Schwarmfang mit Hindernissen

  • Am Samstag 7. Mai konnte ich mich schon etwas an schwindelnde Höhen gewöhnen: Ein Bienenschwarm hing auf ca. 7 Meter Höhe an einem dicken, waagerechten Eichenast. Der Schwarm konnte mit langer Leiter und Rohr geholt werden und ist glücklich in seinem neuen Haus. Am Sonntag jedoch kam es richtig dicke: Ein kräftiger Schwarm in 10 -11 Meter Höhe! Sofort habe ich Lukas, meinen Freund und Imkerlehrer angerufen, der schon auf dem Weg zu mir war (er hat ein gutes Gefühl wann Schwärme fallen).
    Der Weg zu dem Baum ging durch ein Dickicht aus Rosen und Weißdorn…
    Als Basis diente eine 5 Meter Obstbaumleiter mit Stützen. Darauf haben wir eine 7 Meter Anlegeleiter gelehnt und beide mit Spanngurten fest verbunden. In ca. 6 Meter Höhe habe ich die längere Leiter an einen Eichenast gegurtet. Als Zubehör diente das Seifertsche Schwarmfangrohr (4m Länge). Also rein in den Schutzanzug, rauf auf die Leiter und oben im Rohrtrichter einen Pumpwassersprüher um den Schwarm zu befeuchten. Beim schwankenden Hantieren verklemmte sich der Rohrtrichter in einer Astgabel und beim Versuch ihn zu befreien hat sich der Trichter gelöst und ist mit dem Wassersprüher abgestürzt… und im Dornenbusch hängengeblieben…
    Nächster Schritt: Teleskop-Astschere (4m Länge) genommen und störende Äste entfernt. Wassersprüher wieder in den aufgesetzten Trichter, … und wieder ist er hängen geblieben und abgestürzt…
    Den Rohrtrichter habe ich nun mit mehreren Gummis am Rohr fixiert (das original Dichtungsgummi wäre ideal gewesen, aber lag nicht in der Nähe) und endlich konnte ich den Schwarm gut befeuchten.
    Als nächstes das Rohr ohne Sprühflasche und ab in dem Schwarm damit… Nur, das Problem war, dass die Bienen in einem dicht belaubten, eng verzweigten Ast hingen. Es lösten sich fast gar keine Bienen. Die wenigen im Rohr haben wir an der neuen Beute aufs Einlaufbrett gegeben und fanden darin leider keine Königin.
    Ein weiterer Anlauf schien unmöglich, denn aus diesem Ast kann ich mit dem Rohr keine Bienen “schütteln”. Also haben wir uns zu einem drastischen Schritt entschlossen: Mit der Teleskopschere den Ast mit dem Schwarm abschneiden! Dazu musste ich auf der Leiter noch höher klettern, richtig zielen und beidhändig die Schere bedienen, … sofort eine Hand von der Schere genommen und wieder an der Leister angefasst… und den ganzen Schwarm über uns abregnen lassen… Dann hieß es warten… im starken Brausen…
    Der neu entstehende Schwarm bildete etwas niedriger in “nur” ca. 9-10 Meter Höhe. Angenehmerweise nun jedoch an einem unbelaubten Ast. Also wieder rauf auf die Leiter, mit dem Rohr gezielt und ca. 1kg Bienen erwischt. Plötzlich durchfährt mich ein starker Schmerz… eine Bienen hat durch die Damenstrumpfhose und den dicken Lederhandschuh gestochen. Zügig zum neuen Standort gelaufen (ca. 100m) und ab aufs Einlaufbrett: keine Königin. Nun denn, zweiter Versuch.
    Dann endlich konnte ich eine große Menge Bienen erwischen und die Königin war dabei. Endlich ist der Schwarm in die neue Bienenwohnung eingezogen.


