Varroa-Inhibitoren

  • ...ich will wissen, wie die Bienen ticken, und was eine optimale Haltung wäre....


    tja wollen tu ich das auch, aber was ist "optimal" ? da gehen die Meinungen bekanntlich weit ausnander.
    und ob ichs kapier und auch umsetzen kann ist nochmal was anderes. Aber ich will ja lernen ;-))

  • tja wollen tu ich das auch, aber was ist "optimal" ? da gehen die Meinungen bekanntlich weit ausnander.
    und ob ichs kapier und auch umsetzen kann ist nochmal was anderes. Aber ich will ja lernen ;-))


    Nabend Frank,
    es gibt nix optimales.
    Ich kann nur aus meinen Erfahrungen etwas weitergeben, was auf Jahre die Bienen und dich glücklich, macht.
    Ein großer Brutraum, Waben auf Anfangsstreifen im Naturbau.
    Gedrahtet oder nicht. Flache Honigzargen, die Bienen geben dir ab, was sie gerecht finden. ;-))
    Natürlich hast du Drohnenbau, aber jeden Sommer gibt es Mücken, die stören ja auch keinen.
    Also Drohnen zulassen, damit ist die komplexität eines Bienenvolkes gesichert.
    Nassenheider Verdunster mit 85 % 4 Tage zweimal draufgeben----und du hast Bienen auf Jahre.
    Nichts ist einfacher.


    Beste Grüße, Bienudo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Um Mal auf die Inhibitoren zurückzukommen: Wenn die Bienen in von Pilzen geschaffene Höhlungen einziehen (http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=22348&highlight=zellulose) , dann ist dort eigentlich ein Myzel eines Baumpilzes oder auch mehrerer vorhanden. Holzzersetzende Pilze sondern ihrerseits ja auch wieder ätherische Öle, Terpene usw ab. , kann es nicht sein, dass da noch Inhibitoren dabei wären?


    In den Magazinen werden ja aufgrund des Holzschutzes alle Verrottungsprozesse vermieden...


    Ist mir deshalb in den Sinn gekommen, weil ich überlegt habe, warum die Varroa überhaupt erst jetzt nach Europa gekommen ist (davon ausgehend, dass sie sowieso über Russland nach Europa gekommen wäre, auch ohne dass sie absichtlich eingeführt worden wäre). Sie hatte doch "Jahrmillionen" Zeit dazu, den Weg selber zu finden, ist aber ja anscheinend immer an irgendetwas gescheitert, und das, obwohl sie offensichtlich über eine unglaublich gute Verbreitungstaktik verfügt. Liegts am Klimawandel? Oder an der (heutigen) Lebensweise der Bienen?


    Andererseits müssten dann die wenigen freilebenden Schwärme in irgendwelchen Wäldern varroafrei (oder -reduziert) sein und beim Umsetzen in Magazine eingehen. Ist das so?
    T'schuldigung für den etwas wirren Gedankengang, aber ich kriegs nicht geordnet und auch nicht aus dem Kopf. Vielleicht könnt Ihr mir auf die Sprünge helfen?:confused:


    Gruß, Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Hallo Henrike,
    der Kontakt zwischen Westlicher Honigbiene und der Varroa wurde durch Einführen der Westlichen Honigbiene in das Verbreitungsgebiet der Östlichen Honigbiene geknüpft.
    Dieser Kontakt wurde, wie kann es anders sein, durch Menschen geschaffen.
    Zuvor waren beide Verbreitungsgebiete getrennt (irgendwo in Persien verlief ein breites bienenfreies Gebiet).
    Ohne menschliches Zutun wurde diese Lücke nicht überwunden.


    Ohne Import asiatischer Völker wäre die Varroa sicherlich erst einige Jahre später hier aufgetaucht.
    Vielleicht hätten wir dann evtl. auf mehr Erfahrungen der Imkerkollegen zurückgreifen können, beim Erstbefund.
    Das sie sich so schnell verbreiten konnte, liegt an den Wanderungen und den regen Bienenhandel.
    Auch wurde der Verflug innerhalb eines Standes und zwischen den Ständen stark unterschätzt.
    Die ersten Maßnahmen gegen die Varroa haben ja auch nicht gewirkt bzw. kamen zu spät.
    Schade um die Völker, die abgetötet wurden.


