An die Waldhonigimker

  • Hallo,


    ich hab ein Problem, das ich schon an anderer Stelle angesprochen aber immer noch keine Lösung gefunden habe.


    Mein Waldhonig ist nach dem Abschleudern und sieben schön klar mit einer Farbe wie Bernstein. Wenn ich das Glas vor eine Lampe halte, sahe ich die Lampe schön durch.


    Nach einigen Monaten aber wird er trüb und es setzt sich weißer Satz unten am Boden ab. Auch die Eimer, die noch nicht abgefüllt sind, verhalten sich gleich.


    Ich hab meinen Honig bisher im Segeberger Wärmeschrank aufgetaut, der gemessene 42°C erreicht. Der Honig ist Flüssig, aber eben trüb.


    Jetzt bin ich versuchsweise auf einen Glühweinkocher umgestiegen und hab zum Test mal einen Eimer bei 46 bis 49°C über Nacht im Wasserbad gelassen. Ich weis, das ist zimlich hoch aber ich wollte es wissen.
    Ergebnis war, das der Honig immer noch trübe ist.


    Was kann da sein, ist da so viel Pollen drin, sind die Mellikristalle (ein kleiner Teil Melezitose kann ich nicht ausschließen) so hartnäckig?


    Wie machen das die anderen Waldhonigimker? Dieses Problem hatte ich letztes Jahr nicht.

  • Hallo Günther,
    die hartnäckigen Kristalle könnten auch Traubenzucker von einem Blütenhonig sein.
    Ich konnte dieses Problem nur mittels Melitherm lösen. Den habe ich mir leider viele Jahre zu spät angeschafft.
    Aufgetaut wird immer nur die Menge, die im Zeitraum bis zur Kandierung verbraucht wird.
    Manche Kunden kann man auch aufklären. Die nehmen den teilkristallisierten Honig gerne.
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo Günther,
    die hartnäckigen Kristalle sind meiner Meinung nach Melezitosekristalle. Im großen Honigbuch von Horn/Lüllmann ist zu lesen:" Kandierte Melezitosehonige lassen sich nur sehr schwer unter Anwendung höherer Temperaturen verflüssigen. Häufig bleiben Zuckerkristalle in Form eines Bodensatzes zurück oder bilden sich erneut innerhalb kürzester Zeit....".
    Genau dieselbe Beobachtung hatte ich früher auch, die Honige wurden trüb und es bildeten sich die Kristalle. Deshalb habe ich mir vor vielen Jahren den Melitherm gekauft, seither kenne ich das Problem nicht mehr. Vielleicht kannst Du Dir mal einen Melitherm zum Testen ausleihen. Ich stelle die Temperatur anfangs auf 40° C., wenn der Honig fast nicht mehr abtropft und die Melezitosekristalle sich unten ansammeln auf 50° C bis 55° C., dann geht es rasch und alle hartnäckigen Kristalle sind verflüssigt. Habe keine Angst wegen der Zunahme des HMF Gehaltes. Dr. Vorwohl in Hohenheim hat es getestet und selbst bei 55° C. keine nennenswerte Zunahme des HMF Gehaltes feststellen konnte, da der Honig nur sehr kurz dieser Temperatur ausgesetzt ist, sich verflüssigt und sofort abtropft.
    Viel Erfolg wünscht
    winolf

  • Hallo Günther!


    Ich nehme auch an, dass es sich um Melezitosekristalle handelt. Diese Kristalle kann man mit 40° C nicht auflösen. Die Verwendung eines Melithers (60 bis 65° C) ist eine sehr gute Lösung. Der Honig ist nur so lange in der Nähe der Heizspirale bis er flüssig ist und entschwindet dann. Daher kann ein Hitzeschaden nicht eintreten.


    Wenn der Honig bereits in Gläser abgefüllt ist, dann stellt man am Besten die Gläser in einen großen Kochtopf mit 1 cm hoch Wasser und heizt gemächlich auf. Auf diese weise werden nur die am Boden liegenen Melezitose Kristalle angewärmt und der restliche Honig wird geschont.


    MfG
    Honigmaul

  • Servus Günther,
    der Melitherm ist eine gute Lösung.
    Wenn du noch nicht zu viel in Gläsern hast, würde ich den Honig so lassen wie er ist und den Kunden durch erklären vermitteln was es damit auf sich hat. Meine Erfahrung ist, dass dies manche gerne tolerieren und es eher schätzen, dass der Honig keine Erwärmungen erfahren hat.


    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Damit kann ich schon viel anfangen, danke an alle.
    Ich dachte mir schon, das es Melezitose ist. Interessant ist, das ein Kollege keine 1000 Meter Luftlinie von mir das Problem nicht hat.


