Zulassungsverfahren/Prüfung PSM - Wo ist das Problem ?

  • Hallo Kollegen,


    ich habe mir im Internet noch einmal die Vorgehensweise bei der Prüfung bzw. Einordnung von PSM in Sachen Bienengefährlichkeit angesehen.


    http://www.landwirtschaft-mlr.…tig%20oder%20ungiftig.pdf


    Jetzt sieht das für mich doch nachvollziehbar und zunächst auch vernünftig aus. Habe ich da etwas übersehen oder kann es sein, dass hier an der einen oder anderen Stelle übertrieben wird, was Vergiftungen und Völkerverluste angeht? Oder sind die Mittel, wohlgemerkt wenn sie korrekt angewendet werden, evtl. doch nicht der Ursprung ALLEN Übels?


    Ich habe meine Bienen seit Jahren immer bei uns im Ort stehen und weiss, dass der Raps hier immer mit Biscaya behandelt wird (Mais haben wir auch in rauhen Mengen, danke der ansässigen Biogasanlage). Ich habe aber noch nie ein Bienenvolk verloren und auch noch nie vergiftete Bienen am Stand gehabt - mehr kann ich nicht sagen. Ich kaufe auch Mittelwände (nicht bio) und lasse bisher auch recht wenig Naturbau machen. Ich behandle mit AS und OS.


    Also mache ich doch "eigentlich" alles falsch, zumindest aus der Sicht einiger, die hier posten:oops:


    Bitte nicht flasch verstehen, aber was ist denn an diesem Zulassungsystem grundsätzlich auszusetzen. Nun war ich vor 2 Wochen Gast eines Vortrages des Bieneninstitutes in Celle bei dem u.a. Invitrotests mit Larven vorgestellt wurden. Ergebnisse durften zwar nicht veröffentlicht werden, aber die Tendenz der Untersuchung legt laut Herrn v. d. Ohe nahe, dass es KEINE Erklärung von Völkerverlusten durch Neonicotinoide gibt.


    Ich möchte hier keine Lanze für die Pharmaindustrie brechen (NEIN!!!). Allerdings hätte ich gerne mal vernünftige Argumente gegen das Zulassungsverfahren gehört - nur mit denen in der Hinterhand kann ich die Landwirte nämlich überhaupt vernünftig ansprechen.


    Danke für Eure Hilfe...

    Meine Betriebsweise ist es keine Betriebsweise zu haben - jedes Jahr ist anders !

  • Moin, Moin aus Hamburg,
    bin etwas in Eile aber ich habe nur eine schnelle Frage : Hat sich Herr von der Ohe dazu geäußert wer den Invitrotest beauftragt/ bezahlt hat ?


    Beste Grüße aus dem Norden


    Daniel

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • HAllo Weimaraner
    Dein Link bringt Dich wirklich nicht weiter. Die schematischen Darstellungen zeichnen ein buntes Bild.
    Die Vergiftungsschäden ein anderes. Es wird ein großer Cokteil an Pflanzenschutzmitteln gefunden, das ist überall bestädigt, das Grundrauschen!!
    Gruß Peter

  • @ Daniel,
    jau, den hat das BVL bezahlt und leider noch nicht freigegeben.


    @ Peter aus dem Erzgebirge,
    das ist mir ja auch klar - aber was willste denn machen ? Immer auf ALLES zusammen prüfen, wenn etwas neues entwickelt wurde ?? Genau deshalb stelle ich ja die Frage hier !!!:daumen:

    Meine Betriebsweise ist es keine Betriebsweise zu haben - jedes Jahr ist anders !

  • Es gibt eine ganze Reihe von Problemen mit den aktuellen Zulassungsverfahren.


    Das größte Problem besteht darin, dass die Verfahren überhaupt nicht auf systemisch wirkende Pflanzenschutzmittel abgestimmt sind. Als die Prüfungsverfahren entwickelt worden sind, waren die systemischen Mittel noch nicht so in Mode. Hier ist vor allem bedeutsam, dass die Verteilung der Stoffe in der Umwelt kaum komtrolliert werden können. Die Neonicotinoide sind wasserlöslich, die neueren systemischen Insektizide wie Spirotetramat (Produktname: Movento) sind fettlöslich. Wo dieses Mittel wo und wie auftaucht, wird zu wenig dokumentiert.


    Die Dauer der Aussetzung mit diesen Wirkstoffen ist ebenso bedeutsam, wie nicht untersucht. Denn mit der Dauer der Kontamination in Kleinstmengen steigt die Wirkung exponentiell an. Die Untersuchungen umfassen keine langen Zeiträume.


