Warré und die Gier nach Geld.

  • Liebe Leute,
    entschuldigt, aber ich bin kurz vorm Platzen! :Biene:


    Ich stehe der Betriebsweise von Warré recht positiv gegenüber, bin aber doch eher skeptisch, was den Raum für die Bienen betrifft. Und vor allem was Anfänger betrifft, die dank der Diskussionen auch hier regelrecht zum Glauben getrieben werden: Wer biologisch korrekt, wer bienengerecht imkern will, wem die Bienen am Herzen liegen, für wen Honigernte nicht der Sinn der Bienenhaltung ist, für den gibt es nur eines: Warré.


    Seit einiger Zeit merke ich, dass diejenigen, die Geld mit uns Imkern verdienen wollen voll auf diesen gehypten Zug aufspringen und sich vermehrt um Anfänger bemühen, die glauben in der Warréimkerei den einzig zukunftsfähigen Weg der Imkerei zu finden: Die Imkerebedarfshändler. Es gibt auf einmal Warrébeuten. In Einzelteilen, als Sätze oder als fertige Angebote.


    Noch mehr freuen sich unsere KUNSTSCHWARMDEALER wie HonigM oder der Klaus oder wie sie alle heißen über sonst nicht möglich Umsätze.


    Warum? Einer, der mit Warré anfangen will, will keine Ableger von einem Imkerfreund aus der Umgebung, nein er will natürlich einen Schwarm. Weil Schwärme aber in der Regel erst im Mai fallen und der zukünftige Warréimker ja im April beginnen will, glaubt er den Versprechen des KUNSSCHWARMDEALERs, dass er Ende März, spätestens Anfang April mit seiner Warréimkerei beginnen kann.


    Wie wir alle wissen, gibt es dann immer Gründe, warum die KS nicht kommen. Falsch notierte Lieferadressen, Wintereinbruch in Sizilien, Vulkanausbrüche oder andere Katastrophen. Es vergehen die ersten Aprilwochen und im besten Fall, wie jetzt hier kommt die Lieferung immerhin in der letzten Aprilwoche. Natürlich zum Wahnsinnspreis, weil frühe Bienen sind halt teuer. Aber der angehende Warréaner zückt den Geldbeutel und zahlt gut den doppelten Preis, den er für ein hier aufgewachsenen, überwinterten Ableger bezahlt hätte. Man gönnt sich ja sonst nichts.


    Der Neuwarréimker weiß natürlich nicht, wie der Kunstschwarm einzuschlagen ist und da kommen dann die hilfsbereiten Imker vor Ort ins Spiel. Natürlich lässt man den Schwarm am besten einlaufen. ABER: Die Königin, die da in einem Haufen zusammengekehrter Bienen unterschiedlichster Herkünfte im Käfig sitzt, wie wird es der ergehen, wenn sie in ihrer so bienenfreundlich nackten Warré-Beute an irgendeinen Oberträger gehängt wird und auf den ersten Kontakt nach dem Ausfressen zu einen Haufen Bienen von sonst woher trifft?


    Macht nichts, wenn es schief geht, was es bei den meisten Anfängern auf exotischen Bienenbehausungen wohl gehen muss - Es war der erfahrende Altimker vor Ort, der irgendwas falsch gemacht hat. Die Fehlersuche findet dann wieder dort statt, wo die meisten Warréimker zu finden sind: In diversen Imker- oder Selbstversorgerforen im Internet.


    Aber auch das freut den KUNSTSCHWARMDEALER, denn er kann dann neue Bienen von irgendwoher zusammenkehren, irgendwelche Königinnen in die Kiste sperren und vor allem für Wahnsinnspreise an den Anfänger, der neues "Material" braucht, verkaufen...


    So wird aus einer eigentlich guten Idee und eigentlich guten Ansätzen hauptsächlich eines: Ein Weg mit Imkern und Bienen und Ideen und Ideologien Geld zu machen. Zum Schaden der Imkerei vor Ort.


