Kooperation mit Landwirten - so ja wohl nicht

  • Heute hatte ich ein Gespräch mit einem Landwirt, der gerade den Raps spritzte.
    Er war sehr freundlich und aufgeschlossen und gerade dabei in der Mittagssonne Biscaya/Cantus als Tankmischung auszubringen.Soweit - sogut (schlecht), beides B4,Einstufung als Tankmischung ist mir nicht bekannt.
    Ich klärte ihn auf, daß die gute fachliche Praxis ja gerade nicht zur Anwendung käme, daß sie gute Gründe hat und diese Mittel im Verdacht stehen die Bienen zu schädigen.
    Er war bestürzt darüber und hat es mir nicht übel genommen.
    Dann kam aber der Hammer : 2 mir namentlich bekannte Berufsimker hätten ebenfalls Stände an seinen Feldern, und er würde schon immer alles mit denen absprechen und sich Rat suchen. Die sagen aber ,alles kein Problem. Ein Stand ist sogar IM Rapsfeld (stimmt, ich kenn diesen Stand). -Spritz mal, das macht denen nichts aus _
    Ein dritter großer Imker ( kenn ich auch) hätte sich in der Vergangenheit genauso geäußert!
    JA - GEHTS DENN NOCH ?
    Er nahm es ernst, was ich ihm erzält habe und sagte , wenn ich der Meinung sei, er müßte sofort aufhören, würde er es tun.
    Wir blickten zusammen über das ca 50-60 ha große Feld,wo nur noch eine Spur fehlte.
    Wir einigten uns darauf,daß er die jetzt wohl auch noch fahren könnte, damits fertig ist,
    weil jetzt ists wohl eh egal.
    In zukunft will er sehen, daß er diese Arbeiten nach dem Bienenflug macht .(schlimm genug)
    Wir tauschten Telefonnummern aus ,
    Und diplomatische Freundlichkeiten...
    Danach hab ich erstmal meine Tränken kontrolliet,ob noch genug Wasser da ist,damit nicht morgenfrüh so viel am Tau geschlürft werden muss.
    Immer noch geschockt über Kollegen , Kalle

  • ......ja, wer gut versichert ist :wink: 
    Sind das den Wirtschaftsvölker die die Kollegen da hingestellt haben ? Wie hoch ist die Bestäubungsprämie ?
    Ich kenne Imker die 3 Wabenableger als Wirtschaftsvölker für eine gute Prämie in die Obstblüte stellen.


    Grüße aus dem Norden
    Daniel

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Jou, ganz normale Wirtschaftsvölker und Jungvölkeraufbau!
    In der Regel wird hier auch tatsächlich was gezahlt für die Stellplätze,wenn der Imker auf den Bauern zugeht,allerdings nicht an den Imker...

  • Das ist mir auch am Wochenende aufgefallen. Überall wo ich an Rapsfeldern vorbei kam waren die bauern mitten am Tag beim Spritzen. Ich habe meine Völker dieses Jahr erstmal noch nicht im Raps aufgestellt. Ich muss mir erst noch für nächstes Jahr einen vertrauenserweckenden Landwirt suchen, der bereit ist, auf die Bienen Rücksicht zu nehmen.


    Freundliche Grüße
    Friedrich

  • Hallo Miteinander,
    das sind nicht unbedingt die Landwirte selber, die da spritzen.
    Meist sind es Lohnunternehmer.
    Und Lohn wird mehr, wenn zu ungünstigen Zeiten gearbeitet werden soll.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Das was wir Imker wollen ist für den Pflanzenschutz schädlich. Wir wollen, daß spät abends oder früh gespritzt wird. Taulage ist aber für die Spritzung ungünstig. Wir Imker lassen uns immer wieder verscheißern. Die Pflanzenschützer wollen überhupt nicht nachts spritzen. Da geht es weniger um Geld als um Wirkung und Logistik. Der Lohnunternehmer will in einem Rutsch alle Kunden einer Gemarkung abspritzen und nicht erst an- und abfahren und umrüsten. Deshalb nimmt auf Abdrift auch keiner Rücksicht. Ich hab mal mit so Pflanzenschützern diskutiert und die sagen mir ganz klipp und klar, daß sie nicht mal wissen wo an den Flächen Bienen stehen und daß die spritzen, wenn die Pflanze trocken ist und die Brühe optimal aufnehmen kann.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Das was wir Imker wollen ist für den Pflanzenschutz schädlich. ...


    Äh ich will, dass gar nicht gespritzt wird und über Gentechnik basierte Züchtungen (also nicht durch Einbringen von Erbgut sondern durch Analyse des Erbgutes auf potentielle nachzuchtwürdige Pflanzen) die Pflanzen selbstständig hauptsächlich resistent werden und sowas wie Grüne Revolution möchte ich ausgetilgt sehen. Technik und Fortschritt ja aber bitte nicht mit der Holzhammermethode bloß weil es schneller und einfach geht ... und hinten raus die Umwelt verschmutzt.
    Ein Wunschtraum der früher oder später Realität wird.
    Olli

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Äh ich will, dass gar nicht gespritzt wird ...


    Wenn wir aufhören gespritztes zu kaufen, hören sie auf zu spritzen.

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Das ist leider so nicht richtig!


    Trotz wachsenden Bewußtseins zum Thema "Spritzmittel" wird in der Energiepflanzengewinnung (= keine Lebensmittelgewinnung) gespritzt was das Zeug hält. Das tanken wir dann. Und da fragt doch keiner, wie der Bio-Diesel-Raps behandelt wurde.


    Redet mal mit Landwirten - also mit solchen, die vom Felde leben müssen. Die haben überhaupt keinen Grund ernsthaft mit Imkern zu sprechen, außer es gibt Geld oder es kostet welches.


