Folgt dem Dioxin-Skandal ein Bienen-Skandal?

  • Hans-Dieter Hey fragt in der Neuen Rheinischen Zeitung:


    "Folgt dem Dioxin-Skandal ein Bienen-Skandal?"


    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16127


    Er schreibt unter anderem:


    „Die beteiligten DEBIMO-Imker, die soviel Arbeit und Hoffnung für einen guten Zweck in die DEBIMO-Studie gesetzt hatten, dürften sich jetzt missbraucht fühlen. Missbraucht für eine Studie, die offenbar vom Ergebnis her zugunsten der Marketinginteressen der Pestizidhersteller gedacht war. Für sie ist herausgekommen, was herauskommen sollte: Pestizide sind zwar vorhanden, aber sie spielen keine Rolle beim Bienenvolksterben.„


    Woraus Hans-Dieter Hey herleitet, die Studie gelange zu einem Freispruch für Pestizide, obwohl es darin heißt:


    „Still, further investigations and controlled experiments with improved methodology (Pham-Delègue et al., 2002) are undoubtedly necessary because several studies did prove negative effects of pesticides on honey bees (Decourtye et al., 2003, 2004; Moncharmont et al., 2003; Johnson et al., 2010).“


    bleibt im Dunkeln.


    Mit freundlichen Grüßen
    Rubikon

  • Woraus Hans-Dieter Hey herleitet, die Studie gelange zu einem Freispruch für Pestizide, obwohl es darin heißt:...


     
    „Ein negativer Einfluss von Pestizidrückständen im Bienenbrot…konnte nicht bewiesen werden.“


    "Der Bericht stellt fest, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Neonikotinoiden und den Winterverlusten bei sachgerechter Anwendung der Produkte nicht nachgewiesen werden konnte", so Bayer Crop Science.


    Wieso - das Gleiche lesen Projektteilnehmer doch auch raus?


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Problematisch sind einfach die eingestreuten Textpassagen, die es den Konzernen erlaubt, die Studie für ihre Zwecke zu gebrauchen/mißbrauchen.


    Und das tun sie ja auch, wie man sieht.


    In der Vergangenheit und auch heute noch werden Verluste in der Imkerschaft größtenteils totgeschwiegen. Im wahrsten Sinne des Wortes.


    Jetzt wo sich einige Imker trauen, ihre Verluste auch zu melden, wird das direkt gegen sie verwendet. Dann heißt es: Die Imker "ohne wissenschaftliche Betreuung", sprich außerhalb des Bienenmonitorings, "haben viel höhere Verluste".


    Diese Feststellung ist doppelt irreführend.


    Erstens ist das Verlustbild der "wissenschaftlich betreuten" Völker in mehrfacher Hinsicht verzerrt, wie in der Kritik am DeBiMo dargestellt. Zweitens sind die Umfragen außerhalb des DeBiMo ebenfalls kaum representativ oder können für eine solche Aussagen herangezogen werden.


    Im übrigen ist das ein gutes Beispiel, wie das Bienenmonitoring mißbraucht wird oder für irreführende Schlüsse herangezogen wird. Der Vergleich zwischen "wissenschaftlich betreut" und "nicht-wissenschaftlich betreut" ist schlichtweg haarsträubend.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Im Jahresbericht 2008 des DeBiMo, Seite 5, Tabelle 1a: Prozentuale Überwinterungsverluste der Bienenvölker im Monitoringprojekt:


    http://www.llh-hessen.de/cms/bienen/081222_DEBIMO.pdf


    Hohen-Neuendorf Winter 2005/2006 = 24,8 %


    Halle Winter 2007/2008 = 36,5 %



    Es ist also durchaus möglich, daß auch "wissenschaftlich betreute" Völker mal einen Winter mit hohen Verlusten aufzuweisen haben.


    Viele Grüße
    Bernhard


  • Es ist also durchaus möglich, daß auch "wissenschaftlich betreute" Völker mal einen Winter mit hohen Verlusten aufzuweisen hat.


