Universitätsprojekt (Propolis bzw. Bienenwachs als mögliche Innenbeschichtung)

  • Sehr geehrte Mitglieder des Imkerforums,



    Ich bin Student an der Wirtschaftsuniversität Wien und führe zurzeit im Rahmen eines Universitätsforschungsprojekts des Instituts für Entrepreneurship und Innovation an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) eine Untersuchung bezüglich innovativer Lösungen zur Steigerung der Haltbarkeit und Frische verpackter Güter in Kartonverpackungen durch. Diesbezüglich bräuchte ich dringend Ihren Rat zu dem Thema Bienenwachs bzw. Propolis.



    Im Speziellen wollte ich Sie fragen, ob Sie sich vorstellen können, eventuell die Innenseite eines Lebensmittelkartons mit "Propolis" zu beschichten, um damit antibakterielle, atmungsaktive und konservierende Eigenschaften hervorzurufen.
    Neuerdings werden nämlich Pappbecher mit sogenannten Biokunststoffen, wie etwa PLA (Milchsäure) oder Molkeproteinformulierungen beschichtet, um die Haltbarkeit und Frische zu steigern. Allerdings gibt es hinsichtlich dieses Verfahrens auch Bedenken, da Milchsäure in größeren Mengen gesundheitsgefährdend sein kann.
    Nun suche ich nach alternativen biologischen Beschichtungsmöglichkeiten mit natürlichen Wachsen (z.B.:Bienenwachs), da mir ein Bioniker im Zuge eines Gespräches vermittelt hat, dass solche Wachse theoretisch als Lösung für das Problem in Frage kommen könnten. Der neue Lebensmittelkarton muss darüber hinaus zu 100% biologisch abbaubar sein und soll dem immer größer werdenden, globalen Kunststoffproblem Einhalt gebieten. Ich hoffe, dass ich durch meine Frage niemandem zu nahe trete oder sogar gegen eine Forenregel verstoße.


    Ich wäre Ihnen allen überaus dankbar, wenn ich mir Ihre fachkundige Meinung/Einschätzung zu diesem Thema einholen dürfte.


    Vielen herzlichen Dank,


    Hochachtungsvoll OG

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  • Ohne jemals zu diesem Thema eine fundierte Abhandlung gehört zu haben, finde ich deine Frage hier mit Abstand die interessanteste seit langer Zeit! Bienenwachs als Innenbeschichtung, modifiziert, um eine gut haftende und auch mechanisch gut an der Tragstruktur bindenden Schicht auszubilden und eine abschließende Sprühbeschichtung mit einer propolishaltigen Tinktur, kann ein Weg sein. Habt ihr in Eurem Institut diesbezüglich schon einmal erste Versuche durchgeführt?

  • Servus Oliver,
     
    grundsätzlich eine gute Idee und Ansatz.
     
    Konservierend und antibakteriell, mit Sicherheit, doch atmungsaktiv?
     
    Propolis und Wachs versiegeln eher.
     
    Denkt man an die Anstriche, wie z.b. die Stradivarie, Mumien, Wachsmäntel,
    Schuhcremes, Tischdecken usw.
     
    Also die Diffusionsoffenheit, müsste geprüft werden.
     
    Die Probleme seh ich jedoch in der Beschaffung der Rohstoffe, preislich, so wie quantitativ und qualitativ.
     
    Leider sind die Handelswachse und Propoli (nicht bio) doch arg belastet, wobei die Bioqualität sicherlich um Hausecken besser abschneidet, was sich auch im Preis niederschlägt.
    Ein sog. "Grundrauschen", wird sich allerdings auch bei Bioprod. bemerkbar machen -
     
    leider!
     
    Gruß Simon

  • Moin,

    Zitat

    Im Speziellen wollte ich Sie fragen, ob Sie sich vorstellen können, eventuell die Innenseite eines Lebensmittelkartons mit "Propolis" zu beschichten, um damit antibakterielle, atmungsaktive und konservierende Eigenschaften hervorzurufen.


    Äh, nein.
    Propolis hat sowohl wasser-, alkohol- und ätherlösliche Bestandteile - das Produkt würde in jedem Fall irgendwelche Bestandteile anlösen, je nach Lagerdauer.
    Und damit den Geschmack und die Farbe beeinflussen.


    Wachs ist chemisch etwas indifferenter, aber nur in bestimmten Temperaturbereichen einsetzbar - einmal zu warm gelagert, und die Beschichtung schmilzt; einmal zu kalt gelagert, und die Beschichtung bricht/reißt - in beiden Fällen wäre das Produkt nicht mehr *sicher*.


    Neben der Rückstandsproblematik stellt sich auch die Verfügbarkeits- und Preisfrage - Propolis kostet um die 100€/kg aus Drittweltländern, weil jedes Volk nur sehr wenig Überschuß pro Jahr produzieren kann, das meiste braucht es wirklich selbst zum Überleben, weil kein Immunsystem wie ein Säugetier.
    Wachs ist deutlich billiger, aber immer noch zu teuer für die angestrebten Zwecke, weil nicht in diesen minimalen Folienschichtdicken wie Kunststoffe aufbringbar, was wieder schwierig im Prozeß ist.


