Buch von Hymenoptera/Melanie: Mein Insektenhotel

  • Am 18.4.2011 erscheint von Melanie von Orlow (Hymenoptera) das Buch "Mein Insektenhotel", ISBN 978-3800159277, Preis 14,90€.


    Finde ich superklasse und hab's schon vorbestellt.:daumen::Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Der Inhalt laut http://www.ulmer.de/Mein-Insek…MDkzNzMyJk1JRD0zMjEw.html


    Wildbienen, Hummeln und Wespen
    Lebensweise
    Biologie
    Nestbau
    Jahreszyklus


    Nisthilfen selbst gebaut
    Gärten für Wildbienen
    Beete
    Gehölze
    bunter Rasen
    Kräuterspirale
    Balkonkästen für Bienen


    80 Porträts der wichtigsten Arten


    Vielleicht kann ja Melanie noch etwas dazu schreiben oder eine kleine Leseprobe verlinken. Die "look inside"-Funktion gibt es bei amazon.de nicht für Bücher von Ulmer. Vielleicht eine Anregung für den Verlag!

  • Uiuiui, danke für diesen Thread, der ist mir ja ganz und gärlich entgangen - Danke schön für den Hinweis auf das Buch!


    Ja, das Buch ist raus und offenbar auch auf reges Interesse gestossen - die 1. Auflage musste bereits nachgedruckt werden....freut mich ja was diese Bienen so alles für Freunde haben!


    Schwerpunkt sind die wilden Bienen und Wespen sowie die Hummeln...auch ein paar soziale Wespen und natürlich die Honigbiene findet sich als Portrait.
    Wichtig war mir persönlich aber das Thema Garten- und Balkongestaltung so dass es recht viele Pflanztipps und Listen gibt sowie (wie ich finde) sehr schöne Bilder solcher Gestaltungselemente. NIsthilfen und deren Bau sind das 2. Standbein und schließelich die Artenportraits der bekanntesten Vertreter.
    Der Ulmer-Verlag hat das inhaltlich und im Layout sehr schön und ansprechend gegliedert, die Bilder habe ich von zahlreichen Fotografen zur Verfügung gestellt bekommen.


    Ach ja, Leseprobe kann ich Euch nur aus dem Manuskript zur Verfügung stellen (also leider ohne Bilder, nette Farben und Satzumbruch...bitte nicht abschrecken lassen; im Buch kommt das netter daher)...vielleicht passend zur Saison was über Hummeln?


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    >Der Krieg der Königinnen


    Die scheinbare Gemütlichkeit der Hummeln täuscht. Auch sie haben jede Menge zu tun, um das Überleben und die Fortpflanzung zu sichern.
    Das beginnt schon im Frühjahr, wenn die jungen, im Vorjahr begatteten Hummelköniginnen aus der Winterstarre erwachen. Nachdem sie sich an den ersten Frühblühern, wie Weiden und Krokussen, gestärkt haben, machen sie sich umgehend an die Nistplatzsuche. Das Problem dabei: Die Konkurrenz ist groß. Von den rund 36 ursprünglich in Deutschland lebenden Hummelarten haben viele ganz ähnliche Nistplatzansprüche. Sie schätzen warme, geschützte Hohlräume, die mit trockenem, weichem Füllmaterial ausgekleidet sind. Ideal sind verlassene Mäusenester, aber auch Gebäudedämmungen aus Mineralwolle oder Vogelnester in Nisthöhlen.
    Die Hummelköniginnen auf Wohnungssuche fallen beim Osterspaziergang auf, wenn sie kreisend am Boden nach Unterschlupfen spähen und kleine Höhlungen, Spalten unter umgestürzten Baumstämmen oder Löcher zwischen Gehwegplatten inspizieren.
    Starke Hell-Dunkel-Kontraste ziehen sie an, daher wählen sie gerne Flächen mit regem Licht- und Schattenspiel für ihr Bauvorhaben, während monotone Sand- oder Rasenflächen eher gemieden werden.
    Es gibt Hinweise darauf, dass die Tiere einiger Arten wie z.B. die Erdhummel (Bombus terrestris – siehe Seite XX) auf ihrer Suche auch den Geruch von Mäusen als Nistplatzanzeiger nutzen und sogar aktiv Mäuse aus Nestern vertreiben sollen. Andere Arten kehren auch gerne wieder an die Stätte ihrer Geburt zurück wie z.B. die Steinhummel (Bombus lapidarius – siehe Seite XX) und Gartenhummel (Bombus hortorum – siehe Seite XX)
    Wird ein interessanter Platz entdeckt, so beginnt die Hummelkönigin mit einer ausgiebigen Inspektion. Wenn sich dabei zwei Konkurrentinnen begegnen, kann es zu einem kurzen, aber heftigen Gefecht kommen, das im Extremfall sogar mit dem Stachel entschieden wird. In der Regel aber genügt das warnende Brummen der Nistplatzinhaberin, um andere Wohnungsbewerber abzuschrecken.


