Jetzt noch Perizinbehandlung?

  • Wie auch andere Imker bin ich durch den durchgängig frostigen Dezember noch nicht zur Winterbehandlung gekommen. Es ist erst mein zweiter Winter mit Bienen und ich habe daher noch keine Erfahrungswerte. Für morgen sind Temperaturen zwischen 5 und 10° C angesagt. Darf ich da noch Perizin träufeln oder gibt es die Grenze vom 31.12., die ich in der Oxalsäurediskussion gefunden habe, für Perizin auch. Die im Beipackzettel angegebene Frist von 6 Wochen vor Trachtbeginn sollte ich hier im Hamburger Raum doch noch haben - oder?

  • Hallo nylarsker,


    Tim out!


    Zeit ist abgelaufen eigentlich!
    Die Völker gehen jetzt wieder in Brut.


    Das ein Anfänger mit Perizin behandelt, sagt mir das er wohl den falschen Imkerpaten gefunden hat, oder wer empfiehl heute noch Neulingen Perizin?!


    Wegen Rückstandsbelastung sollte man solche Mittel nicht einsetzten, Perizin ist zwar zugelassen, aber das heißt noch lange nicht das es auch gut ist.
     
    Nach der Behandlung ist die Beute mit dem gesamten Inhalt Sondermüll!


    Eine Winterbehandlung sollte man eigentlich mit Oxalsäure machen und nicht mit Perizin.

  • Hallo nylarsker,
    diese Antworten haben dir richtig gut weiter geholfen, gelle?
    Gewöhne dich daran, das hat sich hier leider so eingeschlichen.
    Wenn Du Perizin benutzen willst, dann tue es. Und zwar jetzt.
    Ich befürchte zwar, dass deine Bienen schon bereits wieder brüten, aber welche Möglichkeiten bleiben Dir?
    Nichts tun ist keine Option, sich auf die Schnelle mit OS vertraut zu machen, auch nicht.
    Also, go on.
    Und dann hast Du 11 Monate Zeit, Dich fürs nächste Jahr besser zu rüsten.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • ..sich auf die Schnelle mit OS vertraut zu machen, auch nicht...


     
    Hallo Michael,


    sich mit OS vertraut zu machen dauert 30 Minuten, incl. Kaffeewasser aufsetzen! Perizinrückstände aus dem Volk zu holen mindestens ein Jahr (totale Bauerneuerung...).
    Wenn einer Fragt so sollte er doch eine Antwort bekommen die hilft, und Perizin hilft nicht mehr -> http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=8416&page=8 (unter anderem, Suchbegriff " Resistenz Perizin")


    Viele Grüße
    Frank

    Hätten wir was getan, als noch Zeit war, bräuchten wir uns nicht vorzustellen, wie es wäre, wenn wir was getan hätten, als noch Zeit war.

  • Moin,


    bislang gibt es keine stichhaltigen Informationen zu Coumaphos-Resistenzen. Vielleicht kann Frank Korn die einfach noch nachliefern. :wink:


    Blöderweise ist die OS-Träufelanwendung ab 1.1. 0:00Uhr nicht mehr zulässig, wenn im Jahr noch Honig geerntet werden soll. Man hätte am 31.12. 23:59 Uhr die letzte Chance gehabt, weil OS erst wieder am Jahresende ungiftig wird. (Ob sie nach Silvester dann aber überhaupt noch wirkt ... wer weiß :lol:) OS-Träufeln geht also nicht. Alle Verdunstungsmittel gehen auch nicht. Was also bleibt: Perizin oder zusehen, wie die Völker schon im Mai dahinsiechen. (Oder vielleicht Bayvarol, aber da ist nun wirklich die Resistenzlage zu beachten.)


    Perizin ist in dieser Situation folglich das Mittel der Wahl.


    Der tierliebe Öko-Imker läßt natürlich lieber die Bienenvölker leiden, als ein Bayerprodukt zur Entmilbung einzusetzen und das natürlich nur, weil er selbst festgestellt hat, wie hoch der Coumaphos-Gehalt seines Honigs war. Perizin zu verteufeln, bloß weil das In und chique ist, das würde der nie tun. Nee, der hält sich eiskalt und knallhart nur an Fakten und würde selbstverständlich sich selbst Gift zumuten wenn das seine Bienen retten würde.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Leute,


    es geht nicht darum, was oder wer besser ist, der Kollege benötigt konkrete Hilfe.
    Wer mich kennt, weiß, wie viel Perizin ich in diesem Imkerleben schon benutzt habe, nämlich so gut wie keines.
    Was hätte ich denn tun sollen, bezogen auf die konkrete Frage des Hamburger Kollegen oben? (der Name kommt mir irgendwie nicht über die Tastatatur :wink:)
    Ihn ebenfalls beschimpfen und vielleicht vergraulen?
    Aha.
    Kommt doch endlich mal von eurem Baum der Erkenntnis runter und aus eurer "Wir-sind-im-Imkerforum-und-daher-sowieso-die-besseren-Imker"-Mentalität heraus. Imkern findet in real statt, und nicht im www.
    Es geht darum, die Bienenvölker möglichst überleben zu lassen, und da gibts momentan leider keine andere Wahl.
    Henry : Danke

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Moin,


    bislang gibt es keine stichhaltigen Informationen zu Coumaphos-Resistenzen. Vielleicht kann Frank Korn die einfach noch nachliefern. :wink:


    Darf ich auch?


    http://www.culturaapicola.com.…apidologie/32-1/m1110.pdf


    Ich hätte wetten können, das Henry durch dieses Thema wieder zum Schreiben verleitet wird :wink:


    Selbst wenn Perizin bei uns noch gut wirkt und unsere Milben nicht resistent sind, so ist Perizin doch so renitent und weigert sich den Wabenbau wieder zu verlassen und zwar permanent. Schade eigentlich.

