Wintertraube und Waben im Weg

  • Hallo Christian,


    du machst dir m.E. zu viele Sorgen!


    Der Bienensitz ist oft fluglochnah, aber auch nicht immer. Und große Völker besetzen mehr Waben und kleinere weniger. Mehr würde ich da nicht hineininterpretieren. Die fluglochgfernen Futterwaben werden in wärmeren Perioden umgetragen. Das ist sehr schön auf den Windeln zu erkennen.


    Und ja, Wabenwechsel der gesamten Wintertraube habe ich auch noch nicht beobachtet. Wenn du die größeren Wabenformate benutzt, dann ist der Zehrweg schon ok.


    Gruß Jörg

  • Hallo Jörg,


    besten Dank für die rasche Reaktion. Die Theorie des Umtragens von Futter hatte ich nicht auf dem Schirm, passt aber treffend zu der Überlegung, dass ein Wabenwechsel der Traube wohl wenig wahrscheinlich ist.
    Insgesamt ist nach derzeitiger Überlegung dem Kaltbau mit mittigem Flugloch der Vorzug einzuräumen.


    Beste Grüße
    Christian

  • ...derzeitiger Überlegung dem Kaltbau mit mittigem Flugloch der Vorzug einzuräumen...


    Ich habe nur Erfahrungen mit DNM und Dadant, beides mit einseitigen kleinen Flugloch (2 bis 8cm). DNM würde ich nach Möglichkeit 2räumig überwintern und bei Dadant sehe ich gar keine Probleme bzgl. Bienensitz und Zehrweg.
    Warmbau könne eventuell wesensgemäßer sein. Meine Mini+ stelle ich gern im Warmbau auf.


    Gruß Jörg

  • Hallo Christian S.


    Deine Gedanken zu dem Thema sind zwar menschlich, aber nicht bienengemäß.


    Die Wintertraube ist immer ein pulsierendes Gebilde. Bei tiefen Minustemeraturen ziehen sich die Bienen dicht zusammen und bilden eine perfekte Kugelform. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass die Bienen in einer so kleinen Kugel überhaupt Platz haben. Wird es dagegen wärmer, dann lockert sich auch die Winterkugel immer mehr auf.



    Zitat

    Die fluglochgfernen Futterwaben werden in wärmeren Perioden umgetragen. Das ist sehr schön auf den Windeln zu erkennen.


    Falls Futter überhaupt umgetragen wird, dann passiert das sicher nur bei wärmeren Temperaturen. Im tiefen Winter, wenn noch keine Brut gepflegt wird, wandert die Wintertraube dem Futter nach. Daher hat die Lage des Flugloches doch einen Einfluss. Grundsätzlich kann man sagen, ein diagonaler Zehrweg ist immer länger als eine Wabenlänge. Probleme gibt es nur, wenn sich die Bienen sozusagen in eine Sackgasse fressen.



    Zum Wabenwechsel.


    Der Wabenwechsel wird den Bienen nur durch den Imker erschwert. Durchgehende Waben, modifizierte Rähmchen, dicht aufliegende Abdeckung (ohne Wachsbrücken) usw. erschweren den Wabenwechsel. Im Naturbau gab es genug Durchstiegsmöglichkeiten.
    Man darf sich einen Wabenwechsel auch nicht als ruckartige Kommandoaktion vorstellen. Die Bienen nehmen Futter auf und wandern dem Futter nach. Geht an einer Stelle das Futter dem Ende zu, dann wandert die Bienentraube eben in die andere Richtung. Die Traube kann dort nicht weiter wanderen, weil eben kein Futter mehr da ist.
    Die Futteraufnahme erfolgt im Inneren der Wintertraube. Nur dort ist es warm genug. Die Randbienen werden von Innen heraus mit Futter versorgt, bzw. wechseln von außen nach innen. Durch den Verzehr des Futters entsteht Kondenswasser, was wiederum zur weiteren Futteraufbereitung genutzt wird.


    Beim Warmbau wird oftmals von Problemen mit unbebrüteten Waben geschrieben, dass diese von den Bienen nicht überstiegen werden, obwohl auf der nächsten Wabe wieder Futter wäre. Ich habe da keine Erfahrung da ich Kaltbauimker bin, könnte mir aber vorstellen, dass das ein natürlicher Instinkt ist. Im Naturbau kam nach einer unbebrüteten Wabe nie eine Futterwabe, unbebrütet waren da nur die Randwaben.


