Harter Winter

  • Hallo zusammen,


    ralf_2 schrieb:

    ....ob bei mir 2011 noch ein Reinigungsflug stattfinden wird glaub ich angesichts des harten Winters in Ostbrandenburg kaum.


    Solche Aussagen höre ich sehr oft.


    Jetzt möchte ich einmal die "alten Hasen" fragen....sterben mehr Völker in einem harten Winter als in einem lauen?? Wie sind Eure jahrzehntelangen Erfahrungen?


    Herzliche Grüße
    Regina

    Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.(Oliver Hassencamp)

  • Ich habe Kontakt zu zwei Imkern, einer aus Kanada und einer aus Alaska. John und Joshua. John hat in einer kanadischen Berufsimkerei für 30 Jahre gearbeitet, in normalen Magazinen. Jetzt imkert er in Warré und deswegen bin ich mit ihm Kontakt.


    Die Winter dort sind lang, die Temperaturen dort sehr kalt. Eben Kanada und Alaska. Bei diesen Temperaturen sind wir noch lange nicht. Außerdem sind die Winter dort viel länger.


    Trotzdem haben die durch Meereseinflüsse eine Art Föhn, wo warme Luft ins Landesinnere strömt.


    Die Warréstöcke werden nicht isoliert, sondern mit schwarzer Teerpappe umwickelt. Außerdem wird das untere Flugloch davor geschützt, nicht mit Schnee zu verstopfen. Dann wird ein zweites kleines Flugloch oben angebracht. Das soll durch den Kamineffekt einen leichten Luftstrom verursachen. Dieser Luftstrom ist dort lebenswichtig, weil sich ansonsten wegen der klirrenden Kälte im Innern der Beute eine dicke Eisschicht über der Bienentraube bildet. John erzählt, daß diese Schicht unglaublich dick werden kann.


    Wenn nun ein Föhn einsetzt, schmilzt diese Eiskappe und das Wasser tropft auf die wehrlose Traube. Spätestens, wenn die Temperaturen wieder anziehen, sind die Bienen tot. Im Frühjahr würdest Du zwar tote Bienen finden, aber nicht wissen, warum sie gestorben sind.


    In sehr kalten Verhältnissen und Wintern ist das Kondenswasser und die Eiskappe das größte Problem. Besonders, wenn es warme Pausen im Winter gibt.


    Das zweitgrößte Problem ist übermäßige Zugluft, wenn die Beute zuviel Wind ausgesetzt ist.


    Die Kälte alleine können die Bienen sehr gut ertragen. Mit genügend Futter. Das hat man ja auch in Experimenten nachgewiesen, ich glaube sogar Tautz war es.


    Wenn Isolierung, dann so, daß die Kondensation damit gesteuert wird, also der Taupunkt so gelegt wird, daß die Bienen nicht von gefrorenem und tropfendem Wasser gefährdet werden.


    Ich suche die Bilder aus Alaska mal raus.


    Viele Grüße,


    Bernhard

  • Deshalb wird es unterschiedliche Erfahrung geben, was die Auswinterung angeht. Die einen werden mehr Verluste in kalten Wintern haben, die anderen werden weniger Verluste haben. Das hängt von unterschiedlichen Beutenformen ab, denn jede Beute geht anders mit Kondensation um.
     
    Ein "guter Imker" :wink:, der die Nachteile seiner Beute ausgleichen kann und um das Tropfwasserproblem weiß, wird in kalten Wintern sicher gute Ergebnisse haben, weil die Bienen ruhiger sitzen und sich nicht vorzeitig aufbrüten.


    Viele Grüße,
    Bernhard

  • Hallo Bienenfreunde!


    Ich kann beinahe auf ein 20-jährige Imkervergangenheit zurück blicken. Meiner Meinung nach überwintern die Bienen in einem durchgehend kalten Winter besser als bei wechselnden Bedingungen (und verbrauchen noch dazu weniger Futter, was auf den ersten Blick nicht logisch erscheint). Die werden da nicht zu Unzeiten zur Bruttätigkeit verführt. Sie brauchen bei einem frühzeitigen Start wieder 3 Wochen bis sie aus der Brut gehen können.


    In unserem Gebiet gibt es aber eine entscheidende Ausnahme. Sollte noch späte Waldtracht geherrscht haben, so ist es gut für die Bienen wenn sie zwischendurch einmal einen Reinigungsflug durchführen können (Waldhonig füllt vorzeitig die Kotblase der Bienen). Bei einer Überwinterung auf Zuckerdiät spielt der Zeitpunkt des Reinigungsfluges keine besondere Rolle.


    In unserer Gegend sehe ich im heurigen Winter überhaupt noch keine Probleme.


    MfG
    Honigmaul

  • Hallo Regina


    Normalerweise sterben keine gesunden Völker weder im kalten, noch im lauen Winter, wenn sie genügend Futter und eine entsprechende Beute haben. Bei uns gibt es in der Regel mitten im Winter immer eine Warmphase, mit Reinigungsflug. Müsste mein Buch holen um die Daten zu belegen.
    Ein Winter mit gleichmäßiger kalter Temperatur wäre optimal, trifft aber bei uns kaum zu.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo zusammen, hallo Regina,
    ich schließe mich Drobi an: Die wintertoten Völker sind Verhungerte.
    Aber kann irgendein lauer oder harter Winter was dafür, wenn vor der Auswinterung schon kein Futter mehr erreichbar ist? In den Wintermonaten benötigt ein Volk gerade mal 300g in der Woche, das wären maximal 6 kg ab November. Das sollte schon drin gewesen sein.
     
