Bienenhaltung nach Liebig

  • Hallo zusammen,


    ich hab gleich zu Anfang meiner Imkerlaufbahn das Buch von Liebig "einfach imkern" gakauft und fand es recht hilfreicht.


    Je mehr ich aber im Verlauf der letzten Jahre von dem Mann höre und sehe, krieg ich richtig Abneigung gegen den.
    Mit welcher Sicherheit er seine Weisheiten weitergibt ist unglaublich.


    Zum Beispiel die Aussage in diesem Viedeo: Bienen mögen Ameisensäure, die streiten sich um Platzkarten um eine Ameisensäuredusche zu kriegen.


    http://www.youtube.com/watch?v=FTZVV2Ty8Ro


    Oder hier, da wird lustig im Kreis gehängt und gelacht, das wäre wie im Patanosta.
    Aber er macht ja wieder "Ordnung".


    http://www.youtube.com/watch?v=4JHmSRld1KY&feature=channel



    Ich weis, er ist Dr. und Wissenschaftler und ich nur ein kleines Nichts was Bienen betrifft. Aber mir drängt sich der Eindruck auf, das der Mann besser Uhrmacher oder was weis ich vielleicht Automechaniker hätte werden sollen.
    Wenn da was nicht so geht, wie man sich das vorstellt, dann tauscht man ein Teil aus und dann passts wieder.
    Und der versucht genau das mit Bienen.:evil:


    Das Bienen Lebewesen sind, die einem eigenen Plan folgen hat er jedenfalls noch nicht gemerkt.


    Außerdem scheint er das Bad in der Menge zu genießen, die Leute reißen sich jedenfalls um ihn.

  • Hallo Günter,


    da geht es mir ähnlich wie Dir. Auch ich habe das Buch gelesen. Fand es sehr umfassend, es deckt wichtige Bereiche ab.
    Nachdem ich auf Youtube diese Filme sah und mit Recht ein Gegner der Ameisensäure und des doppelten Brutraumes bin, beschloss ich für mich einige Dinge aus dem Buch zu streichen. Die meisten Teile aus seinem Buch sind aber korrekt und konnten mein Wissen ordentlich aufwerten. Deshalb kann ich das Buch nicht verdammen. Zu seinem Auftreten in den Youtube Filmchen kann ich nur sagen: jeder Mensch ist eben so wie er ist. Das macht ihn aber nicht gleich zu einem schlechten Menschen, vielleicht hatte er auch nur einen schlechten Tag.
    Viele Imker schwören nach wie vor auf die Ameisensäure. Mir erscheint sie als nicht effektiv genug, sie quält die Bienen, tötet Brut ab und ist obendrein für den Imker nicht ganz ungefährlich. Fünf Tropf-Blockbehandlungen mit einer Oxalsäure-Rezeptur und alles wird besser.
    Mir reicht ein Brutraum. Ich will doch nicht immer zwei durchgucken (und transportieren) müssen.


    Bei meinen Recherchen picke ich mir das Wichtigste aus den Büchern von Adam, Ries, aus der Schulungsmappe und vielen anderen Quellen. Letztlich muss dann jeder für sich selbst entscheiden, was er für gut befindet und was nicht.


    Ich freue mich schon darauf nun mit Dadant US anzufangen :-)


    Gruß

  • Hallo,


    laut den Videos scheint das doch ein normaler Imker zu sein. Das Gebaren in den Videos kenne ich von Imkervereinsversammlungen und hier aus dem Forum. Die Anzahl der Zuschauer von meinem Lehrgang und die dargebotenen Inhalte kann man im Internet und der Literatur zahlreich nachlesen.

  • Hallo Bienenfreunde!


    Ich muss zugeben, dass ich ein Fan von ihm bin, möchte aber anführen ,dass ich auch nicht alles so mache wie er es vor gibt. Als Beispiel möchte ich das Weiselzellenbrechen anführen. Das ist mir einfach zu viel Arbeit. Aber im Großen und Ganzen fährt ein Jungimker nicht schlecht, wenn er sich an seine Anweisungen hält. Wenn dann der Anfänger allmählich zum Fortgeschrittenen wird, dann kann natürlich jeder Imker seine Betriebsweise seiner Vorliebe und seinen regionalen Möglichkeiten anpassen.


    Wenn sich alle Imker nach seinen Anweisungen halten würden, dass wäre die Völkervermehrung in ganz Europa mehr als gesichert und es müssten keine Kunstschwärme aus Übersee importiert werden, da wären so manche dubiose Bienenhändler schon verhungert und somit ausgestorben.


    Als weiteren Meilenstein muss ich die Betriebsweise nach Karl Pfefferle, Unser Imkern mit dem Magazin, anführen. Wenn man von beiden Betriebsweisen das Beste heraus nimmt, dann fährt jedermann sehr gut.


