Selektionskriterien für Varroatoleranz

  • Ausgehend von diesem Gedanken:
     


    ......und unter den eigenen Völkern scharf auszulesen. Das ist nicht riskant, sehr lehrreich und daran fehlt es landauf-landab.


    möchte ich Rudis Bemerkung aufnehmen.
    Wie sollte denn die scharfe Auslese zur Varroatoleranz aussehen?
     
    Die AG Toleranzzucht hat Kriterien für die Auslese definiert. Ich hoffe, dass man damit dem Ziel näher kommt. Andererseits weiß ich auch, dass nicht zu viele Züchter und Vermehrer diese Kriterien zur Auslese heranziehen. Deshalb meine Fragen:
    Welche Kriterien für die Selektion einer varroatoleranten Biene sollte man denn bei der Vermehrung am eigenen Stand anwenden? Bzw. nach welchen Kriterien lest ihr aus?
    Welches Merkmal hat sich in euren Erfahrungen robust gegenüber Umwelteinflüssen bzw. dem Gang der Zeit heraus gestellt?

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

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  • Hallo,


    in der ersten Phase: Dead or alive! Da muss man nach meiner Meinung durch, das kann schmerzhaft sein.
    Danach die üblichen Kriterien: Stechunlust, Honigertrag, Wabenstetigkeit, Wabenbau usw. Die Gewichtung ist persönliche Geschmacksache.


    Gruß
    Werner

  • Hallo Thomas,


    Verständnisfrage zur Frage: Meinst du mit Räubervölker, wenn eines meiner Völker ein anderes ausräubert oder wenn eines meiner Völker ausgeräubert wird?


    Gruß
    Werner


    Hallo Werner,
    ich meine mit Räubervölkern welche die als erstes andere angeschlagene Völker ausrauben, wenn die Völker erstmal ausgeraubt werden sind Sie ja ausgeschieden.
    Grüße
    Thomas

  • Hallo Thomas,


    ich hatte vor zwei Jahren ein Volk, dass offensichtlich beim Nachbarn gut geräubert hatte. Meine waren an dem Stand alle noch da. Dies hat das Frühjahr nicht erlebt. Allerdings vermute ich weniger wegen den Milben, sondern die hatten schlicht und einfach keinen Platz mehr zum Brüten. Beim Abräumen konnte ich zwei randvolle Zargen Futter "ernten"
    Dieses Jahr habe ich wieder ein Volk, welches wesentlich schwerer ist als ich gefüttert hatte. Also wahrscheinlich auch zusammengeklaut und wieder beim Nachbarn, weile meine Völker an diesem Stand vollzählig sind. Ich mache mir Sorgen und bin auf das Frühjahr gespannt.


    Gruß
    Werner

  • Hallo Werner,
    ich hatte eigendlich wegen der zugeführten zusätzlichen Varroen Bedenken, aber scheinbar hält eine varroatolerante Biene, oder wie man es nennen will, das aus. Ich konnte mein großes Räubervolk neulich schon abräumen, 3 Zargen zum großen Teil voll Futter, Bienen verschwunden oder tot, Brutreste vorhanden.
    Platz kann man ja schaffen in dem man eine Zarge mit Leerwaben untersetzt.


    Grüße
    Thomas

  • Hallo


    ich denke wir als Imker haben wenig Einfluß auf die Brutdauer. Eine Beeinflussung kommt möglicherweise durch eine AS Behandlung oder ähnliches. Großen Einfluß auf das Brutgeschäft haben das Wetter und das zur Verfügung stehende Futter bzw Tracht. Dann spielt auch die Bienenrasse eine Rolle, da neigt die Backfast ja eher zum durchbrüten.


    Zu den Auswahlkriterien würden für mich ein guter Putztrieb und eine geringe Varroabelastung im Verhältnis zu gleichen Völkern auf dem Stand sein und Völker, die von sich aus Brutpausen einlegen, wenn normale Verhältnisse vorliegen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo zusammen, hallo Werner,


    Werner schrieb:

    ... in der ersten Phase: Dead or alive! Da muss man nach meiner Meinung durch, ...

    Kann das wirklich noch in dieser Strenge gelten? Es gibt doch mittlerweile Methoden, mit denen chancenlose Kandidaten frühzeitig erkannt werden können. Sollten wir die nicht nutzen?
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo zusammen, hallo Gerold,


    wald&wiese schrieb:

    Welche Kriterien für die Selektion einer varroatoleranten Biene sollte man denn bei der Vermehrung am eigenen Stand anwenden?