    Wenn man sich diese Arbeiten mal genauer anschaut, dann begreift man auch warum (leider nur in englisch):
    http://ento.psu.edu/publicatio…dorp%20et%20al%202011.pdf
    http://ento.psu.edu/publicatio…202010%20CCD%20wieght.pdf

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo @ all,


    Jahre mit grösseren Verlusten und Jahre mit kaum Verlusten, das gab es schon immer mal. Ist ja auch von extrem vielen Faktoren abhängig. Auch zu Zeiten von meinem Grossvater war das schon so lt. seinen Erzählungen un der Imkerte immerhin über 35 Jahre bis zu seinem Tod mit im Durchschnitt mehr als 20 Völkern auf ca 5 Ha Obstwiesen... auf diesen gabs noch Blumen für Omas Blumensträusse, die kennen die Jungen heute nicht mehr.


    Aber das ist was ganz anderes als Heute, denn damals gab noch eine Bienengerechtere Natur.


    Heute haben wir eine ausgeräumte Natur fast ohne blühflächen übers Jahr, dann die PSM... und die Varroa und all das zusammen ist ein tödlicher Cocktail und ich bin eigentlich verwundert oder erstaunt ?!, dass die Verluste nicht noch viel gravierender sind. Aber vielleicht kommt das ja noch demnächst. Wollen es mal nicht hoffen, dass die Aussage eines mir bekannten Schamanen eintrifft...


    Grüsse, Markus

    Die Natur ist Perfekt, die Fehler macht nur der Mensch. (Sepp Holzer)

  • Ich stehe auf dem Schlauch - helf' mir mal auf die Sprünge,


    " This analysis highlights several areas that warrant further attention, including the effect of sublethal pesticide exposure on pathogen prevalence and the role of variability in bee tolerance to pesticides on colony survivorship."

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Im Volltext der Studie


    heißt es unter anderem:


    (Abschnitt 4.2.)


    „Zweifellos sind noch weitere Untersuchungen und kontrollierte Experimente mit verbesserter Methodik (Pham-Delègue et al., 2002) notwendig, weil verschiedene Studien negative Effekte von Pestiziden auf Honigbienen bewiesen haben (Decourtye et al., 2003, 2004; Moncharmont et al., 2003; Johnson et al., 2010).“



    (Abschnitt 4.3.)


    „Dies schließt nicht aus, dass von Jahr zu Jahr auch andere, zusätzliche Faktoren bei Völkerverlusten eine Rolle spielen und dass die Gründe für die periodisch auftretenden, unüblich hohen Winterverluste von mehr als 30% sich von dem unterscheiden, was wir in den letzten fünf Jahren mit ziemlich normalen Winterverlusten beobachtet haben. Die Fortsetzung des Projekts ist wichtig, um den Aufbau eines Datenbestandes zu ermöglichen, der eine statistisch abgesicherte Erklärung für die Winterverluste liefert.


    Einen negativen Effekt von aus dem Frühjahr herrührenden Pestizidrückständen im Bienenbrot auf das Überleben der Bienenvölker im folgenden Winter konnte nicht nachgewiesen werden, allerdings war es auch nicht unser Auftrag, subletale und chronische Effekte von mehrfach kontaminiertem Pollen zu erfassen. Für solche Fragestellungen sind umfangreichere Versuche und differenziertere Verfahren erforderlich.“


    Damit wird in der Frage der Belastung des Bienenbrotes mit Pestiziden weitere Aufklärung für erforderlich gehalten.


    Ein Freispruch für Pestizide, der nur nach fruchtloser Ausschöpfung aller Beweismittel in Betracht käme, sieht anders aus.