    Wer mein hiermit wäre die Geschichte zu Ende, der irrt.
    Ein paar Stunden nachdem (!) alle Bienen in der Beute waren ist der Schwarm wieder ausgezogen. Angenehmerweise hat er sich in nur 4 Meter Höhe in einer Felsenbirne gesammelt. Umgehend habe ich sie mit einem Schwarmfang-Siebkasten gefangen:



    Nun konnte damit die Königin finden und mit einem Clip fangen. So konnte ich die Bienen “lehrbuchmäßig” in die Beute einlaufen lassen: Am Flugloch die Königin im Käfig, ein paar Bienen dazu geben und dann die Königin freilassen, sie läuft in den Hohlraum, die Bienen hinterher, Stück für Stück, mit einer Suppenkelle weitere Bienen … langsam … dazu geben, ein Strom an einziehenden Bienen entsteht… Alles perfekt gelaufen. Bienen drin, die Nacht kann kommen.



    Durchs Warre-Kontrollfenster habe ich eine wunderbare Bienentraube in der Kiste sehen können - alles super.
    Am nächsten Morgen flogen sich die ersten Bienen ein, der Standort schien ihnen zu gefallen. … Doch dann um 12 Uhr fliegt der Schwarm plötzlich wieder raus und hängt sich in äußerst angenehmer Arbeitshöhe von nur noch 1,5 Meter in eine Thuja.
    Also wieder ran an die flotten Bienen und ab in den Siebkasten. Kurze Zeit später bildet sich eine erneute, kleine Bienentraube am Thuja-Ast. Hatte ich die Königin nicht erwischt? Also zweite Ladung gefangen mit Metalltrichter und Multibox. Dann konnte ich beobachten welche der beiden Kisten mehr herumfliegende Bienen anlockt. Offensichtlich war die Königin im Siebkasten.
    Also Bienen gesiebt und nach der Königin gesucht: … na da ist sie ja … her mit dem Clip und klapp, gefangen, … denkste, kurz vor dem Schließen des Clip düst die Dame raus und fliegt davon. sie dreht noch ein paar Ehrenrunden und weg ist sie.
    Nun denn, die Bienen werden sie finden: Siebkasten ausgeschüttelt und Multibox geöffnet. Und warten …
    Und dann passiert was ich nicht ahnte: Die Bienen sammeln sich in (!) der geöffneten Multibox. Da war die Dame doch tatsächlich in die geöffnete Kiste hinein geflogen anstatt dass die Bienen rausgeflogen sind.
    Also ab mit dem Schwarm nochmals in den Siebkasten und Pause. Kiste in den Schatten und Durchschnaufen.
    Schnell zum Baumarkt und ein paar Bretter besorgt um das Einlaufbrett umzubauen. Der Übergang Brett zu Beute mit Bettlaken hat mir nicht gut gefallen.
    Während dem Sägen und Schrauben hebt sich der Schwarm plötzlich ab und fliegt hoch in der Luft! Doch er fliegt nicht weg, denn die Königin kann nicht aus der Kiste. Ich zügle meine Neugier und schaue nicht in den Siebkasten. Die Bienen fliegen wieder zurück. Puh, die Königin ist wirklich in der Kiste!
    Also schnell das Einlaufbrett fertig gebaut und einen ganz neuen Standort mitten im Wald gebaut. Das Einlaufbrett befestigt und es kann los gehen:



    Beim Öffnen des Siebkastens haben wir die Königin gefunden, beim zweiten Versuch auch mit dem Clip erwischt und in einen Ausfresskäfig mit Futterteig gesteckt. Ab in die Kiste und Schwarm hinterher … und alles gut.
    Morgens noch mal geschaut. Alles sieht gut aus. Ich dachte, die Bienen sind nun glücklich. Oberste Zarge war komplett voll mit geketteten Bienen, 2. Zarge zu einem Viertel!