    Ich würde die Messlatte gerne etwas tiefer hängen:

    "Welche Kriterien für das Ausgrenzen varroa-anfälliger Völker sollte man
    bei der Vermehrung am eigenen Stand anwenden?"


    Dadurch wird auch das Ziel deutlicher sichtbar, auf das ich mich zu bewegen will:
    Es läuft nicht auf die Auslese einer varroatoleranten Bienenherkunft hinaus, sondern auf die gezielte Entdeckung und Ausgrenzung der weniger toleranten Völker.
    Wodurch mit der Zeit in der gesamten Region eine Population entstehen könnte, die immer besser mit Varroa klarkommt: So, wie es sich in der Primorski-Region - und wohl auch noch anderswo - abgespielt hat.


    Meine Kriterien hatte ich ja vor einigen Tagen schon mal beschrieben:


    (http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=22797&p=253124#post253124)


    Zitat
    • Keiner kennt ein Merkmal, nach dem man präzise varroafeste Bienen auslesen könnte - weil es dieses Merkmal nicht gibt. Auch der Ausräumtest greift zu kurz: Die überlebenden Gotland-Völker können es nicht besser, als gewöhnliche Carnica. Aber sie überleben trotzdem!
    • In Ermangelung von präziseren Methoden genügt es völlig, bei der Vermehrung der eigenen Völker eine grobe, aber scharfe Auslese zu treffen: Vitale Völker, die gut bearbeitet werden können, ordentliche Leistung bringen und die aufs ganze Bienenjahr gesehen mit weniger Varroen leben als ihre Nachbarn.
    • Diese Völker können leicht über den Milbenfall ermittelt werden.
    • Wichtig: Nicht das "beste Volk" suchen, sondern so breit wie möglich aus dem oberen Drittel vermehren.


    Dieses einfache Programm, von möglichst vielen Imkern einer Region angewendet, würde einen Schub in die richtige Richtung geben.
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo zusammen, hallo Werner,


    Kann das wirklich noch in dieser Strenge gelten? Es gibt doch mittlerweile Methoden, mit denen chancenlose Kandidaten frühzeitig erkannt werden können. Sollten wir die nicht nutzen?
    Viele Grüße,
    Rudi


    Hallo Rudi,


    es muss in dieser Strenge gelten, weil die chancenlose Kandiaten nicht geeignet sind. Überleben sie, geben sie die Erbinformation über die Drohnen im nächsten Jahr wieder in die Umgebung weiter. Dieses am Leben halten verlängert die Zeit, die benötigt wird eine an die Varroa angepasste Bienen zu finden.


    Hier mein oft zitiertes Beispiel aus der Schweinezucht: zur Vermehrung kommt nur die oder der Beste aus dem Wurf, die anderen Gene werden verdaut. Ist in der freien Natur übrigens nicht anders. Nur der angepasste überlebt und gibt seine Geninformation weiter.


    Gruß
    Werner

  • Hallo zusammen, hallo Werner,
    Du hast natürlich völlig recht mit Deiner Schilderung der Auslese durch die Natur. Deshalb war ich ja auch damals, als Varroa zu uns kam, genau für diesen Weg. Heute hätten wir es längst hinter uns.
     
    Wir sind aber den erstbesten Weg nicht gegangen und müssen deshalb nach zweit- oder drittbesten Wegen suchen. Die schwächeren Kandidaten zu entdecken und frühzeitig mit Töchtern von besseren Kandidaten umzuweiseln, wäre m.E. schon ein solcher Weg.
    Braucht natürlich einen längeren Atem...
     
    Du hast's ja glücklicherweise hinter Dir. Aber Du weisst es selbst: Solange Du der Einzige in Deinem Umfeld bist, solange Varroafestigkeit nicht in Deiner Region verankert ist, solange bleibt das eine brüchige Angelegenheit.
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo Rudi,


    ich weiß, dass meine bisherigen Erfolgen labil sind. Ich versuche deshalb Nachahmer in meinem Umfeld zu finden.:wink:


    Dein Vorschlag (ist es das Vorgehen der AGT?) hat durchaus seine Berechtigung, es geht in die richtige Richtung. Der Knoten scheint zu platzen.


    Ich denke, beide Wege brauchen Zeit. Sollen wir ein Wettrennen machen? Den Bienen hilfst.:daumen:


    Gruß
    Werner