"Distanzfütterung"

  • Hallo Imkerkolleginnen und Kollegen,
    heute war´s bei uns in BW sehr warm für November. Das Thermometer am Bienenstand zeigte knapp unter 20 Grad C und die Bienen flogen munter ab 10 Uhr bis in die Abendstunden.
    Beim Beobachten des Geschehens stellte ich mir die Frage, ob es wohl ein Fehler wäre, wenn ich abseits der Völker, so in 20 - 30 Meter Entfernung, eine Schale mit Futtersirup aufstellen würde, so dass die Bienen sich bedienen könnten.
    Was meint ihr dazu? Könnte das irgendwelche Nachteile haben?
    Zur Räuberei würde es wohl kaum kommen, da das Futter doch in einigem Abstand zu den Völkern stehen würde.
    Bin gespannt auf Eure Meinung!!!


    Sorry , ich habe die Frage im "Oktober" reingestellt! War ein Versehen!!!
     
    Gruß Frank

  • Hallo Frank,
    Jetzt eine Futterschale aufstellen wäre auf jeden Fall ein imkereitechnischer Fehler.
    Die für November zu hohen Tagestemperaturen der letzten Tage bzw. Wochen verleiten ohnehin die Bienen zu gefährlich intensiver Aufnahme des Brutgeschäfts. Im Klartext: alle diese jetzt erbrüteten Jungbienen hauen, wenns bald richtig kalt wird, so in die Futter-Reserven, dass selbst ein (im September) gewissenhaft aufgefüttertes und eingewintertes Volk zu einem Todeskandidaten durch Futtermangel werden kann.
    Auch hier unten im Süden beobachten wir die momentan viel zu hohe Bienenaktivität mit Sorge.
    Die Bienen jetzt noch mit frei aufgestelltem Futter zu reizen, hiesse sie zusätzlich noch an ein Futterangebot glauben, das in der freien Natur nicht mehr vorhanden ist. Also Vorspielung falscher Tatsachen.

    Gruß Norbert

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.

  • Hallo Frank, Hallo Namensbruder Norbert,
    Fütterung an freizugängliche Stellen halte ich zu jeder Jahreszeit für eine imkerliche Fehlleistung. Für die eigenen Bienen und ggf. für die Bienen der Nachbarn. Selbst wenn ich im Umkreis von 10 km keinen Imkernachbarn hätte.
    Gruß Norbert "Eisvogel"

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Zitat

    Zur Räuberei würde es wohl kaum kommen, da das Futter doch in einigem Abstand zu den Völkern stehen würde.


    Ähm, sorry, wenn ich das jetzt so sage: du hast anscheinend noch keine ECHTE Räuberei gesehen, sonst würdest du nicht mal ansatzweise über sowas nachdenken.:roll:


    HIER, und der Ton ist nicht ohne Grund weg, und die Bilder sind ja wohl gruselig genug....
    Offenes Futter lockt jede Biene aus Kilometern an - LASS ES!!!!!!

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Ich habe mir das Elend nur 3 min angeschaut, es ist einfach eine Katastrophe.


    Hallo Frank lass deine Bienen in aller Ruhe noch ein wenig Pollen holen und lass es dabei.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)


  • Fütterung an freizugängliche Stellen halte ich zu jeder Jahreszeit für eine imkerliche Fehlleistung. Für die eigenen Bienen und ggf. für die Bienen der Nachbarn. Selbst wenn ich im Umkreis von 10 km keinen Imkernachbarn hätte.


     
    Hallo, wie Recht Du hast.
    Offene Fütterung ist sowieso tabu, deshalb bin ich gar nicht darauf eingegangen.
    @ Sabi(e)ne
    Danke für den angegebenen Link.
    Wenn mir jemand von dieser Riesen-Schlamperei erzählt hätte, ohne dazugehörende Bilder, hätte ich ihm nicht geglaubt. Da könnte schon der Tierschutz eingreifen...


    Den Großimker mit Hunderten von Beuten spielen, ja, (kennt man) aber NULL Investment in aufsetzbare, dichte Futtertröge, die man mittels Motorpumpe + Zapfhahn aus einem geschlossenen 500 kg Futterbehälter (Anhänger) exakt befüllen kann.
    (Und die Beutenzustand und -Abdeckung ist auch nicht die allerbeste.)


    Ich sag's immer: nicht jeder "Großimker" ist auch ein grosser Imker.
    Zeig mir deinen Bienenstand, und ich sage dir wer du bist...


    Gruß, Norbert

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.

  • Hallo an alle,


    vielen Dank für Eure Antworten; sie reichen aus, um keinen weiteren Gedanken daran zu verschwenden!!!
    Wie gesagt, es war nur ein Gedankenspiel, was wäre wen...!
    Sabi(e)ne: Du hast Recht, eine Räuberei habe ich nicht miterlebt bzw. gesehen, was mich allerdings in meiner bisherigen Arbeit bestätigt.
    Jetzt hoffe ich auf einen baldigen Temperaturabfall, damit Norberts Befürchtungen nicht eintreffen!


    Bis zum nächsten mal,


    Gruß Frank

  • Hallo zusammen,


    das Video ist sehr eindrucksvoll, aber gruselig finde ich es nicht.


    Die Fütterungsmethode scheint es auch in Deutschland zu geben.
    Laut Pia Aumeier (Bochum) gibt es Imker, die mit alter Badewanne als Futtertrog einfüttern.


    Aussage von Imkern:
    Wer sich ausräubern lässt, ist zu schwach.


    Die These mit dem Ausräubern stimmt sicher, denn auch in der Natur sollen die schwachen eingehen und die starken sich vermehren.


    Die Fütterungsmethode mag umstritten sein, aber ich sehe das Hauptproblem in der Unwirtschaftlichkeit, denn man füttert alle Bienen und sonstigen Insekten der Umgebung mit. Kontrollieren, ob alle genug haben und ev. nachfüttern einzelner Völker ist trotzdem erforderlich. Da stellt sich dann die Frage, ob diese Fütterungsmethode wirklich eine Zeitersparnis ist.


    Für alle Tiere ist der Futtersirup erstmal eine Futterquelle und mehr auch nicht.
    Es ist klar, dass da alle kommen und holen, was sie tragen können, solange es gibt.


    Ein Obstbaum, Plantage oder Raps-Feld ist auch nichts anderes zur Zeit der Vollblüte.


    Über den Zustand einzelner Beuten braucht man nicht reden.
    Ob alle so desolat aussehen, ist nicht erkennbar und glaube ich nicht.
    Damit würde sich auch ein Grossimker selbst schaden.


    frank :
    Füttern würde ich jetzt auf keinen Fall, aber sicher im Februar nach dem Reinigungsflug die Beutengewichte kontrollieren.


    Grüsse von


    Petra

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  • Moin,
    wenn du es NICHT gruselig findest, dann hast du die ganzen verklebten, ersoffenen Bienen nicht gesehen...


    Man *kann* so füttern, aber dann gehört mindestens 30cm Heu oder Stroh auf die Oberfläche, damit die unteren Bienen nicht von der Menge der nachdrückenden ins Futter gedrückt werden. Außerdem gehören die Fässer abgedeckt, weil ein Schauer sonst auch schon etliche Todesopfer fordert.
    Dazu kommt, daß das Timing stimmen muß, sprich, es muß parallel zum abnehmenden Flüssigkeitspegel auch kälter werden, weil sich sonst die Bienen gegenseitig übelst prügeln um die letzten Reste. Die Bienen werden irre dabei...


    Da braucht es schon Erfahrung, um sowas verlustfrei machen zu können, und in D ist die Bienendichte eh zu hoch für sowas.
    Ich kann mich dem Originalkommentar des Einstellers des Videos nur anschließen - was da zu sehen ist, ist eine absolute Schande.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Einen wunderschönen guten Morgen an diesem wunder-wunder-wunderschönen guten Morgen :)


    Denkt bitte daran, das es in America, Kanada u.s.w. große Weiten ohne irgendwelche Imker in der Nähe gibt.
    Das heißt, es sind keine anderen Völker in der Nähe die mitgefüttert werden könnten, als evtl. nur die ausgebüxten Schwärme und die sind auch von dem Imker.
    Für den Imker ist diese Art der Fütterung Geld u. Arbeitserleichterung, auch wenn Ihr es nicht gut heißt.
    Für Diese gilt: 1 Volk ist kein Volk, die Masse machts.
    Selbst wenn da mal 1-2 Völker draufgehen und er spart dadur 1000 Dollar hat er schon verdient.
    Bei uns ist so ne Fütterung natürlich undenkbar.
    Selbst wenn jetzt der Satz mit der FB kommt, da darf Antibiotika eingesetzt werden und die Völker gehen ja Hauptsächlich in die Bestäubung, damit wird Geld verdient und nicht mit Honig.

    Wer hinfällt und nicht wieder aufsteht , der hat schon verloren.

    ( von mir ;-) )


    Gruß

    Heike

  • ja heike aumeier,


    nur deswegen haben sie ja auch immer mal wieder riesiges Bienen Sterben durch "colony desaster". Wundern tut es mich nicht. Und verdient haben Sie es. Nur durch Katastrophen denken die Amis nach. Oder auch nicht, es wird dann einfach dazugekauft...

    Micha aus Leipzig, Fliegen lassen ist wie anschaffen lassen!!! :-)

  • Hallo zusammen,


    das Thema drehte sich doch in erster Linie um "Frank M. zur "Distanzfütterung"" und nicht um das Video.


    Dass die regionalen Verhältnisse zur Distanzfütterung passend sein müssen, dürfte jedem klar sein, wenn man so oder mit "Badewanne" füttern will.


    Ebenso ist klar, dass natürlich genug Streu im Behälter sein muss.


    Grundsätzlich gilt jedoch "Andere Länder - Andere Sitten".


    Es erstmal einzuschätzen und ggf. zu optimieren kann Vorteile haben, statt alles zu verteufeln.


    Grüsse von


    Petra

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