Selektion & VT (abgespalten aus wald&wieses thread)

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    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

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  • Hallo Sabine,
    Du wirst Dich noch etwas gedulden müssen, ich bin jetzt erst mal für zwei Tage weg vom Rechner. Also: Frühestens am Montag abend, vorher wird's nix. :)
     
    Ach ja: Es ist nicht mein Thread, aus dem Du abgespalten hast. Es ist wald&wiese's Thread. Soviel Zeit sollte schon sein.
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Moin,
    in wald&wieses Thread (sorry, Rudi, ich kann den Titel leider nicht mehr ändern) schreibt beehead:

    Zitat

    Ich glaube auch an Viren, und regionale Unterschiede. Anders ist es kaum zu erklären. Das die Bienen sich in ganz kurzer Zeit so verändern bzw. so geschwächt sind, dass sie bei viel geringerer V-Last schon erkranken, kann ich nicht so richtig glauben. Das dies in regional begrenzten Gebieten, immer wieder so heftig zuschlägt, spricht auch dafür. Welche Faktoren zusätzlich dazu kommen, weiß ich nicht genau.
    Erstaunlich finde ich dieses Jahr, dass nicht weniger Milben wie letztes Jahr vorhanden sind. Bisher waren es eher 2 Jahresrhythmen, in denen die Varroa zuschlug, und jetzt?


    Auch, wenn das hier OT ist, möchte ich dazu anmerken, daß lt. Remstalimker und vielen anderen, die schon seit Vor-Varroazeiten imkern, zu Anfang die Bienen im Vergleich zu heute gewaltige Milbenlasten hatten und auch halbwegs ertrugen, nämlich im mittleren 5stelligen Bereich.


    Heute fallen so wenige, daß es tw nicht mal mehr für eine vernünftige statistische Auswertung reicht, die Gesamtbelastung an Milben pro Volk ist also in den letzten Jahrzehnten permanent nach unten gegangen, aber die Völker sterben eher noch schneller als früher.:-(.


    Die Imker verstehen den Vermehrungszyklus der Milbe besser, und kennen die kritischen Punkte, wo ein Eingreifen wirklich etwas bewirkt, und trotzdem gibt es immer wieder/noch massive Völkerverluste.



    Was hat sich wo geändert in dieser Zeit?


    Auch, wenn ihr es nicht mehr hören wollt - die Pflanzenschutzmittel.
    Sie sind um Klassen giftiger geworden, sie haben heftige Wechselwirkungen miteinander, die nur zu sehen sind, aber keinesfalls gründlich erforscht, und Monokulturen in ganz großem Maßstab breiten sich immer mehr aus - das Nahrungsangebot für die Bienen wird immer schmaler.


    Ein gesunder und gut ernährter Mensch wird nur sehr selten krank, geschwächte und mangelernährte dagegen sehr häufig, und auch schwerer.
    Bei den Bienen ist es nicht anders...


    Kommen dann ständige subletale Vergiftungen hinzu, kann man schon von großen Glücksfällen reden, wenn es überhaupt Überlebende gibt.


    Biscaya z.B. hat eine Aufwandmenge von 0,3l auf 100l Wasser pro Hektar - das macht bei 240g Wirkstoff pro Liter grad mal 72g auf 10.000qm....


    (Bei DDT lagen die Aufwandmengen von 0,5 bis zu 35 KILOGRAMM pro Hektar in den 50ern!)


    Wie hoch ist also die Wahrscheinlichkeit, daß überdosiert wird?
    (Und wer Landtreff liest, kann da sehr schön sehen, was die Landwirte so an Mischungen in ihre Tanks kippen, ohne zu wissen, was sie da tun - mich gruselt es jedesmal
    edit: Beispiel gefällig? http://www.landtreff.de/proble…z-von-biscaya-t24271.html).


    Und Paralyseviren gut und schön, ja, die gibt es, aber wer mal auf Seite 14 +15 dieses pdfs http://www.lwk.lu/beratung/pfl…09_Insektizide_Kremer.pdf schaut, sollte vielleicht doch mal nachdenken, ob es wirklich alles nur Milben und Viren als Verursacher sind.


    (und Rapsglanzkäfer haben auch Zyklen mit starker und weniger starker Vermehrung, sprich, es wird nicht jedes Jahr gleichviel gespritzt)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

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  • Hallo Bienenfreunde,


    ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Landwirte oft überdosieren.:cry: Vielleicht sind meine Völker deshalb dieses jahr auch so schwach geblieben? Nicht weit von meinen Bienen wird auf dem Feld jedes Jahr im Wechsel Mais und Weizen angebaut. Bei uns sind die mindestens zweimal mit ihren Spritzen übers Feld gefahren. Und wie viel die dann auch immer gleich spritzen!
    Ein Jäger hier im Dorf hat einmal nach dem Spritzen zwei tote Rehe in der Nähe des Feldrandes gefunden. Da waren keine Verletzungen, einfach nur tot! Da sind man mal wie stark das Zeug wirkt.:cry:
    Bei meinen Bienen sollte es zumindest die Varroa nicht gewesen sein, da der Imker, von dem ich sie gekauft habe, meinte, dass er seine Bienen jedes Jahr gleich behandelt hat (er imkerte, galube ich, schon seit mindestens 15 Jahren) und er mit dieser Behandlungsmethode immer großen Erfolg gehabt hat. Zudem habe ich noch regelmäßig die Drohnenbrut entnommen.:daumen:


    Auch sollte man meiner Meinung nach nochmal alle Mittel erneut prüfen, während man die Bedingungen, die dazu führen, dass diese Mittel erlaubt werden, wesentlich verschärft werden. Das ist ja das einheitliche Problem in Deutschland, dass niemand sich traut gegen den Willen, der großen Konzerne vorzugehen.:wink:


    Freundliche Grüße
    Imkerei Fläming

  • Hallo,
    die Umweltbedingungen für die Bienen sind sicherlich ein Faktor, der nicht zu unterschätzen ist.
    Habe heute mit einem Freund telefoniert, der Bienen im Naturschutzgebiet stehen hat. Unberührtes Gebiet viele seltene Planzen/Pollen, eigentlich optimale Bedingungen für Bienen und trotzdem 2 seiner stärksten Völker an Varrose eingegangen. Die hat er 2 Wochen später als die anderen Behandelt.
    Eventuell sind die Bienen geschwächter, und/oder aber die Milben unempfindlicher gegen die Einflüsse.
    Die Lösung ist komplex und nicht einfach durch die eine oder andere Theorie zu erklären.
    Bienen in landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen haben es schwerer,
    Bienen in Naturschutzgebieten sterben aber auch an der Varroa. :-(


    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Hallo Sabine,


    Sabine schrieb:

    Warum erwarten Imker überhaupt nahezu verlustfreie Überwinterungen?

    Weil sie ihre Völker gerne haben und deshalb froh und glücklich sind, wenn sie diese wieder stark und gesund beim Reinigungsflug bewundern können.
    Natürlich auch: Weil sie Arbeit und Geld in die eingewinterten Völker investiert haben und in der folgenden Saison auf Verzinsung dieses Einsatzes in Form von schönen Honigernten hoffen.
    Und schleßlich weil dieses Bemühen um gesunde Wintervölker zur guten fachlichen Praxis gehört bzw. gehören sollte.
    Oder soll die Begriffsbildung jetzt dahin getrieben werden, dass deutliche Winterverluste ein Ausweis für "besseres Imkern" sind? :wink:


    "Take your losses in fall" heisst ja nur laienhaft übersetzt "akzeptiere Deine Verluste im Herbst".
    Sinngemäß ist gemeint: "Beurteile Deine Völker am Ende der Tracht und stelle nur die für die Winterung auf, die eine reelle Chance zum Überleben haben. Die anderen löse auf und verstärke mit ihren Bienen die Wintereinheiten."
    Was daran falsch sein soll, das kann ich beim besten Willen nicht erkennen.


    Sabine schrieb:

    Ich denke, daß Imker davon wegkommen müssen, zu bestimmen, was ihrer Meinung nach "gut für die Bienen ist", ...

    Wie soll das gehen, wenn wir weiter Imker sein sein wollen?
    Mit jeder Entscheidung und mit jedem Handgriff bestimme ich, mit was sich meine Völker anschließend auseinanderzusetzen haben. Bei Dir ist das nicht anders.
    Man muss nur hoffen, dass wir uns alle erfolgreich darum bemühen, dass wir unseren Bienen gerecht werden.


    Sabine schrieb:

    ... aber wollt ihr wirklich an nichts anderes mehr denken als an Milben und euren Ertrag?

    Jeder von uns denkt an die Milben, weil er in der Sorge um und für seine Bienen gar nicht anders kann. Selbst der Werner muss ständig dran denken. :)


    Und der Rest Deines Satzes: Mal ganz davon abgesehen, dass das eine unfreundliche Unterstellung ist, warum gibst Du selbst eigentlich den nächsten Honigraum schon dann, wenn nur ein paar Bienen im leeren oberen herumspazieren?
    Das sieht mir doch stark danach aus, als wolltest Du unbedingt jeden Nektarschwall aufnehmen können. Nebenbei: Ob das der Honigqualität immer zuträglich ist? Ich habe da meine Zweifel...
    Alao: Wer im Glashaus sitzt, sollte besser nicht mit Steinen werfen.