    Doch am Mittag ist der Schwarm wieder ausgezogen und in schwindelerregender Höhe (ca. 30-40 Meter) über den hohen Eichen davon gezogen. Den Ausfresskäfig haben sie sehr schnell geleert und sind dann los. Immerhin wurden in den wenigen Stunden mehrere Waben gebaut. Kurze zeit später kam ich auf die Idee, dass der sehr große Schwarm vielleicht eine 3. Zarge vertragen hätte. Außerdem hätte ich zwischen unterster Zarge und den zwei oberen Zargen ein Absperrgitter legen können um den Schwarm zu zwingen in der Beute zu bleiben.


    Vorgestern hörte ich von einer Nachbarin (500 m Entfernung), dass in einem Gebäude in ihrer Nähe ein Bienenschwarm eingezogen ist. Die Beobachtung von ihr und einem weiteren Nachbarn legen nahe, dass es genau dieser Schwarm gewesen ist. Nur komme ich hier nicht dran. Ich müsste ein Eternitdach öffnen, dann Dachpappe entfernen, ein Holzdach wegsägen und irgendwo in der Unterkonstruktion könnte ich nach den Bienen suchen... Nee, da lass ich sie lieber wo sie sind und beobachte ihr Treiben ab und zu. Vielleicht überstehen sie den Winter und beschenken mich nächstes Jahr mit einem Schwarm.


    Gestern hat sich einer weiterer Schwarm in luftiger Höhe gesammelt. Jetzt waren es ca. 12 Meter... Ich konnte nur zusehen und warten. Heute vormittag ist er dann auf große Reise geflogen anstatt sich mir in erreichbarer Höhe zu zeigen.


    Es ist eine gewisse Herausforderung Warre-Schwarm-Imkerei zu betreiben bei 30-40 Meter hohen Eichen als Grundstücksumgebung...


    Neben all den Herausforderungen sind jedoch schon drei Schwärme erfolgreich in ihren neuen Behausungen untergebracht worden und bauen Waben, tragen Tracht usw.
    Diese drei Schwärme hatten keine Kellerhaft, keinen Ausfresskäfig etc. sie waren sofort zufrieden mit meinem Angebot. Mal sehen wie es weitergeht. Ich erahne für Morgen den nächsten Schwarm...


    Grüße
    Konstantin

  • entschlossen: Mit der Teleskopschere den Ast mit dem Schwarm abschneiden! Dazu musste ich auf der Leiter noch höher klettern, richtig zielen und beidhändig die Schere bedienen, … sofort eine Hand von der Schere genommen und wieder an der Leister angefasst… und den ganzen Schwarm über uns abregnen lassen…


    Spätestens da hätte für mich der Schwarmfang ein Ende :lol: (ich glaube schon eher nämlich ab 5m Höhe).
    Die Leitergeschichte hätte ich gern mal gesehen.
    Ansonsten sind mir dieses Jahr sehr viele Berichte von wieder ausgezogenen Schwärmen zu Ohren gekommen. Das wundert mich.
    Olli

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Ich habe heute auch einen "aufgegeben". Er hängt ca. 7 Meter hoch in einer stark verästelten Eiche. Ich habe eine Kiste neben den Baum gestellt und hoffe mal, dass die Spurbienen das auch bemerken. Ansonsten isser halt weg. Schade, insbesondere deswegen weil er wegen der Varroa so wahrscheinlich ohnehin keine Chance hat und b dann vielleicht sogar zur "Varroaschleuder" wird...
    Von meinen 12 Völkern haben mindestens vier schon geschwärmt. Diese "Quote" hatte ich auch noch nie!

