Fragen zum WarréBuch/zur Warré-Betriebsweise

  • Hallo zusammen,
    ich lese seit längerem mit und bin seit kurzem angemeldet. Lerne seit dem letzten Sommer Imkern bei einem Imkerpaten und habe ein Volk in Betreuung.
    Vielen Dank für die Buchübersetzung Warré. Habe das Buch nun gelesen und einige Fragen dazu. Es würde mich freuen, wenn Ihr zu den Fragen Stellung nehmt.
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    [FONT=&quot] - [/FONT]W- Warré schlägt die so genannte „heroische Betriebsweise“ (Entnahme der Brut vor der Honigtracht, siehe Ste. 137 folgende) vor. Heute hätte das den Vorteil, deurch die künstliche Brutpause die Varroabelastung zu reduzieren. Praktiziert das jemand?

    -[FONT=&quot] - [/FONT]Zur Zargengröße: Sind lange und niedrige Rähmchen vorteilhaft im Winter, weil sie einen langen Zehrweg ergeben? Oder im Gegenteil nachteilig, weil die Bienen evtl an einem Ende sitzen und den Weg zum Futter am anderen Ende nicht überbrücken können? Warré sagt, dass sich Bienen bei Kälte leichter vertikal als horizontal bewegen können, deshalb seien die eher kleinen Zargen vorteilhaft. Stimmt das?

    -[FONT=&quot] [/FONT]- Warré setzt Zargen unter und nicht auf – welchen Vorteil hat das? Er setzt gleich mehrere unter. Könnte man auch mehrere Zargen gleichzeitig aufsetzen, egal ob in Warré oder Magazin?

    -[FONT=&quot] [/FONT]- Das Untersetzen führt automatisch dazu, dass man Honig aus bebrüteten Waben gewinnt. Auch der britische Natural beekeeping trust empfiehlt Untersetzen, weil angeblich die Bienen gestresst werden, wenn der Raum über ihnen verändert wird. Aber auch wer untersetzt statt aufsetzt, nimmt zur Ernte die oberen Zargen weg, in denen der Honig lagert. Also sollte das auch Stress sein. Wo ist also der Vorteil des Untersetzens?

    -[FONT=&quot] - [/FONT]Könnte man auf ein Magazin eine Leerzarge mit einem Heukissen setzen, oder funktioniert das luftzugtechnisch nur bei Warrébeuten (die wohl oben an den Seiten offen sind und eine Art Kamineffekt erzeugen?) Würde ein solches Kissen in Magazinen die Stockluft verbessern/Feuchtigkeit verringern?

    Vielen Dank
    apirita

  • Hi


    ich habe gerade das Buch in den Händen und habe die Seite mal überflogen, aber das muss ich mir in aller Ruhe mal durch den Kopf gehen lassen. Ich glaube kaum das diese Methode heute einer praktiziert.
    Im holen Baum baut das Volk auch von oben nach unten, außerdem werden da die Spezialisten da genauer Auskunft geben können.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo apirita,


    die heroische Methode bedarf eines genauen Zeitpunktes. Weil sehr viel schief gehen kann, heißt sie heroisch. In ähnlicher Form praktiziert das jemand aus Kanada mit Rähmchenbeuten. Wenn Du dir den Thread mit dem Thema Wärmebehandlung durchliest, wirst Du erkennen, daß der Nutzen in Punkto Varroa in keinem Verhältnis zum Risiko besteht. Ich denke, daß in naher Zukunft da weiter geforscht werden wird. Aber jetzt gibt es nichts verlässliches.


    Hohe Waben haben den Vorteil, daß die Bienen die Waben nicht wechseln müssen. Wenn die niedrigen Waben aber lang sind, wie in der Bienenkiste, so entfällt das Wechseln der Waben auf der Suche nach Futter.


    Das Untersetzen hat den Vorteil, daß der Stock im Frühjahr nicht geöffnet wird und so die Brut nicht auskühlt. Wenn Du den Stock unten öffnest, bleibt die warme Luft wie in einer Glocke stehen.


