Bieneninstitut Celle 05.03.2011 Vorträge: Betriebswesie + Invitroprüfungen

  • Hallo Kollegen,


    nach dem Hinweis von beehead bin ich dann am Samstag mal los (als bekennender 96er war das nicht ganz leicht :daumen:) und habe mir am Nachmittag in Celle zwei Vorträge am Bieneninstitut angehört. Zunächst muss ich sagen, dass es keine öffentliche Veranstaltung war, sondern vermutlich die Jahresversammlung der Gesellschaft der Freunde des Niedersächsichen Landesinstituts für Bienenkunde. Allerdings waren auch Nichtmitglieder herzlich willkommen. Da ich KEIN Mitglied bin, habe ich mich selbstverständlich auch zurück gehalten obwohl einige Punkte aus meiner Sicht nicht deutlich genug hervorgehoben worden waren.


    Der erste Vortrag befasste sich mit einer Optimierung der Betriebsweise zur Reduktion des Varroabefalls und wurde von Herrn Dr. Bödeker aus Celle gehalten. Grundsätzlich geht die Meinung ganz klar in di Richtung, dass die meisten Winterverluste durch die Varroa verursacht werden. Eine optimale Betriebsweise sollte dazu beitragen, diese in Schach zu halten.
    Verglichen wurde über einen langen Zeitraum die "moderne Hohenheimer" Betriebsweise und das "Celler Rotationsverfahren". Beteiligt haben sich Bödeker, Aumeier und Liebig. Der Vortrag war aus meiner Sicht etwas arg kurz und oberflächlich. Im wesentlichen ging es darum die die Volksstärke bzw. die Entwicklung der Varroapopulation im Verlauf des Bienenjahres zu dokumentieren. Beide Betriebsweisen sehen einen strikten Ablauf in der Völkerführung sowie einen festen Bahandlungsplan der Völker mit Säuren vor. Dieser Behandlungsplan wurde allerdings gar nicht genau beschrieben, ebensowenig wie die genaue Dosierung bzw. das Vorgehen bei den einzelnen Behandlungsschritten. Auf Nachfrage wurde dies mit dem engen Zeitplan der Veranstaltung begründet:


    Das Ergebnis zeigte aber durchaus einen Erfolg, so überlebten :


    bei Bödeker 82 von 82
    bei Aumeier 138 von 140
    bei Liebig 158 von 159 eingewinterten Völkern
    bei weiteren beiteiligen "privaten" Imkern hielten sich die Verluste insgesamt im einstelligen Prozentbereich...!



    folgende Kernaussagen habe ich für mich mitgenommen:


    1.) Völker sind eng an der Betriebsweise zu führen
    2.) Behandlung der Ableger sofort mit Milchsäure
    3.) Spätsommerbehandlung mit AS
    4.) Winterbehandlung mit OS
    5.) Rückvereinigung bringt dem Volk zahlenmässig bis zur Einwinterung keinen Vorteil
    6.) Wenn Vereinigung, dann nur JUNG/JUNG oder ALT/ALT - keine "Mischung"



    Der zweite Vortrag sollte ja für mich der interessante werden. Er befasste sich mit der Prüfung der Auswirkung von NeoNicotinoiden im Invitroverfahren. Gehalten würde er von Frau Lüken und nicht von Hern von der Ohe selbst.....warum wurde mir dann erst später klar.
    Bei diesem Verfahren werden dem Bienenvolk Eierentnommen und im Invitroverfahren im Brutschrank zu Larven und später Insekten herangezogen. Hierbei werden sie dann Noenicotinoiden durch verseuchte Futtergaben ausgesetzt.


    2008/2009 wurden die Maden EINER akuten Dosis ausgesetzt, 2009/2010 erfolge dann eine Versuchsreihe mit chronischen Belastungen bis zur Verpuppung.
    Die sehr interessanten Ergebnisse konnten aber leider an dem Nachmittag nicht bekanntgegeben werden weil.....achtung...jetzt kommts..."Tante Ilse" die (noch) nicht rausrücken möchte. Offiziell sind die eben einfach noch nicht durchgelesen und freigegeben worden. Ein "bedauerlicher" Umstand den Frau Lüken weggelächelt hat. Herr von der Ohe wies dann sofort daraufhin, dass natürlich der Geldgeber das erste Zugriffsrecht hat....ein Schelm, der böses dabei denkt .
    Allerdings konnten man den beiden ansehen, dass sie mit der Situation auch nicht zufrieden waren. Herr von der Ohe deutete aber an, dass es nach den Versuchen keine neuen Tendenzen in Sachen "Völkersterben" gibt. Das Auditorium war zufrieden...ich nicht !


    Allerdings sollen die Ergebnisse "bald" veröffenlicht werden. Das Verfahren soll dann später einmal in das dreistufige Zulassungssystem integriert werden.


    Schade eigentlich, aber nunja ...wir müssen dann wohl einfach warten und nicht den Mut verlieren.


    Besser ist es immer, mit den Landwirten vor Ort zu reden, denke ich. Damit das Zeug gar nicht erst ausgebracht wird.


    Gruss


    Weimaraner

    Meine Betriebsweise ist es keine Betriebsweise zu haben - jedes Jahr ist anders !

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  • Servus weimaraner,:daumen:
    echt super, dass du dir die Zeit genommen hast und das Ergebnis lässt trotz der nicht veröffentlichten Details einige Rückschlüsse zu.
    Ich bin gespannt wie sich die Herrn/Damen da rauswinden und wie die tatsächlichen Ergebnissen dann sind.
    Werd heut abend noch mal was posten, bin grad uff Oarbeit.


    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Hallo,


    die Begründung lieferte in diesem Fall die zahlenmässige Volksentwicklung (varroa war jetzt hier in diesem Punkt nicht ausschlaggebend). Es wurden zig Völker genau ausgezählt, was die Bienenmenge (im August/September) bei Vereinigung und dann später zum Winter hin anging. Dabei zeigte sich, dass Altvölker überproportional an Bienen verlieren. Dieser Effekt "überträgt" sich ann au auf ein vereinigtes JUNG/ALT Volk, sodass letztlich nicht mehr Bienen in der Kiste verbleiben. Auch wenn man dies vom "anteiligen" Jungvolk erwarten würde. Es wird davon ausgegangen, dass der Organismus "BIEN" irgendwann eine Entscheidung zu Volksstärke trifft und dann auf dieses Mass zusammenschrumpft..komme was wolle.


    hhmm...also ganz nachvollziehen kann ich das nicht mein stärkstes Volk (Stand jetzt) ist eine Altvolk ... die sollen doch angeblich am stärksten schrumpfen ?

    Meine Betriebsweise ist es keine Betriebsweise zu haben - jedes Jahr ist anders !

  • Mit Erfolg kann man auch seine Völker im Frühjahr zum Schwärmen bringen und kräftig vermehren.
    Das kommt immer auf die Betriebsweise und die Trachtnutzung an.


    Starke (oder verstärkte) Völker für die verstärkte Frühtrachtnutzung, oder


    Viele kleine Völker im Frühjahr aufbauen, um damit eine ausgesprochene Spättracht wie Heide oder Tanne zu nutzen.


    Es kommt immer darauf an, wie man den Erfolg definiert. In einem anderen Thread wurde von Jule die Frage gestellt:


    Was ist normal?


    Das passt auch hier ganz gut!

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)