• Moin
    Es ist vollbracht.
    Auf dem Weg nach Köln wurde die Imkerdemo im WDR angekündigt.
    Imker waren etwa 40-50 anwesend
    Geasamtdemonstranten etwa 500
    Großimkermaulheld M war leider nicht dabei.
    Viel Qualm, Getrommel und Getröte.
    Fotografen,Presse, Rundfunk und Fernsehen war genug angereist.
    WDR 3 brachte es bereits um 13 und 16 Uhr.
    Am Besten hat mir dabei das Getrommel gefallen.
    Jedes Mal wenn ein Shuttlebus ankam wurde es richtig laut.
    Wir standen so günstig, daß die Aktionäre längs an uns vorbei mussten.
    Klasse Spießrutenlaufen, gesenkte oder abgewandte Blicke, echt geil.
    Avaaz hatten auch eine gute Aktion, siehe link.
    Christoph hatte wieder ein Bienenvolk mit, das auch für den WDR geöffnet wurde.
    Bernhard bekam von Christoph ein Rederecht zugeteilt.
    So können Christoph und Bernhard jeder eine Rede halten.
    Ich denke, sie werden hier darüber berichten.
    Wann sie dazu kämen, war noch nicht klar.
    Um 11 uhr waren die Aktionäre alle drin, Presse weg, so verdrückten wir uns auch.
    Dank und Rudi und Billy und log. auch an Berhard für ihren Einsatz, denn es immer gut, wenn der Ein oder Andere aus diesem Forum an derartigen Aktionen teilnimmt
    Aber immerhin , mit meinem Patenkind und Monika waren es doch 10% vom harten Kern.
    http://galerie.immenwiese.de/main.php?g2_itemId=7912
    Wir lassen uns nicht unterkriegen
    Hoffentlich wird auch in den Zeitungen darüber berichtet(wenn ja, bitte hier einstellen.)
    Gruß
    Helmut

  • Die Rede von Christoph Koch war im ersten Block und relativ früh. Walter Haefeker sprach am Nachmittag. Meine Rede war etwa um 17:30 Uhr - obwohl ich mich zeitgleich mit Walter angemeldet habe. Meine Rede war die drittletzte der Verantaltung. Die Leute von Avaaz.org und die Coordination gegen Bayergefahren haben ebenfalls das Bienensterben durch Neonicotinoide thematisiert.


    Ehrlich gesagt war ich schockiert und bin immer noch erschüttert. Bei den Bienenthemen bin ich ja mittlerweile das Leugnen gewohnt. Auf der Veranstaltung waren jedoch auch viele Menschen, die durch Medikamente und andere Produkte geschädigt wurden. Unter anderem waren viele junge Frauen im Alter zwischen 21 und 25 Jahren anwesend, die durch die Antibabypille von der Firma Bayer eine Lungemembolie bekamen. Die Rednerin der Gruppe war aufgrund der Embolie für mehrere Minuten klinisch tot - durch Herzversagen. Sie konnte wiederbelebt werden. Andere Frauen nicht. Sichtlich bewegt, erzählte sie, daß die jungen Frauen keine Kinder mehr bekommen könnten und ihr Leben fremdbestimmt durch Ärzte und Medikamenten ist.


    Aus England reisten Menschen an, die Verkrüppelungen und Behinderungen durch Bayerprodukte davontrugen. Sie hatten den Mut, ihre geschädigten Arme und Beine zu zeigen. Und viele viele weitere Geschädigte meldeten sich zu Wort. Sie forderten, daß die Fima Bayer endlich mit Ihnen redet - es geht nicht nur um Schadensersatz, sondern auch um Gewissheit. Bayer hält die Akten unter Verschluss.


    Mir standen bei diesen Berichten über das Leid dieser Menschen die Tränen in den Augen.


    All diesen jungen Menschen, deren Leben zerstört ist und deren körperliche Unversehrtheit durch Bayer verletzt wurde - all diesen jungen Menschen sagt so ein Konzernchef ins Gesicht, daß es Einzelfälle sind, Unfälle! Das wissenschaftliche Studien belegen, daß kein Zusammenhang zu den Bayerprodukte bestünde!


    Alles wurde vom Vorstand geleugnet und jegliche Verantwortung abgewiesen!