    Ich war schon vor dieser Sache fest entschlossen ein Melitherm zu kaufen, jetzt wirds halt schneller was.:wink:

  • Lieber Drohn,


    du schleuderst ja etliche Tonnen Honig;-) und du gefrierst die gesamte Ernte ein?
    Was hat du für Tiefkühler, mir fallen da nur noch welche ein aus dem Geschichtsunterricht. Wär aber ein bissl pietätslos......


    Grüße
    schlumpf

  • Noch eine Frage zum HMF Gehalt. Ab wann steigt der (ich war der Meinung ab 60°) und so weit ich weis, ist der nur für die Bienen schädlich, nicht für Menschen, ist das so richtig?
    Ich frage, weil ich grad am probieren bin, wie ich die Sache vorrübergehend im Glühweinkocher im Wasserbad hinkriege. Da brauche ich halt etwas länger.


    beehead


    Ich kann nicht abwandern (Standimker), was ich auch nicht würde, da die Waldtracht die Haupttracht bei uns ist.
    Mein Honig hat nur wenig Meli dabei, richtig viel ist alle paar Jahre mal, ich kann die als Standimker aber nicht daran hindern zu sammeln, da muss man die Waben dann umtragen lassen.


    Drohn :


    Ich war heute bei einem Händler für Imkereibedarf und hab dort Gläser mit Waldhonig stehen sehen. Alle cremig.


    Allerdings ist das genau das, was meine Kunden nicht wollen. Die erwarten vom Waldhonig das er flüssig und klar ist.
    Cremhonig ist die Frühtracht.


    Außerdem wäre es mir unmöglich, diese Menge einzufrieren.

  • Günther ,
    wenn die Bienen mal Melizidose eintragen, hält die nix mehr davon ab, dann kann man nur noch abwandern in anderes Trachtgebiet.


    beehead


     
    Hallo Bienenfreunde!


    Jeder Imker wird sich schleuderbaren Honig wünschen, aber wenn es wieder einmal so weit ist, warum sollte man da abwandern. Lieber 1000 kg Melezitosehonig als gar keinen.


    Voraussetzung ist aber, dass der Imker mit der Melezitosetracht umgehen kann. Dazu gehört, dass er Leerrähmchen im Überfluss hat. Die dürfen bis zum Ende der Tracht einfach nicht ausgehen. Bei Melezitosetracht bauen die Bienen wie verrückt. Da ist es auch möglich, dass man Rähmchen ohne Mittelwände gibt (jedes 2. Rähmchen ein Leerrähmchen) und dann die Melezitosewaben nur mehr ausschneidet (damit schränken sich aber die weiteren Verarbeitungsmöglichkeiten ein).


    Die geernteten Melezitosewaben können dann auf unterschiedlichste Weise weiterverarbeitet werden. Eine Möglichkeit ist, dass im nächsten Frühjahr den Völkern ein Magazin nach dem anderen mit Melezitose untergesetzt wird. Die Bienen tragen den Honig um, wodurch er sich mit anderem Honig vermischt und somit schleuderbar wird oder sie verbrauchen ihn bei Trachtlücken und schonen damit den anderen Honigvorrat.


    Ausgeschnittene Melezitosewaben können mit entsprechenden Geräten ausgeschmolzen werden oder sie werden für die Met-Herstellung verwendet (da habe ich aber keine Erfahrung).


    MfG
    Honigmaul

  • ...so weit ich weis, ist der nur für die Bienen schädlich, nicht für Menschen, ist das so richtig?


    Hallo Günter, das stimmt.
    Aber es zeigt, daß der Honig zu heiß gekocht wurde und wichtige Inhaltsstoffe hin sind.



    @ Honigmaul: Deine Verwertung der Mele-Waben halte ich auch für die Beste!

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • @ Günther


    Zitat

    Noch eine Frage zum HMF Gehalt. Ab wann steigt der (ich war der Meinung ab 60°) und so weit ich weis, ist der nur für die Bienen schädlich, nicht für Menschen, ist das so richtig?


    Beim HMF Gehalt ist immer die einwirkende Temperatur in Verbindung mit der Zeit zu sehen.


    Beim Melitherm wirken die 60° C nur ganz kurze Zeit ein, sobald der Honig flüssig ist, läuft er durch das Sieb und kühlt wieder ab. Im Gegensatz dazu steht der Auftauschrank wo die Temperatur stundenlang einwirkt.


    siehe auch:
    http://www.llh-hessen.de/ausse…fermentation%20100927.pdf


    Laut dieser Tabelle steigt der HMF-Wert bei einer Lagerung bei 40° in 20 - 50 Tagen und bei einer Lagerung bei 60°C in 1-2,5 Tagen auf 30 ppm.


    Bei einem Melithermvorgang wo die Wärme nur im Minuntenbereich tatsächlich auf den Honig einwirkt, wird es nur zu einem geringen Anstieg des HMF-Wertes kommen.


    MfG
    Honigmaul