Wer kontrolliert die Völkeranzahl

  • Als angehender Jungimker habe ich folgende Fragen:
    Wer kontrolliert eigentlich die Anzahl meiner Völker? Beim örtlichen Imkerverein wird ja mit der Erstanmeldung eine bestimmte Anzahl gemeldet, der dann die Anzahl der Völker an den zuständigen Amtstierarzt weiterleitet. Irgendwann kommen die Ableger,
    Völker werden vereinigt - da schwankt doch die Anzahl über das ganze Jahr hinweg.
    Bzw. Wie bekommt das Finanzamt die Anzahl der Völker mit? Wie kann Sie die Bienenvölker erfassen (wenn überhaupt), die ich vielleicht "unangemeldet" und ohne Stockkarte auf einem Freistand irgendwo im Wald oder sonstwo halte?


    Ich bedanke mich bereits jetzt für Eure Auskünfte!


    Wünsche noch einen schönen Abend!
    Tasso


  • Bzw. Wie bekommt das Finanzamt die Anzahl der Völker mit?


    ... die wollen das doch gar nicht wissen, weil das für die nur Arbeit macht, aber kein Geld bringt.
    Finanzamt interessiert nicht. Denen kann man zur Not vorrechnen, dass man NUR Verluste macht. (Und das ist bei den Steuerberechnungen in diesem Land auch real so!)
    Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt sind "wichtiger".
    Man kann als Imker niemals die Anzahl der Völker real angeben. Dafür gibt es den Stichtag. Hier im Verein wird Ende des Jahres die Völkerzahl aufgeschrieben. Aber nur wegen der Versicherung.


    Ansonsten: "Gehe niemals zum Fürsten, wenn Du nicht gerufen wirst"

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • In Niedersachsen werden die eingewinterten Völker vom Imker an den Verein gemeldet. Daraus wird der Verbands- und Versicherungsbeitrag errechnet. Wer dort wegen einiger Euro die Unwahrheit sagt, hat spätestens bei Diebstahlsmeldung oder anderem Versichungsfall zu Recht ein Problem.
    Die Zusammenarbeit zwischen Veterinären ist, da Ländersache, bundesweit unterschiedlich geregelt. Die Ausführung gehört bei uns zu den Aufgaben der Kreise und wird folglich zwischen Imkerorganisation und Kreisverwaltung abgestimmt. Für die durch die Kreise ausgeführten Verwaltungsaufgaben muss der Kreis eine Gebühr nehmen. Und Gebühren müssen kostendeckend sein, zum Unterschied von Entgelten. Unser Landkreis will nicht alles selbst regeln, somit bleibt ihm der Aufschrei der Imker erspart. Im Kreis- und in den Ortsimkervereinen gibt es im Vorstand Seuchen- und Wanderwarte, die bestimmte Aufgaben zum Nulltarif erledigen, da ehrenamtlich tätig und vorher, nach Wahl im Verein, nur vom Kreis bestätigt worden waren.
    Nicht alle Verwaltungen "freuen" sich über Kompetenzen, mit denen die kleinsten Kleinigkeiten geregelt werden sollen.


    heidjer Wolfgang

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

  • Herzlichen Dank für Eure Antworten.
    Es brachte mir "LIcht ins Dunkel!" Das Finanzamt wird wahrscheinlich auf die Imkerei aufmerksam (ich rede von der Hobby-Imkerei), wenn da Ausgaben für Imkereibedarf bzw. Einnahmen aus Honigverkauf, bzw. im Einkommensteuernachweis die Rubrik "Einkünfte aus Landwirtschaft" stünden. Ich muss da nochmals mit meinem Steuerberater reden; die Hobbyimkerei ist ja nicht auf Gewinn ausgerichtet.


    Ich wünsche einen schönen Sonntag!
    Tasso

  • ...Ich muss da nochmals mit meinem Steuerberater reden;


    Na, ob der es weiß?
    Da blicken noch nicht mal Finanzbeamte durch... :roll:


    Frag mal die "Landwirtschaftliche Buchungsstelle".

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Wenn dich Fragen zu steuerlichen Aspekten so quälen, dann schau mal in den Ausgaben 9/10 des Deutschen Bienenjournals nach. Dort ist alles sehr ausführlich dargestellt. Solange deine Völkerzahl nicht größer als etwa 50 Völker ist, interessiert sich kein Finanzbeamter für dich und deine Bienen.

  • Lieber Bienenhalter
    (und alle die geantwortet haben)


    besten Dank für Eure Antworten in die Runde!
    Dann mach ich das jetzt einfach so - und lass das Finanzamt außen vor.
    Wünsche noch einen schönen Sonntag!
    Tasso


     
    @ all
    Beitragspflicht zur Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft geändert.


