Oxalsäure mehrfach träufeln möglich?

  • Der LINK zeigt leider nur eine Meinung auf, die nicht heilsbringend ist, genau so wie die meine natürlich. Grundsätzlich durchlaufen Arznei und Behandlungsmethode immer aufwendige Zulassungsverfahren, die leider meist anders laufen, als von Expertenmeinung erhofft - hier kann Frau Dr. Rademacher sicherlich auf leidige Erfahrungen hinsichtlich der Zulassung von Ameisensäure verweisen.


    Empfehlungen in öffentlichen Foren, nicht zugelassene Behandlungsmethoden anzuwenden, sollten wir nie abgeben - die OS-Bedampfung ist in Deutschland nicht zugelassen (Stand: 04.11.2010).


    Es ist mir unverständlich, wieso immer wieder behauptet wird, dass die OS-Bedampfung nicht zugelassen werden kann, weil sie zu gefährlich ist:evil:. In "Varroa unter Kontrolle" steht, dass die Bedampfung nicht empfohlen wird, weil die Darreichungsform der Oxalsäure ungeklärt ist. In diesem Link ist das ganz klar und eindeutig formuliert:
    "Der Grund dafür, dass wir das Zulassungsverfahren für Oxalsäure in der Applikationsform Verdampfen nicht weiter betrieben, lag vorrangig in der noch nicht ausgereiften Arbeitssicherheit: Das Hantieren mit Oxalsäurekristallen kann für den Imker gefährlich werden. Eine Zulassung wird hier erst möglich, wenn für das Verdampfungsverfahren Tabletten bzw. Kapseln, die dem Arzneimittelgesetz entsprechen, verfügbar sind. Bis heute liegen zur Herstellung und Haltbarkeit solcher Präparate keine ausreichenden Daten vor."
    Also: OS-Bedampfung an sich wird nicht als Problem gesehen, sondern das Fehlen von Oxalsäurekapseln oder -tabletten mit der Beifügung "ad us.vet.".
    Gruß Ralph

  • Das Begasen von Bienenvölkern ist in Deutschland nicht zugelassen. Punkt!
    ...



    Ich danke dir für dieses Statement! Ich komme mir manchmal vor wie die letzte Dumme, weil ich nur Sachen mache, die erlaubt sind. (Bei den Bienen ,-)


    Gruß Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

  • Hallo,


    eigentlich ist mit Ramunas' klaren Postings alles wichtige gesagt.


    Zurück zur Mehrfachbehandlung: Viele Imker berichten und beobachten dass diese, auch außerhalb der Flugzeit, möglich ist. Allerdings verwenden die meisten dieser Versuche OS-Lösung ohne Zucker. Auch diese Methode ist in Deutschland aktuell nicht zugelassen.


    Über Gründe für eine fehlende Zulassung zu streiten finde ich müßig, das Beantragen und Befolgen eben dieser nicht.


    Viele Grüße vom föhnigen Mindelsee


    Michael

    Imkerei Mader, Radolfzell-Stahringen

  • Ich wollte noch ergänzen, dass mein Beitrag #30, die Diskussion nicht abwürgen sollte!


    Das ist superspannend, was so die verschiedenen Leute für Erfahrungen haben! Danke fürs mitteilen!


    Aber ich finde auch, dass man eine nicht erlaubte Behandlungsart nicht als das nonplusultra propagieren sollte, ohne zu kennzeichnen, dass es bei uns halt (noch?) nicht zugelassen ist.


    Gruß Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

  • Zitat

    Empfehlungen in öffentlichen Foren, nicht zugelassene Behandlungsmethoden anzuwenden, sollten wir nie abgeben - die OS-Bedampfung ist in Deutschland nicht zugelassen (Stand: 04.11.2010).


    Das stimmt und als in Deutschland imkernder Imker sollte man schon überlegen was man schreibt.
    Aber, Internet ist weltweit und in anderen Ländern ist das Verdampfen von OS zugelassen. Warum sollte man also in einem weltweiten Forum diese Empfehlung nicht geben ? Ich sehe da kein Problem.


    Beste Grüße
    Hartmut

  • Aber ich finde auch, dass man eine nicht erlaubte Behandlungsart nicht als das nonplusultra propagieren sollte, ohne zu kennzeichnen, dass es bei uns halt (noch?) nicht zugelassen ist.


    Sorry, ich muß ein wenig krümelkackerisch werden.
    Hier das ist ein deutschsprachiges Forum. Und in der Schweiz und Österreich ist die Oxalsäureverdampfung zugelassen (Wie ist es in Luxemburg und Italien/Südtirol?). Darum denke ich, eine Diskussion über in Deutschland nicht zugelassenen Verfahren ist hier sehr wohl möglich und ich denke, für die breite deutschsprachige Imkerschaft auch erwünscht.
    Man sollte seine Beiträge nur entsprechend kennzeichenen :wink: Und beim Abfassen nie vergessen: Die verantwortlichen deutschen Amtsleute lesen hier fleißig mit.


    Und ich frage mich auch, ob nicht durch die Propagierung von hier noch nicht zugelassenen aber funktionierenden Methoden der Druck auf die Verantwortlichen wächst, endlich mal nachzudenken, wo Handlungsbedarf ist.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal gefährlich."

  • Das Begasen von Bienenvölkern ist in Deutschland nicht zugelassen. Punkt!


    Unbestritten.
    Bedeutet aber nicht, daß wir die Augen verschließen und nur alles abnicken düfen.

    Zitat

    Das hat wohl auch nichts mit Dummheit zu tun, oder sind die Ungarn (Gabon als Varroabehandlungsmittel zugelassen), Türken (Amitraz), Litauen (Apifos), etc. schlauer als wir Deutschen ...?