    Ich weiss nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt, aber wenn Menschen von Angesicht zu Angesicht von ihrem Leiden erzählen und das einfach weggewischt wird - ich habe das als unmenschlich empfunden. Als kaltherzig. Ich konnte es menschlich nicht nachvollziehen und das schockt mich.


    Egal welches Bayerprodukt Schäden verursacht, bei allen Geschädigten werden die gleichen Argumente genutzt. Das Meiste wird totgeschwiegen, ignoriert, der Rest mit kaltherzigen Sprüchen weggewischt. Die gleichen Sprüche, wie bei den Bienen und den Neonicotinoiden!


    Für kein Geld der Welt würde ich einem Menschen gegenübertreten, dessen körperliche Unversehrtheit durch meine Produkte verletzt wurde und ihm erklären, er würde sich das nur einbilden! Persönliches Pech!


    Mir fehlen die Worte, wirklich.


    Wenn ich das heute Erlebte verdaut habe, werde ich meine Rede einstellen. Ich habe versucht konstruktiv zu bleiben, was mir bei wechselnden Gefühlen von Hass, Wut, Entsetzen, Ohnmacht und Mitgefühl wirklich schwer fiel.


    Eins noch - bis 2012 sollen sechs weitere Wirkstoffe für Pflanzenschutzmittel zugelassen und auf dem Markt gebracht werden. Der Umsatz und damit die Menge soll gesteigert werden.


    Das Nilpferd und sein Kroko haben eine Schicht übernommen und kräftig auf das Ölfaß gekloppt. Mit dem Krach wurde das wirklich ein Spießrutenlauf für die Aktionäre.


    Viele Grüße
    Bernhard

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von BernhardHeuvel ()

  • Hallo Bernhard,
    danke für den Bericht und deinen Einsatz.
    Es ist immer wieder der gleiche Ablauf. Großkonzerne können sich gegen solche Anschuldigungen wehren, auch wenn sie im Unrecht sind.
    Wenn ich lese was da vor sich ging, wüsste ich nicht ob ich da überhaupt noch reden könnte.
    Die Sensibilität für unsere Mitmenschen und die Natur ist wohl ein wesentlicher Unterschied zu den Bayer Funktionären.
    Ich könnte vor schlechten Träumen nicht mehr schlafen, wenn ich für solche Schäden verantwortlich wäre.
    Wie abgestupft muss man sein, um die Produkte auch noch als positiv dar zu stellen.


    Traurige Grüsse


    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Moin, moin,


    ja, Bayer gehört zu den IG Farben-Nachfolgern und ist ihnen daher jede Unmenschlichkeit zuzutrauen. Dass sie das dann auch noch so krass bestätigen: Es ist schwer auszuhalten.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Ja liebe Leut der Bernhard hat es voll auf den Punkt gebracht.


    Ich bin ja nun schon das dritte mal dort bei BAYER gewesen. Mich hat es im ersten Jahr auch schwer gebeutelt. Diese Wechselbad der Gefühle, dann dieser riesige Saal diese vielen Menschen alles Aktienbesitzer und allen scheint es mehr oder weniger piep egal zu sein was da drausen mit unseren Bienen passiert. Seit dem Bienensterben bei uns denke ich immer wieder darüber nach, wie die Insider, die ja genau wissen was da passiert Jahr für Jahr, ja wie die eigentlich noch ruhig schlafen können. Das bewegt mich und ich muss sagen dieses mal ist es mir deutlich wohler geworden. Unsere Aktion hat genau dies erreicht, dass es Aktonnäre gab die nach denken. Ich bin im Bistro von einigen angesprochen worden, nach meiner Rede. Und ich muss sagen, dass es in einem so großen Konzern durchaus Menschen gibt die mit dem wie die Konzernleitung mit dem Bienensterben umgeht nicht (mehr) einverstanden sind. Weil man dieses Problem ja nicht mit einem einzigen markanten Satz rüber bringen kann, ist das Thema leider vielen nicht so sehr im Detail bekannt und damit auch schwer zu verstehen.


    Daher hat alles um dieses Thema irgend wann auch seinen Erfolg. Es wird aber noch eine weile dauern, bis da mal einige insider auspacken werden. Daher müssen wir auch immer wieder so was oder ähnliches machen und vor allem nicht müde werden und aufhören die Probleme zu benennen.


    Ich will mich hier an dieser Stelle bei allen die uns im Vorfeld unterstützt haben und allen die mit gemacht haben und gekommen sind ganz ganz arg bedanken auch im Namen des DBIB.