    Der Rechtsbeirat des Deutschen Imkerbundes, RA K.-Werner Senger, unter- richtete den Vorstand und die Imkerfachzeitschriften mit folgendem Text über die Änderung des § 4 SGB VII betreffend Beitragspflicht zur Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft:


    Inzwischen hat der Gesetzgeber im Rahmen des „Gesetz zur Modernisierung des Rechts der landwirtschaftlichen Sozialversicherung (LSVMG)“, welches am 01.?01.?2008 in Kraft tritt, folgende Ergänzung zu § 4 Abs. 2 Nr. 2 beschlossen: „Ein Unternehmen der Imkerei gilt als nicht gewerbsmäßig betrieben, wenn nicht mehr als 25 Bienenvölker gehalten werden.“ Nach den „Informationen zum Gesetz zur Modernisierung des Rechts der landwirtschaftlichen Sozialversicherung (LSVMG)“ vom 30.?11.?2007 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales/Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) wird dazu folgendes ausgeführt,


    Zitat:


    „Warum wurde die Grenze für die Versicherungspflicht zur landwirtschaftlichen Unfallversicherung als Imker bei 25 Bienenvölkern festgelegt?
    Durch das LSVMG wird eine gesetzliche Definition für die Beurteilung des gewerbsmäßigen Betreibens einer Imkerei eingeführt. Dies dient der Verwaltungsvereinfachung und trägt einem Beschluss des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages Rechnung, nach dem Rechtssicherheit für die Grenzziehung zwischen gewerbsmäßig betriebenen Imkereien und Hobbyimkereien geschaffen werden soll. Außerdem wird dadurch eine bundesweit einheitliche Verfahrensweise sichergestellt, nach der zukünftig bei Imkereien mit mehr als 25 Bienenvölkern eine gewerbsmäßig betriebene Imkerei vorliegt. In diesen Fällen sind die Unternehmer sowie ihre im Unternehmen mitarbeitenden Ehegatten oder Lebenspartner und im Unternehmen nicht nur vorübergehend mitarbeitenden Familienangehörigen versicherungspflichtig in der landwirtschaftlichen Unfallversicherung. Die Grenze von 25 Bienenvölkern wurde nicht willkürlich festgelegt. Zum einen ist ab dieser Größe bei der Menge des erzeugten Honigs davon auszugehen, dass diese nicht mehr nur für den Privatverbrauch bestimmt ist, also ein größerer Teil verkauft wird. Außerdem besteht in der Alterssicherung der Landwirte eine Versicherungspflicht für Imker ab einer Grenze von 100 Bienenvölkern. Da bei einer Rentengewährung ein Rückbehalt von 25 % der Versicherungspflichtgrenze zulässig ist, besteht auch für ehemalige hauptberufliche Imker im Rentenalter mit dem zulässigen Rückbehalt von 25 Bienenvölkern keine Versicherungspflicht in der landwirtschaftlichen Unfallversicherung.
    Welche Folgen hat diese neue Regelung zur Gewerbsmäßigkeit von Imkern für die im Unter-nehmen tätigen Menschen?
    Da bei einem Unterschreiten der Grenze der Gewerbsmäßigkeit ab 1. Januar 2008 keine Versicherungspflicht in der landwirtschaftlichen Unfallversicherung mehr eintritt, entfällt nicht nur die Beitragszahlung an die Berufsgenossenschaft, sondern auch der Versicherungsschutz für den Unternehmer, seinen Ehegatten und die im Unternehmen tätigen mitarbeitenden Familienangehörigen. Viele, auch kleinere Imkereien waren es aber bisher gewohnt, über die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft abgesichert zu sein. Damit sie nicht zwangsweise künftig von der Möglichkeit ausgeschlossen sind, sich für das Arbeitsunfallrisiko bei ihrer landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft zu versichern, besteht ab dem 1. Januar 2008 die Möglichkeit einer freiwilligen Versicherung. Den Imkern, die davon Gebrauch machen wollen, ist zu empfehlen, sich alsbald mit ihrer Berufsgenossenschaft in Verbindung zu setzen.
    Wie sind Helfer in Imkereien künftig versichert?
    Weitgehend ausgeschlossen vom Versicherungsschutz in der landwirtschaftlichen Unfallversicherung sind bereits nach geltendem Recht Helfer in nicht gewerbsmäßig betriebenen Imkereien. Neben den Unternehmern stehen deren im Unternehmen mitarbeitende Ehegatten oder Lebenspartner sowie Verwandte oder Verschwägerte bis zum 2. Grad oder Pflegekinder nicht unter dem Versicherungsschutz der landwirtschaftlichen Unfallversicherung, wenn sie unentgeltlich für die Imkerei tätig werden.
    Darüber hinaus wird durch das LSVMG der Versicherungsschutz für die Helfer weiter eingeschränkt. Auch in gewerbsmäßig betriebenen Imkereien stehen die vorübergehend unentgeltlich tätigen Familienangehörigen, die bereits aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, künftig nicht mehr unter dem Versicherungsschutz.“


    Ende des Zitats.


