Trogbeuten: Nenninger T120 und Trogbeute für Herold-Magazin

  • Wer hat praktische Erfahrungen mit beiden genannten Trogbeuten gemacht?
    Sie können im Trog mit 21 DN-Waben bewirtschaftet werden, darüber kommt der Honigraum. Für Tipps wäre ich sehr dankbar!


    Mit imkerlichem Gruß aus der Eifel:Biene:
    Adescalt

  • In meinen ersten zwei Bienenjahren hatte ich die T120 (ob es eine Nenninger war :confused:) - jedenfalls DNM mit Honigaufsatz. Diese Zeit mit Erfahrung gleichzusetzen, wäre übertrieben.


    Ganz so dumm finde ich diese Trogbeuten jedoch nicht. Das Folgende habe ich für mich mitgenommen:


    1. Wenn Du die Trogbeuten in einem Bienenhaus betreibst und die T120 Seite an Seite stellst, mußt Du die Beute von hinten bearbeiten. Das ist schlecht für den Rücken, wenn Du mehr als 5 Beuten hintereinander bearbeitest. Außerdem sind die Bienen schnell auf 200 Puls, denn sie merken, wenn Du am Nachbarkasten hantierst.


    2. Die Bienen überwintern in der Nähe des Flugloches. Der hintere untere Teil wird mit einem Schied abgesperrt. Der obere Honigraum wird geleert, alle Rähmchen und das Absperrgitter raus. Von meinem Paten habe ich folgenden Trick gezeigt bekommen: Er hat ein dickes Stück Schaumstoff (5 cm Dicke) genommen, das etwas breiter als die Honigzarge zugeschnitten war. Das Kissen wurde nun so eingesetzt, das über dem Wintersitz ein halbkugelförmiger Hohlraum entstand. Also mit einer Seite einsetzen, die Mitte festhalten und die anderen Seiten reindrücken. Das hatte den Vorteil, daß sich darunter die Wintertraube sammeln und die Waben oberhalb übersprungen werden können. Eine warme Haube. Der Imker imkerte seit ~1960 mit der T120 (so alt waren auch die Beuten...).


    3. Die Erweiterung im Frühjahr ist der Knackpunkt. Erweitert wird nach hinten und nach oben, wobei die erste Erweiterung nach oben hin erfolgt. Dazu wird das Absperrgitter eingesetzt und einige Brutwaben nach oben gesetzt. Ohne das Umsetzen von Brutwaben oder ausgebaute mit Zuckerwasser besprühten Waben wird es in der T120 schwierig, die Bienen nach oben zu bekommen - sie kommen in den Kästen schnell in Schwarmstimmung.


    4. Varroazählen ist aufgrund der festen Böden schwierig bis unmöglich. Ich habe einige T120 mit einem hohen Boden gehabt, in denen man eine Klappe und eine Windel verwenden könnte.


    5. Fütterung erfolgte mit Futtereimern und Siebdeckel - eine etwas haarige Angelegenheit mit hoher Gefahr der Räuberei.


    6. Varroabehandlung mit dem Nassenheider Verdunster im leeren Honigraum => suboptimal, da der hintere Teil der Beute so kaum erreicht wird. (Allerdings ist da auch selten Brut, mehr Jungbienen mit anhaftenden Varroen.)



    Wenn ich heute mit der T120 imkern würde, würde ich folgende Änderungen an dem System machen.


    a. Ich würde die Beuten paralell zur Bienenhauswand stellen.
    b. Ich würde zwei (!) Fluglöcher an den Seiten der T120 anbringen, ein Flugloch links, ein weiteres rechts.
    c. Flachzargen als Honigräume.


    Die T120 parallel zur Bienenhauswand zu stellen hat den Vorteil, daß Du dich nicht über die gesamte Beute beugen musst, um auch an die vorderste Waben zu kommen. Des Weiteren ist nicht sofort das gesamte Bienenhaus in Alarmstimmung, wenn Du an den Nachbarbeuten arbeitest.