    Bei wildlebenden Völkern vermute ich den geringeren Brutumsatz, weniger Verflug, keine Störungen, Brutpausen, Schwärme
    als Ursache für eine bessere Angepasstheit beim Wirt-Parasiten-Verhältnis.


    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Zitat

    Bei wildlebenden Völkern vermute ich den geringeren Brutumsatz, weniger Verflug, keine Störungen, Brutpausen, Schwärme
    als Ursache für eine bessere Angepasstheit beim Wirt-Parasiten-Verhältnis.


    Plus deutlich geringere Bienendichte plus relativ hohe Ausfallquote der Schwärme, nach Seeley regelmäßig eher bei 50% als bei 30%...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen


  • Liebe Henrike,


    deine Gedanken sind gar nicht so abwegig. Es ist ja auch der Geruch, der so manchen Bienenschwarm in ein Baumloch
    ziehen lässt, wo die Wachsmotte gründlich den alten Wabenbau zerfressen hat.
    Auch das sich zersetzende Holz in einem alten Baum, also das Verrottende, sondert Botenstoffe für die Bienen aus.


    So gesehen hast du recht, die moderne Beute muß abschreckend auf die Bienen wirken, also zählt
    der Bienenkasten, wie auch immer, als hemmend, oder Inhibitor. Rein sachlich.
    So habe ich da noch nie drüber nachgedacht. Danke.


    Mein Holzschutz ist sehr gering, trotzdem kann Holz lange aushalten, weil die Bienen sich selber gegen Verrotung
    durch Verkitten helfen können. Es liegt schon in den Beinchen der Bienen und ihrem Willen.


    >Klimawandel< ist reiner Blödsinn, auf kapitalistischem Ansinnen gewachsen.
    Ich würde eher sagen, wir haben es mit >Menschenwandel< zu tun, was viel schlimmer ist.
    Klimaschwankungen gab es schon immer, das bezeichnen alte Flurnamen, im Wingert, oder so.


    Ob es noch freilebende Bienenvölker gibt, ich bezweifele das.
    Ich glaube eher, daß die Bienen, wenn sie in der Obhut eines liebevollen Imkers sind, der sie bewahrt und behütet,
    nicht knechtet und ausbeutet, sich sehr wohlfühlen können.
    Und uns auch etwas abgeben >wollen<, sei es Honig, oder das emotionale Zusammenspiel mit der Natur, in dem Spiegel
    wir uns wiederfinden können, so man es zuläßt. Oder ich. Oder Du.


    Darüber denke ich schon lange nach.
    Liebe Grüße, Udo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Danke für Eure Antworten,

    Zitat

    der Kontakt zwischen Westlicher Honigbiene und der Varroa wurde durch Einführen der Westlichen Honigbiene in das Verbreitungsgebiet der Östlichen Honigbiene geknüpft.

    wusste ich vorher nicht.
    Trotzdem bleibt für mich der Gedanke, dass die Pilze schon noch eine Rolle bei der Bienengesundheit spielen könnten. Gibt es darüber irgendwelche Untersuchungen? Wäre aber vielleicht auch ein neuer Fred, geht ja nicht nur um Varroa.


    Danke nochmal, Gruß
    Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Hallo Miteinander,
    wenn irgendwelche Stoffe von Pilzen oder sowas in Baumlöchern, als mögliche Bienenwohnung, eine gesundheitliche Rolle für die Bienen oder deren Wohlbefinden wichtig sind, warum kitten sie dann diese zu?
    Fragt sich
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • ...wenn irgendwelche Stoffe von Pilzen oder sowas in Baumlöchern, als mögliche Bienenwohnung, eine gesundheitliche Rolle für die Bienen oder deren Wohlbefinden wichtig sind, warum kitten sie dann diese zu?



