DBJ 1/2011 S.12ff

  • Im heutigen DBJ ein schöner Artikel von John Kefuss höchstpersönlich (aus einem anderen Magazin), über seine Varroa-WM.
    Er schreibt unter anderem darüber, daß tolerante Bienen aus einer Region aufgrund der unterschiedlichen Betriebsweisen woanders nicht unbedingt tolerant sind, und daß sie tw. zwischenzeitlich Probleme hatten, genug Milben aufzutreiben, um den Varroadruck aufrechtzuerhalten.


    Bei der Varroa-WM gingen 55 Milbensucher aus aller Welt an den Start, und konnten sich bei 600 Völkern auf insgesamt 6000qkm soviel Zeit lassen, wie sie wollten.


    Ergebnis: Zusammen brauchten sie 100 Stunden, um insgesamt 109 Milben zu finden.:lol:
    Preisgeld war 1€-Cent pro Milbe, und man hatte sicherheitshalber 100 davon bereitgestellt., das Budget wurde also um 9% überzogen.


    Direkt nach diesem Artikel kommt ein Kommentar von Büchler (der mit 12 Milben den dritten Platz belegte), wie toll das doch alles ist, ABER leider, leider ist das keinesfalls in D machbar.


    Erstens erlaubt Kefuss uneinheitliche Bestände mit schwachen und starken Völkern nebeneinander (wie kann er nur....:lol:), und noch schlimmer, er "hat tw. ein buntes Rassengemisch in den Kisten als Ausdruck einer genetischen Vielfalt über natürliche Rassengrenzen hinweg" (Herr Büchler, wie kam nochmal die Carnica nach D?:cool:).


    Außerdem bemängelt er, daß viele von Johns Völkern ohne Schutzkleidung nicht zu bearbeiten seien, und das natürlich in D gar nicht geht...:roll:


    Bemerkenswert ist allerdings von einem Institutler der Satz: "wir müssen uns trennen von einer regelmäßigen und undifferenzierten Behandlung aller Völker. Völker, die nur durch Medikamente überleben können, gehören aufgelöst oder umgeweiselt."
    Ach? Auf einmal?:confused:


    Mir zeigt der Artikel, daß ich mit meinen Gedanken und der Vorgehensweise gar nicht so falsch liege - maximale Genvielfalt, dann Anpassung an die lokalen Verhältnisse, und auch "uneinheitliche" Völker zulassen - die Schwachen haben oft andere Qualitäten, die den Starken abgehen mögen.


    Auf jeden Fall interessant, sowas mal im DBJ zu lesen (man achte auf die Feinheiten im Sprachgebrauch von Kefuss und Büchler :lol:).

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Außerdem bemängelt er, daß viele von Johns Völkern ohne Schutzkleidung nicht zu bearbeiten seien, und das natürlich in D gar nicht geht...:roll:


    Servus Sabine
    Es geht nicht nur um die Schutzkleidung des Imkers, viele haben ihre Völker im städtischen Raum stehen. Und da möchte ich die Nachbarschaft hören, wenn sie nur noch mit Schleier und Anzug in den Garten kann.
    Meinen Heimstand z.B. könnte ich mit diesen Bienen auflösen.
    Aber es geht in die richtige Richtung. Wenn man es jetzt noch fertigbrächte, Sanftmut reinzubringen..... Wobei, ich glaube eher, eine Biene die sich gegen die Varroa wehren kann, und Sanftmut passen nicht zusammen.
    Auf alle Fälle wurde durch diesen Bericht meine Theorie bestätigt, daß man eine große Anzahl von Völker braucht, um in diese Richtung züchten zu können. Für einen Imker mit bis zu 50 Völker, der den Honig braucht, und sich einen evtl. Totalverlust nicht leisten kann, u n d u r c h f ü h r b a r.
    Und seine Nachbarimker auch ins Boot holen? Fast unmöglich. Ausserdem schrieb Kefuss, daß man eine möglichst hohe Genvielfalt braucht, um Erfolge zu haben. Da seh ich schon mal gar keine Chance in einen Land, wo hauptsächlich die sanfte, nachbarschaftsfreundliche Carnica vorkommt.
    Tja... meine Generation wird wahrscheinlich nicht mehr zu solchen Var.-tol. Bienen kommen.
    Aber ich zolle Herrn Kefuss und allen anderen, die sich dieser Aufgabe annehmen, Respekt und wünsche ihnen dabei Erfolg.


