...Kiwais... hat jemand Erfahrung?

  • Hallo Imker!
     
    Hat jemand mit den sogenannten Kiwais, oder Waikis, lat. "Actinidia arguta" Erfahrung, ob die Bienen diese Pflanze mögen? Sind mit den Kiwis verwandt. Angeblich sollen gute Erfahrungen mit den Bayern- Kiwi oder Sachsen- Kiwi genannten Selektionen vorliegen.
     
    Habe mir im Herbst mal 4 Früchte von so einem Strauch gemopst und paar Samen eingesetzt. Jetzt keimen die. Wissend um die Tatsache, dass diese Art der Vermehrung wohl keine erbfesten Pflanzen hervorbringt, würde ich doch gern einen ersten Versuch machen und gegebenenfalls beim Züchter mal zwei Pflanzen bestellen...
     
    Gruss
    Hagen

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Ich hatte die "Bayern-Kiwi", Früchte so klein wie Stachelbeeren.
    Vom Bienenflug war nicht viel zu sehen, eher Hummeln.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Moin Kiwies,


    Na Erzgebirgler, ob die bei eich im Arzgebirg was wern?
    Ich hatte mal eine recht große normale Kiwipflanze, zwitrig wurde mir in der Baumschule versprochen,
    Nach 7 Jahren hatte ich 3 Blüten, die aber nicht richtig aufgingen und nach 12 Jahren,
    im letzten Jahr, ist sie erfroren oder so etwas in der Art. )o; Das war's denn, null Kiwi!


    BTW, die Bauernkiwibilder im Pflanzenkatolog sind durchaus imponierent und verlockend.


    schön Tach
    Bernd

    "Wenn Neider, Hasser dich umringen, dann denk an Götz von Berlichingen."

  • Hallo,


    endlich mal etwas, wo ich ein wenig Erfahrung vorweisen kann. :) Jedenfalls mit den Pflanzen, nicht mit dem Bienenflug darauf...


    Ich habe vor längerer Zeit meine erste Actinidia arguta (Minikiwi oder 'Kiwai') gepflanzt, Sorte Weiki, auch als Bayernkiwi betitelt, sollte angeblich selbstfruchtbar sein. Als sie endlich nach einigen Jahren das erste Mal blühte stellte sich heraus, dass es nur männliche Blüten gab. Heute weiß ich, dass die Vermarkter dieser Sorte ihre Kunden für so dumm hielten, dass sie ihnen nicht zumuten wollten sich mit zweihäusigen Pflanzen auseinanderzusetzen, und deshalb wurde Weiki angeblich immer mit einer männlichen und einer weiblichen Pflanze in einem Topf verkauft. Nur dummerweise hat nach einigen Jahren oft die eine Pflanze die andere erdrückt oder ist sonstwie verloren gegangen.


    Habe dann in meinem Ferngarten einen Steckling dieser männlichen Weiki gepflanzt, dazu die weiblichen Sorten Ambrosia und Maki (auch Amdue genannt) und die einzige zumindest teilweise tatsächlich selbstfruchtbare Sorte Issai.
    Die erste echte Ernte hatte ich einige Jahre später, 2009 ca. 10 kg und 2010 auch ca. 10 kg. Allerdings sind meine Pflanzen nicht optimal gepflegt, der Garten liegt relativ weit entfernt und ist halb verwildert. Bei optimaler Pflege sollten auch 10 kg pro Pflanze drin sein können...
    Neben der ersten männlichen Weiki im Garten meiner Eltern habe ich eine Ken's Red gesetzt, aber die kommt bisher nur sehr langsam in die Gänge, hat 2010 erstmals drei Früchtchen getragen. Standort ist dort evtl. nicht gut...


    Mittlerweile habe ich ein paar weitere Sorten vom einem Kiwienthusiasten aus Chemnitz gekauft (www.mini-kiwi.de), die werden aber noch etwas bis zur ersten Blüte brauchen. Er hat mir u.a. geraten, auch eine früh blühende Sorte dazuzunehmen, 'damit die Bienen sich schonmal darauf einfliegen', bis die Hauptsorten blühen.


    Wie man sieht bin ich ein großer Fan von Arguta-Kiwis. Ein großer Vorteil: bisher sind sie bei mir von keinen Krankheiten oder Schädlingen befallen, ganz im Gegensatz zu anderen Obstgehölzen. Außerdem schmecken die Früchte wirklich gut. Ich habe sie die letzten beiden Jahr großzügig im Bekanntenkreis verteilt, und sie haben überall Begeisterung ausgelöst.


    Ein paar Anmerkungen zu Actinidia arguta Eigenarten:
    - es ist eine andere Art als die üblichen großen haarigen grünfleischigen Kiwis (Actinidia deliciosa) oder die großen unbehaarten gelb- oder rotfleischigen (Actinida chinensis). Die bekannteren haarigen zicken in unserem Klima herum und haben oft Winterschäden, A. arguta dagegen ist voll winterhart.


