Winterbehandlung ok? Frühjahrsbehandlung unerlaubt?

  • Hallo, Imkerfreunde,
    ich möchte gerne einen Widerspruch aufarbeiten, der mich beschäftigt.
     
    Es scheint legal zu sein, die Bienen im Winter, da endlich brutlos, zur Varrobehandlung,
    wie auch immer, zu stören. Es ist Ruhezeit.
    Es scheint illegal zu sein, den Bienen in Ihrer Aufstrebungszeit, dem Vorfrühling,
    bei genehmen Temperaturen, eine sanfte AS-Behandlung mit dem Nassenheider
    zukommen zu lassen.
    Gibt es Untersuchungen über Honig, die im Vorfrühling mit AS behandelt wurden?
     
    Gibt es Untersuchungen über Bienen, die im Winter mit Bienenwohl oder Thymovar behandelt wurden.
    Oder was richtet Oxal an, im Winter?
    Im Winter ist der Bien im "Abgang", er richtet sich ein und will überleben.
    Was bis dahin nicht getan wurde, ist Nachlässigkeit.
     
    Aber die Chance, den Milben nochmal den Finger zu zeigen, die nutzt kaum jemand.
    Eben im VORFRÜHLING.
    Liebe Grüße, Bienudo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • 1. Dürftest du dann ne gehörige Überdosis Ameisensäure im Obstblütenhonig haben wenn du Ende März behandelst.
    2. Wieso soll es besser sein, den Bienen ihren Aufbau bzw. Austausch der Winter- zu Sommerbienen im Frühjahr zu vermurksen, als im Winter einen kleineren Eingriff auszuführen? Du behandelst deine Bienen im Herbst schließlich auch erst so ziemlich nachdem der Großteil der Winterbienen geschlüpft ist nehm ich an.
    3. Wieso glaubt jeder Imker, die Professoren der Bieneninstitute seien auf den Kopf gefallen und versucht selbst mit laienhaften Methoden und Mitteln den Bienen zu einem schnelleren Abgang zu verhelfen?
    4. Trotz Behandlung im Herbst, vergeht ohne Winterbehandlung einfach zu viel Zeit, in der sich die Milbe ungehindert vermehren kann. Sicher sind manche Völker widerstandsfähiger als andere, aber in der Regel dürfte es sich bei den meisten Bienenvölkern so verhalten.
    Natürliche Auslese in allen Ehren, aber erstens ist diese Auslese kaum natürlich, zweitens dürfte es ziemlich frustrierend sein, jeden Winter mindestens die Hälfte seiner Völker zu verlieren.


    Mal abgesehen von allem anderen: Honigbienen sind vom Menschen mehr oder weniger gezüchtet worden und können daher wohl nicht mehr ohne ihn überleben.
    Die Biene stirbt ohne seine Hilfe auf kurz oder lang an der Varroa.


    Es gibt wohl kein Mittel, dass besonders sanft und wirksam zugleich in der Anwendung sein kann. Säure wirkt zerstörerisch auf fast jedes Lebewesen, Thymol ist ebenfalls ein Protonendonator (= vgl. Brönstedt Säure Definition) , und zudem ein Phenolderivat (Phenol ist einfach nur mutagen!), außerdem stinkt es tierisch.
    Jedes Behandlungsmittel ist also ein Kompromiss und das Ideal herauszufinden, würde ich dann doch den Leuten überlassen, die dafür vom Staat bezahlt werden und Ahnung von der Materie haben (auch wenns zuweilen wirklich nicht so rüberkommt).


    Passt vielleicht nicht zum Beitrag, aber wie weit meinst du müssten wir die Biene "zurück-" oder "gesundzüchten" um wieder eine selbst-überlebensfähige Rasse zu erhalten? Auch ist fraglich ob selbst wenn ein schneller Zuchterfolg erfolgen würde, überhaupt wirtschaftliches Arbeiten mit Bienen möglich wäre.


    Übrigens bin ich auch der Meinung, dass es im Sinne der Bienen ist durch den Eingriff im Winter ihr Weiterleben zu sichern.


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    Dieser Beitrag gibt nur die Meinung eines Imkers wieder.
    Es darf diskutiert werden.