    Viele Grüsse
    Günter

  • Moin, Günter,
    ich seh das anders, wirklich aggressive Bienen dürften höchst selten sein.


    Schönstes Beispiel war bei mir die amtliche Probenahme wg AFB-Sperrbezirk.
    Herr E. aus C. hat mit der imkerüblichen ruppigen Art, an den Rähmchen rumzufuhrwerken, auch gleich seine Quittung gekriegt, und dem Mann und unserem netten Helfer die ersten Anblicke von "Bienen, die wie überkochende Milch aus der Kiste kamen" beschert - das gibt es normal bei uns nicht, das hatten die beiden noch nie zuvor gesehen.
     
    Besser wurde es erst, nachdem er die Schnauze voll hatte, und sich die Waben von uns bringen ließ, da wurde aber dann auch so vorsichtig wie immer gearbeitet.


    Die von ihm malträtierten Völker hatten sich aber bis zum nächsten Tag wieder beruhigt, und wir haben den ganzen Sommer nicht einen Stich gehabt.


    Ich sag doch immer, ich brauche keine Woche, um aus dem sanftmütigsten Volk eine wilde Bestie zu machen :lol:, es liegt zu 99% daran, wie man mit ihnen umgeht.


    Von daher sehe ich keine Gefährdung des Nachbarschaftsfriedens gegeben, aber wohl wieder die Bestätigung des Vorurteils, daß Dunkle grundsätzlich alle Stecher seien.


    Kefuss hat halt die "falsche" Biene für Carnica-Land und Reinzuchtanhänger.
    Letztere sehen doch immer schon den Untergang des Abendlands gekommen, wenn eine ihrer Königinnen sich von einem "falschen" Drohn hat erwischen lassen...:lol:


    Und der Soft-Bond-Test geht auch mit weniger Völkern als 600, deshalb wurde er ja erfunden. Nur möchten die meisten Imker halt lieber weitermachen wie bisher....:roll:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Jetzt warten wir mal, bis alle das Blättchen haben. Die Freude ist verständlicherweise groß, doch der geschäftstüchtigen Gurus waren schon viele. Tausende glaubten sich schon berufen aber noch keiner war auserwählt. Ich bin der Auffassung, dass eher das Christkind uns dieses Jahr die Resistente bringt.


    Frohe Weihnachten und ein varroafreies Jahr wünscht euch Lieben
     
    der Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hi Sabine,


    ich stimme Dir im Großen und Ganzen zu.
    Ich erlebe es auch öfter mal, dass Bienen bei mir "friedlicher" sind als bei anderen.
    Es gibt allerdings -glaube mir- Bienen, die sind in ihrer Angriffslust nicht zu bremsen.
    Das sind dann die, die Dir beim Öffnen der Umzäunung der Bienenwiese gleicht ihre Aufwartung machen!
    Darum geht es. Ein Spaziergänger wird Dir selten in die Völker reinschauen, aber wenn er nicht in 50 m Entfernung passieren kann, ohne den Kopf einzuziehen und schleunigst das Weite zu suchen, bekommt man als Bienenhalter zu Recht Ärger.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Nur möchten die meisten Imker halt lieber weitermachen wie bisher....:roll:


    Und warum???
    Weil man so auf der sicheren Seite ist!!!
    Liebe Sabine...
    Nicht jeder Imker ist so mit Feuereifer dabei wie du.
    Nicht jeder Imker kann sich einen Totalverlust leisten.
    Nicht jeder Imker glaubt an Var.-tol. Bienen.


