Warré nach Bernhard

  • Nun hab ich die deutsche Übersetzung des Emile Warré gelesen und die Kurzanleitung von Bernhard Heuvel.
    Letzteres liest sich einfacher und weniger komplex, mit noch weniger Eingriffen, als Warré selbst beschreibt.
    Vom Gefühle her gefällt mir die Betriebsweise von Bernhard sehr gut, widerspricht natürlich deutlich dem, was mir die meisten Imker bisher empfohlen haben.
    Insbesondere, was die Krankheiten betrifft stehen sich die unterschiedlichen Betriebsweisen sehr entgegen.
    Die Theorie und die Beobachtungen von Bernhard leuchten mir sehr ein und passen auch gut in mein eigenes Weltbild hinein.


    Wie ist das aber mit der Praxis? Wie gut funktioniert das Konzept abseits der Literatur?

  • Ob sich die Praxis streng an die Theorie hält, wird vor allem durch die Ausgestaltung und dem Fingerspitzengefühl des jeweiligen Imkers bestimmt. In einem anderen Thread wurde zu Dadant gesagt, daß diese Beute so oder so betrieben werden kann. Das gilt auch für die Warré. Du kannst also auch hier viele Eingriffe vornehmen, so wie es Emile Warré ja auch ursprünglich beschreibt und damit sehr intensiv imkern. Oder Du beschränkst die Eingriffe auf absolute Notwendigkeiten.


    Wobei jeder Imker andere Notwendigkeiten sieht. Der Eine will/muß Schwärme unbedingt verhindern - also wird er beginnen zu manipulieren. Der Andere arbeitet mit Schwärmen und muß weniger manipulieren, aber mehr beobachten.


    Was die Krankheiten betrifft, so sind die Bienen den gleichen Krankheiten ausgesetzt, wie andere Bienen in anderen Kästen auch. Nicht mehr und nicht weniger.


    Mein Ansatz ist, die Entstehung von Krankheiten möglichst im Vorfeld zu vermeiden (Vorsorgeprinzip) anstatt hinterher die Krankheiten zu bekämpfen. Ich stelle mir also zunächst die Frage: Was kann ich lassen oder unternehmen, um die Gesundheit der Bienen zu stärken? (Das Gegenteil dieser Frage: Wie kann ich die Krankheiten bekämpfen?)


    Meines Erachtens gehört es zur Vorsorge, daß Brutnest möglichst nicht auseinander zu reißen und somit Temperaturschwankungen im Brutnestbereich zu vermeiden. Außerdem bin ich überzeugt, daß Stabilbau durch das Wachsschwitzen, aber auch durch die Geschlossenheit der Wabengassen, seine Vorteile für die Bienen hat. Die geschlossenen Wabengassen ergeben sich durch die oben und seitlich angebauten Waben. Die Bienen können mit wenig Bienenmasse unten die Wabengasse schließen.


    Der Wärmeerhalt spielt eine Rolle bei diesen Überlegungen - aber auch der Erhalt der Stockluft. So ein Bienenstock ist meines Erachtens eine Art Reinraum, worin die Bienen nützliche Mikroben kultivieren. An die 6.000 Mikrobenarten wurden bei Honigbienen schon gefunden. Wird dieser Reinraum geöffnet, und die durch Propolis sterilisierende Luft entweicht, ist es kein Reinraum mehr. Mit der Anzahl der Öffnungen steigt die Möglichkeit, daß die mikrobielle Verunreinigung und/oder der Verlust der schützenden Stockluft, eine Krankheit verursacht.


    Deswegen ist es mein Ansatz, die Anzahl der Manipulationen vor allem im Brutbereich zu minimieren. Natürlich wird dieser Ansatz von manchen (von mir am Anfang auch) dahingehend gesteigert, daß keine Eingriffe mehr gemacht werden - doch das ist wiederum übertrieben. Denn die sich stellenden Notwendigkeiten sollten beachtet werden - auch zum Vorteil der Bienen.


    Diese Überlegungen sind aber weniger an die Beute Warré geknüpft, sondern können prinzipiell in jeder Beute gelebt werden. Wobei Stabilbaubeuten durch die eingeschränkte Manipulationsmöglichkeiten sich dafür gut eignen. Interessant ist die Warré durch die Magazine, die einige Probleme anderer Stabilbaubeuten auflöst. (Erweiterung, Ablegerbildung, Ernte etc.)


    Siehe auch: http://www.immenfreunde.de/forum ..für weitere Praxisberichte.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Da war der Bernhard wieder schneller mit der Ausführung von Nestduftwärmebindung und den Möglichkeiten der erweiterung und Ablegerbildung...
    Das Konzept lässt sich sicher auf jede Beute übertragenund es gibt sicher nicht wenige Magazinimker, die mit Naturbau imkern.


    LG
    Andreas