    Ich muss bei diesen Worten aber gerade an einen lieben Imkerfreund denken, der mir sagte: "Ich habe auch Warrébeuten. Die beobachte ich jetzt schon drei Jahre - Ich bin froh, dass ich sie noch nicht besiedelt habe..."


    Und damit bekomme ich auch wieder bessere Laune, werde mich umziehen und dem Warré-Imkerei-Anfänger vor Ort helfen, die HonigM Bienenmischung in ihre neue, bienengerecht nackte Wohnung zu schlagen. Weil freiwillig werden die dort wohl nicht einziehen wollen. :cool:


    rst :Biene:

  • Hallo rst,
    ich glaub die meisten angebotenen Kunstschwärme sind für die Betriebsweise nach Warré eher ungeeignet, da sie zu klein sind um erfolgreich damit zu starten. 1,5 kg Bienenmasse reicht nicht aus…
    Egal mit welcher Betriebsweise man beginnt, so steht am Anfang das Erlangen von Wissen. Schon die Theorie und der „Bio-Gedanke“ würden dem Kauf von Paketbienen widersprechen oder etwa nicht? Wie lange sind die Tiere unterwegs von ihrer Heimat? Klimatische Unterschiede und und und…

    Liebe Grüße
    Andreas

  • Hallo rst,
    ich glaub die meisten angebotenen Kunstschwärme sind für die Betriebsweise nach Warré eher ungeeignet, da sie zu klein sind um erfolgreich damit zu starten. 1,5 kg Bienenmasse reicht nicht aus…
    Egal mit welcher Betriebsweise man beginnt, so steht am Anfang das Erlangen von Wissen. Schon die Theorie und der „Bio-Gedanke“ würden dem Kauf von Paketbienen widersprechen oder etwa nicht? Wie lange sind die Tiere unterwegs von ihrer Heimat? Klimatische Unterschiede und und und…

    Liebe Grüße
    Andreas


     
    Ja, ich gebe Dir Recht! Zumal spätestens in der nächsten Woche hier die Schwärme fallen werden! Verrückt! Für mich spricht auch nicht die reine Bienenmasse dagegen sondern auch die Disharmonie, die so ein Bienengemisch mit sich bringt. Wenn ich mir überlege, wie ein VS oder von mir aus auch ein VVS loslegen. Und diesen kannst Du auch sehr gut aus einem Dir regional angebotenen Ableger / Volk "erzeugen". Musst es nur so machen, wie viele jetzt im Moment: "Du, ich werde heute mal den ersten Honigraum geben". Da ist der Schwarm sozusagen schon gesichert! :cool:


    Aber irgendjemand muss diese Irgendwoherbienen ja promoten?


    rst


    PS: http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=23419&p=260005#post260005

  • Ich muss bei diesen Worten aber gerade an einen lieben Imkerfreund denken, der mir sagte: "Ich habe auch Warrébeuten. Die beobachte ich jetzt schon drei Jahre - Ich bin froh, dass ich sie noch nicht besiedelt habe..."


    :lol:
    Den Typ kenne ich, ist zwar ziemlich verrückt, kennt sich aber mit Bienen ganz gut aus. :wink:


    Lieber Ralph Du sprichst mir aus der Seele.
    Meiner Meinung nach florieren z.Zt Warré und Bienenkiste nur aus dem einfachen Grund, weil die Werbung für diese "Einfachbeuten" sehr gut gemacht wurde.


