Totale Bauerneuerung nach der Tracht

  • Servus beinand
    Die "Nichtbehandler" hier im Forum schreiben desöfteren, daß Brutpausen, wie sie z.B. beim Schwärmen entstehen, für die Bienengesundheit so wichtig sind, da die zur Eiablage drängenden Varroa-Weibchen in dieser Zeit keine offenen Zellen finden und dadurch zugrunde gehen.
    In einer Bienenzeitung diesen Jahres (ich weiß nicht mehr welche), wurde die totale Bauerneuerung beschrieben: Nach der Sommertracht, mitte Juli, wird das komplette Volk auf Mittelwände gesetzt und gefüttert. Die Mittelwände sollen binnen einer Woche ausgebaut und bebrütet sein. Dadurch könnte man sich, meiner Meinung nach, die Sommerbehandlung mit AS sparen.
    Die verbliebenen Brutwaben, so schrieb der Autor, solle man einschmelzen, oder wenn man das nicht will, in einen Brutschrank ausbrüten lassen, und als Kunstschwarm verwenden.
    Frage: Hat das schon mal jemand ausprobiert? Muß man vielleicht dennoch behandeln? Evtl. mit Milchsäure? Oder kann man sich das sparen und bis zur Winterbehandlung warten?
    Viele Grüsse
    Summsi

  • Frage: Hat das schon mal jemand ausprobiert? Muß man vielleicht dennoch behandeln? Evtl. mit Milchsäure? Oder kann man sich das sparen und bis zur Winterbehandlung warten?
    Viele Grüsse
    Summsi


    Ja, schon ausprobiert. Wenn man füttert, bauen sie zügig und gut die Mittelwände bzw. Anfangsstreifen aus. Allerdings: Man sollte nach 8-10 Tagen die Völker (da haben sie noch keine verdeckelte Brut) einmal gegen Varroa behandeln. Ich mache das mit Oxalsäure sprühen. Da fallen meist im August mehrere Hundert Milben. Die nächste Behandlung ist dann die im Dezember.


    Die alten Brutwaben werden zu Brutscheuen zusammen gefaßt und mit Ameisensäure behandelt. Diese Brutscheunen allerdings schaffe ich immer weg aus dem Flugradius ihrer alten Völker. Wegen eventueller Re-Invasion der Milben.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Die alten Brutwaben werden zu Brutscheuen zusammen gefaßt und mit Ameisensäure behandelt. Diese Brutscheunen allerdings schaffe ich immer weg aus dem Flugradius ihrer alten Völker. Wegen eventueller Re-Invasion der Milben.


    Danke für die Antwort
    Wie setzt du deine Brutscheunen zusammen? Setzt du die Brutwaben einen schwachen Volk auf, oder einem Starken? Oder belässt du ihnen bei der Abschüttelaktion ein "paar" Bienen, und gibst die neue Weisel gleich dazu?
    Wenn du deine bauerneuerten Völker mit OS behandelst, wie behandelst du deine Frühjahrsableger, die ja um diese Zeit noch voll in der Brut sind?
    Fragen über Fragen. Aber ich glaube das wäre ein praktikabler Weg, um von der agressiven Ameisensäure wegzukommen. Ausserdem gibt es noch einen schönen Wachsertrag wenn man mit Anfangsstreifen arbeitet.
    Danke und viele Grüsse
    Summsi

  • Ich vermehre grundsätzlich nur über KS. Ich erstelle die KS nach der Rapsernte und verwende dazu nur Mittelwände. Behandelt werden die Völker nur im Dezember mit OS. Bin jetzt im 4. Jahr mit den KS und es bisher noch kein einzeiger KS eingegangen. Meiner Erfahrung nach, kann man also auch auf das Sprühen von OS im Sommer verzichten.


    Das BI Celle hat das Celler Rotationsvefahren entwickelt. Dort werden auch KS erstellt und die Altvölker im Spätsommer dann aufgelöst. Nachzulesen auf der Homepage des BI Celle.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Hallo,
    die totale Bauerneuerung im Sommer ist noch nicht das Gelbe vom Ei, denn die Völker auf den Altwaben haben bei mir und mir bekannten Imker besser überwintert. Es soll aber nicht der Eindruck entstehen, dass ich dieses Verfahren zuerst mal nicht gut finde.