  • Vom Bieneninstitut Celle: Link


    Kurz wiedergegeben: Im Frühjahr behandelt, ist Ameisensäure oder OS in höherer Dosis im Honig vorhanden, als es natürlich vorkommt. Dies würde gegen die HonigV verstoßen, da weder Bestandteile entzogen noch - wie in diesem Fall - zugesetzt werden darf. Außerdem kann es zu einer geschmacklichen Veränderung des Honigs kommen.


    Da man irgendwo die Grenze ziehen muss, bis wann man behandeln darf ohne dass es zu größeren Rückständen in der Ernte kommt, hat man als "Deadline" den 31.12. eine Jahres genommen. Für mich vernünftig!

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • ...Da man irgendwo die Grenze ziehen muss, bis wann man behandeln darf ohne dass es zu größeren Rückständen in der Ernte kommt, hat man als "Deadline" den 31.12. eine Jahres genommen.


    ...und lt. Uni Hohenheim letzter Termin der 15. Januar.


    Ist aber Erbsenzählerei. Um den Jahreswechsel herum ist Schluß mit Behandlung!

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Alles Erbsen zählerei, was wir brauchen ist eine Biene die im Winter nicht brütet, mindestens drei Monate nicht. Das was Land auf Land ab zu sehen sind, sind nicht gezüchtete sonder gekreuzte Rassen aus fernen Ländern und das ohne Unterschied, ob gelb ob braun oder schwarze und damit beginnt das Problem, die Milbe ist nicht Schuld.
    Grüße vom Griesenbruch, Horstus

    - Zweifel ist das Wartezimmer der Erkenntnis -

  • Hallo


    eine Frühjahrsbehandlung mit AS wäre der größste Blödsinn den man machen kann. Mehr will ich dazu nicht sagen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Alles Erbsen zählerei, was wir brauchen ist eine Biene die im Winter nicht brütet, mindestens drei Monate nicht. Das was Land auf Land ab zu sehen sind, sind nicht gezüchtete sonder gekreuzte Rassen aus fernen Ländern und das ohne Unterschied, ob gelb ob braun oder schwarze und damit beginnt das Problem, die Milbe ist nicht Schuld.
    Grüße vom Griesenbruch, Horstus


     
    ... ich glaube nicht, dass Dir bewußt ist was Du das schreibst.
    Ich wohne im Allgäu. Da ist es lange kalt und wir haben sogar viel Schnee. Derzeit knapper 1/2 Meter. Aber selbst auf einer Standhöhe von 800 m kommen wir nicht auf 3 Monate Brutfreiheit. Und wenn, dann ist das die Ausnahme. Der Föhn verhindert das regelmäßig. Selbst jene Bienen schaffen das nicht, die man im Allgäu so liebt. Die C-Biene. Meine B-Bienen unterscheiden sich da lediglich in der Größe des Brutnestes - im Sommer.


    Also Horstus@
    erkläre mir bitte wie Du darauf kommst. Deine obigen Zeilen sind Allgemeinplätze. Das reicht nicht als verständliche und nachvollziehbare Erklärung.

  • Hallo


    eine Frühjahrsbehandlung mit AS wäre der größste Blödsinn den man machen kann.


     
    ... warum der größte Blödsinn?
    Man könnte die Milbenpolulation doch damit auf 'Null' setzten und dem Volk einen sehr guten Frühjahrsstart geben oder?
    Gut, den Honig dürfte man dann offiziell nicht mehr verkaufen.

  • Gerne gebe ich darauf eine Antwort, ich gehe davon aus wie sich unsere Vegetation und die Tiere verhalten. Das Wachstum ist zum Stillstand gekommen und selbst hier in der westfälischen Region, mit milden Wintern, gerät alles zum Stillstand. Ein gutes Beispiel sind für mich die nahen Verwandten der Honigbiene, die Ameisen, die bis Ende Februar bei uns kaum noch Leben zeigen.
    Brutfreiheit ist das einzigste Mittel um der Milbe her zu werden. Solange und jemehr Bienen brüten desto mehr Milben vermehren und verstecken sich in der Brut (etwa 2 Drittel wenn nicht mehr) und das ist das eigentliche Problem.