    MfG
    Honigmaul

  • Hallo Christian


    Es ist ein Trugschluß zu glauben wenn das Flugloch in der Mitte ist, das dann auch die Bienen mittig sitzen. In einzel stehenden Beuten richten sie den Wintersitz dort ein wo es am wärmsten ist, auch durch die Sonneneinstrahlung beeinflußt. In Bienenhäusern oder Bienenwagen wo die Beuten Seitenwand an Seitenwand stehen bilden 2 nebeneinanderliegende Völker fast immer eine gemeinsame Winterkugel, auch wenn beide Fluglöcher auf der rechten Seite sind. Das die Bienen Löcher in die Waben fressen ist nicht zutreffend. Diese Löcher wurden früher von manchen Imkern selbst in die Waben eingebracht, um den Effekt des leichten Wabenwechsels für die Bienen bei großer Kälte zu ermöglichen. Früher gab es noch richtige Winter mit zweistelligen Minusgraden über längere Zeit. Da kam es dann auch öfter vor das die Bienen die Wabengassen nicht wechseln konnten und verhungert sind.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo zusammen,


    ich danke Euch für die vielen Antworten und Gedanken. Ich werde das bei meinen Völkern einfach mal weiter genau beobachten und sehen, wie diese sich verhalten. Meine kurze Nachschau in die Wabengassen hat jedenfalls gezeigt, dass bei allen vier Völkern noch zureichend Futter vorhanden ist.


    Eine Frage aber noch: Sollte die Folie (wenn man eine solche überhaupt nutzt) im Winter entfernt werden, um eine bessere Luftzirkulation und eventuelle einen Wabenwechsel über die Oberträger zu ermöglichen?


    Viele Grüße aus Berlin
    Christian

  • Hallo Christian


    wer die Folie im Sommer benutzt läßt sie auch im Winter drauf. Die Folie schließt nicht so dicht, auch durch Verbau ab, das keine Bienen durchkommen. Ich benutze keine Folie, den einzigen Vorteil sehe ich darin, das man nicht gleich Kontakt zu den Bienen hat und mal so einen Blick riskieren kann.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • ...Vorteil sehe ich darin, das man nicht gleich Kontakt zu den Bienen hat und mal so einen Blick riskieren kann.


    Und natürlich, daß die Wärme beim kurzen Öffnen des Deckels nicht gleich entweicht.


    Ich benutze Folien mag es z.B. im Dadant bei einer Kontrolle, Nachfütterung mit Wabentaschen etc. die Folie über dem Brutnest verschlossen zu lassen und nur den Randbereich hochzuklappen.


    Gruß Jörg

  • Hallo,


    bei Völkern, die keinen Wachsbau auf den Oberträgern anlegen, kommen bei mir 2 Hölzchen, mit ca.6mm Durchmesser quer auf die Rähmchen, unter die Folie.
    Die Vorteile der Folie sehe ich wie Jörg. Nötig ist sie jedenfalls nicht.


    Gruß
    Ulrich


  • Eine Frage aber noch: Sollte die Folie (wenn man eine solche überhaupt nutzt) im Winter entfernt werden, um eine bessere Luftzirkulation und eventuelle einen Wabenwechsel über die Oberträger zu ermöglichen?


    Hallo,


    Luftzirkulation sorgt für Wärmeverlust. Ich habe bei mir neben einer flexiblen Klarsichtfolie beim ein oder anderen Volk noch eine 2 mm starke Plexiglasplatte auf den Oberträgern liegen. Das sorgt für ein zusätzliches Plus an Wärmehaltung und auch dafür, dass sich die Bienen bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt problemlos durchaus 2-3 Waben von der Wintertraube entfernen können, um an die entfernter lagernden Vorräte zu kommen, ohne zu verklammen.


    Grüße Sven

  • Hallo Imkerfreunde,
    meine Segebeger Abdeck-Fix sind auf 435er Rähmchen, 8mm hoch getackert.
    Diese sind ordendlich mit Propolis abgedichtet, solange kein Eingriff nötig ist.
    Der entstandene Hohlraum ist generell von Bienen besetzt.Erkenntlich,weil es ein
    kurzes Anheben des Beutendeckels auch bei geringen Temperaturen ermöglicht.
    Wabenwechsel vermute ich deshalb als gut möglich,weil bei den Kontrollen
    Standortwechsel erkennbar sind. honigmade