  • Hallo Konstantin,
    also 10-11m ist mir zu hoch. Und Leitern zusammenbinden, na ja. Mein Schutzengel hat auch so schon genug zu tun! Und wenn die Bienen definitiv nicht bleiben wollen, dann lass ich sie ziehen. Spätestens beim zweiten Mal einfangen ist da Schluss. Wenn sie es besser wissen - sollen sie gehen ;-). (Ganz bestimmt wissen es die Bienen besser als ich!) VG Brigitta

  • Hallo Kollegen,


    ich weiss nicht, was ihr für Bienen habt.
    Wir haben hier im Saarland die neue Rasse, die sich durch ausgeprägte Höhenangst auszeichnet.
    http://de.fotoalbum.eu/Imker/a610137
    Der Imker auf dem Foto bin nicht ich, ich musste die Arbeit leider delegieren, da 50km von mir entfernt.
    Hardy
    Vielleicht kommen Dir die Terrassenstühle oder gar die Bienen bekannt vor?:cool::lol:

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hardy Vielleicht kommen Dir die Terrassenstühle oder gar die Bienen bekannt vor?:cool::lol:


    Hi Michael,


    nicht nur die Terassenstühle, auch der Imker.


    Der war auch in der "Bildzeitung"... :daumen:


    Waren aber nicht meine Bienen. :-D

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • ....
    Diese drei Schwärme hatten keine Kellerhaft, keinen Ausfresskäfig etc. sie waren sofort zufrieden mit meinem Angebot. Mal sehen wie es weitergeht. Ich erahne für Morgen den nächsten Schwarm...


    Grüße
    Konstantin[/QUOTE]
     
    Ja, das wird's wohl gewesen sein. Wobei man den Ausfresskäfig weglassen kann - wozu soll der gut sein? Zufrieden waren die Bienen aber bestimmt nicht, sonst wären sie ja nicht weitergezogen.


    Ich hatte dieses Jahr bisher nur einen Schwarm - 14 m hoch in einer Kiefer. Wir haben versucht, ihn durch runterschütteln mittels Seil zu fangen - 4 Versuche erfolglos. Dann hab ich aufgegeben.
    Die Bienen sammelten sich über Nacht an einem kleinen Zweig, der durch das Gewicht letztlich abriss und alles lag am Boden. Kiste drüber und alles zog friedlich ein.
    Manchmal muss man auch Glück haben.
    Grüße ralf_2

  • Kompliment für Dein Einlaufbrett. Das hat was. Perfektionist?


    Aber solche Klettertouren, nö Du. Nenn Schwarm bekommste wieder mal. Einen neuen Halswirbel eher nicht.

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Hallo Konstantin,


    interessante Story, aber Leben und Gesundheit nur für einen Schwarm???
    Das steht in keiner Relation.


    Ich weiß, wovon ich rede. Ich lag schon mal unter einem Baum.
    Nee, kein Schwarm - Äste schneiden!
    Um Daniels Fragen vorzubeugen: Nee, es war nicht der, auf dem ich saß...


    Hat mich nur 6 Wochen Krankenhaus gekostet und eine geknackte Wirbelsäule, die mich heute, nach 20 Jahren, immer noch an meinen Leichtsinn erinnert.


    @ all: Laßt den Blödsinn!

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Um Daniels Fragen vorzubeugen: Nee, es war nicht der, auf dem ich saß...


    .........:liebe002: Spielverderber:wink:


    Halsbrecherische Grüße
    Daniel

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Kompliment für Dein Einlaufbrett. Das hat was. Perfektionist?


    Aber solche Klettertouren, nö Du. Nenn Schwarm bekommste wieder mal. Einen neuen Halswirbel eher nicht.


     
    Hallo,


    ist doch kein Wunder das die nicht da geblöieben sind. waren ja nichmal Gardienen an der Eingangstür. Und keine Pfeil oder Fussabtreter auf dem Einlaufberett.....:lol::lol:

    wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten, da hab ich noch genug von... Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt....

