Mangelernährung bei Bienen

  • Hallo alle,
    ich soll/darf/muss demnächst für die Leute meines Anfänger-Kurses einen kleinen Vortrag halten zu dem Thema "Monokultur in der LW und Auswirkungen auf die Bestäuberinsekten". Habe mal ein bisschen "gesuuucht" und stoße dabei immer wieder auf die Floskel, dass Bienen durch die Monokulturen mangelernährt seien, ohne dass das weiter erklärt wird.
    Bezieht sich das wohl auf das kurze Zeitfenster, in denen die wenigen vorhandenen Blütenpflanzen Futter bereitstellen oder brauchen die Bienen tatsächlich ein gewisses Spektrum an Pollen (und Nektar) um ihren Bedarf zu decken? Gibt es dazu Untersuchungen? Würde mich über Eure Hilfe sehr freuen:-D. Vielleicht hat der/die eine oder andere noch einen spannenden Link?
    Danke schon mal :p_flower01: & viele Grüße,
    Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Moin, Henrike,
    beides.
    Einerseits nützt der größte Rapsacker nix, wenn den Rest des Jahres nicht ausreichend Tracht vorhanden ist, und andererseits brauchen auch die Bienen die Vielfalt an Pollen, um gesund ernährt zu sein.
    Maispollen ist z.B. frei von Lysin, und das ist eine essentielle Aminosäure, auch für die Bienen.
    Jede Pflanze hat ein bestimmtes Aminosäure-Profil in ihren Pollen, und für die ausgewogene Ernährung sollten die verschiedenen Arten einander zur perfekten Bienendiät ergänzen.
    Der dritte Punkt ist die Ausnutzung der Böden - in den 70ern wurde noch über sauren Regen gestöhnt, und heute müssen die Bauern Schwefel als Spurenelement düngen, weil die Luft und der Regen in dieser Richtung deutlich sauberer geworden sind.
    Das betrifft aber auch alle anderen Elemente, z.B. ist in Bayern Jod und in ganz D Selen ein Mangelmineral.
    Und was nicht im Boden ist, kann auch nicht im Pollen sein....


    Das Ganze ist sehr komplex, und betrifft eben nicht nur die Bienen, sondern auch die menschliche Ernährung.
    Wenn man sich in diese Materie tiefer einarbeitet, staunt man nur noch, wie viele Stoffwechselvorgänge von dem Vorhandensein bestimmter Elemente abhängig sind (Beispiel Kobalt oder Bor), die nicht durch andere zu ersetzen sind.


    (Und es kommt die zunehmende Belastung über die PSM hinzu, deren Wirkungen auf den Menschen über die Nahrung in Minimaldosen gar nicht erforscht ist, und deren Wechselwirkungen miteinander im Boden auch nicht.)


    Ich gucke morgen mal nach Studien für dich. :Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hi Henrike!


    Ich habe weder Links noch Ahnung :wink:, aber ich vermute mal schwer ,es ist wie beim Menschen. Ständige einseitige Ernährung während der gesamten Entwicklung ist nicht gesund. Ob medizinisch nachweisbar oder nicht, es ist so.
    Beide von dir genannten Gründe treffen m.E. aber zu.


    Effektiv nutzbare Pollenmengen sind in einer landwirtschaftlich intensiv genutzten Gegend im "Idealfall" Obst-, Raps-, und Maispollen, evtl. noch Senf oder Phacelia. Die damit sehr einseitige Versorgung der Völker könnte ich mir als problematisch vorstellen, unabhängig davon, dass die o.g. Pflanzen fast ausnahmslos gespritzt werden dürften. Auch wenn es sich dabei um "bienenungefährliche" Mittel handelt, förderlich ist das sicherlich nicht.
    Und zwischen den genannten Pollentrachten gibt es faktisch nix in der beschriebenen Landschaft, das eine ausreichende Pollenversorgung der Völker gewährleistet. Allein schon von der Menge.
    Logisch klingt`s für mich...:wink:


    Gruß
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Hallo Sabi(e)ne, hallo Patrick,
    vielen Dank schon mal. Ich werde noch mal ein bisschen weiter suchen. Das Thema Aminosäuren-Spektrum finde ich sehr spannend, da gibt es ja auch schon einiges hier im Forum. Würde ich gern in den Vortrag einbauen, das meiste andere zu dem Thema hat man ja doch schon xmal gehört... Mal schauen.
    Schönen 2. Advent, (:u_idea_bulb02::u_idea_bulb02:)
    Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Of interest in practice and for the official testing of pesticides are also the high pesticide sensitivity of old winter bees, the decrease in sensitivity of bees on a stable feed from early to late summer, and the sensitivity-reducing influence of pollen-rich food supply promoting development. It is important ecologically that pollens of different plant species vary in nutrient quality for the honey bee: there are perfectly worthless (conifers), poor-to-medium, and highly effective pollen types.
    http://www.jstor.org/pss/4217075


    Influence of Pollen Feeding and Physiological Condition on Pesticide Sensitivity of the Honey Bee Apis mellifera carnica
    Oscar Wahl and Kurt Ulm
    Oecologia
    Vol. 59, No. 1 (1983), pp. 106-128


    => Die Pollenversorgung - qualitativ und quantitativ - ist auch in Hinsicht auf die Empfindlichkeit gegenüber Pestiziden wichtig.


    Gruß
    Bernhard

  • .......brauchen die Bienen tatsächlich ein gewisses Spektrum an Pollen (und Nektar) um ihren Bedarf zu decken? Gibt es dazu Untersuchungen?


    Die Honigmacher:
    "Die meisten Aminosäuren und spezielle Fettsäuren muss die Biene aber mit ihrer Nahrung aufnehmen. Die Stoffe werden als essentielle Nahrungsbestandteile bezeichnet. Eiweiße, freie Aminosäuren, Vitamine und essentielle Fettsäuren liefert der Pollen.
    Eine einseitige Ernährung über den Pollen einer einzigen Pflanzenart, wie dies bei einer Massentracht auftritt, kann zu Problemen führen. Der prozentuale Anteil der für die Biene essentieller Aminosäuren im Pollen schwankt je nach Pflanzenart. Bei einseitiger Ernährung kann es zur Unterversorgung mit einer Aminosäure und damit zu Entwicklungsstörungen und -verzögerungen im Volk kommen. Die Reifung der Eier in den Eierstöcken der Königin verzögert sich und sie legt weniger Eier. Ebenso kann es zu Verzögerungen im Wachstum der Larven kommen, wenn einzelne essentielle Aminosäuren in der Nahrung fehlen.


    Die Exine des Pollenkorns ist für die Ernährung besonders interessant, weil hier essentielle Fettsäuren und Fette vorkommen."
    http://www.die-honigmacher.de/kurs3/seite_13400.html
    Gruß vom Nordschwarzwald, wo es zur Zeit nur Eisp(b)ollen gibt.
    winolf

  • Vortrag im Bienenmuseum in Duisburg, kommenden Sonntag, vielleicht sieht man sich ;)


    19.02.2012, 10 Uhr, (kostenfrei), Nicole Höcherl, LWG Bayern, Tischlein deck dich war einmal, Auswirkungen einseitiger Pollenernährung auf die Honigbiene

    "One of nature's biggest forces is exponential growth" (A.Einstein)

  • Nett bin ich nicht, aber ich versuche zu berichten, bitte beachten hier ist Fasching, kann sein dass ich woanders versacke. :oops:


    Deswegen hoffe ich, dass noch wer sich dahin schleppt. :u_idea_bulb02:

    "One of nature's biggest forces is exponential growth" (A.Einstein)