    Im Bienenstock - auch bei den beimkerten Völkern, findet sich eine Vielzahl von Pilzen und Hefen. Insbesondere Aspergillus- und Penicillium-Pilzarten. Die scheiden viele nützliche Produkte für die Bienen aus, insbesondere sind sie beteiligt an der Fermentierung und Haltbarkeitmachung des Bienenbrotes und damit der Muttermilch der Bienen. Näheres dazu mehr in Kürze.


    Ich kann mir schon vorstellen, daß das Propolis eine wichtige Rolle spielt. Vielleicht sind unsere Beuten einfach zu hygienisch und wie beim zu hygienisch aufgezogenem Menschenkind, so werden vielleicht auch die Bienen anfälliger für Krankheiten. Es ist ja schließlich der Schmutz, der das Immunsystem trainiert. Und wenn die Beute nicht propolisiert werden muß, dann wird auch nur wenig Propolis gesammelt.


    Daß Pilze besonders wichtig sind für Bienen, ist ein Fakt, der gut untersucht und belegt wurde. Alleine das Bienenbrot ist das wichtigste Beispiel.


    Es stellt sich auch die Frage, wie Fungizide, also Pilzbehandlungsmittel, die in der Landwirtschaft verwendet werden, auf die Pilze im Bienenbrot wirken. Vermutlich wird das Bienenbrot schlecht - und/oder es enthält weniger der wichtigen Ausscheidungsprodukte der Pilze.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Hallo Henrike,
    der Kontakt zwischen Westlicher Honigbiene und der Varroa wurde durch Einführen der Westlichen Honigbiene in das Verbreitungsgebiet der Östlichen Honigbiene geknüpft.
    Dieser Kontakt wurde, wie kann es anders sein, durch Menschen geschaffen.
    Zuvor waren beide Verbreitungsgebiete getrennt (irgendwo in Persien verlief ein breites bienenfreies Gebiet).
    Ohne menschliches Zutun wurde diese Lücke nicht überwunden.

    Nicht ganz Lothar. Afghanistan ist das natürliche Kontaktgebiet von mellifera und cerana. Das zieht sich bis in den östlichen Iran hinein. Voreiszeitlich ist diese Kontakzone vermutlich noch größer gewesen. Varroa breitete sich aber komischerweise darüber nicht weiter nach Westen aus. Die a. m. meda kommt in ihrem Heimatgebiet mit der Varroa zurecht. Und die Bienendichte ist eigentlich eine Bienendünne ...

  • Finde ich auch eine interessante Frage mit den Pilzen. Ich habe in meiner Bienentränke festgestellt, daß die Bienen am liebsten auf morschen Holzstückchen sitzen, kann natürlich auch andere Gründe haben. Aber auch der Misthaufen (Sägemehl, Pferdeäpfel) ist sehr anziehend, auch dort sind immer Pilze.


    lg Georg

  • Bereits in der Blüte sitzen auf dem Pollen schon Mikroben, vor allem Hefen. Gefunden wurden in einer Studie 113 Arten von Hefen (Martha Gilliam, USA). Der Pollen wird von den Bienen gesammelt und bereits im Fluge mit Nektar, mit Pilzen und mit Milchsäurebakterien vermischt. Über den Nektar freuen sich die Hefen als Zuckerliebhaber besonders. Im Bienenstock angekommen, wird das Gemisch von Pollen, Nektar, Pilzen, Hefen und Milchsäurebakterien in die Waben gestampft und mit einem leichten Überzug aus Nektar verschlossen. Die Zellen der Wabe fungieren auf diese Weise als richtige Gärbehälter. Die Hefen bauen den Zucker ab und scheiden dabei Vitamin B und Wachstumshormone aus – diese Hormone wiederum stimulieren das Wachstum der zugesetzten Milchsäurebakterien. Die Milchsäurebakterien entwickeln sich lebhaft und von ihrem Gelage bleiben Ausscheidungen zurück, wovon die wichtigsten Ausscheidungen das Vitamin K und die Milchsäure ist. Das Vitamin K fehlt im Pollen vollständig und wird erst durch die Milchsäurebakterien gebildet. Ohne die Laktobazillen und ohne eine funktionierende Gärung würden die Bienen einen Vitamin K-Mangel erleiden. Die Milchsäure wiederum konserviert bereits das sich bildende Bienenbrot dadurch, daß es den pH-Wert senkt. Dadurch wird dieser Ansatz vor weiterem Verderb durch Bakterien geschützt, da sie im sauren Milieu weniger aktiv sein können.


