Varroa außer Kontrolle - und was Pestizide damit zu tun haben

  • Soeben in der Apidologie erschienene Studie:


    Island population of European honey bees in Northeastern Brazil that have survived Varroa infestations for over 30 years
    Igor Medici de Mattos , David De Jong, Ademilson Espencer E. Soares
    Apidologie online 9.3.2016: http://link.springer.com/article/10.1007/s13592-016-0439-5


    Isolierte Population der europäischen Honigbiene im Nordosten Brasiliens, die den Varroa-Befall seit über 30 Jahren überlebt hat
    Europäische Honigbienen wurden im Jahr 1984 auf Insel Fernando de Noronha eingeführt, die bereits mit der Varroa destructor infiziert waren, und seitdem haben sie ohne Behandlungen überlebt. Im Jahr 2012 wurden die Befallsraten der adulten Bienen und der Brut gemessen und mit historischen Aufzeichnungen verglichen. Es gab keinen signifikanten Unterschied bei den Befallsraten zwischen den 1996 erhaltenen Werten (14 Milben / 100 erwachsenen Bienen) und 2012 (16,5 Milben / 100 Bienen). Der Prozentsatz der Milben, die in Arbeiter Brutzellen reproduzierten, war ebenfalls nicht signifikant verschieden von den in 1996 gewonnenen Daten. Die Häufigkeit des hygienischen Verhaltens war ähnlich wie bei resistenten afrikanisierten Honigbienen. Die durchschnittliche Fruchtbarkeit verringerte sich leicht zwischen 1996 und 2012, blieb aber hoch. Aus unseren Daten schließen wir, dass diese Bienen das stabile Befallsniveau für mindestens 16 Jahre erhalten haben. Die Befallsraten bleiben hoch. Die Raten sind so hoch, daß sie in den meisten Regionen der Welt für Honigbienen tödlich sein würde, aber es gibt keine Varroa-bezogene Vökerverluste auf der Insel.


    => Befallsraten von 16-17 % werden da überlebt. Da fragt man sich, warum hierzulande alles über 5 % bereits Probleme verursacht.

  • Die Befallsraten bleiben hoch. Die Raten sind so hoch, daß sie in den meisten Regionen der Welt für Honigbienen tödlich sein würde, aber es gibt keine Varroa-bezogene Vökerverluste auf der Insel.


    => Befallsraten von 16-17 % werden da überlebt. Da fragt man sich, warum hierzulande alles über 5 % bereits Probleme verursacht.


    Das probieren die meisten Imker doch garnicht erst aus, weil ab 5 % Befall in den meisten Fällen die Reißleine gezogen wird.


    Was ja auch durchaus verständlich ist, der eigenständige Kampf gegen die Varroa kostet nunmal eine Menge Energie und das geht auch auf Kosten der Volksgröße.


    Und das wiederum sorgt für kleinere überwinternde Einheiten und eine spätere Volksentwicklung im Frühjahr, was dann den weitestgehenden Verzicht auf die sichersten Trachten zur Folge hat.


    Grüße Sven

  • Gibt das außer den Pestiziden auch noch andere Parameter:


    * Klima?
    * keine Varroabehandlung und dementsprechend resistente Bienen?



    Ene ganze Menge. Da wären zum Beispiel die Subtypen der Varroa. Wir haben hier in Europa ja nicht mehr die gleiche Milbe wie vor 30 Jahren. Vor 30 Jahren, so habe ich mir sagen lassen, wurden bei uns auch viel größere Befallsraten toleriert. In der Isolierung ist es gut möglich, daß sie dort die ursprüngliche, weniger invasive Milbe behalten haben. Würde man sie dort mit den Killermilben von heute (Lux würde sagen: von den Imkern zu Killermilben herangezüchtet :wink:) impfen, würden die wahrscheinlich auch in die Knie gehen.


    Dann kommen auch wieder Viren in Frage.


    Letztendlich gibt es aber die immunsuppressive Wirkung der Pestizide (auch der Behandlungsmittel) und das die omnipräsent in den Bienenstöcken sind, ist ein Fakt. Nektar und Pollen sind voll davon. Das schwächt die Bienen auf jeden Fall.


  • Letztendlich gibt es aber die immunsuppressive Wirkung der Pestizide (auch der Behandlungsmittel) und das die omnipräsent in den Bienenstöcken sind, ist ein Fakt. Nektar und Pollen sind voll davon. Das schwächt die Bienen auf jeden Fall.


    das will ich auch nicht in Abrede stellen. Aber wir sollten uns nicht die Blöße geben, nur von einem der vielen Faktoren zu sprechen, dadurch gewinnt man nicht an Glaubwürdigkeit.