    Was glaubt Ihr eigentlich macht der Bauer mit den Säcken vom gebeizten Saatgut nachdem er die in die Drille entleert hat. Fachgerecht entsorgen ist da: auf'm Haufen am Feldrand verbrennen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • So einfach ist es tatsächlich nicht!


    Denn Verbraucher und Landwirte leben ja nicht alleine auf der Welt, sondern sind vielmehr in ein System eingeflochten. So wie wir selbst. Wir können auch nicht tun und lassen, was wir wollen.


    Vorweg - ich mache Landwirten keinen großen Vorwurf. Die großen Vorwürfe mache ich der Politik und den Herstellern.


    Die Landwirte fahren heute mit dem Laptop auf das Feld. Auf dem Laptop läuft Software - und richtig: diese Software wird von Pflanzenschutzmittelherstellern bereitgestellt. Zum Beispiel von BASF. Und was die Software alles kann! Die Felder werden dort eingegeben. Dann werden Vorwarnungen und Warnungen ausgesprochen, welches Ungeziefer gerade im Anmarsch ist und die Ernte bedroht. Dann werden die Mengen an Pflanzenschutzmitteln pro Feld mitsamt Katasterdaten in dieser Software gesammelt, als Nachweis für die Behörden.


    Unterstützt wird das Ganze von den Landwirtschaftsämtern und deren Beratern.


    Das Ganze ist ein Rundum-Sorglos-Paket. Ein System, daß den folgsamen Landwirt den erhofften Erfolg verspricht und in der Vergangenheit auch größtenteils lieferte!


    Und nun soll der Landwirt auf dieses System verzichten? Selbst mit alternativen Pflanzenschutzmitteln rumprobieren? Oder gar darauf verzichten? Und damit seinen wirtschaftlichen Erfolg und damit das Überleben aufs Spiel setzen? Warum ändern, wenn es für den Landwirt funktioniert?


    Ähnlich ist es ja bei den Imkern: Sie folgen den Empfehlungen der Institute bezüglich der Varroabehandlung mehr oder weniger aufs Wort. Nur 'ne schicke Software des Varroazidherstellers haben wir noch nicht. Für eine schicke Software ist der Markt anscheinend zu klein.


    Es handelt sich nicht um Einzelpersonen oder Firmen. Es handelt sich um ein großes Ganzes, mit einer gewaltigen Eigendynamik. Für Einzelpersonen ist eine Umkehr oder Verhaltensänderung kaum möglich!


    Das gilt für Landwirte, für Unternehmen, einzelne Personen bei Behörden und dem einzelnen Verbraucher. Versucht es doch mal als Verbraucher, wirklich konsequent zu leben.


    Damit möchte ich nichts und niemanden entschuldigen. Aber es erklärt, warum trotz teilweiser Einsicht, heute immer noch keine landesweite Änderung der Verhältnisse in Sicht ist. Daß eine Korrektur kommen wird, ist unumgänglich und eine logische Folge aller Entwicklungen. Dieses Fehlverhalten auf Kosten des Naturhaushaltes und der menschlichen Gesundheit wird - so oder so - korrigiert.


    Eben dann, wenn der kritische Anteil am gesamten System erreicht ist. Dann kann relativ schnell eine Kehrtwende erfolgen.


    Bis dahin regieren aber Softwareprogramme auf Laptops das Geschehen. Hoffen wir nur, daß die folgende Korrektur nicht zu hart für die Allgemeinheit ausfällt. :roll:


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Zitat

    Versucht es doch mal als Verbraucher, wirklich konsequent zu leben.


    ich denke, genau das ist gemeint, wenn molle schreibt:

    Zitat

    Wenn wir aufhören gespritztes zu kaufen, hören sie auf zu spritzen.


    Auch wenn es fast nichts Gespritztes mehr gibt, denn auch Bio wird gespritzt, man kann es dennoch versuchen und mal nach weniger gespritzten deutschen Äpfeln mit einem Schorffleck greifen und nicht die wie aus dem Ei gepellten chilenischen Äppel kaufen. Erdbeeren, Himbeeren etc. zu Weihnachten muß auch nicht sein...
    Wenn jeder sein Konsumverhalten nur "für nen Pfifferling" ändert, dann könnten wir schon vieles erreichen.
    Jeder der einen Garten hat, kann sich in den Frühjahrs- und Sommermonaten mit Gemüse selbst versorgen und für den Winter vorsorgen. (Schwarzwurzel, Rosenkohl, Chicoré, Kartoffeln etc.) Natürlich muß man dann auf den 5mm getrimmten Rasen verzichten. Ohne Garten gut, aber die Kräuterecke aufm Balkon ist auch ein Anfang. Wer den Unterschied erstmal schmeckt, wird bald mehr haben wollen...
    Aber solange im Fernsehen gezeigt wird, das die heutige Jugend nicht weiß wie ein Kohlrabi aussieht und viele schon nicht mehr kochen können, na denn gute Nacht.


    Beste Grüße
    Hartmut

  • Wenn wir aufhören gespritztes zu kaufen, hören sie auf zu spritzen.


    Wenn ich nicht hungern will muss ich Kompromisse eingehen zumal ich bezweifle, das ich als Verbraucher es in der Hand habe. Das hätte ich nur wenn ich die restliche Bevölkerung irgendwie von meinen Ansichten überzeugen könnte was illusorisch ist.


    PS: und ob meine Ansichten richtig sind weiß ich auch nicht ... wäre also doof meine ungeprüften Ansichten zu übernehmen :)

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
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    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"


  •  
    Genau so sieht es aus - leider.

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"