    Davon abgesehen: Mir sind knackige und eindeutige Winter lieber als die lauen. Solange unsere Völker nicht brüten und auch sonst wenig Stress haben, kann eigentlich gar nix passieren, auch wenn es mehr als 3 Monate keinen Reinigungsflug gibt.
    Die eigentlich kritische Zeit beginnt erst, wenn im Nachwinter das Brutgeschäft in Fahrt kommt und wenn anschließend die Temperaturen für längere Zeit Achterbahn fahren.
    Probleme mit Ruhr und Nosema habe ich immer in genau diesen Jahren erlebt.
    Gibt es dann im April einen ausgeprägten "Schlehenwinter", dann heisst es, auf der Hut zu sein.
     
    In diesem Winter ist noch nix angebrannt. Aber heute sind die Ableger und die Völker bei 10°C auf Wasser geflogen und die Böden werden schon mal grob gereinigt. Da ist Brut im Gange, und ich hoffe, uns bleibt die Achterbahn erspart.
    Nochmal knackig kalt und die Völker gehen wieder aus der Brut - das macht kein Problem.
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo,
    ich will mich nicht ins Geschäft von Drohn und Pharao einmischen :oops:, aber laut Langfristprognose werden Januar und Februar (bis +2,5° über Durchschnittstemperatur) deutlich zu mild, während März und April im Durchschnitt angeblich zu kalt werden (-0,5°/-1°). Wäre das genau die unerwünschte Achterbahn?
    Man kann nur hoffen, dass Hasel usw. in diesem Jahr dann auch früh dran sind...


    Gruß, Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Ich suche die Bilder aus Alaska mal raus.



    Kanada:



    Der Warrestock ist mit schwarzer Teerpappe umwickelt. Alternative: Teichfolie. Oben ist ein kleines Luftloch, das bis ins Beuteninnere führt und die Eisbildung verringert. Oben und unten ist somit ein Flugloch.



    Alaska:


    Gut zu wissen, falls wir in Europa ähnlichen Eiszeiten entgegensehen.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Hallo zusammen,
    habe bislang noch nicht gemerkt, dass, wie in den beiden letzten Jahren, kalte, lange Winter den Bienen schaden. Ich überwintere mit der Frankenbeute gründsätzlich auf 2 Zargen mit offenem Gitterboden und voll geöffnetem Flugloch (allerdings Geflecht als Mäuseschutz). Bin immer sehr gut aus dem Winter gekommen.


    Nachdem ich letzte Woche OS geträufelt habe, habe ich heute das Ergebins auf der Windel geprüft und diese dann wieder entfernt. Ggü. letzter Woche konnte ich bei allen Völkern über der Folie Temperatur feststellen. Sind wohl in Brut gegangen. Kann nix dran ändern, find ich aber nicht gut. So´n langer, kalter Winter wie im letzten Jahr wäre wieder klasse. Macht den Mädels überhaupt nichts aus. Mir allerdings; muss dann morgens immer zu Haus Schnee räumen. Also keine Angst vor einem kalten Winter; sollte nur genug Futter drin sein.

  • Hallo Bernhard,
    Danke für die Bilder, es ist immer interessant, Einblicke in die Imkerei in anderen Ländern zu bekommen.
    Hmm, aber der Jack-Russel-Terrier ist eindeutig zu dick...
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo zusammen,
     

    Henrike schrieb:

    ... laut Langfristprognose werden Januar und Februar (bis +2,5° über Durchschnittstemperatur) deutlich zu mild, während März und April im Durchschnitt angeblich zu kalt werden (-0,5°/-1°). Wäre das genau die unerwünschte Achterbahn?

    Kann sein, kann aber auch nicht sein... :)
    Ich beteilige mich nicht an Langzeitprognosen, unseren Kaffeesatz verfüttern wir an die Regenwürmer.
    Und ich trau auch keinen Langzeitprognosen. In unserem Wechselklima können geringfügige Strömungsänderungen der Luftmassen (z.B. über dem Atlantik) gewaltige Änderungen im Wetterverlauf der darauf folgenden Wochen bewirken.
     
    Bei den Bienen kommt es drauf an, was in der Beute passiert.
    Katastrophale Situationen können entstehen, wenn nach dem Anlegen eines großflächigen Brutnestes eine ausgedehnte und trachtlose Schlechtwetterperiode folgt, z.B. über eine ganze Brutperiode. Besonders fatal wirkt sich dann der Mangel an Pollen aus, weil die Ammenbienen den mit körpereigenem Eiweiß ausgleichen müssen.
    Das nagt an der Lebenskraft der Winterbienen und kann dazu führen, dass aus den fetten Herbstvölkern magere Frühlingsvölker werden.
     
    Die Imkerei mit künstlich kleingehaltenen Völkern, die bis in die 80er Jahre bei uns vorherrschte (meist in Hinterbehandlungsbeuten), nannte die imkerliche Herausforderung des Nachwinters die "Kunst der Durchlenzung". Vollkommen berechtigt, es war wirklich ein imkerliches "Händchen" gefragt.
    Die vitalen Völkern, die wir heute halten können, bewältigen diese Zeit dagegen ohne größeres imkerliches Zutun.
     
    Bernhard :
    Danke für die interessanten Fotos. Ich lege mir vorerst aber noch keinen Teerpappevorrat an. :)
     
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo TeXX,
    das meiste Futter brauchen sie zwischen Brutbeginn und Beginn der Tracht.
    Also so grob gesagt im März und April, aber etwas Vorrat für den Mai ist auch nicht verkehrt.
    Kann man ja dann wegnehmen, wenn der Raps oder das Obst beflogen werden und was reinkommt.
    Viele Grüße
    Lothar

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