    - Zweifel ist das Wartezimmer der Erkenntnis -

  • Hallo Miteinander,
    das "Problem" ist, das wir versuchen, die Milben aus den Altvölkern zu bekommen (was ohnehin nicht gelingt)
    und dabei den Weg, den Mutter Natur uns zeigt, vergessen:
    Schwärme, oder auch Kunstschwärme und Ableger.
    Damit hat man die Chance, möglichst viele ansitzende Milben zu erwischen.
    Damit haben diese neuen Völker einen milbenarmen Start.
    Und gönnen wir ihnen eine längere brutfreie Zeit über die Wintermonate.
    Rennen wir nicht gleich beim ersten Sonnenstrahl mit brutfördernen Betriebsweisen im Hinterkopf zu den Völkern,
    sondern lassen sie sich in Ruhe entwickeln.
    Die alten Bienen tragen die Tracht ein, nicht die vielen durch Aufputschen entstandenen Jungbienen.
    Wie schnell können sich derart manipulierte Völker mit der Brutpflege zu diesem Zeitpunkt verausgaben.
    Drei bis vier Wochen späterer Brutbeginn bedeutet einmal eine Verdoppelung der Varroamilben im Volk weniger.
    Das erscheint mir eine sinnvolle und zugleich rückstandsfreie Frühjahrsbehandlung der Völker zu sein.
    Zumal der Erfolg einer anderen Frühjahrsbehandlung noch nicht bewiesen ist.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • ... warum der größte Blödsinn?
    Man könnte die Milbenpolulation doch damit auf 'Null' setzten und dem Volk einen sehr guten Frühjahrsstart geben oder?
    Gut, den Honig dürfte man dann offiziell nicht mehr verkaufen.


    Du wirst den Honig auch inoffiziell nicht mehr verkaufen, weil er deinen Kunden nicht mehr schmeckt.


    Summsi

  • Es scheint illegal zu sein, den Bienen in Ihrer Aufstrebungszeit, dem Vorfrühling,
    bei genehmen Temperaturen, eine sanfte AS-Behandlung mit dem Nassenheider
    zukommen zu lassen.


    Es scheint nicht illegal zu sein, es ist illegal wenn man Honig verkaufen will.
    Was verstehst du unter sanft??????
    Milben sterben erst ab einer bestimmten Konzentration von AS in der Luft, die erreicht man nicht mit sanft. Da müsste man schon ganz normal nach Anweisung behandeln, daß man zum "Erfolg" kommt. Und angesichts der niedrigen Temperaturen im Vorfrühling, müsste man 80%ige nehmen mit größter Dochteinstellung. Dann hat man vielleicht den selben Effekt wie bei der Sommer-AS-Behandlung, nähmlich: Milben zwar tot aber viele Brut wird geschädigt, ergo, das wars mit den Winterbienen-Sommerbienen-wechsel. Entweder das Volk gibt 4 Wochen nach der Behandlung mangels Nachwuchs den Löffel ab, oder wenn es überlebt, ist es nur noch so mickrig, daß die Honigernte in diesen Jahr höchstwahrscheinlichn ausfällt. Sollte ein Volk diese Frühjahrstortur gut überstehen, hat man unverkäuflichen Honig. Das heißt... einmal kannst du ihn noch verkaufen, dann sucht sich der Honigesser einen anderen Imker.


    Viele Grüsse
    Summsi

  • Hallo!
    Ich störe auch die Bienen so wenig wie möglich, aber eine Restentmilbung so zeitig wie möglich (Brutfreiheit) erachte ich als dringend. Habe gestern OS geträufelt- so groß ist der Eingriff doch nicht. In weniger als einer Minute war ein Volk behandelt, Bienen blieben ruhig in der Traube.
    Die restlichen ca. 5% der Milben die die Behandlung überleben, können sich doch bis zum Frühjahr nicht weiter vermehren und eine Frühjahrsbehandlung ist nicht nötig.


    Eine Zecke entfernen wir uns doch auch so schnell wie möglich und warten nicht auf einen passenderen Moment, dieser Eingriff ist doch auch nicht sooooo angenehm.


    LG Stefan