Varroa außer Kontrolle - und was Pestizide damit zu tun haben

  • Zitat

    Baudus: Ja, zur Varroafrage brauchen wir noch unbedingt mehr europa-finanzierte Varraoforschungen. :wink:


    Zitat

    Unfug und Verschwendung von Steuergeldern!
    Es bräuchte nur mehr Gedanken statt Gedankenlosigkeit und Institutshörigkeit.


    Nicht den :wink: übersehen!
    Das 7. Forschungsrahmenprogramm (FRP) geht Ende 2013 zu Ende. Für das Nachfolgeprogramm "Horizon 2020" (2014-2020) hat die EU rund 70 Milliarden € eingestellt. Bewerbungen ab 1.1. 2014.
    http://www.consilium.europa.eu…ssdata/en/intm/138118.pdf


    Gehören Gedanken (= Ideen ?) vielleicht gefördert ? Was würde der gemeine Imker (so einer wie ich) sich da wünschen ?


    Baudus

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)

  • Zusammenfassung: *Welche Standortfaktoren eines Bienenstandes könnten die Völkerverluste beeinflussen? Zuerst haben wir festgestellt, dass unsere Bienenstände mit heißeren Tageshöchsttemperaturen tendenziell höhere Verluste und Stille Umweiselungen über den Zeitraum von zwei Jahren hatten, obwohl dies bestenfalls ein schwacher Trend war. Doch schon 1869 wurden hohe Völkerverluste extrem hohen Temperaturen während des Sommers ( anon. 1869) zugeschrieben.


    Im Zusammenhang mit einem Bienenstand steht der umgebende Lebensraum. Unser erster Versuch, zusammen mit der zweiten Studie im Jahr 2010 zeigte, dass intensive Agrarlandschaften Völkerverluste bewirken können. Erhöht sich der prozentuale Anteil der intensiv-landwirtschaftlichen Fläche innerhalb eines Radius von 2-Meilen rund um einen Bienenstand, erhöhen sich auch die Völkerverluste des betreffenden Bienenstandes. Auf der einen Seite können Agrarlandschaften als sehr vorteilhaft für Trachtsituation der Honigbienen sein, es gibt aber mehr und mehr Hinweise darauf, dass dies nicht der Fall ist für native Bienen/Wildbienen ( Kremen et al. 2004) und wir suggerieren, dass dies auch vielleicht nicht der Fall bei Honigbienen ist.


    Eine gesteigerte Belastung mit Pestiziden könnte eine offensichtliche Hypothese über die schädlichen Auswirkungen der zunehmenden landwirtschaftlichen Fläche sein. Obwohl, es ist der Fall, dass wenn der Anteil der landwirtschaftlichen Flächen steigt, der Anteil der nicht-landwirtschaftlichen, weniger gestörten Lebensräume verringert - aber was ist der Mechanismus dahinter?


    Wir stellten jedoch fest, dass die Pestizid-Kontamination von Pollen nur schwach korrelierte mit erhöhter Stiller Umweiselung. Wir fanden jedoch, daß die Anzahl der verschiedenen Pestizide (und deren Metaboliten) je kontaminierter Pollenprobe mit der Stillen Umweiselung korrelierte. Es ist ein hohes Maß an Aufmerksamkeit derzeit auf der interaktiven tödlich und subletale Wirkungen von Pestiziden Exposition gegenüber Honigbienen, ein Großteil davon unterstützt durch die CAPS -Projekt. Unsere Ergebnisse im Maßstab typischer Bienenstände bestätigen die subtilen Effekte wie das Versagen der Königin, wie sie auch in kontrollierteren Feld -und Laborstudien ( Ellis 2010) gefunden wurden.