    - allerdings mag auch A. arguta keine Spätfröste. Unbelaubt kann sie unter -20°C locker ab, aber der Neuaustreib im Frühjahr wird schon beim leisesten Frost schwarz. Die Pflanzen treiben dann erneut, aber die Blüte leidet erheblich. Zum Glück treiben Arguta-Kiwis relativ spät aus.


    - bis zur ersten Blüte dauert es laut Handel zwei bis drei Jahre, bei mir waren es eher vier bis sechs Jahre. Vielleicht kann man das mit dem richtigen Schnitt verkürzen.


    - die Pflanzen sind auf dem richtigen Standort sehr starkwüchsig, ich muss mir mehrmals im Jahr den Weg freischneiden. Man muss nur im Spätwinter und Frühjahr vorsichtig sein: vor und während des Frühjahrsaustriebs vertragen sie den Schnitt nicht gut. Wenn man zur falschen Zeit schneidet, dann bluten die Schnittstellen wochenlang.


    - manche Katzen scheinen irgendetwas an Kiwis zu finden. Sie scheinen zwar meine Pflanzen in ruhe zu lassen, aber beim Umpflanzen wollte eine Katze gar nicht mehr von den Wurzeln lassen.


    - A. arguta ist ursprünglich wohl eher eine Waldpflanze. Soweit ich weiß mag sie keinen Kalk und keine trockenen Standorte, aber natürlich auch keine Staunässe. Im Botanischen Garten Berlin kenne ich zwei Exemplare, die am Boden beindicke Stämme haben und mehr als 15 m hoch in Bäume hinaufwachsen.


    - die selbstfruchtbare Sorte Issai wächst deutlich schwächer als die anderen, und geschmacklich sind die anderen auch besser. Leider gibt es bei den Sortennamen ein großes Durcheinander, manche Vermarkter ändern hin und wieder die Sorte, die sie unter einem Namen verkaufen. So gibt es meines Wissens nach z.B. verschiedene Weikis, die aber alle unter der gleichen Bezeichnung verkauft werden, desgleichen bei Ambrosia.


    Meine Empfehlung für den Anfang wäre: eine Maki/Amdue, eine Julia und ein dazu passendes Männchen, evtl. Romeo. Wenn man für mehr als drei Pflanzen Platz hat, dann ein weiteres Männchen mit verschobener Blütezeit, z.B. Rotpoll und je nach Belieben weitere Weibchen von den beiden oben genannten Sorten, eine aktuelle Weiki oder noch exotischere wie Kiwai Rouge, Ken's Red, Ananas und Bojnice.
    Eventuell kann man auch Actinidia kolomikta oder Actinidia melandra versuchen, habe ich selber aber noch nicht.


    Grüße,
    Robert



    Edit: eine weitere Besonderheit ist, dass die Früchte im Schatten früher weich werden als in der Sonne. Man kann also die Früchte aus dem Inneren des Dschungels früher essen als von den Außentrieben.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Re-Mark ()

  • Re-Mark, das ist wirklich remarkable was du da über die kleinen Kiwies schreibst und
    es könnte sein, dass ich es noch einmal versuchen werde.

    "Wenn Neider, Hasser dich umringen, dann denk an Götz von Berlichingen."

  • ...Sorte Weiki, auch als Bayernkiwi betitelt,
    sollte angeblich selbstfruchtbar sein. Als sie endlich nach einigen Jahren das erste Mal blühte stellte sich heraus, dass es nur männliche Blüten gab.


    Genau diese Weiki habe ich seit Jahren.
    Bei mir ist sie selbstfruchtbar. Hat aber 5 oder 6 Jahre gedauert, bis sie zu tragen anfing. (Lt. Händler 3 Jahre.) Allerdings ist der Ertrag nicht sehr hoch.
    Könnte mir vorstellen, daß eine Männliche dazu bessere Erträge bringt.


    Habe mir vor 2 Jahren die großfrüchtige Sorte Hayward gepflanzt. Soll selbstfruchtbar sein.
    Hat jemand damit Erfahrung?

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.


  • Habe mir vor 2 Jahren die großfrüchtige Sorte Hayward gepflanzt. Soll selbstfruchtbar sein.
    Hat jemand damit Erfahrung?


    Hab so eine Hayward, wobei die m.E. eine rein weibliche Pflanze ist, brauchst also ein Männchen dazu, sonst wirds nix.
    Die Früchte sind prima, so groß wie die vom Supermarkt, bepelzt.
    Die kleine Issai ist mir aber fast lieber, da geht man vorbei und schwuppst hat man 3 verschluckt.
    Für meine Bienen sind sie aber nicht interessant genug, aber des Brummel-Hummels Hummeln mögen die schon:lol:


    Gruß
    B.H.

  • Genau diese Weiki habe ich seit Jahren.
    Bei mir ist sie selbstfruchtbar. Hat aber 5 oder 6 Jahre gedauert, bis sie zu tragen anfing. (Lt. Händler 3 Jahre.) Allerdings ist der Ertrag nicht sehr hoch.
    Könnte mir vorstellen, daß eine Männliche dazu bessere Erträge bringt.