    Du erhältst Du so in Verbindung mit den seitlichen Fluglöchern auch den Kaltbau, also die Waben stehen mit der Stirn zum Flugloch. Das mag in der Tracht ganz nützlich sein - siehe entsprechende Diskussionen hier im Forum.


    Die zwei Fluglöcher haben einen weiteren guten Vorteil. Und zwar kannst Du bei aufkommender Schwarmstimmung mit einem Trennschied innerhalb der Beute einen/zwei Ableger bilden. Einfach links und rechts des Schieds Brutwaben geben, fertig. Später kannst Du eine leere Beute mit dem Ableger besiedeln oder das Volk rückvereinigen - unter Erhalt der jungen und bis dahin begatteten Königin.


    Die Flachzargen werden vermutlich besser angenommen und können zur Überwinterung anstatt der Schaumstoffhaube verwendet werden. Außerdem ist das Heben der Flachzarge einfacher, so daß zargenweise geerntet werden kann. Eventuell lässt sich das auch mit Naturbau verknüpfen.


    Ich würde mir des Weiteren eine Futterzarge bauen, anstatt die Eimer zu verwenden. Mein Imkerpate kam auch aus der schönen Eifel.


    Freundliche Grüße
    Bernhard

  • Hallo !


    Wie ja einige wissen, betreiben wir seit anbeginn unserer Imkertage,
    u.a. bis zu 12 Trogbeuten in 3 Freiständern (immer zu viert).
    Dabei handelt es sich um 19 Waben DNM natürlich im Warmbau.


    Also unsere Trogbeuten wurden erdacht von einem Ewald Erdmann, sie fand in diesem Typ in ganz Mittelhessen in den 1960-70er Jahren weite Verbreitung, kommerziell gebaut wurde dieser Typ über 25 Jahre bei der Schreinerei Henk in Marburg/Lahn.
    Auch das damals in Marburg ansässige Bieneninstitut (heute in Kirchhain) verwendete diese Beuten für viele Einsatzzwecke (insb. bei der Königinnenzucht und im stationären Betrieb (keine Wanderungen).


    Um nicht doppelt zu Denken, kommentiere ich Bernhards Aussagen einfach mal:



    In meinen ersten zwei Bienenjahren hatte ich die T120 (ob es eine Nenninger war :confused:) - jedenfalls DNM mit Honigaufsatz. Diese Zeit mit Erfahrung gleichzusetzen, wäre übertrieben.


    Ganz so dumm finde ich diese Trogbeuten jedoch nicht. Das Folgende habe ich für mich mitgenommen:


    1. Wenn Du die Trogbeuten in einem Bienenhaus betreibst und die T120 Seite an Seite stellst, mußt Du die Beute von hinten bearbeiten. Das ist schlecht für den Rücken, wenn Du mehr als 5 Beuten hintereinander bearbeitest. Außerdem sind die Bienen schnell auf 200 Puls, denn sie merken, wenn Du am Nachbarkasten hantierst.


    Ja, optimal ist das für den Rücken wirklich nicht, es kommt aber auch immer darauf an wie man sich bückt und auf welcher höhe die Beuten stehen. Das die Bienen sich gegenseitig mehr beeinflussen (200 Puls), als bei vier Magazinen auf einem Ständer im Freien, konnte ich noch nicht beobachten.




    2. Die Bienen überwintern in der Nähe des Flugloches. Der hintere untere Teil wird mit einem Schied abgesperrt. Der obere Honigraum wird geleert, alle Rähmchen und das Absperrgitter raus. Von meinem Paten habe ich folgenden Trick gezeigt bekommen: Er hat ein dickes Stück Schaumstoff (5 cm Dicke) genommen, das etwas breiter als die Honigzarge zugeschnitten war. Das Kissen wurde nun so eingesetzt, das über dem Wintersitz ein halbkugelförmiger Hohlraum entstand. Also mit einer Seite einsetzen, die Mitte festhalten und die anderen Seiten reindrücken. Das hatte den Vorteil, daß sich darunter die Wintertraube sammeln und die Waben oberhalb übersprungen werden können. Eine warme Haube. Der Imker imkerte seit ~1960 mit der T120 (so alt waren auch die Beuten...).


