Wie verhindert man einen Varroabefall der Zuchtzellen im weisellosen Pflegevolk?

  • Wenn man in das weisellose Pflegevolk die angebrüteten Weiselzellen einhängt, dann sind üblicherweise die Weiselzellen die einzigen offenen Zellen im Volk. Damit haben sämtliche Varroen im Volk nur die Möglichkeit, in diese Zellen zu wechseln. Wie verhindert man das?
    Ich habe einen Beitrag von Wald & Wiese gelesen, wo er eine Drohnenwabe mit offener Brut mit in das Pflegevolk gibt. Hat das einen nützlichen Effekt gebracht?
    Kann man die Zellen auch in das Pflegevolk geben und nach der Annahme, z.B. 1 Tag später, normale Waben mit Brut in allen Stadien hinzu geben, ohne dass die Pflege der Weiselzellen leidet oder dass sie ausgefressen werden?
    Kann man das Pflegevolk entweiseln und die angebrüteten Zellen unmittelbar danach in das Volk geben, sodass Brut in allen Stadien vorhanden ist?
    Gibt es noch andere Wege, den Befall der Zuchtzellen mit der Varroa zu verhindern?
    Oder spielt der Varroabefall von Zuchtzellen im weisellosen Pflegevolk keine Rolle?
    Gruß Ralph

  • Hallo Ralph


    ein Pflegevolk hat man normalerweise erst 8-9Tage vorher entweiselet, da sind noch genug offene Arbeiterzellen vorhanden.
    Ich denke die Bienen achten selbst darauf, das keine Milben in die Zellen kommen, außerdem kann sich die Milbenbrut nicht in der kurzen Zeit, in der Weiselzelle vermehren.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Stimmt leider nicht. Am 10. Tag nach der Entweiselung sind alle Zellen verdeckelt und die Weisellarven sind erst 5-6 Tage alt. Am 7.-10. Tag können sie noch von der Varroa befallen werden. In dieser Zeit gibt es keine offene Arbeiterinnenbrut mehr. Somit sind die Weiselzellen die einzigen offenen Brutzellen im Stock, die darüber hinaus auch noch alle naselang von Pflegebienen (mit aufsitzender Varroa?) besucht werden (Mehrfachbefall?). Ob die Varroen sich vermehren oder nicht, spielt für die Qualität der schlüpfenden Königin keine Rolle. Andere mir bekannte Imker haben auch schon Königinnen mit Krüppelflügeln gesehen.
    Gruß Ralph

  • Das Gelee Royal wirkt abstoßend auf die Varroen, weswegen Weiselzellen weniger stark befallen werden.


    Bernhard

  • Hallo,


    ich würde nicht so weit gehen wie Bernhard und dem Gelee Royal eine Wirkung als Repellent zuschreiben. Auch sind meine Kenntnisse, was den aktuellen Forschungsstand zum Wirken olfaktorischer, gustatorischer und anderer Faktoren auf das Abstiegsverhalten der Milben von den Ammenbienen betrifft, sehr lückenhaft.
    Dennoch liegt für mich die Annahme nahe, daß das "Odeur" des Gelee Royal der Milbe signalisiert: der Verdeckelungszeitpunkt ist noch zu entfernt, der Abstieg in die Brutzelle also noch nicht geboten - und das, bis es für die Milben zu spät ist.


    Robert

    Was auch immer geschieht: nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken! (E. Kästner)

  • Hallo!


    Die Varroen meiden die Königinnenzellen. Meiner Meinung nach wegen der kurzen Entwicklungszeit der Königin.


    Entwicklungzeiten bis zum Schlüpfen:


    • Königin: 16 Tage
    • Arbeiterin: 21 Tage
    • Drohn: 24 Tage


    Wir wissen, dass Drohnenbrut wegen der langen Entwicklungzeit auf die Varroa anziehend wirkt. Aus dem gleichen Grund sind für die Varroen die Weiselnäpfchen vermutlich uninteressant.


    Die Imker betreiben allerdings durch das fortgesetzte Drohnenbrutschneiden eine Zucht bei der Varroamilbe. Es kommt dabei zu gezielter Selektion! Wir züchten die Varroa auf Affinität zu Bienenbrut mit kürzerer Entwicklungzeit. Hoffentlich handeln wir uns dabei auf lange Sicht nicht ein unangenehmes Problem für die Weiselzucht ein.


    Gruß vom Sammler

  • Ich habe jetzt noch einmal meinen früheren Lehrmeister gefragt, der seit ca. 50 Jahren züchtet. Er sagt:
    Ein Varroabefall der Zellen kommt vor, ist aber selten. Sein Standardverfahren: Start in einem weisellosen 6-Waben-Pflegevolk, nach dem Anziehen Weiterpflege im Honigraum eines weiselrichtigen Volks. Als Kleinvariante (bis zu 10 Zellen) werden die Zellen auch einmal im Startvolk fertig gepflegt. Auch da gibt es keine Probleme mit der Varroa.
    Gruß Ralph