    Das Entnehmen von Waben oberhalb der Bienen im Sommer, also wenn die Bienen fliegen und Tracht einbringen, erzeugt einen sichtbaren Streß. Da ist leerer Raum sehr störend, während untergestellte leere Zargen sichtbar ruhigere Bienen hervorbringt. Das gilt erstmal für den Stabilbau ohne Rähmchen. Das kann ich bei meinen Bienen jederzeit reproduzieren.


    Eine andere Sache ist die: Das Aufsetzen leerer Zargen (ohne Rähmchen) im Stabilbau führt dazu, daß die Bienen von unten nach oben bauen. Die Zargen sind dann miteinander verbaut und müssen mit einem Draht gelöst werden. Das ist weniger komfortabel.


    Das Untersetzen ist generell in Magazinen möglich, macht aber mit Rähmchen keinen Spaß. Die Bienen können durch die Rähmchen keine Bautraube bilden, weswegen sie auch den Bau nach unten nicht vollziehen können. Sie werden nur ungern nach unten in die leere Zarge gehen, um sie auszubauen. Für Beutensysteme mit Stabilbaumagazinen, also ohne Rähmchen, eignet sich das Untersetzen ganz gut. Ist auch eine Frage der Organisation des Untersetzens. Denn so ein Zargenstapel kann sehr schwer werden.


    So ein Kissen läßt sich auf alle mir bekannten Systeme auflegen - und in Wahrheit ist das Kissen schon lange vor der Zeit von Warré in Gebrauch gewesen, bei sehr vielen Beutensystemen.


    Der Effekt des Kissens ist nicht, daß die Feuchtigkeit vollständig entzogen wird,, sondern daß sie gepuffert wird. Das Kissen wirkt wie ein Pufferspeicher. Der Hauptzweck ist jedoch ein wenig Isolation. Durch wenig Isolation an der richtigen Stelle, nämlich überkopf, kann sehr viel für ein günstiges Klima erreicht werden. Das habe ich vor kurzem ausführlich erläutert bekommen.


    Das Kissen, das Dach und die Zargen wirken aber nicht wie ein Kamin, denn das Kissen ist oben mit einem Schlußbrett verschlossen. Zugluft durch den Stock sollte unter normalen Umständen vermieden werden.


    Ich rate davon ab, eine bestehende Rähmchenbeute mit dem Warréprinzip zu führen, also Zargen untersetzen, statt aufsetzen, nur Oberträger usw. Dazu sind die heutigen Systeme zu fein abgestimmt. So ein Kissen kann aber nicht schaden, ich kenne sogar einige Imker, die das Kissen auf den Rähmchenbeuten einsetzen und zumindest ihrer Meinung nach positiv davon berichten.


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Einen schönen guten Morgen,
    Die Kissen sind super, auch auf Rähmchenbeuten,auch, wiel sie aus Resten schnell gebaut sind.
    Je nach Art der Aufstellung (überdacht oder Freilandaufstellung mit mobiler Überdachung), reicht das dann auch schon .
    Achtung im Winter, muss mäusesicher sein.


    Das Untersetzen von Zargen ist nach meiner Meinung eine gut Methode der Erweiterung von Ablegern/kleinen Schwärmen.
    Die Völker können erweitert werden, ohne ihren kompletten Aufbau durcheinander zu bringen.
    Brauchen sie den Raum wirklich und herscht noch Tracht bauen sie unten weiter und vollenden ihr Werk im nächsten Frühjahr .
    Das praktiziere ich so schon seit mindestens 10 Jahren nur mit Anfangsstreifen.Es gibt noch ein paar andere Situationen, wo Untersetzen sinnvoll sein kann und von mir schon länger angewandt wird.
    Das hat aber nicht viel mit der von Warré beschriebenen Betriebsweise zu tun, ist eher der Versuch, sanft und ohne Gewinnmaximierung mit gesunden Völkern auf Naturbau zu imkern.


    Ansonsten würde ich auch davon abraten die Warré-Betriebsweise auf Rähmchenbeuten 1 zu 1 übertragen zu wollen.