    aus: http://www.extension.org/pages…site-effects#.Uic5v2thiSN

  • Moin,
    irgendwie logisch
    Die Chefin bekommt über kontaminierten Pollen ihren Futtersaft
    Fängt irgendwann an zu schwächeln
    Schnell wird eine Neue nachgezogen
    Wenn das spät im Jahr passiert, wird das nichts mehr
    Das Volk ist zum Winter leer
    Passt genau, nach der Maisblüte bzw auch Senfblüte
    Warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen
    Bei den Völkerverlusten im Spätherbst waren immer Nachschaffungszellen auf den Waben
    Teilweise geschlüpfte
    Gruß
    Helmut

  • Die Studie ist gut! Sie zeigt, daß nicht nur Verhaltensänderungen durch Neonics verursacht werden, sondern die Bienen auch physikalisch geschädigt werden: Subletale Imidaclopriddosierungen verringern die Größe der Futtersaftdrüsen und den Atemrhythmus von Honigbienen in vivo.


    http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs13592-013-0199-4


    Verringern die Größe der Futtersaftdrüsen - was das bedeutet!

  • Herzlichen Dank fürs Einstellen.


    Das Paper ist vor allem deswegen gut, weil die Gruppe Zuckerwasser und Pollen mit Imidachloprid im gleichen Konzentrationsbereich (einige ppm) verfüttert hat, wie er auch im eingetragenen Nektar bzw. Pollen gefunden wird. Deshalb direkt übertragbar.


    Aus den Acknowledgements: "This work was supported by a joint project from the EU and the Greek Ministry of Agricultural Development and Food (2008–2010) and by a Greek-French bilateral collaboration project, PLATON 09 FR75." - Offenbar sind die Griechen gut und erfolgreich im EU-Anträge schreiben ....


    Baudus

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)

  • Offenbar sind die Griechen gut und erfolgreich im EU-Anträge schreiben ....


    ja und wenn es nach dem Sparwillen Deutschlands ginge, dann gäbe es solche Studien überhaupt nicht, denn dann müssten es solche Institute längst nicht mehr geben!

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Ich stehe hier mit dem traurigen Laborergebnis in meinen Händen, das die bittere Wahrheit ans Tageslicht bringt: mein geernteter Honig mit Rapsanteilen enthält 0,028 Milligramm [mg] = 28 Mikrogramm [µg] Thiacloprid pro Kilogramm.


    [Blockierte Grafik: http://www.immenfreunde.de/pics/pb102013.jpg]


    Das sind 28 ppb. (1 ppb*= 1 µg/kg)


    Der LD50-Wert, also die Dosis, bei der 50 % der Bienen nach 24 Stunden tot sind, liegt für Thiacloprid und Honigbienen bei 17 µg/Biene. (Wobei eine Biene in meinem Fall jetzt 600 Gramm Honig essen müßten, um den LD50-Wert zu erreichen.)


    Aber wie eine Studie berichtet: "We demonstrate, however, that a daily exposure 1/100th concentration of the LD50 significantly affects the mortality rate of N. ceranae-infected honeybees."
    aus: http://www.plosone.org/article…71%2Fjournal.pone.0021550


    Die einhunderstel Dosis - hier von 17 µg, also 0,17 µg - erhöht die Sterblichkeitsrate von mit Nosema infizierten Honigbienen [u]signifikant[u]. (Bedeutend.) Sprich: die Bienen werden anfälliger für Krankheiten.


    600 Gramm Honig enthalten 17 µg Thiacloprid geteilt durch 100 = 6 Gramm Honig reichen für subletale Effekte aus.


    Nach der Vergiftung und der anschließenden Pollenuntersuchung, bei der Thiacloprid nachgewiesen wurde, habe ich etwas Geld in die Hand genommen und den Honig untersuchen lassen.


    Ich bin einfach nur traurig.

  • Zitat

    im gleichen Konzentrationsbereich (einige ppm)


    Sorry, es waren natürlich pbb's gemeint. Unverzeihlich! Bei Geochemikern (bin einer davon) geht's bei Grössenordnungen manchmal schief, dafür stimmt die Stelle hinter dem Komma immer.
    Danke für's Zurechtrücken. Noch grösserer Dank für die Honiganalyse. Erschreckend.


    Baudus

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)