    Es gibt Stimmen, die so eine Aktion nicht gut heißen. Das weiß ich, dass wir mit unter bei gewissen Aktionären kein gutes Image als Imker haben, wenn wir am Eingang dies Leute anmotzen und mit Radau empfangen.


    Aber bei einigen Leuten hat unsere Aktion zum Nachfragen und Nachdenken durch aus etwas erreicht. Es gab viele kleine Gespräche am Rande und dort habe nicht nur ich fest gestellt, dass es viele Dinge gibt, die selbst bei den gut informierten BAYER Leuten nicht so bekannt sind und es große Wissenslücken gibt. Allein für diese Gespräche hat sich unsere Aktion 1000 mal gelohnt.


    Dafür Danke ich euch allen


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Bericht zur Demonstration der Imker im Rahmen der Hauptversammlung der Aktionäre der BAYER AG, sowie zum Verlauf der Hauptversammlung
    Köln, den 29.4.2011
    Bernhard Heuvel


    Ankunft
    Bereits beim Eintreffen vor den Messehallen der Köln-Messe fielen die mit hellem Imkerschleier und -anzug gekleideten Menschen auf, die fleißig beim Aufbau waren. Daneben hoben sich die dunkel gekleideten Leute des Sicherheitsdienstes ab, die im Vergleich zu ähnlichen Veranstaltungen in auffällig hoher Anzahl vertreten waren.
    Vor dem Eingang der Köln-Messe ist ein U-förmiger Busbahnhof gelegen. Die Fassade der Kölnmesse ist hochmodern mit einer hohen Glasfront verkleidet. Die Glasfassade wurde mit dem BAYER-Schriftzug versehen und vor dem Gebäude die BAYER-Flaggen gehisst. Die Imker positionierten sich gegenüber des Einganges zur Hauptversammlung. Die Shuttle-Busse hielten rechts der Imker, die Aktionäre und Besucher der Hauptversammlung liefen an der Glasfront etwa 50 Meter bis zum Eingang. Die Glasfront war mit Absperrungen abgestellt, so daß die Aktionäre wie in einer Art Schlauch eingezwängt vor den Imkern liefen.
    Die Imker hatten ein großes DIB-Honigglas aufgebaut, Transparente an den Fahnenmasten angebracht, sowie Holzschilder zum Hochhalten vorbereitet.Schilder zum Umhängen gab es ebenfalls. Mehrere Bienenvölker wurden aufgestellt, wobei vor einem Bienenvolk ein weißes Laken ausgebreitet wurde, auf dem ein ganzer Eimer toter Bienen ausgeschüttet wurde. Das Transparent zeigte dazu: BAYER – Gift für Bienen! Die Veranstaltung wurde vom Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund DBIB ausgerufen, dessen Vorstand in Person von Manfred Hederer und Christoph Koch vor Ort vertreten war. Ebenfalls vertreten war der Präsident des Europäischen Erwerbsimkerbundes (EPBA ) Walter Haefeker.



    Verlauf der Demonstration
    Von 8 Uhr bis etwa 10:30 Uhr reisten die Aktionäre und Besucher der Hauptversammlung hauptsächlich mit den zur Verfügung gestellten Shuttle-Bussen an. Die Busse hielten rechts der Demonstranten und wurden beim Aussteigen von der Organisation AVAAZ mit einem in deutscher und englischer Sprache verfassten Banner begrüßt. Insgesamt 1,2 Millionen Menschen weltweit haben für das Verbot der Neonicotinoide und dem Stopp des Bienensterbens gestimmt – das stand auf dem Plakat. Vor dem Plakat haben sich als Bienen verkleidete Aktivisten auf dem Boden gelegt und tote Bienen dargestellt.



