Schwächling aufsetzen?

  • Hallo zusammen,


    ich habe letztes Jahr mit einem Volk angefangen und davon noch einen Ableger gemacht. Das urprüngliche Volk habe ich zweizargig eingewintert, den relativ schwachen Ableger einzargig. Bis jetzt leben beide Völker noch.


    In der letzten Woch ist das große Volk stark geflogen und die bienen haben fleißig Pollen eingetragen. Beim Blick durch die Folie scheint das Volk noch in der unteren Zarge zu sitzen.


    Beim Ablegervolk war kaum Flugtätigkeit zu sehen, aber ein Blick durch die Folie zeigt, dass es lebt und etwa 4 Wabengassen belegt.


    Ich gehe davon aus, dass zumindest das große Volk mittlerweile in Brut gegangen ist. Wenn es jetzt wieder kalt wird, könnte das Futter vielleicht knapp werden; die Erfahrung und der Vergleich mit anderen Völker fehlen mir leider, um das Gewicht bzw. Futter abzuschätzen.


    Ich überlege jetzt, ob es evtl. sinnvoll wäre, das schwache Volk dem starken über Absperrgitter aufzusetzen und damit evtl. beiden zu helfen. Dem kleinen durch Pflegehilfe und Polleneintrag, dem großen durch weiteres Futter.


    Liege ich damit falsch?


    Viele Grüße,
    hajots

  • Danke, dieses Verfahren hatte ich im Hinterkopf.
    Meine Frage zielt eher dahin: ist es jetzt noch zu früh dafür, da wir noch im Februar sind und in den nächsten Tagen nochmal einen richtigen Kälteeinbruch erwarten (-10° C)?
    Der Knackpunkt scheint für mich eigentlich die Menge und Erreichbarkeit des Futters zu sein.


    Gruß,
    hajots

  • Hallo Hajots,


    richte Dich nach dem Futter.
    Ein totes Volk aufzusetzen ist suboptimal...
    Mach`s möglichst in einer Warmzeit.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Hallo Miteinander,
    das schreibe ich jedes Frühjahr ins Forum:
    Ihr sollt keine starken Völker zu lasten von schwachen Völkern schwächen!
    Die Beschreibung des Ablegers klang doch nicht schlecht.
    Einfach mal "machen-lassen" statt machen.
    Noch zu dieser "Unzeit"...
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • 4 Waben bei einem Einzarger sind meiner Meinung nach für diese Jahreszeit völlig in Ordnung. Zumindest schauen die, welche ich auf einer sitzten habe auch nicht viel anders aus. Wo sollten die Bienen denn herkommen und wie sollten die mit der begrenzten Menge an Futter auskommen?


    Ich würd gar nichts machen, ab Ende Februar oder Anfang März, wenns mal warm ist, das Futter kontrollieren, am besten mit Wiegen, da braucht man nicht zu öffnen.:u_idea_bulb02:

  • Hallo hajots,
    habe am Wochenende ein Anfängerlehrgang gemacht, von der Pia Aumeier. War super. Da gingen auch einigen Imkern wegen Futtermangel die Düse. Es hieß da, schwächliches Volk mit Gitter auf starkes Volk setzen. Die teilen sich das Futter. Aber wie hier schon erwähnt, jedes Volk benötigt jetzt in Brut ca. 100 g täglich. Eine Wabe hat ca. 2 kg Futter (beidseitig). Das nachfüttern: in einer abgeschnittenen Plastikflasche Fertigflüssigfutter und Schwimmmaterial füllen. Es hieß, die Bienen können in der Kälte nicht besonders gut aus dem Futtertrog, dahe einen Zweig bis oben hin zum raußklettern reinstellen.
    Das Futter wird jetzt genau am Rand der Bienentraube unten auf den Zargenboden abgestellt. Die Bienen kommen nur so bei der Kälte an das Futter. Stellt man es oben drauf, ist es den Bienen zu weit. Wenn du natürlich noch Futterzargen haßt ist es natürlich das Beste. Viel Glück.
    Kirstin

  • Hallo,
    mehr als vier Waben sind bei meinen einzargig überwinterten Völkern auch nicht besetzt. Ich würde einfach mal abwarten. Und die Bienen jetzt noch in Ruhe lassen.