    Wir sind als Imker doch in der komfortablen Situation, dass die uns anvertrauten Tiere uns um so mehr Ertrag bringen, je besser es ihnen geht - will auch sagen, je besser es uns Imkern gelingt dafür zu sorgen, dass es ihnen so gut geht, wie es das Umfeld noch zulässt.
    Viele Grüße,
    Rudi

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von gast057 ()


  • Heute fallen so wenige, daß es tw nicht mal mehr für eine vernünftige statistische Auswertung reicht, die Gesamtbelastung an Milben pro Volk ist also in den letzten Jahrzehnten permanent nach unten gegangen, aber die Völker sterben eher noch schneller als früher.:-(.


    Die Imker verstehen den Vermehrungszyklus der Milbe besser, und kennen die kritischen Punkte, wo ein Eingreifen wirklich etwas bewirkt, und trotzdem gibt es immer wieder/noch massive Völkerverluste.


    Hallo allerseits,
    ich denke, das kann man/frau nicht verallgemeinern.
    Ich durfte erst vor einigen Tagen mal wieder einen Totenschein für ein Volk ausstellen, das nach Ansicht des Imkers auf keinen Fall an Varroa eingegangen sein könne, man habe ja behandelt.


    Im Verdacht standen Pflanzenschutzmittel.


    Die Leichenschau ergab Milben in Massen, auf den toten Bienen, auf dem Boden, in den Zellen, und jede Menge DWV.
    Fazit: Mehr Milben als Bienen. Der Imker hatte sie aber selber nicht gesehen !!!






    Biscaya z.B. hat eine Aufwandmenge von 0,3l auf 100l Wasser pro Hektar - das macht bei 240g Wirkstoff pro Liter grad mal 72g auf 10.000qm....


    (Bei DDT lagen die Aufwandmengen von 0,5 bis zu 35 KILOGRAMM pro Hektar in den 50ern!)


    Wie hoch ist also die Wahrscheinlichkeit, daß überdosiert wird?


    Ein Bekannter von mir arbeitet bei einem Landhandel mit angeschlossenen Ladenlokal für die nicht Landwirte, also Hobbygärtner und Eigenheim Besitzer.
    Der erzählt die reinsten Gruselgeschichten über den PSM Verbrauch.
    Da werden jedes Jahr von den Kleingärtnern Mengen eingekauft, da könnte ein Landwirt seinen halben Hof mit bearbeiten.
    Sein O-Ton: "Die schütten da PSM auf ihre 300 Quadratmeter, die darf der Landwirt nicht einmal für 1 Hektar (10000 Quadratmeter) verbrauchen. Und die stehen da jedes Jahr wieder am Tresen. Die sind völlig schmerzfrei. Ich kenne keinen Landwirt der das Zeug in den Mengen verbraucht."


    Hubert

  • Das mit den Hobbygärtnern sehe ich auch als problematisch an, die werden nicht kontrolliert.
    Da die Dosieranweisungen oft nicht detailliert gelesen werden und man gerne danach verfährt, viel hilft viel, ist das Ganze sehr kritisch zu sehen.
    Da gibts doch alles, gegen Ameisen, Schnecken, Läuse, Fliegen, Käfer, Mehltau, Würmer usw.
    Da kann es einem Angst und Bange werden.


    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

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  • Moin,


    Die Leichenschau ergab Milben in Massen, auf den toten Bienen, auf dem Boden, in den Zellen, und jede Menge DWV.
    Fazit: Mehr Milben als Bienen. Der Imker hatte sie aber selber nicht gesehen !!!


    Bitte um Aufklärung, von wem auch immer :
    Wieso wird behauptet, wenn die Kiste leer ist, ein wenig Restbrut, viel Futter, aber keine einzige tote Biene : das war die Milbe !!!
    Hier liegt ein ganz anderes Schadbild vor.
    fragt
    Helmut


  • Bitte um Aufklärung, von wem auch immer :
    Wieso wird behauptet, wenn die Kiste leer ist, ein wenig Restbrut, viel Futter, aber keine einzige tote Biene : das war die Milbe !!!
    Hier liegt ein ganz anderes Schadbild vor.


    Hallo Helmut,


    wie Du aus Huberts Schilderung entnehmen kannst, herrschen unter Imkern verschiedene Vorstellungen darüber, wie ein "varroa-typisches" Schadbild aussieht.


    Heute habe ich Folgendes gesehen:


    Draufsicht auf ein vor 10 Tagen eingeschobenes Diagnosetablett:



    -----------------------------------------------------------------------


    Nahaufnahme der toten Bienen (keine Flügeldeformationen!):



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    im Gemüll 13 Milben (von mir aus dem Gemüll gefischt und seitlich gelagert:



    Das entspricht einem durchschnittlichen täglichen Milbenfall von 1,3 Milben.
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    Wie beurteilst Du die Lage?
    Varroaschaden? Andere Bienenkrankheit? gesundes Volk?


    Mit freundlichen Grüßen
    Rubikon
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    Vertrauen ist gut, Varroakontrollen sind besser

  • Hallo Rubikon,
    zähl die beiden Milben auf der einen toten Biene mit (die auf Sieben-Uhr-Position).
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.