    Die Imker haben sich in Imkerkleidung dazugestellt und damit die Forderung unterstrichen.
    Die Aktionäre liefen dann durch einzelne Imker hindurch, die sich mit einem Rauchgerät entlang der Fassade stellten.
    Die restlichen Imker positionierten sich gegenüber der Fassade am Busbahnhof. Die Imker verliehen mit drei leeren Ölfässern als Trommeln mächtig Gehör – mit lautem Wummern, das zudem von der Fassade zurückgeworfen wurde, gestaltete sich der Gang zum Eingang (etwa 50 Meter) als richtiger Spießrutenlauf. Die Trommeln wurden durch Trillerpfeifen und Trompeten unterstützt – ein Ignorieren und Vorbeischleichen war kaum möglich. Daher blieben viele Aktionäre stehen und studierten die Forderungen auf den Bannern.
    Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich – von aufmerksamen Interesse, von auf den Boden blicken bis hin zu bösartigen und starren Blicken war jede Reaktion vertreten.
    Die Absperrungen waren massiv mit Sicherheitsleuten abgestellt. Sicherheitsleute haben sich auch innerhalb des Gebäudes an den Fenstern platziert, und beobachteten die Demonstranten mit größter Aufmerksamkeit.
    Das Publikum entsprach vom Altersdurchschnitt her dem Altersdurchschnitt der Imker in Deutschland, also ein älteres Publikum. Die wenigsten trugen Anzüge, einige kamen sogar in Sandalen, so daß ich mich zum Teil dem Eindruck einer Kaffeefahrt nicht erwehren konnte.
    Mit einigen der Besucher kamen wir ins Gespräch – auch hier waren die Fragen sehr unterschiedlich. Von „wir sollten uns schämen“, „ich wurde durch BAYER-Medikamente gerettet“ bis zu interessierten und aufrichtigen Nachfragen unseres Anliegens.
    Im Takt von etwa fünf Minuten kamen Busse, die die etwa 3.500 Aktionäre und Besucher zur Versammlung brachten. Jeder Bus wurde mit einem Donnern der Trommeln begrüßt.
    Den Pressevertretern in Form von Fotografen, Kameraleuten, Radio- und Zeitungsreportern erklärten die Vertreter des DBIB die Hintergründe zu Neonicotinoiden, Saatgutbeizung und dem Bienensterben.


    Parallele Demonstrationen
    Die PETA demonstrierte gegen die in den Labors der Firma BAYER durchgeführten Tierversuche, wobei vor allem die unnötige Anwendung von Grausamkeiten gegenüber des Tieres im Fokus stand. Aktivisten haben entsprechende Videos in den Laboren gedreht, die auf der Homepage der Organisation zu sehen sind. Des Weiteren verwies PETA auf die heute zur Verfügung stehenden Alternativen zu Tierversuchen, die zudem aussagekräftiger sind und Risiken besser darstellen.


    Die Organisation AVAAZ.org unterstützte die Imker durch ihre Darstellung toter Bienen und der Unterschriftensammlung von 1,2 Millionen Stimmen, die später BAYER-Vertretern überreicht wurde.


    Die Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter (SDG) demonstrierte gegen die Wirkungen der drospirenonhaltigen Pillen Yasmin, Yasminelle, Yaz, Aida und Petibelle des Herstellers Bayer- Schering. Diese verursachen neuen Studien zufolge ein bis zu doppelt so hohes Embolie- und Thromboserisiko im Vergleich zu älteren Präparate. Nach Angaben der US-Aufsichtsbehörde Food and Drug Administration starben allein in den USA 190 Frauen nach Einnahme von Yasmin oder Yaz. In Deutschland erlitten mindestens zwölf junge Frauen tödliche Embolien. http://www.risiko-pille.de


    Die Gruppe der Duogynon-Opfer werfen der Firma BAYER vor, Unterlagen zur Aufklärung zurückzuhalten, die aufklären, ob der hormonelle Schwangerschaftstest Duogynon bei Föten Missbildungen hervorruft.


    Robin Blood ist eine Selbsthilfegruppe der in den 70er- und 80er-Jahren Gruppe von Blutern (4.500 Menschen), die durch verunreinigte Blutpräparate mit Hepatitis-C Viren infiziert wurden.


    Die Initiative Stopp-Bayer-CO-Pipeline kämpft gegen den Bau der CO-Pipeline in Dormagen und Umgebung, die für alle Einwohner ein nichtkalkulierbares Risiko darstellt.


    Die Organisation Coordination gegen Bayergefahren unterstützte alle Demonstranten bei ihren Anliegen. http://cbgnetwork.com



    Hauptversammlung
    Zur Hauptversammlung der BAYER AG ist jeder zugelassen, der Aktionär der BAYER AG ist, wobei die Anzahl der gehaltenen Aktien keine Rolle spielt. Bereits mit einer einzigen Aktie ist der Status des Aktionärs erfüllt und der Zutritt wird gewährt. Dieser Umstand ermöglichte es den Abgeordneten aller protestierenden Organisationen, an der Versammlung teilzunehmen.