    Obwohl es mittlerweile geeignete Methoden gibt, ganze Bienenvölker zu beurteilen, werden für die Untersuchungen meist Ableger oder Dreiwabenvölker herangezogen. Die Versuche finden größtenteils im Labor statt.


    Des Weiteren fiel mir in der Vergangenheit, dass die Zulassungsstelle die vorhandenen wissenschaftlichen Studien nicht kannte. Ich meine, dass die vom Hersteller recht einseitig eingereichte Literatur nicht ausreicht, um die Gesamtlage zu beurteilen. Stattdessen ist mindestens eine eigene Recherche der Zulassungsstelle zu erwarten.


    Des Weiteren sollte es hier eine Gewaltenteilung geben, also eine zweite Institution wie zum Beispiel das Umweltbundesamt sollte die Unterlagen und Erkenntnisse prüfen, und
    ein Vetorecht bekommen.


    Die mangelnde Transparenz der Verfahren für Betroffene wie Landwirte und Imker ist ebenfalls zu monieren. Es gibt nur sehr kostenaufwändige Wege Einsicht in die Unterlagen zu erhalten. Wenn überhaupt Einsicht gewährt wird.


    Das Bundesamt für Risikobewertung hat eine eigene Studie herausgegeben zu der Frage, was die Bewertung von Pflanzenschutzmitteln betrifft, schon vor 2008. Darin sind noch einige weitere Punkte enthalten. Bei Interesse kann ich euch die Studie per E-Mail senden.


    Es stimmt schon, dass viel Aufwand beim Zulassungsverfahren betrieben wird, der nach außen hin akurat und korrekt aussieht. Doch die Verfahren sind nicht für systemisch wirkende Stoffe ausgelegt. So dass die Ergebnisse keine Bewertungsgrundlage sein können. Da gibt es heute gute wissenschaftliche Methoden, die nicht zur Anwendung kommen.


    Des Weiteren hat die Politik, sprich die Bundesregierung einen großen Einfluss auf die Zulassungsstellen. Das ist nicht gut, denn diese können nicht frei agieren, sondern werden hier und da "zurückgepfiffen", wie einige von uns hier am eigenen Leib erfahren haben.


    Ich würde mir gern auch mehr Bürgerbeteiligung wünschen. Es gibt genug kluge Köpfe und auch Wissenschaftler unter den Bürgern. Warum werden die nicht mit einbezogen? Die haben teilweise gute Anregungen. Ich habe mal eine Studie aus der Türkei zum BVL geschickt, die Studie wies darauf hin, dass Imidacloprid krebserregend auf Warmblüter sein kann. Das BVL antwortete, dass die Studie nicht wissenschaftlich sei, weil statt dem reinen Wirkstoff das fertige Produkt mit Imidacloprid verwendet wurde. Für mich als Verbraucher ist es völlig egal, ob der reine Stoff oder das fertige Pflanzenschutzmittelprodukt krebserregend wirkt. Allein der Hinweis auf eine Gefährdung müsste Behörde Vorsicht walten und eigene Untersuchungen anstellen lassen. Ich bin dann auf eine zweite Studie gestossen, die habe ich der Behörde auch geschickt - darauf wurde achon nicht mehr geantwortet.


    Dass deine Bienen nicht betroffen sind, heisst noch nichts. Denn es dauert ein wenig, bis sich das Zeug im Boden sättigt. Bei uns haben das auch einige Imker lange Zeit behauptet. Jetzt betrifft es mehrere Kreis- und Landesvorsitzende, die nun wahrlich jede Fortbildungsveranstaltung besuchen und imkerlich sattelfest sind. Es kann nicht schaden, wenn Du die Bienen weiterhin gut beobachtest.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Hallo Bernhard,


    der ständigen Gefahr bin ich mir durchaus bewusst - ein Nachbarimker hat dieses Jahr ca. 80% der Völker verloren. Beobachten tue ich natürlich immer. Ich werde mich in diesem Sommer mal durch die Maisfelder schlagen und gucke, ob ich dort tote Bienen finde...Ich setze immer auf den Dialog mit Landwirten. Die sind vermutlich genauso wenig aufgeklärt wie ich in Sachen Neonicotinoiden. Gibt es dann eine Alternative zum Spritzmittel Biscaya ?


    Gruss


    Florian

    Meine Betriebsweise ist es keine Betriebsweise zu haben - jedes Jahr ist anders !