    Mit freundlichen Grüßen
    Rubikon

  • Hallo Miteinander,
    es wird Zeit, das sich die Austräger, Altenteiler oder Leibzüchter in ihren Austrägerhäusern, AlTenteilen oder Leibzuchten wieder mit Imkerei als Zubrot beschäftigen, damit die nachfolgenden Generationen mal wieder was über die Wichtigkeit der Bienen mitbekommen.
    Vaters oder Opas Bienen durch den Einsatz sogenannter PSM auf den Gewissen zu haben ist sicherlich schwerwiegender als die Bienen eines nicht näher bekannten Imkers totgespritzt zu haben.
    Imkerei scheint nur ein Punkt der Ausbildung zu sein, den man nach der Prüfung abharkt oder bestenfalls als Störfaktor im Gedächnis behält.
    Die PSM-Lobby hat ja auch ganz andere Mittel, sich bei den Landwirten einzubringen wie wir.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Es sind doch immer wieder die gleichen Fragen mit denen wir uns zum Thema " Bienengesundheit " befassen - und das wird sich vorerst auch nicht ändern.
    Alles richtig begründet etc. , immer wieder Unverständnis über die, welche das Sagen haben und doch eigentlich ... .
    Aber wir kommen keinen Millimeter weiter !
    Auch auf dieser Ebene reduziert sich alles auf eine ganz banale Größe : es geht um die Erzielung von Maximalprofit .
    Was hierbei auf der Strecke bleibt ( Natur , Bienen , vergiftete Nahrung ... ) interessiert n o c h nicht in dem Maße wie es mal kommen wird.
    Es ist aber abzusehen das es bis zum Kollaps nicht mehr geschichtlich lange dauert.
    W I R ändern gar nichts , leider ist es so traurig. Wir haben nur das Privileg uns aufzuregen.
    So lange es uns vergönnt ist werden wir aber nach alter , guter deutscher Art weiterimkern.


    Gruß hannes

  • .....reduziert sich alles auf eine ganz banale Größe : es geht um die Erzielung von Maximalprofit .......
    W I R ändern gar nichts , leider ist es so traurig. Wir haben nur das Privileg uns aufzuregen.
    So lange es uns vergönnt ist werden wir aber nach alter , guter deutscher Art weiterimkern.


    Na, das ist ja eine Einstellung!


    So nach dem Motto: Hört doch auf, hier steht immer wieder dasselbe, immer wieder wird sich aufgeregt, bringt doch nichts, wir ändern gar nichts also weiter wie bisher, nach alter, guter deutscher Art am besten.


    Wenn Der Maximalprofit regiert, dann muß genau über diesen eine Wirkung herbei.


    Ich bin warhaftig kein politischer Mensch in Sinne von Öffentlichkeitsarbeit etc., jedoch ist ein ganz bekannter Satz: Kleinvieh macht auch Mist" und zwar ganz viel Mist mit der Zeit.


    Angebot und Nachfrage. J e d e r muß überlegen und im Kleinen für sich darauf achten, dann wäre schon eine gewaltige Masse bewegt. Wir können schon ne ganze Menge, das Bewußtsein muß sich allerdings auch langsam dafür entwickeln, sich verändern.


    Hat sich denn z.B. vor 40 Jahren oder so jemand die ersten Anschnallgurte angelegt?
    Die Spraydosen sofort alle weggelassen?
    Das Papier recycled oder einen grünen Punkt gekannt, ein Bio-ei gekauft?


    Wenn da alle gesagt hätten: "Wir können doch eh nichts ändern also weiter so." .......


    überlegt


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • ...Hört doch auf, hier steht immer wieder dasselbe, immer wieder wird sich aufgeregt, bringt doch nichts, wir ändern gar nichts also weiter wie bisher....


    Moin Marion,


    und stimmt es nicht?


    Was ich hier in den letzten Tagen über PSM, DEBIMO, Dioxin, Landwirtschaft usw.usw.usw. lese
    ist frustrierend. Es ist seit Jahren das Gleiche, man regt sich auf, labert darüber.... aber hat sich dadurch etwas verändert?




    Zitat

    J e d e r muß überlegen....


    Meiner Meinung nach sind es nur 5 % der Bevölkerung die "überlegen" .
    Dem Rest ist es schnurzpiepegal was draußen vor sich geht. Hauptsache in der Glotze läuft "Bauer sucht Frau" , die Schnitzel sind XXXL und der Preis ist XXXS.


    Und daran werden wir nichts ändern, nicht durch Demos, unzählige Diskussionen oder unseren veränderten Lebenstil bzw.unsere "Sichtweise"....



    Deprimierte Grüße
    Regina

    Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.(Oliver Hassencamp)

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