    Gruß
    Ludger

  • Die Industrie macht es uns doch vor. Die reden auch nur von einem Faktor: Varroa. Und sie bekommt nicht nur weiterhin Besuche im BeeCare-Center sondern die Parole: "Varroa und nix anderes" wird von dort aus schön brav weitergetragen.


    Was will uns das bedeuten?

  • Die Industrie macht es uns doch vor. Die reden auch nur von einem Faktor: Varroa. Und sie bekommt nicht nur weiterhin Besuche im BeeCare-Center sondern die Parole: "Varroa und nix anderes" wird von dort aus schön brav weitergetragen.


    Was will uns das bedeuten?


    Und? Glaubst du denen? :lol:


    ---Ludger

  • Ich bin leider ungläubig.


    Aber:
    "Insbesondere aus den Antworten zu Bienenkrankheiten lässt sich ableiten, dass der Befall der Völker mit Varroamilben von 80 % der Imker als größtes Problem eingestuft wird. Weiterhin spielen Durchfallerkrankungen (22 %), die Kalkbrut (21 %) und die amerikanische Faulbrut (20 %) eine Rolle."
    aus: http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Tier/Biene/agrar_news_themen.php?SITEID=1140008702&Fu1=1457772237&Ks_view=1457772237#adivitems


    (siehe auch Kommentar, scheinen also nicht alle zu pennen)


    Also: weiter einlullen lassen und weiterschlafen. [Blockierte Grafik: http://2.bp.blogspot.com/-xCRKaVSN0eA/U5Xm5DrF_OI/AAAAAAAAINc/vf3N-A49H6Y/s1600/sleeping-smiley.png%20]

  • Die Industrie macht es uns doch vor. Die reden auch nur von einem Faktor: Varroa. Und sie bekommt nicht nur weiterhin Besuche im BeeCare-Center sondern die Parole: "Varroa und nix anderes" wird von dort aus schön brav weitergetragen.


    Was will uns das bedeuten?


    Beecare? Ich merk schon, Du wart auf der Bayer-Veranstaltung. Kaffefahrt für Junglandwirte gesponsert von Bayer. Bessere Multiplikatoren für den Mist kann man sich wohl nicht wünschen...

  • Wenigstens ein Lebenszeichen. Ich übe auch noch an meiner Gelassenheit. Mehr Konstruktives, Lux, mehr Konstruktives!

  • Mehr Konstruktives


    Wie hieß es so schön bei den Gotland-Bienen: "Die sind aus wirtschaftlicher Sicht völlig uninteressant"


    Das ist eine Lüge. Tatsächlich wären sie wirtschaftlich extrem schädigend. Und zwar für die Spritzmittelwirtschaft.


    Mit solchen nicht auf Honigertrag ausgerichteten Bienen würde sich jeder Spritzmittelschaden sofort deutlich erkennbar zeigen.


    Wirklich schade, dass man von Seiten der Imkerschaft noch nicht auf die Idee gekommen ist, wenigstens zweigleisig zu fahren und solche Indikatorvölker in angepasster Betriebsweise zu halten. Das eine schließt das andere ja nicht aus und selbst so ein Blödmann wie ich bekommt das hin. Ohne Imkerkurs und ohne Verein.


    So wird's halt immer mehr Leute geben, die sich die Pestizidmischung im Honigglas nicht mehr antun. Ist ja nicht lebensnotwendig, genau wie Glyphosatbier auch.


    Grüße Sven

  • Moin, moin,


    die größte Milbenzahl, die ich bei der Sommerbehandlung von einem Volk heruntergeholt habe, lag so um die 35 000 + (fünfunddreißigtausend) Tägliche Windelkontrolle über 16 Tage Nassenheider horizontal, anfangs bis über 3000 täglich, ging gegen Ende auf etwas unter 2000 zurück.


    Der natürliche Fall blieb hoch, weil bei Aufräumarbeiten immer noch welche wieder gefunden wurden. Falls Bienen die auch als Gemüll selber raustragen, waren es noch mehr.


    Das Volk hat, 2Z Segeberger, bei 35 kg aufgehört, Futter abzunehmen. Im Frühjahr waren sie zur Frühtracht da und sind dann leider abgeschwärmt. Auch einzelne Zellen auf der Wabe können zur Schwarmzeit in den Schwarmakt münden.


    Das war vor 4 Jahren. Es scheint mir das ein Gegenargument gegen die These, die Milbe an sich wäre so viel tödlicher geworden, in den paar Jahren, die sie hier ist. Das ist auch bei der genetischen Homogenität dieser Tiere und bei der Art, wie sie sich fortpflanzen, sehr, sehr unwahrscheinlich.


    Meine Völker stehen nach Möglichkeit so, dass sie wenig, besser keine Pestizide mitbekommen.


    Gruß Clas

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