    >Hummelhonig für schlechte Zeiten


    Nach dem Bezug der neuen Bleibe beginnt die Hummelkönigin mit der Einrichtung des Nistplatzes. In dem weichen Füllmaterial formt sie eine Mulde, in die sie eine flache Wachsschale und ein bis zu 1,5 cm hohes Tönnchen setzt.
    Das Wachs produziert sie wie die Honigbienen in speziellen Wachsdrüsen am Hinterleib. Die Wachsplättchen werden mit den Vorderbeinen und den breiten Kieferzangen geformt. Anschließend bestückt die Königin das Tönnchen mit dem ersten Nektarvorrat.
    Den Nektar sammelt sie mit Hilfe ihrer langen Zunge, die in einem Rohr aus mehreren Unterkiefer-Elementen verläuft. Im Magen wird dem zunächst dünnflüssigen Nektar Wasser entzogen, und durch Enzym verändert sich die Zuckerzusammensetzung. Das dickflüssige Endprodukt wird als Hummelhonig bezeichnet. Er ähnelt dem Bienenhonig, die ihn auf vergleichbarem Weg herstellen, wird jedoch in weit geringeren Mengen gebildet und ist wegen seines höheren Wassergehalts nicht so lange haltbar.
    Aber das ist auch nicht erforderlich, denn im Gegensatz zum Bienenhonig, der vom Bienenvolk als Wintervorrat angelegt wird, dient der Hummelhonig lediglich zur Überbrückung kurzer Schlechtwetterperioden.
    Für die Hummelkönigin ist dieser erste Vorrat überlebenswichtig, denn sie hat noch keine Arbeiterinnen, die ihr die gefahrvollen Sammelausflüge abnehmen können.
    Diese erste Arbeiterinnengeneration muss sie erst heranziehen.


    >Larvenwiege mit Heizung


    Dazu legt sie rund ein Dutzend zwischen 8 bis 15 Eier in die Wachsschale neben hinter dem Vorratstönnchen und verschließt die Schale zu einer unregelmäßig geformten Wachskugel.
    Diese Wiege aus Wachs wärmt sie nun mit der schwach behaarten Unterseite ihres Hinterleibs während sie sich dabei aus dem Honigtopf bedient.
    Dieses „Bebrüten“ während der Larvenentwicklungszeit ist eins der Erfolgsgeheimnisse der Hummeln. Die Flugmuskeln im Brustabschnitt können von den Flügeln abgekoppelt werden.
    Die Muskeln arbeiten dann, ohne dass sich die Flügel bewegen, und erzeugen dabei Wärme. Über die schmale Verbindung zwischen Brustabschnitt und Hinterleib wird die erwärmte Körperflüssigkeit dann in den Hinterleib transportiert, wo die Wärme über die Unterseite abgegeben wird.
    Will die Hummel dagegen bei kühlem Wetter zum Sammelflug starten, wird die Muskelwärme zum Aufwärmen des Brustmuskels verwendet. Das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung zusammen mit der dichten Behaarung und der großen Körpermasse bei gleichzeitig geringer Oberfläche ermöglicht der Hummel einen sparsamen Wärmehaushalt. Sie ist damit bestens gerüstet als Bewohner kühlerer Regionen und höherer Lagen.