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo Reiner,


    und ich hätte wetten können, dass jemand diese 10 Jahre alte Studie auskramt.
    Hätte allerdings eher auf Bernhard getippt.
    Hast Du konkrete Alternativen für nylarsker (er ist Beginner, nicht vergessen) anzubieten?
    Ich würde mich freuen.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michael,


    diesem Verdacht stelle ich mich gern :-D Es wird sicher nicht besser geworden sein!


    Ich bin sicher kein Freund von Perizin, aber man muss ganz pragmatisch sehen, das es keine andere Möglichkeit gibt, als jetzt Perizin einzusetzen, wenn man gesetzestreu bleiben möchte.


    Die Alternative ist OS-Träufeln, ist aber wegen des doofen Gesetzes nicht zulässig, genauso wie die Wartezeit für Perizin mit 6 Wochen vor Tracht eigentlich ein ausgemachter Schmarrn ist.


    Servus
    Reiner

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Es wird sicher nicht besser geworden sein!

    Je weniger und selltener Perizin eingesetzt wird und je häufiger andere Wirkstoffe eingesetzt werden, desto höher ist die genetische Durchmischung der Population. Je höher der Varroabefall überhaupt (Mehrfachparasitierung --> Paarung mit fremdem Männchen) ist desto schwerer kann sich eine Resistenz halten. Und genau das ist (z.B. bei Flumethrin) zu beobachten. Der Nichtbehandler verstärkt die Resistenz nicht, er züchtet Milben die den resistenten die Genetik versauen und läßt die fliegen. Das ist nicht viel anders, als stellte ich Bienen mit glasigen Hinterleibern und mangelnder Winterhärte auf die Belegstelle. Meine winterresistenten Bienen werden erst dann wieder winterresistent, wenn die andern verschwunden sind. Solange es also viele nichtresistente Milben gibt, hat es die resistente Milbe schwer populationsdominat zu werden. Deshalb setzen clevere Behandlungskonzepte auf zeitlich versetzte und vor allem unterschiedliche Wirkstoffe oder Prinzipien. Der resistente Krankenhauskeim keimt resistent im Krankenhaus. Da ist der dominant. Da fetzt es auch ein wenn man Penicilin einwirft und um einem rum das alle tun und man sich mit den Penicilin-Junks paart. Solange nicht regelmäßi Penicilin in die Kläränlage kommt, spielt diese Sucht draußen keine Rolle. Da ist es vielleicht besser, wemmer bakterienmäßig stundenlanges Besonnen aushält und trotzdem besonnen mit Fortpflanzung reagiert.


    Oder verschärft ausgedrückt: Wenn ihr alle OS nehmt und ich Perizin, dann sorgen Eure massenhaft überlebenden irgendwann OS-resistenten Milben für die Erbgutverdünnung meiner perizinresistenten Milben. Ihr kreuzt dann eine Resistenz ein, die ich gleich wieder ausrotte und genauso funzt es. Das klappt bei den MagenDarmwürmern der Schafe genauso wie bei den Fischparasiten oder den Milben. Wichtig ist eben bloß, daß man einen möglichst breiten Katalog an Wirkstoffen hat, die eben noch nicht resistenzverschlampt sind und diese auch wirklich wechselt.


    Heute kann man durchaus beobachten, daß Bayvarol - was schon wegen des Preises keiner mehr nimmt - wieder hervorragend wirkt. Und da ist die Resistenzproblematik bereits Packungsinhalt.


    Ich würde mich also freuen, wenn das Perizin nicht kaputtgespielt sondern resistenzvermeidend zielgerichtet eingesetzt wird, denn es stellt nicht nur in diesem Fall manchmal eine seher selltene Alternative dar.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Ich danke für die zahlreichen Hinweise. Ich stehe zwischen 2 Imkervereinen, von denen der eine auf Perizin schwört, während der andere das verteufelt. Besonders Henry hat mir mit seinem Fachwissen sehr weitergeholfen. Ich habe auch jetzt schon zwei Jahre die AS-Behandlung nach seiner vorzüglichen Anweisung nach der Tracht durchgeführt, und die Immen waren auch weitgehend milbenfrei. Wenn ich die aufgezeigten Schwierigkeiten mit Perizin aber betrachte, verzichte ich wohl am besten dioch ganz auf die Winterbehandlung, zumal ich auch erstmal eine Apotheke finden muss, die das teure Zeug besorgt. Die erste hat bereits abgewunken.


    Mit herzlichen Grüßen
    Jürgen

  • Stimmt,


    Milchsäure wäre auch eine Lösung.


    Nicht-behandeln ist bei einem Milbenfall über 0.0006944 Milben pro Minute sehr riskant, weil das die Belastung im Jahr weit nach vorne holt und alle Reserven bereits am Anfang und ohne Not verspielt. Die unterlassene Behandlung im Winter wirkt sich brutalst erst aus, wenn sich die Milben vervielfacht haben. Wird der Befall dann nicht ab Sommer eng kontrolliert und auch behandelt, dann sterben die Völker im August an der fehlenden Behandlung im Januar.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder