehr entweichen kann zwischen den "Schichten" oder den "Kringeln" im Glas?


    Eléonore