    >Taschenmacher und Pollenlagerer


    Aus den Eiern schlüpfend die Hummellarven – Maden mit gewaltigem Appetit. Sie brauchen für ihre Entwicklung große Mengen an Protein in Form von Blütenpollen. Die Nahrung der ersten Generation wird von der Hummelkönigin unermüdlich herbeigeschafft.
    Man teilt die Hummeln nach der Fütterungsmethode in zwei Gruppen ein: die „Taschenmacher“ und die „Pollenlagerer“.
    Taschenmacher, wie die Ackerhummel (Bombus pascuorum – siehe Seite XX), bauen eine Wachstasche an die Larvenwiege an.
    Die Tasche wird regelmäßig mit Pollen gefüllt, von dem sich die Larven über eine Öffnung in der Wiegenwand bedienen. Dies hat zur Folge, dass verschiedene Larven unterschiedlich gut im Futter stehen. Wer mehr abbekommen hat, wird größer, und das macht sich auch bei der erwachsenen Hummel bemerkbar, wobei generell die Arbeiterinnen deutlich kleiner sind als die Königin. Die unterschiedliche Körpergröße der Arbeiterinnen ist aber kein Problem, denn Hummeln dieser Artengruppe machen später einfach das, was sie am besten können: Die kleineren bleiben im Stock, sie pflegen den Nachwuchs, putzen und bauen. Die größeren Hummeln hingegen sind besser für die Sammlertätigkeit geeignet. Sie tragen Pollen und Nektar ein, bezahlen aber ihr „aufregenderes“ Leben mit einer meist wesentlich kürzeren Lebensdauer.
    Bei den Pollenlagerern, zu denen die bekannte gelb-schwarz-weiß gestreifte Erdhummel (Bombus terrestris – siehe Seite XX) gehört, wird der Blütenpollen in leeren Kokons und eigens angefertigten Gefäßen gelagert. Manchmal kann der Pollenvorrat gegen Ende des Hummeljahres regelrechte Türme von mehr als 5 cm Höhe bilden. Bei Arten dieser Gruppe hat jede Larve ein eigenes Futterloch und erhält individuell zugeteilte Futterrationen.
    Die Hummeln aus einer Larvenwiege sind daher meist etwa gleich groß; nur die erste Generation ist auch hier deutlich kleiner als die nächste da die Versorgung durch die Königin alleine bescheidener ausfällt..
    Damit die Larven, die bis zur Verpuppung zusammenlebenden, ausreichend Platz haben, wird die Larvenwiege ständig mit Wachs erweitert. Erst bei der Verpuppung isolieren sich die Larven mit ihren einzelnen Kokons voneinander.
    Ein bis zwei Tage nNachdem die ersten Hummelarbeiterinnen geschlüpft ausgeflogen sind, endet für die Königin die gefahrvolle Zeit des AusflugesAusfliegens. Nur eine von etwa zehn Hummelköniginnen schafft es überhaupt so weit! Nun kann sie sich ganz auf die Eiablage konzentrieren, während die Arbeiterinnen die übrigen Verrichtungen übernehmen. Dazu gehört neben der Stockpflege, dem weiteren Ausbau des Nestes und dessen Verteidigung vor allem das gefahrvolle Einholen von Pollen und Nektar.


    >Gedeckter Tisch mit Hindernissen


    Der Blütenpollen wird von den Hummeln in ihrem dichten Haarpelz gesammelt. Er bleibt dort beim Blütenbesuch haften, wird dann von den Tieren mit den Beinen abgebürstet und, mit etwas Nektar vermischt, als fester Ballen in den langen Haaren am hinteren Beinpaar verstaut. Diese auffälligen Sammelhaare besitzen nur die weiblichen Hummeln, den Männchen fehlen sie.
    Die Pollenausbeute können die Hummeln durch das sogenannte Vibrationssammeln noch zusätzlich steigern. Dazu verbeißen sie sich mit ihren kräftigen Kieferzangen in die Blüte und lassen dann die Flugmuskulatur mit hoher Frequenz arbeiten. Das auffällig helle Surren, das dabei entsteht, kann man auch von außen gut hören z.B. an Rosen. Durch diesen Trick wird die Blüte zusätzlich erschüttert und weiterer Pollen von den Staubgefäßen abgeschüttelt.
    Es gibt sogar Blütenpflanzen, die sich im Lauf der Evolution an das Vibrationssammeln angepasst haben. Der Große Klappertopf (Rhinanthus angustifolius) zum Beispiel reagiert speziell auf diese Erschütterungen mit einem Schwall von Pollen, was dazu führt, dass nur Hummeln diese Pflanzen richtig bestäuben können.
    Hummeln besuchen in der Regel sehr verschiedene Blütenpflanzen, manche haben sich aber auch stark spezialisiert und tragen ihre bevorzugte Futterpflanze sogar im Namen, wie beispielsweise die sehr selten gewordene Eisenhuthummel (Bombus gerstaeckeri).
    Im Gegensatz zu Honigbienen und Solitärbienen besitzen Hummeln sehr langgestreckte Mundwerkzeuge, mit denen sie auch besonders tiefe Blüten erreichen können.
    Der Rot-Klee (Trifolium pratense) beispielsweise ist eine bekannte Nutzpflanze, die nur von Hummeln gut bestäubt werden kann. Zwar besuchen auch Honigbienen seine Blüten, aber nur dann, wenn der Nektarpegel in den vielen Einzelblüten hoch genug gestiegen ist. Zudem sind Hummeln durch ihre Größe und ihr Gewicht in der Lage, auch solche Blüten zu besuchen, die zunächst einen sehr verschlossenen Eindruck machen: Salbei (Salvia spec.) oder das bekannte Löwenmäulchen (Antirrhinum majus) sind klassische Hummelpflanzen, die sich nur bei geschickter Landung einer schweren Hummel öffnen.