    Wenn angeführt wird, dass den Bienen die AS-Dusche nicht bekämmlich ist, dann muss aber differenziert werden.


    AS-Vertäglichkeit bei:


    Bienen = sehr gut
    Verdeckelter Brut = sehr gut
    schlüpfende Brut = schlecht
    offener Brut = schlecht


    MfG
    Honigmaul

  • Bienenvölker sind eine Einheit, und auch als solche zu behandeln.
    Dazu kommt das ganze Drumherum und Miteinander an Lebewesen, die davon abhängen - es ist eine enorme Vernetzung.
    Bienenvölker als Summe von beliebig austauschbaren Einzelteilen zu sehen, zeigt, daß da jemand das Konzept von "Leben" nicht verstanden hat.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Er weis die Leute zu fesseln,
    gibt locker und einprägsam weiter, was er kann.
    Und als ich den Spruch mit der Ameisensäure gehört und gesehen habe, war mir klar, dass er auch ironisch sein kann.
    wowa

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Ich habe ihn ja jetzt selber real erlebt und mich auch mit ihm unterhalten: Ja, Liebig geniesst das Baden in der Menge.


    Aber: Er gesteht jedem seine eigene Meinung zu, und ist Realist genug um zuzugeben, wenn er sich geirrt hat. (Liebig sinngetreu: "Ich habe das vor 5 Jahren so gemacht. Heute weiss ich dass es quatsch war und predige das Gegenteil.")


    Er tut andere Meinungen gern auch als "Quatsch und Unsinn" ab, dann aber weil er es wissenschaftlich belegt hat. Wissenschaftlich belegen bedeutet für ihn durch Zahlen belegen, sei es das Wohlbefinden durch mehr Honigertrag & Größe des Brutnestes, Friedfertigkeit durch die Anzahl der Stiche am Imker, etc.
    Was er meinem Verständnis nach nicht leiden kann ist wenn Leute sich denken was den Bienen wohl besser gefällt und gut tut.
    Er selber erzählte von einer seiner Überzeugungen (von denen er dachte dass sie richtig ist), welche er aber selber durch Experimente (und zählbare Ergebnisse) widerlegt hat.
    (Es ging u.a. um das Benutzen des Absperrgitters)


    Geht es um die Auswahl verschiedener Alternativen, wählt er bei gleicher Auswirkung (sprich: gleiches Ergebnis seiner Abzählungen) diejenige, welche ihm als Imker als die Bequemste erscheint. So das leidige Thema geteilter und ungeteilter Brutraum: Es ist den Bienen egal, er aber findet den geteilten Brutraum bequemer, weil er meint dadurch weniger Arbeit zu haben (laut seinen statistischen Messergebnissen zieht er weniger und kleinere Waben).


    Bestätigen kann ich aber: Die Demeter-Imker kann er offenbar gar nicht leiden :)

  • Hallo Omni!


    Genau beim Absperrgitter bin ich auch nicht seiner Meinung. Offensichtlich besteht da ein großer Unterschied bei der Bienenabstammung. Also meine Bienen gehen äußerst ungern durch das Absperrgitter, da ist anscheinend die brutnestnahe Honigstapelung stark ausgeprägt. Jetzt werden manche Imker sagen, dann muss ich mir eben eine andere Biene zulegen. Dass werde ich aber mit Sicherheit nicht machen.


    Als einen Schwachpunkt bei seinen Populationsschätzungen möchte ich anführen, dass das recht und schön ist, wenn er genau feststellt, wie viele Bienen in der Kiste sind, aber es macht einen großen Unterschied, ob die Bienen motiviert sind, wie bei einem Schwarm, oder ob die Bienen alt oder jung sind usw. Die Anzahl der Bienen alleine ist nicht das Non Plus Ultra.


    Aber über weite Strecken bin ich ganz seiner Meinung.


    MfG
    Honigmaul

  • @all
    Bei seinen Bewertungen zu den Beutesystemen, möchte ich mal wissen wie der das gemacht hat.
    Man kann sich schon fragen warum sich viele Berufsimker die Dadantbeute "antun". Das müssen echte Massochisten sein.
    Ich kenne große Imkereien, die bis zu 1000 Völker betreuen und in Dadant imkern. Die Meisten haben das erst nach einer Testphase umgestellt d.h. haben es im ihren vorherigen Betriebssystem verglichen und haben umgestellt.
    Jetzt kommt einer, der imkert sozusagen subventioniert und behauptet das sei umständlicher, hmmm.
    Man muss sich auch mit der jeweiligen Betriebsweise auskennen um einen wirklichen Vergleich anstellen zu können.
    Als die AS- Verdunster getestet wurden, wurde der Naßheider nicht richtig mit einbezogen und welch Wunder, Liebigs- Medizinfläschchen ist das Beste. Hohenheimer Beute, gab es schon früher, aber eins muss der Neid ihm lassen, vermarkten kann er.
    Buckfastbienen? Die kommen auch nicht besonders weg, wie bei fast allen Instituten. Da wird richtig Meinung gemacht.
    Komisch ist bloß, dass die größten Züchter/Vermehrer mit der Königinnenzucht kaum hinterher kommen und der Absatz stetig steigt.
    Seine Art andere Meinungen herab zu würdigen, macht ihn für mich nicht besonders sympathisch.
    Es gibt auch positives was geleistet wird, fällt mir grad bloß nicht ein, weil das Negative überwiegt.