    Ich sehe da keine Verwendung im industriellen Bereich in der möglichen Größenordnung.:Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Das so eine Problematik hier im Forum von einer Universität zu Debatte gestellt wird ist schonmal interessant.
    Gehe davon aus, daß man auch in Hohen-Neuendorf,Celle und weiteren ähnlichen Einrichtungen anklopfen wird.
    Das großes Potential in der Sache steckt, ist ohne Zweifel. Die technische Realisierung ist ein anderes Thema, aber auch ein sehr lohnenswertes.


    hannes

  • Ich sehe keine technischen Probleme, denn Propolis gibt es in der Apitherapie als Pulverform - und ausgehend von einer Pulverform läßt sich ein Klebemittel finden, daß dann das Pulver an die Verpackungswände bindet, ohne klebrig zu sein.


    Ich sehe eher das Problem der Verfügbarkeit und der Kosten.


    Dafür habe ich auch eine Lösung - aber die sage ich nur, wenn ich am Patent beteiligt werde. :wink:


    Kannst mich gern anschreiben per PN.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • da Milchsäure in geringen Mengen tödlich sein kann.


     
    Also... das ist mir neu.
    Wenn man bedenkt, in wievielen Lebensmitteln Milchsäure enthalten ist. Wenn ich da mal an Joghurt, Kefir oder Sauerkraut denke, alles Produkte der Milchsäuregärung. Ausserdem wird E 270, so die Bezeichnung der Milchsäure, als Säuerungsmittel vielen verschiedenen Lebensmitteln zugesetzt. Da müsste ich schon tausend Tode gestorben sein.


    Summsi macht sich da so seine Gedanken
    Viele Grüsse

  • Hallo Oliver,
    die Idee als solche ist erst mal nichts neues. Kenn ich doch viele Imker, und ich gehöre auch dazu, die ausgediente, gründlich mit Propolis und Wachs durchtränkte, duftende Zargen zur Aufbewahrung von Lebensmitteln benutzen. (Kartoffeln,Gemüse,Brot etc.)
    Diverse Lebensmittel die in solchen ehemaligen Bienenwohnungen aufbewahrt werden bleiben deutlich länger frisch und unverdorben.


    Das Problem bei der praktischen Anwendung im großen Stiel dürfte wohl in den teilweise irrsinnigen EU-Vorschriften liegen. ... Propolis ist in seiner Zusammensetzung sehr unterschiedlich. ( Abhängig von der Jahreszeit, den Sammelquellen und dem Bienenvolk.) Der Gesetzgeber verlangt aber ein Produkt von immer gleichbleibender Zusammensetzung und Qualität. Um dies herzustellen braucht man große Mengen. Und das dürfte in der ausreichenden Menge und Qualität für eine industrielle Verarbeitung so kaum zu bekommen sein.
    Das Aufbringen einer Lösung od. einer Emulsion auf den entsprechenden Träger dürfte dann wohl nicht mehr das Problem sein.


    gruß Finvara

    Man kann ohne Bienen leben, ... aber es lohnt sich nicht.

  • Hallo alle zusammen:


    Wegen der Milchsäure:


    Es kommt darauf an, ob es sich um D-Milchsäure oder L-Milchsäure handelt. Dabei handelt es sich um den Unterschied ob die Hydroxy (OH Gruppe) "links (L-))" andockt oder rechts (D-) (man nennt dies Chiralität in der Chemie).
    http://commons.wikimedia.org/w…L-Milchs%C3%A4ure_num.svg


    Die D-Milchsäuren können einen negativen Effekt auf Menschen haben, da sie nur sehr langsam im Blut abgebaut werden und sich dadurch anreichern. Besonders( bzw. nur) für Säuglinge ist dies eine Gefahr. Mehr informationen (ohne viel Chemie dabei :wink:) auf: http://www.inform24.de/milchsauere.html


    Gruß
    Felix


    P.s.: Zum eigentlichen Problem: Wie bereits genannt wurde: Versiegelt Wachs bzw. Propolis nicht auch die Poren, sodass es zu keiner Atmung kommen kann?

    Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit. Aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.~ Albert Einstein

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  • Hallo zusammen,
    welche Lebensmittel außer Obst/Gemüse sind denn momentan "atmungsaktiv" verpackt? Sofern das tatsächlich erwünscht wäre, könnte man das über eine Beschichtung eines großporigen Materials (ähnlich Stoff) bestimmt hinbekommen.
    Ich glaube einfach, dass Bienenwachs zu teuer ist (und Propolis erst Recht). Günstiger würde es vielleicht mit Pflanzenölen gehen.
    Gruß, Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Liebe Henrike,


    So viel ich weiss, muß bei Joghurt und bei Kaffee ein Gasaustausch stattfinden können. Man müsste sich meiner Meinung nach auch vorerst eher auf ein kleines Lebensmittelportfolio beschränken und nicht gleich nach einer "one fits all" Lösung suchen, da manche Lebensmittel heikler sind als andere (Fleisch, Milch, Käse vs. Reis oder etwa Nudeln).
    Danke auf jeden Fall, für alle bisherigen Beiträge und Ideen. Vielleicht gibts ja doch eine Lösung in der Natur bzw. mit einem anderen Wachs (Blätter, Rinden) die man kopieren könnte. Viele Grüße, Oliver