    Diese spezielle Betriebsweise haben wir noch nicht als notwenig angesehen (und auch noch nie von gehört), wir reduzieren im Winter auch mit einem Schied von hinten den Brutraum (Überwinterung normalerweise auf 12-14 Waben DNM). Im Winter ist die Folie unten (sonst schwitz es in der Beute und es entsteht Schimmel).




    3. Die Erweiterung im Frühjahr ist der Knackpunkt. Erweitert wird nach hinten und nach oben, wobei die erste Erweiterung nach oben hin erfolgt. Dazu wird das Absperrgitter eingesetzt und einige Brutwaben nach oben gesetzt. Ohne das Umsetzen von Brutwaben oder ausgebaute mit Zuckerwasser besprühten Waben wird es in der T120 schwierig, die Bienen nach oben zu bekommen - sie kommen in den Kästen schnell in Schwarmstimmung.


    Zeitig im Frühjahr wird bei uns nach hinten erweitert, auf ca. 16-18Waben.
    Zum selben Zeitpunkt an dem bei uns die Magazine Ihren ersten HR bekommen, so bekommen auch die Trogbeuten Ihren HR. Ausgebaute Waben sofort mit ASG, MW nach 4-6 Tagen das ASG - genau wie Magazine).
    Bei Tracht sind die Bienen sofort oben im HR, wenn schon richtig Tracht ist während man die HR ausfsetzt verhonigen sie den BR .. auch wie im Magazin.




    4. Varroazählen ist aufgrund der festen Böden schwierig bis unmöglich. Ich habe einige T120 mit einem hohen Boden gehabt, in denen man eine Klappe und eine Windel verwenden könnte.


    Wir haben da spezielle Schieber und verwenden darunter den Apidea Plattenverdunster ...




    5. Fütterung erfolgte mit Futtereimern und Siebdeckel - eine etwas haarige Angelegenheit mit hoher Gefahr der Räuberei.


    Hier nehmen wie die Apiinvert Futtereimer, das klappt Prima - wo solle es da eine hohe Gefahr für Räuberei geben ???
    Wäre über eine Aufklärung dankbar, denn wir hatten diesbezüglich noch keine Räuberei.




    6. Varroabehandlung mit dem Nassenheider Verdunster im leeren Honigraum => suboptimal, da der hintere Teil der Beute so kaum erreicht wird. (Allerdings ist da auch selten Brut, mehr Jungbienen mit anhaftenden Varroen.)


    siehe 4.




    Hatten wir oben schon, Thema Rücken, selbst kann ich trotz Wiederholung keine erhöhte Alarmbereitschaft bei den Nachbarvölkern erkennen. Einen solchen Umbau sehe ich nicht als Zweckmäßig an.




    Du erhältst Du so in Verbindung mit den seitlichen Fluglöchern auch den Kaltbau, also die Waben stehen mit der Stirn zum Flugloch. Das mag in der Tracht ganz nützlich sein - siehe entsprechende Diskussionen hier im Forum.


    Ich habe nach keine Vorteile beim Kaltbau feststellen können, auch unsere DNM Magazine werden im Warmbau betrieben, der Trachterfolg in den Trogbeuten ist bei uns mind. so hoch wie bei den Imkern in unserer Umgebung.




    Die zwei Fluglöcher haben einen weiteren guten Vorteil. Und zwar kannst Du bei aufkommender Schwarmstimmung mit einem Trennschied innerhalb der Beute einen/zwei Ableger bilden. Einfach links und rechts des Schieds Brutwaben geben, fertig. Später kannst Du eine leere Beute mit dem Ableger besiedeln oder das Volk rückvereinigen - unter Erhalt der jungen und bis dahin begatteten Königin.