    Nach dem "Einfachbeuten-Workshop" an der Fischermühle gehört für mich die Bezeichnung "Einfachbeuten" verboten....:wink:



    Andererseits......Ich verstehe diejenigen die mit diesen Beuten werben, weil sie gerne vielen Menschen die Bienenhaltung näher bringen möchten. "Konventionelle" Imkerei ist wohl auf den ersten Blick eher abschreckend ....die viele Arbeit, keine Zeit, hohe Anschaffungskosten usw.
    Da man heutzutage sogar "Freizeitstress" (:roll:) hat...und trotzdem die Bienen retten möchte, soll dies so einfach wie möglich sein.
    Deshalb nimmt man einfach Einfache Beuten.... einfach einen Schwarm einschlagen und dann einfach die Bienen machen lassen. Das ist einfach wesensgemäß....
    Kompliziert wird´s dann evtl. wenn sich die Bienen einfach so vermehren....:lol:


    Herzliche Grüße
    Regina

    Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.(Oliver Hassencamp)

  • ... einfach einen Schwarm einschlagen und dann einfach die Bienen machen lassen. Das ist einfach wesensgemäß....


     
    Hallo Sonnenblümchen (wie der Drohn zu sagen pflegt :lol:),
    wenn das dann auch so gemacht würde. Einen Schwarm, der in der Nähe gefallen ist, fangen, einlaufen lassen und dann mit dem richtigen Gespür für das Einfache die Bienen machen lassen, bis sie unsere Hilfe brauchen. Das würde ich dann auch gut finden. Lernen kann man von der Betriebsweise sicher auch interessante Details. Dazu muss man aber schon ein wenig mehr können, als nur zu wollen. :wink:
    Deshalb ist es nicht ganz so einfach...


    rst

  • :lol:


    Meiner Meinung nach florieren z.Zt Warré und Bienenkiste nur aus dem einfachen Grund, weil die Werbung für diese "Einfachbeuten" sehr gut gemacht wurde.


    Herzliche Grüße
    Regina


    Hallo Regina,
    hier widerspreche ich, denn wenn man sich die Mühe einfach mal macht und das Buch von Emil Warré durchliest, dann wird sich da vieles finden was Sinn macht.
    Für Einsteiger wären die Bienenkiste und auch die Warré-Beute ebenso geeignet wie jedes andere System. Hinderlich ist bei beiden nur die geringe Zahl der Imker-Paten und die fehlende Akzeptanz.
    Man sollte folglich den Weg das Imkerhandwerk zu erlernen nicht aufgeben, sondern einen Umweg machen über die „konventionelle“ Imkerei incl. Schwärmerei…




    Liebe Grüße
    Andreas

  • Hallo Sonnenblümchen (wie der Drohn zu sagen pflegt :lol:),
    wenn das dann auch so gemacht würde. Einen Schwarm, der in der Nähe gefallen ist, fangen, einlaufen lassen und dann mit dem richtigen Gespür für das Einfache die Bienen machen lassen, bis sie unsere Hilfe brauchen. Das würde ich dann auch gut finden. Lernen kann man von der Betriebsweise sicher auch interessante Details. Dazu muss man aber schon ein wenig mehr können, als nur zu wollen. :wink:
    Deshalb ist es nicht ganz so einfach...


    rst


    Hallo rst,
    leider nicht immer ganz so einfach einen Schwarm zu bekommen:roll:. Hier in Berlin bekommt man ohnehin nur selten Bienen. Leider bieten auch nicht alle Imkervereine Anfängerkurse...
    Ich glaub wenn das anders wäre, dann wäre die Problematik mit den Paketbienen auch sehr viel geringer.


    Liebe Grüße
    Andreas

  • Jeder Schwarminker kann mithelfen, dass Anfänger mit vernünftigen Schwärmen versorgt werden. Die Schwarmbörse vermittelt Schwärme automatisch bevorzugt an den geografisch nächstliegenden Anfänger. Bis jetzt ist das Angebot (schwarmboerse.de/schwarm/schwarm.statistik/) in der Schwarmbörse noch nicht so berauschend, obwohl schon viele Schwärme gefallen sind. Mir hat vor ein paar Tagen ein Imker sinngemäß geschrieben: "Ich bin doch nicht blöd und gebe meinen Schwarm am Anfang der Saison ab. Der soll erst mal noch schön Honig bringen und dann verkaufe ich das Volk am Ende der Saison."
    Ich habe fünf Völker in meinem Kleingarten stehen. Ich habe seit 6 Jahren keine Überwinterungsverluste. Über jeden Schwarm freue ich mich, weil ich ihn an einen Angfänger verschenken kann. Wer macht sonst noch mit?