    ((Kasten))
    Nektardiebe
    Manchen Hummeln ist das redliche Absammeln kompliziert gebauter Blüten, wie etwa beim Löwenmäulchen, zu viel Arbeit. Sie begehen stattdessen „Blüteneinbruch“. Dazu beißen sie die Kronröhre der Blüte einfach seitlich auf, um direkt an den Nektar zu gelangen. Gerne nutzen im Gefolge dann auch Bienen Honigbienen diese Bissstellen, um sich ihren Teil zu holen. Das Nachsehen hat die Pflanze, denn solcherart geöffnete Blüten werden nicht bestäubt und bilden keine Früchte.
    ((Kasten))


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    Und wer andere Leseremeinungen lesen (oder vielleicht seine eigene abgeben) möchte, kann dies unter


    http://www.amazon.de/Mein-Insektenhotel-Wildbienen-Hummeln-Garten/dp/3800159279/ref=sr_1_16?ie=UTF8&qid=1332763569&sr=8-16


    gerne tun!


    Fragen beantworte ich natürlich gerne...einfach anPNnen oder -mailen oder -rufen...


    Grüße
    Melanie

  • Hallo Melanie,
    ich habe in Deinem Buch diese Biene nicht gefunden oder übersehen. Kannst Du mir helfen, was das ist?

    Die Rückenmusterung auf dem ersten "Ring" ist sehr markant.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Hi Melanie, danke für die Leseprobe. Das liest sich - schon ohne Bebilderung - sehr schön und ist super-informativ! Der Dussmann-Gutschein, der hier noch herumliegt ist somit verplant! ;-) 
    Habe mir vor einigen Jahren schon mal das Hummel-Buch von Eberhard von Hagen durchgelesen, die Taschenmacher vs. Pollenlagerer hatte ich aber so nicht mehr im Kopf, danke für die Auffrischung!


    Hier - weil es gerade zu dem Hummeln passt - ein paar Bilder zum Schwegler-Hummel-Nistkasten:
    http://www.landlive.de/collections/8576/


    Ich wurde letztes Jahr nach einem PechaKucha-Vortrag für Nicht-Imker (Video übrigens unter http://youtu.be/3sSFKKy2ri8) genau nach Pflanzen für Garten- und Balkon gefragt. Als Imker denkt man ja da meist etwas großzügiger und kümmert sich eher um "Massentrachten" oder Engpässe. Schön, wenn man jetzt Literatur hat, die man gut den Garten- und Bienenfreunden unter den Nicht-Imkeren empfehlen kann!

  • Danke Melanie,
    für ne Schwebfliege ziemlich groß, oder? Deshalb hielt ich das für eine Biene.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Hallo Melanie,
    wie schon mal geschrieben, Dein Buch ist echt toll!:daumen: Ich hatte mich gleich in den Keller verdrückt und ein Insektenhotel gebastelt. Die ersten Mauerbienen schwirren schon rum....:Biene:


    Viele Grüße
    Frank

    Hätten wir was getan, als noch Zeit war, bräuchten wir uns nicht vorzustellen, wie es wäre, wenn wir was getan hätten, als noch Zeit war.