  • Schwarmfang mit Hindernissen - damit kann ich auch dienen. :daumen:


    Zur Abwechslung gab es mal einen Schwarm in einem Schornstein. :Biene:


    Schwärme in Schornsteinen


    An einen Schornstein, der von innen sehr rußig und nach oben hin geöffnet ist, würde ich nicht als Erstes denken, wenn ich an eine Bienenwohnung denke. Zwar ist die Höhlung lang, schmal und senkrecht orientiert - doch da sie nach oben hin offen ist und der Regen dort eindringen kann, sowie der gesamte Schornstein schwarz von gesottenem Rauch ist, scheint so ein Schornstein kein geeigneter Platz zu sein, in dem Bienen ihre Waben bauen.


    Nun ist es vor allem in England, dem Land der Schornsteine und Kamine, ein bekanntes Phänomen, daß die Bienen in diese einziehen. Oft ist es so, daß in solchen Kaminen Vögel brüten, hier vor allem Dohlen. Diese lassen Äste in den Schornstein fallen, oder klemmen diese Äste ein, um darauf ein Vogelnest zu bauen. Dieses Nest bietet den Bienen unterhalb des Nestes die Gelegenheit, ihre Waben anzubauen. Die Äste funktionieren also wie Oberträger.


    So war es auch bei mir in einem Fall am vergangenem Wochenende. Dohlen hatten ein Nest gebaut - kurze Zeit später zog ein starker Bienenschwarm in den Schornstein - mit mächtigem Getöse!


    Der Schornstein gehörte zu einem mehrstöckigen Haus, der Schornstein war entsprechend etwa 20 Meter hoch.


    Zunächst habe ich mir mehrere Leitern organisiert, wobei die meisten Leitern nicht an die Dachrinne reichten. Auf der Dachrinne angekommen, schaute ich mir den Weg bis zum Schornstein an. Da waren zwar zwei Haken zur Befestigung von Dachleitern, doch ich hatte keine zur Verfügung. Die Leiter, die ich probeweise dort einhing, kam mir nicht sicher genug vor. Zudem war die Dachschräge sehr steil. Ich arbeite öfters auf dem Dach und kann daher einschätzen, was nicht so sicher und was in Ordnung ist. Das hier war in jedem Fall zu unsicher, weswegen ich die Leiteraktion abgebrochen habe.


    Stattdessen habe ich mir den Schlüssel zum Haus organisiert und habe mich der Sache über den Dachboden genähert. Auf dem Speicher war eine Revisionstüre, durch diese bekam ich von unten einen Zugang zum Schornstein. Leider war das Stück Schornstein über der Revisionstüre circa 5 Meter, so daß ich keinen direkten Zugang zum Schwarm hatte. Da der Schwarm jedoch gerade erst eingezogen war und somit keine Waben drin sein sollten, rechnete ich mir aus, daß die Bienen mit Rauch aus dem Schornstein getrieben werden könnten.


    Also habe ich den Smoker angezündet und ordentlich Rauch durch die Revisionstüre gegeben. Der Rauch stieg ordnungsgemäß nach oben und erreichte wohl die Bienen, die in der Folge aufbrausten und mit den Flügeln schlugen. Durch den Wind, den sie machten, drückten sie den Rauch postwendend zurück nach unten - und mit einem großen Schwall kam der Rauch aus der Revisionstüre heraus. :lol:


    Ich habe dann eine Smoker-Ladung vergeblich in den Schornstein geraucht, auch ein Zuhalten der Revisionstüre brachte nichts. Ein draußen platzierter Beobachter meldete, daß der Rauch oben am Schornstein noch nicht mal erschienen ist. Die Bienen drückten den Rauch einfach zurück. Zwar kamen einzelne Gruppen oben am Schornstein raus, sie verschwanden aber sofort wieder im Kamin, sobald der Rauch nachließ.


    So ging es jedenfalls nicht.