    Von Seiten der Imker nahmen etwa fünf Leute an der Versammlung teil. Drei dieser Imker haben die Möglichkeit einer Wortmeldung wahrgenommen: Christoph Koch als Vertreter des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes (DBIB), Walter Haefeker als Vertreter des Europäischen Erwerbsimkerbundes (). und meine Person für mich selbst als „einfacher Imker“.


    Der Zugang wurde in der Vergangenheit nicht mit Imkerkleidung gewährt, weswegen wir uns umzogen und mit Hemd und Kragen ging es in die Absperrung und zum Spießrutenlauf. Die Sicherheitsleute waren etwas verwirrt, als wir an Ihnen vorbeiliefen und schwankten, ob Sie uns aufhalten sollten oder nicht. Sie haben sich augenscheinlich unsere Gesichter eingeprägt. Doch wir hatten Zugangskarten und wurden durchgelassen. Einige der Imker jedoch haben uns nicht erkannt und riefen uns zu: BAYER vergiftet Bienen! So haben wir am eigenen Leib erfahren, wie sich der Spießrutenlauf zum Eingang der Hauptsammlung anfühlte.


    Ich drückte die Eingangstür auf und betrat den riesigen Vorraum der Messehallen. Sobald die Tür sich schloss, umfasste einem die wohltuende Stille und wohltemperierte Umgebung. Rechts in etwa dreißig Meter Entfernung ein Informationstresen mit zwei Empfangsdamen. Links ging es zum Zugangsbereich. Die Messehallen haben die Größe und gefühlte Atmosphäre eines Großflughafens. Um zu den Hallen zu gelangen, mussten wir durch einen Metallscanner hindurchgehen und die am Körper getragenen Metallgegenstände zusammen mit Rucksack und Handtasche auf ein Band des Scanners stellen. Nach dem Durchschreiten des Scanners wurden wir durch das Sicherheitspersonal mit einem Handscanner abermals abgescannt. Wie in einem Flughafen gab es ein Dutzend Eingänge und Röntgengeräte.


    Über Lautsprecher wurde gerade die Rede von Dr. Dekkers, dem Vorstandsvorsitzenden der BAYER AG übertragen. Die Stimme hallte omnipräsent aus allen Ecken, denn überall waren Lautsprecher aufgestellt.


    Wir holten uns an einem Terminal die Stimmkarten ab (inklusive Werbegeschenke) und um mehrere Ecken und Hallen, gelangten wir zum „Aktionärsbistro“. Das war eine Messehalle, die an zwei Seiten der Halle mit mehreren Bistroständen augestattet war. Dort konnte man sich kostenlos mit Getränken (Wasser, Cola, etc.) und kleinen Happen (Brezel, Laugenbrötchen) versorgen – das Angebot wurde fleißig angenommen und der Raum war gut gefüllt, obwohl gerade die Rede des Vorsitzenden gehalten wurde.


    Überall waren Sicherheitsleute – an den Eingängen, an den Ausgängen, an den Ecken des Flures – überall. Das war schon sehr auffällig. Ich war schon auf vielen Großveranstaltungen und habe noch nie so ein Sicherheitsbedürfnis erlebt. Auch in Flughäfen habe ich noch nie so viele Sicherheitsleute gesehen – mich hat das sehr nachdenklich gestimmt und ich habe mich gefragt, warum eine Firma sich so sehr Sorgen um die eigene Sicherheit machen muss.


    Die Hauptversammlung hatte schon begonnen. Die als Veranstaltungsraum genutzte Messehalle mit einer geschätzten Kapazität für viertausend Besucher war abgedunkelt. Über die gesamte Breite der Messehalle war das Podium des Vorstandes und des Aufsichtsrates aufgebaut. Die gesamte Breite der Front war Fläche für die Projektion – links und rechts war das Nahbild des Redners zu sehen und in der Mitte die Präsentationsfolien.


    Die Rede des Vorstandsvorsitzen Dr. Dekkers war gespickt mit den Vokabeln „hervorragend“, „optimistisch“, „tolle Produkte“, „gutes Wachstum“ und so weiter. Wortreich wurde die Fassade eines gut funktionierenden Konzerns gemalt und die saubere Arbeit des Vorstandes, sowie des Aufsichtsrates hervorgehoben. Die stellenweise ziemlich verdrehte Wortwahl, erinnerte mich an das „Neusprech“aus dem Roman von George Orwell. Der Applaus des Publikums wurde jedoch stets brav geleistet.