    Der Ansatz wird nun von Pilzen besiedelt, die ein solch saures Mileu lieben, namentlich von dem Pilz Aspergillus niger und insbesondere Pilze der Gattung Penicillium. Diese Gattung ist durch ihren Vertreter Penicillium notatum berühmt geworden, weil dieser das in der Medizin verwendete Antibiotikum Penicillin ausscheidet.


    Die Pilze im Bienenstock scheiden ebenfalls Antibiotika aus, wenn auch in geringeren Mengen und Wirkungen. Es sind vor allem Fettsäuren, die aus der Zersetzung der Fett enthaltenen Überresten des Pollens durch die Pilze entstehen. Die Milchsäure und die Fettsäuren schützen das Bienenbrot vor dem Verderb, die Mikroben fügen lebenswichtige Stoffe wie die Vitamine B und K hinzu, sowie weitere Enzyme, die für die Verdauung der Bienen essentiell sind.



    Vitamin K wirkt beim Menschen als Blutungsregulierer. Die Varroa setzt ihrem Speichel einen Blutungsförderer zu, damit die Wunde sich nicht zu schnell schließt. Die kleine Varroen bedienen sich an der von der Mutter gebissenen Wunde. Würde die sich schneller schließen, kämen diese zu kurz. Vitamin K als fettlösliches Vitamin könnte daher als Inhibitor der Varroa dienen, weil es den kleinen Milben den Hahn zudreht.


    Enzyme spielen eine sehr wichtige Rolle im Naturhaushalt und für die Insekten insbesondere aus verschiedenen Gründen. Insekten besitzen keinerlei Schutzeinrichtungen vor für sie schädlichen Enzymen - weswegen Enzyme die größtmöglichsten Insektenkiller sind. Nicht alle, aber eine Menge. Das Interessante hierbei ist, daß die Milben zu der Gruppe der Insekten gehören - und daher auch anfällig sind gegenüber Enzymen. Es ist nur die Frage, welches natürlich vorkommende Enzym der Milbe schadet und den Bienen nicht - schon wären alle Milbenprobleme auf Dauer gelöst.


    Sowohl Vitamin K und die Enzyme im Bienenbrot werden von den Mikroben, insbesondere den Pilzen und Milchsäurebakterien erzeugt.


    Sollte es einen regulierenden Mechanismus zwischen Milben und Bienen geben, und den gibt es zweifelsfrei, dann funktioniert dieser über die Nahrung. Und über die Nahrung sind alle Lebewesen verbunden, weswegen wir hier einem Gesamtproblem aller Lebewesen gegenüberstehen. Quod erat demonstrandum.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Hallo Bernhard,



    Enzyme ... Insekten besitzen keinerlei Schutzeinrichtungen vor für sie schädlichen Enzymen - weswegen Enzyme die größtmöglichsten Insektenkiller sind.


    wie kommst Du zu dieser Einschätzung bzgl. Proteinasen etc.?


    Milben sind übrigens NICHT Insekten sondern Spinnentiere, diese wiederum die nächsten Verwandten ...


    Das Protein dass Milben schadet und Bienen nicht sucht übrigens ein bekannter Impfstoffentwickler. Das Bekanntwerden des Projektes stieß nicht gerade auf einhellige Gegenliebe bei uns Imkern.


    Gruß vom verregneten Mindelsee


    Michael

    Imkerei Mader, Radolfzell-Stahringen