    Diese Behauptung taucht immer wieder auf, aber nach allem was mir bekannt ist und auch nach einer Diskussion mit jemandem aus Weihenstephan (das Institut, in dem 'Weiki' ausgelesen wurde) ist 'Weiki' nicht selbstfruchtbar.
    Wäre interessant, mal Bilder von deiner Pflanze, von den Blättern und vor allem von den Früchten zu sehen. Vielleicht war sie ja falsch beschriftet. (Kommt verdammt oft vor bei Obstgehölzen.)
    Vielleicht gibt es auch in deiner Umgebung irgendwo ein männliches Exemplar, von dem es ein paar Pollen bis zu dir schaffen. Angeblich sollen auch Männchen der haarigen Kiwis als Befruchter für die glatten Minikiwis taugen.
    Und schließlich wäre es auch noch möglich, dass bei dir zwei Pflanzen leben, wie gesagt, die wurden (und werden?) zusammen in einem Topf verkauft, man sieht kaum, dass es zwei Pflanzen sind, und eine von beiden könnte sehr kümmerlich entwickelt sein.


    Zitat


    Habe mir vor 2 Jahren die großfrüchtige Sorte Hayward gepflanzt. Soll selbstfruchtbar sein.
    Hat jemand damit Erfahrung?


    Hayward ist definitiv und zu 100% weiblich und nicht selbstfruchtbar. Hayward ist die Standardkiwi bei uns, schätze dass 90% aller haarigen grünfleischigen Kiwis im Supermarkt 'Hayward' sind.
    Hayward ist als A. deliciosa bei uns nicht vollkommen winterhart. Manche Leute ernten auch in DE eimerweise große Kiwis davon, bei anderen kommt die Pflanze nicht in die Gänge und friert jeden zweiten Winter zurück. Es kommt sehr auf das Mikroklima am Standort an, am besten windgeschützt an einer Hauswand. Diese Wand sollte aber keinen Kalk absondern... (auch nicht als herunterfallender Kalkputz o.ä.)


    Wenn man bei uns im Gartencenter eine selbstfruchtbare A. deliciosa sucht, dann wird man in den allermeisten Fällen die Sorte 'Jenny' bekommen. Deren Früchte sind aber bestenfalls halb so groß wie die normalen Deliciosas aus dem Supermarkt, eher noch kleiner.
    Bisher gibt es meines Wissens nach generell keine empfehlenswerten selbstfruchtbaren Kiwisorten, egal welcher Art (also egal ob Arguta-Minikiwi oder pelzige Deliciosa). Die selbstfruchtbaren Sorten sind traurige Kompromisse, sowohl vom Ertrag als auch von der Fruchtqualität her, wenn man sie mit den guten zweihäusigen Sorten vergleicht.


    Grüße,
    Robert

  • Wäre interessant, mal Bilder von deiner Pflanze, von den Blättern und vor allem von den Früchten zu sehen.


    Wenn Du mich im Herbst dran erinnerst, kann ich das machen.
    Momentan hat sie relativ wenige Früchte...:wink:


    Zitat

    Vielleicht gibt es auch in deiner Umgebung irgendwo ein männliches Exemplar, von dem es ein paar Pollen bis zu dir schaffen.


    Definitiv nicht. Ich wohne jwd (janz weit draußen).


    Zitat

    ...möglich, dass bei dir zwei Pflanzen leben...


    Nein, es kommt nur 1 Trieb aus dem Boden.


    Zitat

    ..die Sorte 'Jenny'...


    Oh oh... :oops: Mein Gedächtnis... Ich sprach oben von der Hayward.
    Das war ein falscher Irrtum... :-(
    Ich habe die Jenny. Muß aber nochmal nachsehen, um ganz sicher zu sein.


    Zur Weiki: Die ernte ich immer, wenn sie am Stielansatz anfangen, etwas zu schrumpeln. Dann sind sie so richtig vollreif und sowas von süß.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Na, das würde doch passen: dann wird deine Weiki von Jenny-Pollen bestäubt.


    :lol: Das wiederum nicht...


    Die Jenny ist erst im 2. Jahr in der Familie und hat noch nicht geblüht.
    Die Weiki erfreut mich schon seit mehr als 15 Jahren.


    Aber mal abwarten, ob sie später für die Weiki Mehrertrag bedeutet.
    Allerdings steht die eine vor, die andere hinter dem Haus... :-(

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Ich habe selbstfruchtende Sorte Solo (aus der Baumschule),
    die schon im 1. Sommer gebluht hat und Früchte
    (mittelgroß , etwas größer als Walnuss) getragen


  •  
     
    Guten Morgen,
     
    naja, aus diesem Grunde auch die Actinidia arguta und nicht deliciosa und: Ich hoffe auf den Klimawandel.
     
    @ all: Danke nochmals, bes. Re-mark, für den Überblick.
     
    Fazit: Bienenweide wohl eher nicht, aber interessante Frucht.
     
    Gruß
    Hagen

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)