    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Hallo Bienenfreunde!


    Zitat

    Komisch ist bloß, dass die größten Züchter/Vermehrer mit der Königinnenzucht kaum hinterher kommen und der Absatz stetig steigt.


    Das ist einer der Schlüsselsätze dieser Diskussion. Denn gerade bei den Buckfast-Bienen lassen bei der Standbegattung die Erbanlagen stark nach, wodurch Belegstellen unbedingt notwendig sind. Da ist genau der Unterschied zur Vermehrungsstrategie nach Dr. Liebig und der propagierten Standbegattung.


    Sogar Raymond Zimmer gibt in seinem Buch zu, dass es bei der Buckfastbiene, wenn man Spitzenleistungen herausholen will, sehr auf die Betriebsweise ankommt.


    In der gesamten Bienenhaltung hat man das Problem, dass man entweder viel Geld und Arbeit in die Zucht oder viel Arbeit in die Schwarmverhinderung stecken muss. Man kann es sich aussuchen mit ein Bisschen Durchschwindeln geht da nichts.


    MfG
    Honigmaul


  • Buckfastbienen? Die kommen auch nicht besonders weg, wie bei fast allen Instituten. Da wird richtig Meinung gemacht.


    Eigentlich hatte Liebig nach meinem Verständnis sogar komplett gegen die ganze Reinzucht gewettert, nicht explizit nur gegen die Buckfast. Diese war nur ein gutes und willkommenes Beispiel der "Zuchtbiene".
    Aber selbst Bruder Adam hat ja sogar nach meiner Erinnerung in "Meine Betriebsweise" geschrieben, dass als Wirtschafts-Königin eine Reinzucht-Buckfast *nicht* die beste Wahl ist. (Das werde ich noch einmal nachschlagen, wenn ich das Buch griffbereit habe)

  • Wieder was falsches was da angenommen wird.
    Meine Wirtschaftsköniginnen sind alle Standbegattet.
    Ich möchte einen Imker sehen der im bewohnten Gebiet keine züchterisch bearbeitete Biene hält.
    Man Leute ich imkere auch nicht seit gestern. Ich weiß nicht ob ihr in der Schwarmzeit immer gleich springen könnt und Schwärme fangen, oder stechlustige Bienen im bewohnten Gebiet halten könnt.
    Mein ehemaliger Standnachbar geht zu seinen Bienen in Vollmontur, mit abgeklebten Hosenbeinen und Ärmel.
    Zusätzlich mit Fliegenklatsche bewaffnet, auweiah.
    Auf jeden Fall gibt Hohenheim auch Zuchtstoff ab und wie dieses erstellt wird ist erst mal sekundär, es ist Zuchtstoff.
    Und wenn Herr Liebig gegen Belegstellen ist, so profitiert er doch von Bienen die 150 Jahre gezüchtet wurden.
    Er imkert mit Carnika, die in Deutschland auch nicht heimisch war.
    Das ist auch wieder so ein Quark, der einem die Hutschnur platzen lässt.
    Er kann imkern wie er will, er kann sein System für gut befinden und andere können dem nach folgen, aber bitte redet nicht über andere Betriebsweisen und Bienen, wenn ihr sie nicht kennt.
    Das habe ich schon mal geschrieben das mir vorstellen kann, dass einer der so lange imkert wie der Liebig auch was davon versteht.
    Da ich bestimmt annähernd genau so lange imkere und nicht jedes Jahr Bienen oder Honig kaufen muss, verstehe ich auch was davon.
    Man kann in Zander imkern, aber auch in Dadant und das sehr effektiv.
    Wer über die Buckfastbiene schreibt, sollte zumindest schon mal welche gehalten haben.
    Das es Züchter und Vermehrer gibt, ist durch die Nachfrage gegeben und die gibt es auch bei der Carnika.


    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Aber: Er gesteht jedem seine eigene Meinung zu, und ist Realist genug um zuzugeben, wenn er sich geirrt hat. (Liebig sinngetreu: "Ich habe das vor 5 Jahren so gemacht. Heute weiss ich dass es quatsch war und predige das Gegenteil.")




    Bestätigen kann ich aber: Die Demeter-Imker kann er offenbar gar nicht leiden :)


     
    TBH und anderen Betriebsweisen steht er auch total ablehnend gegenüber.


    Heiko