    Also mittels Kabeltrommeln Strom auf den Speicher verlegt und dann habe ich mit einem haushaltsüblichen Föhn zum Haareföhnen den Rauch nach oben gejagt. Den Föhn habe ich in das Rauchrohr gehalten und dann ordentlich mit dem Smoker den Rauch hinterhergeschickt. Das hat geholfen! Entweder mochten die Bienen das Geräusch des Föhns nicht oder der Rauch kam wirklich verstärkt an - zumindest erschien er jetzt auch außen am Schornstein.


    Wie ein Geschoss kamen die Bienen jetzt aus dem Schornstein, mein Posten außen meldete, daß der Schwarm in der Luft sei. Ich habe den Kopf durch ein Fenster gesteckt - der Schwarm lag in der Luft, mit den typischen weit ausschweifenden Bewegungen eines Schwarms, der eine Richtung sucht. Und siehe da! Auf etwa 1,50 Meter Höhe bildete sich ein Knubbel in einer Buchenhecke. Auf ihn mit Gebrüll. Also durch den Speicher, die Treppe herunter und nach draußen gehechtet. Mit meiner Schwarmfangbox schritt ich mit einem siegessicheren Lächeln auf den Knubbel zu - nur um mit einem verdutzten Gesichtsausdruck zusehen zu müssen, wie der Knubbel sich auflöste und sich in die Luft erhob. Zu spät!


    An einem benachbarten Walnußbaum setzte sich der Schwarm dann hin - auf etwa 4 Meter Höhe an einem dickeren Ast. Ich habe dann mit einem Wasserschlauch einen Sprühregen simuliert und der Schwarm knubbelte sich etwas fester. Dann die Leiter ran und nach oben. Mit der Säge bewaffnet, sägte ich mich der Königin hinterher, die sich zusammen mit "dem Knubbel" sehr geschickt von Ast zu Ast schwingte. Irgendwann saß der Schwarm noch ein paar Meter höher und ich mußte einsehen, daß nachdem der Baum einen unförmigen Sommerschnitt verpaßt bekommen hatte, ich mir eine andere Taktik ausdenken sollte.


    Nun gut! Ich habe für solche Fälle das Seifertsche Schwarmfangrohr parat liegen - nur aufgrund meiner Baustelle zuhause, habe ich das kurze Stück und den Aufsatz vor kurzem in das Haus verbaut - ich hatte also nur noch zwei lange Stücke. Die habe ich nun trotzdem geholt und auf der Leiter stehend habe ich mit Hilfe eines langen Rohres die dicksten Trauben eingesaugt. Schwurr-di-burr, sausten sie nach unten. Vorsichtig in die Schwarmfangkiste und anscheinend hatte ich die Königin erwischt, denn sofort begannen die Bienen mit dem Einzug in die Kiste.


    Einige Anmerkungen zu Kaminen und Schwärmen:


    Die Idee mit der Revisionstüre auf dem Speicher ist grundsätzlich gut. Man sollte sich aber eine Art Brett bauen, und dieses in den Schornstein schieben. Denn erstens fallen einzelne Bienen und Bienenklumpen nach unten. Und zweitens kann auch Werkzeug in den Schornstein fallen. Eine Art Zwischenboden ist da ein guter Tipp.


    Die Bienen mit Rauch herauszujagen, ist nur gut möglich, wenn noch keine Waben angelegt sind und die Bienen gerade erst eingezogen sind. Sie sind dann noch mobil.


    Es ist möglich, daß bereits Waben von einem Schwarm von vorherigen Jahren angelegt wurden und der Schwarm diese Waben neu besiedelt. Die Bienen werden dann fester sitzen und nicht so leicht herauszubekommen sein.


    Wenn sich die Revisionstüre direkt unter dem Schwarm befindet, kannst Du mit dem Staubsauger die Bienen von den Waben absaugen und wenn die Waben möglichst bienenfrei sind, diese nach und nach herausschneiden/brechen. Ansonsten bleibt nur noch die Möglichkeit, sich eine Art Reuse zu bauen. Im Englischen wird das Verfahren "trap-out" genannt.


    Viele Grüße
    Bernhard