  • Hallo,
    wenn ein Volk ein Schwächling ist, dann liegt es in der Regel an der Königin. Das Ergebnis ist auch in der Regel, dass die gute Königin die Bienen der schwachen abzieht. Ist das untere Volk so schwach, dass es den Platz des oberen Volkes benötigt, so wird es diesen bei erster Gelegenheit als Honigraum benutzen. Es funktioniert eigentlich nur mit zwei attraktiven Königinnen und das ist nach meinen mehrjährigen Erfahrungen nicht das Gelbe vom Ei. Also, weg von kranken Völkern von gesunden. Lasst das schwache Volk stehen, macht mit den Bienen und neuer Königin einen Kunstschwarm.


    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo Remsi!


    Das sehe ich inzwischen auch so. Diese Schwächlingaufpäppelei ist nach meiner persönlichen Erfahrung eher falsch. Wenn das Volk mit der Königin was taugt, dann kommt das Volk auch einigermaßen stark über den Winter.


    ich bin dazu übergegangen die Schwächlingsvölker im allgemeinen auszusondern.


    Lieber stelle ich die Schwächlinge selbst mit Absperrgitter getrennt übereinander und warte bis ich schlupfreife Weiselzellen habe. Das können auch drei oder vier solche Kleinvölker sein. Dann werden diese Schwächlinge aufgelöst und es werden Brutableger mit einer schlupfreifen Weiselzelle draus erstellt.


    Bis zur Erstellung selbst wärmen sich die Schwächlingsvölker gegenseitig, so dass die Entwicklung deutlich besser ist, als wenn der Schwächling alleine steht. Die alte Königin wird, wenn diese absolut nicht in die Gänge kommt, 8 Tage vor der Ablegerbildung abgedrückt, damit es keine offene Brut mehr gibt. Abdrücken selbst ist aber in dieser Jahreszeit eher die Ausnahme. :daumen:


    Lieber erstelle ich noch mit einer Brutwabe und Bienen einen Königinnenableger. Dieser Ableger wird dann immer wieder für weitere Ableger geschröpft. Danach bleibt er als Ableger stehen (so um die Sommersonnenwende) und irgendwann im Spätsommer mit einer neuen begatteten Königin umgeweiselt.


    Wenn bei den Schwächlingen wirklich einmal eine gute Königin dabei sein sollte - was auch ausnahmsweise einmal vorkommt, dann stellt man das im Laufe des Frühlings fest. Solche Völker lasse ich dann auch schon mal in eine eventuelle späte Waldtracht gehen. Aber es ist die absolute Ausnahme!


    Schwache Völker haben fast immer schwache Königinnen und gehören aufgelöst! Auch Drohnen will ich nicht davon bei mir am Stand fliegen lassen.


    Man schwächt nur seine wirklich guten Völkern nach meiner Meinung. Und wie Remsi habe ich festgestellt, dass - zumindest bei mir - häufig die auf ein starkes Volk aufgesetzten Königinnen der Schwächlingsvölkchen in der Vergangenheit nach einer gewissen Zeit sowieso fehlen.


    Aber wie gesagt, das ist meine ureigenste persönliche Erfahrung. Und ich werde mich hüten in dieser Angelegenheit Bienenpäpsten wie dem Liebig und der Pia Aumeier zu widersprechen!


    Meine Devise, (nach den Imkern Benno Winnerlein und Hans Schweinesbein):


    Lieber weniger aber stärkere Völker, weils damit auch mehr Honigertrag gibt - natürlich nur wenn es auch Tracht hat! :p_flower01:


    Die Natur ist sehr streng mit Ihren Lebewesen! Nur die Besten und am besten angepassten überleben längerfristig. Und diese Völker sind allermeistens auch fitter und weniger krankheitsanfällig.


    Keine Schwächlinge und auch keine Kompromisse bei Königinnen, nur weil es vielleicht eine (vermeintlich) Super-Zuchtrichtung ist! :daumen:


    Mir ist bewusst, dass diese Ansicht vielleicht eine eher erwerbsorientierte Sichtweise ist, aber ich persönlich kann damit gut umgehen, dass ich Schwächlingspäppelei aufgegeben habe. :u_idea_bulb02:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)