    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo Miteinander,
    früher hat man doch auch nackte Heidevölker noch im September neu bauen lasen und diese so überwintert.
    Zudem habe ich mal gelesen, das Wabenbau mit Zucker erstellt günstiger ist wie Wabenbau mit Honig erstellt.
    Muss wohl aus der "Geiz-und-Gier-ist-geil-Zeit" stammen...
    Normalerweise überwintern ja rund zwei Drittel der Völker auf neuem Bau, wenn denn alle Vor- und Nachschwärme erfolgreich ein Nest gegründet haben.
    Wo soll denn da plötzlich Probleme damit auftauchen, das Völker auf neuem Bau schlechter überwintern?
    Da vermute ich andere Ursachen dahinter (zu schwach gebildete Völker, zu spät gebildet, zu wenig Futter?).
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar,
    es geht hier tatsächlich um spät gebildete Schwärme. Wenn zum Zwecke der Varroabekämpfung die Brut Ende Juli weggenommen wird. Das Bauen ist auch kein Problem, ich (wir) vermuten, dass nicht genügend Propolis eingetragen wurde. Damals, als die Heidebienen bestellt wurden, hatte der Imker genügend alte Waben in seinem Schrank, sie galten als wertvoll. Heute gehen wir mit Mittelwänden geradezu verschwenderisch um. Wabenschränke mit alten Schinken gibt es nicht mehr. Vielleicht treiben wir die Hygiene zu weit. Auch in Hohenheim hat man beim Teilen und Behandeln da Schwierigkeiten. Der Schwarm wird dort auf Honigraumwaben gesetzt. An der Schwäche kann es nicht liegen, denn ca 80% der Bienen bauen innerhalb kurzer Zeit ein Brutnest mit 6 - 7 Dadantwaben auf und solch ein Volk geht nicht schwach in den Winter.


    Damals, als man die Schwärme bestellte, galt die Obstracht als Entwicklungstracht. Heute muss zu Beginn der Kirschblüte der Honigraum drauf. Ich glaube wir sind die Gierlinge und die Alten waren in ihrer Not die Geizlinge.


    Gruß
    Herbert

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • .... Damals, als die Heidebienen bestellt wurden, hatte der Imker genügend alte Waben in seinem Schrank, sie galten als wertvoll. Heute gehen wir mit Mittelwänden geradezu verschwenderisch um. Wabenschränke mit alten Schinken gibt es nicht mehr...


    :daumen: Ja, alte schwarze Schinken sind viel besser, als ihr Ruf in unserer heute ach so "hygienischen Zeit". Mein alter Herr und seine alten Imkerkumpels predigen heute noch: Auf hellen Waben überwintern die Völker schlechter, als auf dunklen. Da ist mehr dran, als viele wahrhaben wollen.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Aloha,
    ich stimme Lothar da völlig zu, das ist irgendwo absolut unlogisch, und nicht nachvollziehbar - und schon gar nicht in Zeiten mit sich-in Wachs-anreichernden Varroaziden und PSM.
    Warum sollen dunkle Waben besser sein?
    So ganz konkret und mit Fakten belegt?
    Bislang ist das alles nur Hörensagen.:Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Mein alter Herr und seine alten Imkerkumpels predigen heute noch: Auf hellen Waben überwintern die Völker schlechter, als auf dunklen.


    Servus beinand
    Nichts gegen deinen alten Herrn und seine Kumpels, aber da muß ich widersprechen.
    Ich mache nach der Sommertracht mit den Honigraumbienen von 2-3 Völkern Kunstschwärme, die auf Jungfernwaben aus dem Honigraum eingeschlagen werden.
    Bis jetzt konnte ich noch keine Überwinterungsunterschiede zu den Völkern die auf zweijährigen Waben sitzen feststellen. Vorteil bei den jungen Waben: Man braucht sie erst nach 2-3 Jahren wieder auszutauschen.
    Im Buch "Bienenzucht als Erwerb" von F.K. Böttcher, einem Buch aus der Zeit deines alten Herrn, ist sogar die Rede davon, daß man die Völker ohne Schwierigkeiten im Herbst noch auf Mittelwände setzen kann und daß sie dann besser, ohne Nosema überwintern.


    Viele Grüsse
    Summsi

  • Moin, Herbert,

    Zitat

    Damals, als man die Schwärme bestellte, galt die Obstracht als Entwicklungstracht. Heute muss zu Beginn der Kirschblüte der Honigraum drauf. Ich glaube wir sind die Gierlinge und die Alten waren in ihrer Not die Geizlinge.


    Ich denke nicht, daß es reine Gier ist, sondern die Völker sind durch die Zucht soviel fetter und stärker als vor 50 Jahren, daß sie schon so früh dermaßen kopfstark sind, daß sie das vertragen.
    Ob man das mitmacht, und warum, ist eine andere Frage - ich mach es wegen der Schwarmentwicklung, nicht wegen des Ertrags, und hab die HR noch früher drauf als zur Kirsche....:wink:

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  • Hallo Remstalimker,


    ich kann mich Summsi nur anschließen, da müsste jeder nach der Tracht erstellte KS schlechter überwintern als die alten. Die sind mindestens gleichwertig, wenn nicht besser, da weniger Krankheiten bzw. Parasiten.


    Totale Bauerneuerung ist halt nichts anderes als ein relativ spät erstellter Kunstschwarm und die sind was weis ich wie oft erprobt.


    Mir wollten die alten Herrn im ersten Jahr auch einreden ja keine unbebrüteten Waben über den Winter imVolk zu haben, die nehmen alle Jungfernwaben raus und ersetzen sie durch dunkle.


    Alles Humbug.

  • Die alten Brutwaben werden zu Brutscheuen zusammen gefaßt und mit Ameisensäure behandelt. Diese Brutscheunen allerdings schaffe ich immer weg aus dem Flugradius ihrer alten Völker. Wegen eventueller Re-Invasion der Milben.


     
    Hallo, wo bringst du die dann hin? Brutscheunenwanderung nach Bonn?


    Duck und wech..:oops:

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)