Varroa außer Kontrolle - und was Pestizide damit zu tun haben

  • Wenigstens ein Lebenszeichen. Ich übe auch noch an meiner Gelassenheit. Mehr Konstruktives, Lux, mehr Konstruktives!

  • Mehr Konstruktives


    Wie hieß es so schön bei den Gotland-Bienen: "Die sind aus wirtschaftlicher Sicht völlig uninteressant"


    Das ist eine Lüge. Tatsächlich wären sie wirtschaftlich extrem schädigend. Und zwar für die Spritzmittelwirtschaft.


    Mit solchen nicht auf Honigertrag ausgerichteten Bienen würde sich jeder Spritzmittelschaden sofort deutlich erkennbar zeigen.


    Wirklich schade, dass man von Seiten der Imkerschaft noch nicht auf die Idee gekommen ist, wenigstens zweigleisig zu fahren und solche Indikatorvölker in angepasster Betriebsweise zu halten. Das eine schließt das andere ja nicht aus und selbst so ein Blödmann wie ich bekommt das hin. Ohne Imkerkurs und ohne Verein.


    So wird's halt immer mehr Leute geben, die sich die Pestizidmischung im Honigglas nicht mehr antun. Ist ja nicht lebensnotwendig, genau wie Glyphosatbier auch.


    Grüße Sven

  • Moin, moin,


    die größte Milbenzahl, die ich bei der Sommerbehandlung von einem Volk heruntergeholt habe, lag so um die 35 000 + (fünfunddreißigtausend) Tägliche Windelkontrolle über 16 Tage Nassenheider horizontal, anfangs bis über 3000 täglich, ging gegen Ende auf etwas unter 2000 zurück.


    Der natürliche Fall blieb hoch, weil bei Aufräumarbeiten immer noch welche wieder gefunden wurden. Falls Bienen die auch als Gemüll selber raustragen, waren es noch mehr.


    Das Volk hat, 2Z Segeberger, bei 35 kg aufgehört, Futter abzunehmen. Im Frühjahr waren sie zur Frühtracht da und sind dann leider abgeschwärmt. Auch einzelne Zellen auf der Wabe können zur Schwarmzeit in den Schwarmakt münden.


    Das war vor 4 Jahren. Es scheint mir das ein Gegenargument gegen die These, die Milbe an sich wäre so viel tödlicher geworden, in den paar Jahren, die sie hier ist. Das ist auch bei der genetischen Homogenität dieser Tiere und bei der Art, wie sie sich fortpflanzen, sehr, sehr unwahrscheinlich.


    Meine Völker stehen nach Möglichkeit so, dass sie wenig, besser keine Pestizide mitbekommen.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Meine Völker stehen nach Möglichkeit so, dass sie wenig, besser keine Pestizide mitbekommen.


    Gruß Clas


    hallo Clas,
    ich stelle einzeln und auch direkt neben BIO-Flächen, die sehr vielfältig bestellt werden. Im letzten jahr war reichlich Futter da, außer in der "Trockenzeit".
    Es besteht also kaum die Notwendigkeit für "Pestizidflächen". Aber weiß manes?
    Sie werden es hoffentlich in diesem Jahr auch wieder richtig machen. Haben ja einen feinen Instinkt!
    Gruß
    Harald

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Performance of honeybee colonies located in neonicotinoid-treated and untreated cornfields in Quebec


    M. Alburaki1,2,†,*, B. Cheaib1, L. Quesnel1, P.-L. Mercier1,2, M. Chagnon3 andN. Derome1,4
    Version of Record online: 2 JUN 2016


    DOI: 10.1111/jen.12336


    "Overall, our results show that forager bees collected 20% of corn pollen containing variable concentrations of neonicotinoids. Colonies located in treated cornfields expressed higher varroa loads and long-term mortality than those in untreated cornfields."
    http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jen.12336/abstract;jsessionid=0FB1007CB39D0A6B412AACC8E4C815DE.f01t04?userIsAuthenticated=false&deniedAccessCustomisedMessage=


    Sprich: in der Nähe von mit Neonicotinoiden behandelten Maisfeldern hatten die Völker mehr Varroa.

  • Bitte jemand kurz das Abstract übersetzen, danke.


    Neonicotinoid-contaminated pollinator strips adjacent to cropland reduce honey bee nutritional status
    Christina L. Mogren & Jonathan G. Lundgren


    Scientific Reports 6, Article number: 29608 (2016) doi:10.1038/srep29608
    Published online: 14 July 2016


    citation:
    "Increasing concentrations of clothianidin in bee bread were correlated with decreased glycogen, lipid, and protein in workers. This study shows that small, isolated areas set aside for conservation do not provide spatial or temporal relief from neonicotinoid exposures in agricultural regions where their use is largely prophylactic."
    http://www.nature.com/articles/srep29608


  • Der weltweite Rückgang von Bestäubern wird einer Vielzahl von Faktoren zugeordnet, darunter auch die Exposition mit Pestiziden. Insbesondere Insektizide aus der Gruppe der Neonicodinoide wurden in Oberflächenwasser, nicht Ziel-Vegetation, sowie Bienenprodukten nachgewisen. Die tatsächlichen Risiken aus diesen Expositionen sind nach wie vor nicht gut verstanden. Wir haben Blühstreifen auf Clothianidinkontaminationen in Pflanzenmaterial, sowie das daraus für Bienen resultierende Risiko untersucht.
    An encyme-linked immunosorbent assay (ELISA) bestimmt die Konzentrationen von clothianidin in Blättern, Nektar, Honig und eingetragenem Pollen sowohl auf Biofarmen, als auch auf solchen Betrieben, wo Saatgutbeizungen eingesetzt werden. Gleichzeitig werden Gesamtglycoen, Fett und Eiweissgehalt von Arbeiterinnen bestimmt. Der Anteil der positiv auf Clothianidin getesteten Pflanzen war identisch trotz der unterschiedlichen Behandlungen. Blattgewebe und Honig hatten gleich Konzentrationen von Clothianidin, unabhängig vom Standort. (An Bio oder konventionellen Höfen)
    Honig (mean+-SE: 6.61 +-.88 ppb) hatte dabei die 7fache Konzentration an Clothoanidin, als der von den Bienen gesammelte Nektar (0,94 +- 0,09 ppb). Pollenproben (bee bread) von Biohöfen (25.8 +-3.0ppb) enthielten dabei signifikant weniger Clothianidiin, als Pollenproben von gebeizten Feldern (41.6 +- 2.9 ppb).
    Eine erhöhte Konzentration von Clothianidin im Pollen (bee bread) korreliert dabei mit niedrigeren Glycogen, Fett und Eiweisgehalten in Arbeiterinnen.
    Diese Studie zeigt also, dass kleine isolierte Gebiete, die als Rückzugsräume/Reservate abgetrennt werden, in einer landwirtschaftlichen Region, wo der Neonicotinoideinsatz im wesentlichen prophylaktisch erfolgt, weder räumliche noch zeitliche Erleichterung in Hinsicht auf die Exposition mit Neonicotinoiden bringen.

  • Interessant wäre es zu wissen, was unter "small, isolated farms" zu verstehen ist: Wie groß muss ein Fläche sein, bis die Einwirkung von angrenzenden behandelten Flächen signifikant abnimmt? Wir haben hier in Mecklenburg-Vorpolen eine Durchschnittsbetriebsgröße von 286 Hektar. Das ist was anderes als die kleinen Betriebe im Westen, wo die Entfernung zu konventionellen Flächen immer nur wenige 100 Meter sind.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)