    Damit ist nach langem Bemühen und einer wechselvollen Entwicklung der Streit mit der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft durch den Gesetzgeber entschieden, und es besteht für die Imker Rechtsklarheit, an der sich alle Beteiligten zu orientieren haben.
    RA K.-Werner Senger
    D.I.B.-Rechtsabteilung
    Bismarckstraße 4
    69469 Weinheim


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Moin,


    das bezieht sich aber jetzt nur auf die Berufsgenossenschaft und ziehlt nicht auf die o.g. Frage ab.


    Tasso9x
    Bei einer Hobbyimkerei mußt Du nichts bei Deiner Steuererklärung angeben. Leider gilt das dann aber auch für Deine Ausgaben, ist halt ein Hobby!


    Nicht ganz richtig ist die Zahl 50 im Beitrag von Bienenhalter.
    Die Anzahl der Völker liegt im Ermessen des Finanzamtes und differiert etwas. So kann es durchaus schon ab 30 Völkern zum Interess des Amtes kommen...


    Gruß,
    Helge

  • Solange deine Völkerzahl nicht größer als etwa 50 Völker ist, interessiert sich kein Finanzbeamter für dich und deine Bienen.


     
    ... darauf würde ich mich nicht verlassen, weil diese Aussage einfach nicht stimmt.


    Finstermoor@ hat das schon ganz gut beschrieben. Mein Wissenstand ist, das der Regelfall ab 25 Völker gilt. Anderseits dürfen es gerne auch 50 sein, denn wer will die genaue Anzahl überprüfen. Wenn man daraus einen Nebenerwerb ziehen möchten (oder es auch nur den Anschein haben wird) , dann sollte man unbedingt mit dem Finanzamt bzw. mit 'seinem' Ansprechpartner dort das steuerrechtliche besprechen. So haben wir es gemacht.

  • Nun die Zahl 50 stammt nicht von mir. Ich zitiere aus "Deutsches Bienenjournal" Ausgabe 9/2010 Seite 34:
    "§13a EStG ermöglicht die Ermittlungdes Gewinnes aus Land- und Forstwirtschaft nach Durchschnittssätzen. Der Vorteil: Eine Buchführung ist nicht notwendig,. Belege müssen nicht gesammelt werden. Der Nachteil: Verluste und hohe Investitionskosten können nicht abgesetzt werden. ... Eine Gewerbeanmeldung ist nicht erforderlich. Einzige Voraussetzung: Es werden nicht mehr als 166 Völker gehalten."
    Weiter wird ausgeführt:" Als landwirtschaftlicher Betrieb ist eine Imkerei mit bis zu 50 Völkern immer einkommenssteuerfrei. Die Gewinnermittlungerfolgt für das Wirtschaftsjahr, welches bei Landwirten und Imkern üblicherweise vom 1. Juli bis zum 30. Juni des Folgejahres dauert. Für den steuerpflichtigen Gewinn muss ein Einzelertragswert ermittelt werden. Dieser beträgt 10 DM (!!!) je Volk. Werden mehr als 100 Völker gehalten, so erhöht sich dieser Wert um 20%.......
    Der pauschale Gewinn bemisst sich je nach der Höhe des Einzelertragswertes, er wird entweder auf 0 € oder auf 512 € festgesetzt.
    Tabelle Gewinn nach § 13a EStG Zahl der Völker: 0 -50 Einzelertragswert DM : 0 -500 DM Gewinn in €: 0
    51 -166 501 - 2000 512


    und so weiter und so fort..... Verfasser: Dipl. Ing. agr. Wolfgang Horn Steuerberater Landwirtschaftliche Buchstelle.


    Ob der Autor Recht hat kann ich nicht sagen, aber ich gehe davon aus, dass Fachpublikationen vor ihrer Veröffentlichung einer entsprechenden inhaltlichen Prüfung unterzogen werden.


  • Ob der Autor Recht hat kann ich nicht sagen, aber ich gehe davon aus, dass Fachpublikationen vor ihrer Veröffentlichung einer entsprechenden inhaltlichen Prüfung unterzogen werden.


     
    ... NEIN.....verlasse Dich nicht auf Bücherwissen. Kein Autor übernimmt die Verantwortung für Dinge auf die er keinen Einfluss hat. Hier, ab wann das Finanzamt wissen will wie Deine 'Geschäfte' mit Deinen Bienen laufen. Und manchmal findest Du einen übereifrigen Beamten der genau für Deine Steuernummer zuständig ist. Zudem gibt es Unterschiede in der Auslegung in den einzelnen Bundesländern.