    Der Absatz mit den Zargengößen:
    Meine Antwort wäre dein Text - nur ohne Fragezeichen!
    Grüße , Kalle

  • Hallo,
    danke für die Antworten! Das klärt mir schon mal einiges.
    Nein, ich wollte nicht Warré eins zu eins übersetzen auf Rähmchen-Magazine, aber wenn man intelligente Dinge übernehmen könnte, wäre das doch nicht schlecht. zB eine Flachzarge aufsetzen, unten mit Stoff zutackern und oben Sägespäne rein.
    Sollte also dann eine bessere Isolierung und ein gleichmäßigeres Klima erzeugen als die Matten, die in den Magazinen vorgesehen sind.
    Kalle, in welchen Situationen setzt Du noch unter statt auf?
    Grüße
    apirita

  • Da gibt es verschiedene Situationen bei der Bauerneuerung.
    Z.B. : abgeschwärmtes Volk, es wir kein Überschuss mehr zum Ernten erwartet
    -alte Schwarten raus-Zarge mit Anfangsstreifen drunter.
    oder: Ein Ableger wird verstärkt mit Bienen, die aus einem (warum auch immer )aufgelösten Volk oder entweiseltem Nachschwarm stammen.
    Auch hier stelle ich drunter.
    Aber lass es mal langsam angehen.Es kommt namlich immer auf den Zustand des Volks, die Jahreszeit, die momentanen- oder noch zu erwartenden Trachten an.Das braucht Erfahrung und Fingerspitzengefühl, sonst wird das nichts.
    Wobei ich immer denke, eine nicht besetzte Zarge drunter ist nicht so schlimm wie eine oben drauf
    -das Thema Verteidigung und Räuberei mal außen vor gelassen.
    Ein Effekt ist aber, daß im nächsten Frühjahr unten der Drohnenbau entsteht.
    Bei mir ist das erwünscht, ich habe keine Drohnenrahmen und entnehme auch keine Drohnenbrut.
    Die Waben haben somit auch ihren angestammten Platz, sie sind nicht beliebig versetzbar.
    Das wäre wieder ein anderes Thema- Naturbau usw.
    Aber, wie gesagt, immer mit der Ruhe. Mach doch erstmal so, wies dir dein Pate zeigt.Sortiere in - das find ich gut- das will ich anders. Später mal noch anderen über die Schulter schaun und nie die Fragen aus den Augen verlieren, die du angefanden hast dir zu stellen...
    Und schreib doch noch ein bisschen in dein Profil-womit imkerst du- wo bist du- was interessiert dich,
    vielleicht kriegst du dann auch mal eine Einladung aus deiner Nähe...
    Grüße, Kalle

  • Hallo Imkerfreunde


    habe soeben das Warre-Buch ausgelesen und habe jetzt die Betriebsweise verstanden und gebe zu, sie kommt dem Urzustand der natürlichen Bienenwohnung sehr nahe.
    Beim Lesen der Bücher,der alten Imkermeister wie Warre, Storch, Sklenar usw. komme ich zu der Erkenntnis das alle bestrebt waren, die Bienenhaltung mit dem größtmöglichen Honigertrag zu erreichen und dazu noch kostengünstig.
    Ich bin der Meinung das nicht alle Beriebsweisen 1zu1 in den verschiedenen Regionen umgesetzt werden können.
    Was mir besonders bei Warre gefällt ist die quadratische Beute (Volksbeute), die er im Winter in den Warmbau setzt und im Sommer Kaltbau. Außerdem weist Warre immerwieder drauf hin, das das öffnen der Beuten von oben im Winter negative Auswirkungen auf den Wärmehaushalt der Bienen hat.
    Nun kann ich nicht allem zustimmen was Warre schreibt, aber viele seiner Gedanken sind zu beachten.
    Jeder Warreimker sollte aber dieses Buch besitzen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Jeder Warreimker sollte aber dieses Buch besitzen.


    Hallo Reinhard, ich nehm´das mal als Stichwort.:daumen:


    Falls noch jemand Interesse an der gebundenen Ausgabe hat - die nächste Sammelbestellung läuft. Einfach PM an mich.


    Liebe Grüße
    Mandy

    "Keine Rähmchen - keine Mittelwände - wenig Arbeit." (Émile Warré)