    Ja, okay - kann man machen, muß man aber nicht ... es gibt auch andere Lösungen, gute Lösungen die nicht so eine bastelei bedürfen (nicht das ich auch ständig basteln würde - z.B. gerade Bienenflucht für die Trogbeuten).
    Ansonsten erinnert mich das irgendwie an Bremer / Golz ...




    Die Flachzargen werden vermutlich besser angenommen und können zur Überwinterung anstatt der Schaumstoffhaube verwendet werden. Außerdem ist das Heben der Flachzarge einfacher, so daß zargenweise geerntet werden kann. Eventuell lässt sich das auch mit Naturbau verknüpfen.


    Flachzargen sind ein gute Sache, das kann eine gute Sache sein, haben wir bei unseren Magazinen auch ...
    ... Nein ! Stop, kein Flachzargen (0,66), sondern Halbzargen (0,5) haben wir .




    Ich würde mir des Weiteren eine Futterzarge bauen, anstatt die Eimer zu verwenden. Mein Imkerpate kam auch aus der schönen Eifel.


    Freundliche Grüße
    Bernhard


    Ja, wir haben auch Futterzargen damals miterworben (zum Glück nur 6 Stück), fütterung mittels Eimer ist für uns praktischer unjd ich habe nicht das ganze Jahr eine Unnütze Futterzarge darumstehen.




    Ein Tipp um sich mit der Betriebsweise der Trogbeute auseinaderzusetzen:
    lies das Buch:


    Einfacher imkern mit Trogbeuten von Vinzenz Weber
    Gute Arbeitshinweise, Volkbeurteilung ohne HR stapeln, leichte Königinnenzucht u.s.w.


    Gruß
    der Bienen
    Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Liebe Imkerkollegen,
    an dieser Stelle schon mal ganz herzlichen Dank für eure detaillierten Ausführungen.
    Das Buch von Weber habe ich bestellt und bin schon gespannt, was er schreibt.
    Erfordern die Tröge besondere Wetterschutzmaßnahmen (Dach, Ummantelung) oder gibt es wie bei Magazinen Metallabdeckungen für oben drauf?
    Freundlichen Gruß
    Adescalt

  • Das Buch scheint vergriffen zu sein, würde es gerne lesen - falls es jemand schon auswendig kennt oder anderweitig nicht mehr braucht würde ich es gerne mal ausleihen oder kaufen,


    Mich würden auch die Wetterschutzmaßnahmen interessieren da ich diese auch im Freien aufstellen möchte,


    Grüße aus Werder

  • Warum sollte das in Zander denn nicht gehen?
    Musst Du nur die Maße anpassen.


    À propos Maße - mich würden die Länge des Originals, die Wandstärken und der ursprüngliche Deckelaufbau interessieren. Gibt es vielleicht sogar einen Bauplan?



    LG André

    Der wahre Meister tut nichts, doch er lässt nichts ungetan. (Laotse)

  • Hallo,


    warum nimmst Du dir nicht ein Zanderähmchen un ein Metermaß und misst? Dann kannst Du dir ein Blatt nehmen und aufeichen. Das ist das einfachste.


    lg
    Axel

  • Es macht immer wieder Spaß, in eine T120 reinzuschauen. Ganz ohne Verstärken und viele Tricksereien sind die Völker in den T120 proppevoll mit Bienen und Brut. 14 Waben Brut! (Die Beuten stehen in Bienenhäusern. Und ja: Decken. :wink:) Alle Beuten haben bereits zwei Honigaufsätze DNM 1/1 Höhe und die sind in den letzten Tagen schon gut angetragen worden!



    Wenn in der nächsten Woche die verdeckelte Brut schlüpft, geht die Kiste hoch.


    Für Frühtrachtgebiete ist die T120 unschlagbar. Das zeigt sich insbesondere in diesem so merkwürdig verlaufenen Frühjahr.