    Zitat

    Remstalimker
    Jetzt warten wir mal, bis alle das Blättchen haben. Die Freude ist verständlicherweise groß, doch der geschäftstüchtigen Gurus waren schon viele. Tausende glaubten sich schon berufen aber noch keiner war auserwählt. Ich bin der Auffassung, dass eher das Christkind uns dieses Jahr die Resistente bringt.



    Ich glaube auch erst daran, wenn ich einen Wissenschafftlichen Bericht schwarz auf weiß vor mir liegen habe.
    Und ich setze die toleranten Weisel sofort ein, wenn man mir versichert, daß ich keine höheren Ausfälle haben werde.
    Ich werde mit Sicherheit nicht in diese Richtung experimentieren,
    mangels Zeit,
    mangels Bienen
    und mangels Auslesemöglichkeiten


    Viele adventliche Grüsse
    Günter

  • Hallo Sabi(e)ne, leider habe ich das DBJ nicht, kann also es nicht lesen -gibt es evtl. dies auch elektonisch?


    Wie ich weis hatte Ralph Buchler auf der Insel Unije/Kroatien von 1999 - 2005 13 Linien getestet, Kefuss Bienen starben als letzte.


    Ganz wichtig erachte ich den Hinweis von Kefuss, Bienen zu halten die soviel wie möglich verschiedene Arten von Allele tragen, das ergibt viele Arten des Wiederstandes. Das heißt laienhaft ausgedrückt: erzeugen und paaren, erzeugen und paaren usw. und das kann in einem Jahr mehrmalig geschehen und wenn dann noch die 007 Bond-Methode benutzt wird um so besser, für Dünnbrettbohrer gibt es auch noch die Bond Soft-Methode.


    Damit liege ich mit meiner Standbegattung über viele Jahre ziemlich richtig und die Bienen die bisher meine so mickrige Behandlungsweise überlebten zeugen davon.


    Was Johannes Kefuss und seine so ruppige Biene angeht so glaube ich, dass er in Südfrankreich es mit der m. mellifera zu tun hat, die bekanntlich nicht so friedlich ist wie die unsere; ausser dem scheint er mir m. intermissa eingekreuzt zu haben, eine Rasse die auch in der m. iberiensis vertreten ist.


    Grüße vom Griesenbruch,
    Horstus

    - Zweifel ist das Wartezimmer der Erkenntnis -


  • Er (JK) schreibt unter anderem darüber, daß tolerante Bienen aus einer Region aufgrund der unterschiedlichen Betriebsweisen woanders nicht unbedingt tolerant sind ...


    Hallo, das besagte DBJ Heft hat den Postweg zu mir noch nicht geschafft, trotzdem:


    Liegt nicht allein an der unterschiedlichen Betriebsweise.
    Kann auch (und das ist nicht in meinem bescheidenen Garten gewachsen, sondern kommt von Kollege PJ) dem Heterosis-Effekt zu "verdanken" sein, der beim Zusammentreffen unterschiedlicher Varroa-Populationen entstehen kann. Gewissermassen also Super-Varroa-Bastarde, die dann -zumindest in der ersten Kreuzung- mit ihrer Virulenz auch Bienen arg zusetzen, für die Milben vorher kein echtes Problem darstellten.
    Ein Grund mehr besonders den grenzüberschreitenden Verkehr mit Bienen skeptisch
    zu betrachten. [/QUOTE]
    [/QUOTE]
    ... viele von Johns Völkern ohne Schutzkleidung nicht zu bearbeiten seien, und das natürlich in D gar nicht geht...:roll:[/QUOTE]


    Geht auch anderswo in Siedlungsgebieten nicht.


    Ein belgischer Kollege, alles andere als ein "Eine-Königin-Besteller", hatte gleich eine Serie von K. bei JK bestellt und alle Völker musste er abschwefeln. "Killerbienen"
    eben, wie Du mal in einem Thread geschrieben hast.

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.