    Nach der Rede von Dr. Dekkers, die etwa gegen 11:00 Uhr zu Ende war, kamen die Wortmeldungen an die Reihe. Sicherheitshalber wurden die kritischen Wortmeldungen in den späten Nachmittag verlegt. Am Vormittag und dem frühen Nachmittag kamen zunächst die Aktionärsvertreter zu Wort. Diese waren sehr redegewandt, überschütteten Herrn Dekkers mit Lob zum Antritt als Vorstandsvorsitzender (Herr Dekkers ist im Herbst 2010 angetreten und hat den ehemaligen Konzernchef Herrn Wenning abgelöst). Nach dem Lob folgte aber auch Tadel. Vor allem wurden bestimmte Aktivitäten des BAYER-Vorstandes in Frage gestellt. Darunter war auch die Kritik, daß der Bericht des Aufsichtsrates mit vier Seiten in Relation zum Gesamtbericht sehr dünn wäre. Durch die Blume wurde auch moniert, daß der Aufsichtsrat und der Vorstand Vetternwirtschaft betreiben. Kritisch wurden die Klagen gesehen, die der Firma BAYER zurzeit wegen Wirkungen der Verhütungsmittel YASMIN und YAZ, sowie den Klagen zur weltweiten Kontamination der Lagerbestände an Reis mit dem „Genreis“ der Firma BAYER anhängig sind.


    Das im Bereich Pharma umsatzstärkste Mittel YASMIN/YAZ hat allein in den USA 8.000 Klagen ausgelöst. Den Opfern und deren Angehörigen nach, löst das Mittel auch bei Nichtrisikoanwendern Lungenembolien aus und es ist zu Todesfällen gekommen.
    Der „Genreis“ wurde von BAYER in den USA im großen Stil zu Testzwecken angebaut. Dabei wurde 30% der gesamten Reisernte der USA mit dem Genreis kontaminiert. Daraufhin wurde der Import des US-Reis in viele Länder gestoppt und verboten. Das hat der amerikanischen Reiswirtschaft einen großen Schaden zugefügt. Heute wurde der Genreis von BAYER in 25 Ländern gefunden.


    Die Aktionärsverbände befürchten, daß die Schadensersatzforderungen und Klagen große Summen verschlingen und den Konzern Schaden zufügen. Die entsprechenden Rückstellungen war auch Bestandteil der Kritik, insbesondere, ob die Rückstellungen groß genug bemessen wurden und welche weiteren Klagen zu erwarten sind.
    Auch wurde seitens der Aktionärsverbände hervorgehoben, daß die angehobene Dividende mit einigen Tricks erkauft worden sind und die Anhebung der Dividenden zur Berechtigung der Anhebung der eigenen Gehälter des Vorstandes und der Aufsichtsratsmitglieder dienen soll. Es wurde seitens der Verbände wohl bemerkt, daß weiter Personal auf Kosten des Konzerns abgebaut wird.


    Die gestellten Fragen wurden von Herrn Dekkers nach dem Sammeln der Fragen beantwortet, wobei einige Aspekte relativiert wurden, andere weit von sich gewiesen (Gehälter des Vorstandes und des Aufsichtsrates). Bei der Transparenz der Arbeit des Aufsichtsrates gelobte man Besserung.


    Am Nachmittag dann kamen die ersten für BAYER kritischen Stimmen zu Wort. Unter anderem ein Sprecher der CBG (Coordination gegen Bayergefahren). Die CBG fordert, daß die Aktionäre gegen die Entlastung des Vorstandes stimmten.
    Interessanterweise traten mehrmals nach kritischen Beiträgen Mitarbeiter der Firma BAYER an den Rednerpult. Zum Beispiel sprach nach dem ersten Beitrag der CBG eine Mitarbeiterin – sie brachte einige Kleinigkeiten vor – um dann mit der Forderung zu schließen, daß der Vorstand zu entlasten ist. Das wirkte auf mich sehr konzertiert.
    Ohnehin hatten die meisten Aktionäre die Versammlung zu diesem Zeitpunkt verlassen (etwa die Hälfte). Die Meisten hatten wohl die Speisen und Getränke, sowie die Werbegeschenke eingesackt, um danach nach Hause zu fahren. (Kaffeefahrt.)
    Danach folgten die Reden der kritischen Organisationen.


    Die Antworten des Vorstandes zu fast allen Wortmeldungen waren sehr ähnlich gelagert. Zusammenhänge der geschilderten Schäden durch BAYER-Produkte seien wissenschaftlich nicht erwiesen. Die Verantwortung wurde von sich gewiesen. Zum Teil waren die Antworten sehr persönlich. Einer Person wurde zum Beispiel vorgeworfen, „kommunistischer Gesinnung“ zu sein. Die Antworten waren alle recht kurz und knapp gehalten. Meist wurden die Vorwürfe weggewischt. Auffällig war auch, daß viele Fragen einfach nicht beantwortet und damit übergangen wurden. Viele Argumente, die durchaus stichhaltig waren, wurden stumpf mit dem Kommentar weggewischt, daß es altbekannte Vorwürfe seien und die Sachlage sich seither nicht verändert hat.


    Eine Chance zur Nachfrage gab es für den Fragesteller nur unter erschwerten Umständen (müßte sich erneut in die Liste der Wortmeldungen eintragen und hinten anstellen).


    Zu Anfang der Reihe der Wortmeldung waren es 31 Reden, die angemeldet wurden.
    Im Laufe des Tages kamen aber einige Reden hinzu, so daß die Anmeldung um 16 Uhr geschlossen und keine weiteren Meldungen mehr zugelassen wurden.
    Die letzten Wortmeldungen endeten um circa 17:30 Uhr.
    Die gestellten Gegenanträge wurden als gegenstandslos weggewischt.


    Reden im Wortlaut
    Felicitas Rohrer, Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter: http://cbgnetwork.com/3818.html


    Karl Murphy,Liverpool in England, Primodos/Duogynon: http://cbgnetwork.com/3849.html


    John Santiago, Primodos/Duogynon: http://cbgnetwork.com/3847.html


    Walter Haefeker, Präsident des Europäischen Berufsimkerverbandes EPBA: http://cbgnetwork.com/3845.html



    Christoph Koch, Deutscher Erwerbs- und Berufsimkerbund: http://cbgnetwork.com/3841.html


    Dieter Donner, Stopp-Bayer-CO-Pipeline: http://cbgnetwork.com/3829.html


    Axel Köhler-Schnura, CBG: http://cbgnetwork.com/3827.html


    Jan Pehrke, CBG: http://cbgnetwork.com/3825.html


    Andreas Bemeleit, Robin Blood: http://cbgnetwork.com/3822.html


    Andre Sommer, Duogynon: http://cbgnetwork.com/3820.html


    Stephanie Brancaforte, avaaz, Bienensterben: http://cbgnetwork.com/3854.html



    Disclaimer
    Dieser Bericht gibt meine persönlichen Erfahrungen wieder und beansprucht weder Vollständigkeit noch die absolute Wahrheit. Wer die Angaben überprüfen und sich selbst ein Bild machen will, der sollte einfach zur Jahreshauptversammlung der BAYER AG im nächsten Jahr kommen.


    Wortmeldung zur Hauptversammlung der Aktionäre der BAYER AG
    Köln, den 29.4.2011
    Bernhard Heuvel


    Hintergrund
    Den Aktionären der BAYER AG wird auf der Hauptversammlung ein Rederecht für eine Wortmeldung erteilt. In fünf bis zehn Minuten kann der Aktionär sein Anliegen an den Vorstand vorbringen und Fragen stellen. Die Redebeiträge werden angemeldet und in Blöcken von bis zu zehn Wortmeldungen vorgetragen. Der Vorstand beantwortet im Anschluss auf die in den Redebeiträgen gestellten Fragen.



    Risiken der BAYER-Produkte und Planungsdefizite
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    mein Name ist Bernhard Heuvel. Ich komme vom Niederrhein nördlich von Köln und bin als Landnutzer über die Landwirtschaft, der Jagd und der Imkerei mit der Landschaft dort verbunden. Ich spreche für mich selbst und den Naturhaushalt.
    Ursprünglich wollte ich mit Ihnen über die Risiken der Pflanzenschutzmittel sprechen. Ich muss jedoch aufgrund der Schilderungen meiner Vorredner feststellen, daß die Gefahren und Risiken der Produkte von Bayer im Allgemeinen von der Firma BAYER falsch bewertet und eingeschätzt werden.
    Grundsätzlich gehen haben alle BAYER-Produkte Chancen und Risiken, wobei die Pflanzenschutzmittel das Potential besitzen, den Naturhaushalt zu schädigen. Die pharmakologischen Produkte besitzen das Potential, dem Menschen direkt einen Schaden zuzufügen.
    Meine erste Frage an den Vorstand betrifft die bis 2012 geplanten Zulassungen der sechs neuen Wirkstoffe im Bereich des Pflanzenschutzes. Wie ist der Stand?
    Die Bewertung der Risiken der BAYER-Produkte durch die Behörden können durchaus unterschiedlich zur Bewertung durch die Firma BAYER ausfallen. Haben Sie für den Fall Vorsorge getroffen, daß eine der drei Säulen des Kerngeschäftes durch Nichterteilung der Zulassung wegfällt? Was ist, wenn Sie die Bewertung der Wirkungen der Produkte zu optimistisch sehen und dies von den Behörden anders bewertet wird?
    Wie die vielen in den Vorreden vorgestellten Fälle von menschlichem Leid zeigen, scheint hier auch ein allgemeines Problem mit der Risikobewertung vorzuliegen. Meines Erachtens ist es für Mensch und Naturhaushalt besser, wenn Sie nicht erst ein Produkt erfinden, um erst danach das Risiko zu bewerten. Sondern, daß die Firma BAYER schon bei der Planung der Produkte die Ökoeffizienz und die Umweltwirkungen berücksichtigt. Eine gute Planung ist die halbe Miete. Gut geplant lässt sich all das hier geschilderten Leid vermeiden. Planen Sie ihre Produkte und berücksichtigen Sie schon bei der Planung die Umweltwirkungen.
    In diesem Zusammenhang frage ich Sie, ob Ihnen das Konzept „cradle to cradle“ etwas sagt und ob Sie die Arbeiten von Professor Braungart kennen? Gut, ich sehe zumindest bei einem Vorstandsmitglied ein Lächeln, woraus ich schließe, daß zumindest einem von ihnen zumindest der Name etwas sagt. Professor Braungart ist die treibende Kraft hinter dem Konzept „cradle to cradle“ und er lehrt an der Universität Rotterdam. Das Konzept setzt bei der Planung und Entwurf von Produkten an und sorgt dafür, daß Ökoeffizienz und Umweltwirkungen von Anfang an Berücksichtigung finden. Daher frage und bitte ich Sie, Herr Dekkers, daß Sie sich mit Herrn Braungart in Verbindung setzen und sich das Konzept vorstellen lassen? Professor Braungart ist von Haus aus Chemiker, was ihnen sympathisch sein müsste, da Sie die gleiche Sprache sprechen. Herr Braungart berät bereits andere Konzerne und Firmen, wie zum Beispiel Volkswagen, Nike und Trigema.
    Bitte setzen Sie sich mit Herrn Braungart in Verbindung und studieren Sie das Konzept. Wenn Sie ihre Produkte von Anfang an unter Berücksichtigung der Ökoeffizienz und Umweltwirkungen planen, vermeiden und verringern Sie das Leid von Mensch und Naturhaushalt, das die Produkte zurzeit offensichtlich erzeugen.
    Ich bedanke mich für die Möglichkeit einer Wortmeldung.

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  • ganz unten kann man auf die Zweite Gallerrie klicken dort sind die Bilder von uns Imkern


    sehr schöne Bilder sind es jedenfalls die auch ganz gut die Stimmung rüber bringen


    Grüßle und nochmals Danke an alle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • ja aber ich glaube die Fasade beginnt langsam zu bröckeln. Bin Morgen in Wien, mal sehn was die Medien davon berichten! ;-)

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • ja aber ich glaube die Fasade beginnt langsam zu bröckeln. Bin Morgen in Wien, mal sehn was die Medien davon berichten! ;-)


    Man liest in österreichischem Forum, dass sich das Parlament mit dem Bienensterben beschäftigt. Da hat doch die Demonstration die Öffentlichkeit geschaffen, die notwendig für Veränderungen ist.


    Und die Imkerfunktionäre? Die scheinen genauso abgehoben zu sein, wie in Deutschland...

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"