  • @all


    Was der Mensch sät, das wird er als Ernte bekommen.


    Egal ob PSM, Gentechnik oder Atomkraft wir bekommen seit Jahren das, was wir gesät haben als Ernte. Tote Tiere, Superunkräuter, versalzene Äcker, Nutztiere die wegen Genfutter ca. 50% mehr Fehlgeburten haben und wie es neuerdings zeigt ist ja auch die ach so sichere Atomkraft nicht beherrschbar...


    Das gemeine and diesen Dingen ist, dass sie überwiegend erst nach Monaten, Jahren oder gar Jahrzehnten gnadenlos zuschlagen. Die Natur kann viel verkraften, sonst wäre eh schon lange alles zu spät, aber irgendwann hält Sie uns immer wieder den Spiegel vor und zwar in immer drastischerer Weise.


    Solange wir nicht begreifen, dass wir mit all diesen Instrumenten gegen die Natur und somit gegen Uns arbeiten, werden wir noch mehr Elend und Leid ertragen müssen. Eigentlich sollte es der Dümmste so langsam begreifen und wieder auf den Richtigen Weg kommen, aber wie schon bei "Onkel Dagobert" Geld macht blind und Beratungsresistent und wie wir immer wieder sehen ist die Natur unser bester Berater, wenn wir es denn sehen wollen, dürfen......


    Beobachtet Eure Bienen gut, auch was um Euch herum und auch über Euren Köpfen vor sich geht...


    Nachdenkliche Grüsse, Markus

    Die Natur ist Perfekt, die Fehler macht nur der Mensch. (Sepp Holzer)

  • Hallo Florian
    Alternativen zu Biscaya-- ja ja weniger Raps - weniger Ackersenf im Herbst, weniger erneuerbare Energietäuschung.....
    Aber der gezüchtete Rapsglanzkäfer frist inzwischen ja nicht nur den Raps, sondern er hat auch andere Planzen gefunden, zB massiv die Lindenblüten.
    Ich möchte betonen, ich will keine alten Zeiten zurück.....
    Gruß Peter

  • Hallo Peter,


    na das mit dem Rapsglanzkäfer ist ja interessant, da muss ich mir die 2 Linden in der Gegend diese Jahr mal genauer betrachten.


    "Erneuerbare Energietäuschung", was für ein Wort, könnte mal ein Unwort des Jahres werden...


    Die "alten Zeiten" die will keiner zurück, aber die Maßlosigkeit heutzutage ist kaum noch zu ertragen, weder geistig, noch physisch für Mutter Erde und somit uns alle...


    Nachdenkliche Grüsse,
    Markus

    Die Natur ist Perfekt, die Fehler macht nur der Mensch. (Sepp Holzer)

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  • Hallo Markus


    du hast meine volle Zustimmung für deine Ausführungen.


    Hallo Peter


    der Rapsglanzkäfer soll die Linde schädigen? Das wäre mir neu, das auf den Lindenblüten kleine schwarze Käfer zu finden sind habe ich schon beobachtet, aber auch schon vor mehr als 10 Jahren.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • ...entschuldigt, aber ich muss nochmal fragen - keine Alternative zu Biscaya ? Mit was hat man denn früher behandelt ?

    Meine Betriebsweise ist es keine Betriebsweise zu haben - jedes Jahr ist anders !

  • Natürlich gibt es Alternativen!


    Die heißen Mischkultur, eine gesunde Form der Bodenbearbeitung, Fruchtfolge - kurz:


    Gute Fachliche Praxis.


    Da gibt es wunderschön bebilderte Broschüren vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, sowie dem Landwirtschaftsministerium. Leider übersehen die Politiker und Entscheider diese durchaus durchdachten Konzepte. :roll:


    Das Übersehen geschieht aus dem Grunde, weil die Landwirtschaft immer mehr in die Energieproduktion anstatt Nahrungsproduktion eingebunden wird. Auf impliziertem Wunsch der Gesellschaft! Es läuft daraus hinaus, das schlichtes Nachdenken und vorsichtiges Einsetzen der bereits vorhandenen Energie eine Menge Leid, bei Bienen und Menschen gleichermaßen verhindern hätte können.


    Stattdessen wird das Goldene Kalb, ewiges Wachstum, angebetet!


    Ein anderes Mittel oder ein anderer Wirkstoff zum Spritzen löst das zugrundeliegende Problem nicht. Die Bodenschäden ziehen immer Pflanzen- und Tierschäden nach sich.


    Viele Grüße
    Bernhard