Bienen ziehen im Dezember um und das zu Fuß

  • Hallo,
    heute morgen um 7 Uhr rief mich mein Jungimker an, das seine Bienen von der einen in die andere Beute krabbeln. Ich ungläubig hin und siehe da, es stimmte.
    Folgendes stellte sich dar.
    2 Beuten, beide doppeltzargig, stehen nebeneinander, beide besetzt mit starken Völkern. Oxuvarbehandlung im Brutfreien Zustand ende Nov. durchgeführt, Futter in beiden satt.
    kein erkennbarer Milbenbesatz, es sind beides Schwarmvölker 2010.
    Das linke Volk wanderte in Reih und Glied (wie eine Ameisenstrasse) aus Ihr Flugloch direkt ins benachbarte rechte Volk. Von Flugloch zu Flugloch einspuriger, reger Verkehr, keine einzige Biene in entgegengesetzter Richtung. Das ganze zog sich bis ca. 9 Uhr hin. Selbst die Königin ist mit umgezogen ich habe selbst gesehen das auch sie umringt von Bienen rübergelaufen ist.
    Habe gerade nochmal nachgesehen, die linke Beute ist Bienenfrei, in der rechten Beute sitzen ganz ruhig zwei große Trauben eine links in der unteren ca. 6 Waben eine rechts in der oberen Zarge, ca. 7 Waben. Trauben sind völlig voneinander getrennt.
    Werde jetzt die Zargen der Beute rechts auf die Zargen der Beute links stellen, den für zwei Völker reicht das Futter nicht. Zwei in eines und das im Dezember??
    Ich habe soetwas noch nicht erlebt und bin Ratlos. Varroa schließe ich aus, genau wie Futtermangel.
    Erfahrungen oder Ideen??

    Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück

  • Hallo Pharao,


    schade, dass Du keine Kamera dabei hattest, das hätte ich echt gerne sehen mögen.
    Erklärung?
    Nee, nicht wirklich.
    Oder ganz, gaaaanz vage: Das "Gastgebervolk" war weisellos und hat die anderen irgendwie rübergelockt.
    Aber weshalb dann die (evtl.) weisellosen nicht "rübergemacht" haben, bleibt mir verborgen.
    Und warum im Dunklen ?
    Mich würde echt mal interessieren, ob jemand sowas schon einmal beobachtet hat.
    In der Literatur, wie ich sie gerade so im Kopf habe, ist ein solches Phänomen nicht beschrieben.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo,
    das ist absolut seltsam. Davon habe ich noch nie gehört, geschweige denn gesehen.
    SChade das ihr keine Photos gemacht habt, das wäre bestimmt eines mit absolutem Seltenheitswert.



    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Hallo Pharao,


    Das klingt ja ziemlich unglaublich. Wie kalt war es bei Euch denn um diese Zeit?
    Und gabs an der verlassenen Beute irgendwas Ungewöhnliches zu beobachten?


    Grüße,
    Markus

  • Wenn ich es nicht selbst gesehen hätte würde ich es wohl nicht glauben. Wie gesagt, ich hab so etwas noch nie erlebt und auch noch nie etwas davon gehört.
    Ja, leider hat man die Kamera nie dann, wenn man sie braucht. Habe ja zuerst das was mein Jungimker mir am Tel. sagte nicht geglaubt und gedacht es ist irgendwas lapidares. Hätte ich gewusst das das stimmt, hätte ich die Kamera mitgenommen.
    Grüße:

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  • Hallo,
    vielleicht war das umgezogene Volk schwach und hat nach Studium von Drohn´s Winterprognose beschlossen umzuziehen um zu überleben.
    Oder war ein Störenfried in der jetzt leeeren Beute?
    Vom Sommer kenne ich das manche Beuten plötzlich leer und andere plötzlich voll sind auch wenn ich gewöhnlich nicht mitbekomme was vorsich ging.
    Grüße
    Thomas

  • Hallo Pharao,


    mich würden die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen beiden Völkern interessieren.


    LG
    Mandy


     
    Keine Verwandschaftlichen Bande soweit bekannt, der eine Schwarm ist von mir, der andere gefangen in der Nachbarstadt (9Km).


    thomas : das umgezogene Volk war nicht schwach und Störenfried ist auszuschließen. Mäusegitter, keinerlei Beschädigungen an oder in der Beute.
    Bin weiter ratlos

    Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück

  • Hallo Pharao,


    dass Bienen zu Fuß gehen, stört mich weiter nicht. Das tun sie oft, sie sparen Energie, wo es nur geht. Aber im Winter umziehen?
    Ich kann mir nur vorstellen, dass das eine Volk noch immer "wie ein Schwarm" denkt. Hört sich blöd an, ich weiß. Aber Schwärme vereinigen oder trennen sich schon mal. Jeder Imker kennt das, er hat zwei Schwärme eingeschlagen, plötzlich zieht der eine bei dem anderen ein.
    Oder ein Schwrm will ums Verr... nicht in der Kiste bleiben, zieht immer wieder aus. Das ist ja soweit bekannt und nicht neu.
    Aber normalerweise schaltet ein Schwarm ja sofort nach Einzug in seine Behausung in einen anderen "Modus" und beginnt mit dem Bauen, Brüten usw.
    Dieses Volk jedoch hat sich aus unerfindlichen Gründen wieder umgepolt und verlässt trotz neuem Bau, Futtervorrat usw. die Hütte.
    Ist schon sehr schräg, das.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Moin,
    hochinteressant!:daumen:
    Mir fällt nur eine Möglichkeit ein: die Königin des umgezogenen Volks ist zwar noch da, aber u.U. nicht mehr legefähig. Evt. haben die Bienen das gemerkt und sind deshalb in einem Verzweifungsakt umgezogen.
    Intressant wird es sein, jetzt die weitere Entwicklung zu beobachten.
    Ist im März ein einziges Brutnest vorhanden, könnte ich mit meiner Theorie recht haben.
    Sind es dann immer noch zwei getrennte, bleiben die Fragezeichen.


    Und seitdem ich dieses Jahr die Ressourcen-Rückholung samt Bienen von dem Nachschwarm (dem die Königin bei der Begattung verlorenging) gesehen habe, sehe ich keinen Grund, an dieser Geschichte irgendwie zu zweifeln.


    Nur weil etwas noch nie beschrieben wurde, heißt das ja nicht, daß es das nicht gibt.
    Und ich finde es gut, hier über solche Dinge zu berichten - ich will gar nicht wissen, wie viele hochinteressante Geschichten es gibt, die sich niemand getraut zu erzählen, weil sie so unwahrscheinlich klingen....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Aufgrund der Tatsache dass dies recht ungewöhnlich scheint, würde es doch mal interessieren was ein Bienenwissenschaftler wie z.b. Tautz zu so einem Phänomen meint.


    Gruß Ralf