    schwarmboerse.de

    Dieser Beitrag wurde bereits 3 Mal editiert, zuletzt von gast014 ()

  • Jeder Schwarminker kann mithelfen, dass Anfänger mit vernünftigen Schwärmen versorgt werden. Die Schwarmbörse vermittelt Schwärme automatisch bevorzugt an den geografisch nächstliegenden Anfänger. Bis jetzt ist das Angebot in der Schwarmbörse noch nicht so berauschend, obwohl schon viele Schwärme gefallen sind. Mir hat vor ein paar Tagen ein Imker sinngemäß geschrieben: "Ich bin doch nicht blöd und gebe meinen Schwarm am Anfang der Saison ab. Der soll erst mal noch schön Honig bringen und dann verkaufe ich das Volk am Ende der Saison."
    Ich habe fünf Völker in meinem Kleingarten stehen. Ich habe seit 6 Jahren keine Überwinterungsverluste. Über jeden Schwarm freue ich mich, weil ich ihn an einen Angfänger verschenken kann. Wer macht sonst noch mit?


    www.schwarmboerse.de


    Hallo Erhard,
    die Aussage des Imkers spiegelt sich in der Statistik der Schwarmbörse wieder. Wenn ich richtig gezählt hab wurden 33 Schwärme gemeldet und davon 3 Stück vermittelt?


    Liebe Grüße
    Andreas

  • Ok, die Bienen sind in der Warré. Jetzt fliegen einige blonde Drohnen mehr durchs Saaletal.
    Der Anfänger hat auf Empfehlung gekauft...


    Mit den Schwärmen das ist wirklich ein Ding: Die einen wollen dringend welche und die anderen reden fremde Schwärme schlecht. Die Schwarmbörse ist eine gute Idee, sollte auf Vereinsebene selbstverständlich sein. Da muss sich nur eine Vereinskultur entwickeln, weil, wer redet schon gerne darüber, dass er Schwärme hat? Wer redet über seine Verluste? Wer gibt mit gutem Herzen Ableger oder Völker ab? Richtig gute, mit Aussicht auf Honigertrag (zur Motivation des Anfängers).
    Aber warum gibt es so wenig Austausch unter den Imkern einer Region?
    Ich denke aus Angst, dass schlecht über "den seine Bienen" geredet wird, hinterher. Oder aus Sparsamkeit (siehe Aussage an Erhard Klein im Post vorher). Auf der anderen Seite höre ich immer, dass man den Honig billig verkaufen müsse, weil man ihn sonst nicht los würde und dass der Keller noch voll ist, dass das Beutenmaterial so teuer ist und man sich nicht schon wieder neue Beuten kaufen könne oder wolle.
    Ich glaube, es muss sich wirklich noch viel Ändern im regionalen Imkerumfeld! :p_flower01:


    rst

  • Erhard


    Dein Beitrag wird hier als unerwünschte Werbung eingestuft. Da es für eine gute Sache ist, allerdings nicht so streng bewertet. Dennoch wäre es nett gewesen, wenn Du solche Aktionen mit uns vorher abgesprochen hättest.
    Nur der Höflichkeit wegen ;-)


    Beste Grüße
    Hartmut

  • Hallo Erhard,
    die Aussage des Imkers spiegelt sich in der Statistik der Schwarmbörse wieder. Wenn ich richtig gezählt hab wurden 33 Schwärme gemeldet und davon 3 Stück vermittelt?


    Ja und nein. Von den eingefangenen herrenlosen Schwärmen ist kein einziger weitergegeben worden. Die sieben (Du hast die 4 am 15.4. übersehen) vermittelten Schwärme stammen fast ausschließlich von Idealisten, die selbst in einer "Einfachbeute" imkern und keinen Wert auf betriebswirtschaftliche Optimierungen legen.


    Erhard