    Hallo, wir diskutieren über OS! :evil:


    Wenn ich mich an die Vorgaben der Anwendersicherheit halte, gibt es keine Gefahr.
    Punkt! (Um mit Deinen Worten zu sprechen...)
    Dasselbe gilt für alle zugelassenen Chemikalien.
    Man kann sich sogar mit Wasser vergiften, bei falscher Anwendung...


    Aber zurück zum Thema.
    Wie man so hört, soll im Winter 2x Träufeln tödlich sein - für die Bienen.
    Nee, ich mach`s nicht.


    Eine Variante des Träufelns ist das "Druckträufeln".
    Wurde in einem anderen Forum ausführlich beackert.


    Es gibt keine Vorschrift, die die Größe der "Träufeltropfen" vorgibt.
    Also kann man Druckträufeln (Sprühen).
    Dadurch bekomme ich einen feinen OS-Nebel, ähnlich Verdampfung.
    Bei Blockbehandlung sind keine Probleme bekannt.
    Also eine sehr verträgliche Methode.



    Wie immer, gilt auch hier der Anwenderschutz.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Sorry, dass wir hier irgendwie nicht auf einen Nenner kommen - eigentlich wollte ich nur der Jule helfen:


    Die Frage war ja: "Oxalsäure mehrfach träufeln möglich?"


    Möglich ja, anzuraten aus meiner persönlichen Sicht nicht.


    Die Methode - sprechen wir jetzt einmal darüber - des Verdampfens ist in vielen Ländern erlaubt
    und wird dort mit unterschiedlichem Erfolg praktiziert. Auch wir in unserer Berufsimkerei haben hier unsere Erfahrungen Anfang der 90er Jahre mit gemacht - eine OS-Begasung
    kann ich (einmal abgesehen von den rechtlichen Bedenken) nicht ohne "Wenn und Aber" empfehlen. Warum auch, wenn das Träufeln doch funktioniert (wirklich funktioniert).


    Hier ist die Anwendung denkbar einfach und verlangt auch nicht so viel Fingerspitzengefühl vom Anfänger ab wie z. B. der Einsatz von Ameisensäure im Sommer.


    Wenn ich über 200 Bienenvölker im Winter an zwei Tagen mit OS beträufeln kann, so schaffst Du das Jule bei Deinen Völkern auch, daher: Nur Mut.



  • Und ich frage mich auch, ob nicht durch die Propagierung von hier noch nicht zugelassenen aber funktionierenden Methoden der Druck auf die Verantwortlichen wächst, endlich mal nachzudenken, wo Handlungsbedarf ist.


    Dazu müssten die Zeitungen sich endlich mal durchringen z.B. über die OS Bedampfung und deren gute Erfolge berichten (Man schaue sich nur mal die Umfrage zu den Völkerverlusten April diesen Jahres an).
    Bei der Auswertung im DJB 7/2010 hatten die Bedampfer an 3. Stelle nach Thymovar und AS 85 die wenigsten Verluste ...

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Hallo,


    ich verstehe das Unbehagen und die Wünsche von Wald&Wiese sowie Honig sehr gut :daumen:.


    Machen wir uns mal kurz klar wie Zulassungen von Arzneimitteln funktionieren.
    Der Antragsteller:
    - entwickelt ein Verfahren zur Herstellung standardisierter Arzneimittel (u.a. muß Qualität, Wirkstoffgehalt, Dareichungsform etc. konstant gewährleistet werden)
    - belegt mit Studien (deren Aufbau und Ablauf stark formalisiert ist) dass das Produkt sicher ist (keine oder kaum Nebenwirkungen, je nach Schweregrad)
    - belegt mit Studien die Wirksamkeit des Präparates
    Danach prüft die Zulassungsbehörde die Unterlagen, wertet evtl. Studiendaten in anderem Kontext aus (Daten für sie meist voll verfügbar), fordert weitere Studien an und erteilt eine Bewertung die dann zu einer Zulassung oder auch nicht führen kann.


    Bei manchen Zulassungsbehörden wird (zukünftig) auch die Überlegenheit gegenüber Produkten auf dem Markt zu zeigen sein. Es gibt eine europäische Zulassungsbehörde (EMEA in London) und nationale (z.B. BfARM). Da Honig in der EU frei gehandelt wird, wäre eine (erste!) europaweite Zulassung durch die EMEA viel besser.


    Gerade die Zulassung der Ameisensäure im geeigneten Verdunster stammt aus Zeiten als die Zulassung von Tierarzneimitteln noch etwas unformeller gehandhabt wurde (als Humanarznei). Das ist erfreulicher Weise Geschichte.


    Was folgt daraus?
    - Wer sind die Verantwortlichen? Nicht Bieneninstitute und Verbandsfunktionäre sondern Arzneimittelhersteller als mögliche Antragsteller.


    Alle Freunde alternativer Verfahren sollten also den Hersteller ihres Vertrauens dazu animieren
    1. eine Zulassung für das gewünschte Alternativverfahren zu beantragen.
    2. wenn noch nicht vorhanden eine Herstellererlaubnis für Arzneimittel zu erwerben oder ihr Produkt von einem solchen Betrieb produzieren zu lassen.


    Hier ist es sicher hilfreich wenn man:
    - Zahlen nennen kann (x Imker mit y Völkern werden das Produkt kaufen)
    - Studienteilnahme (Achtung, Bienenprodukte sind dann vermutlich nicht marktfähig!) anbieten kann.


    Viele Grüße vom warmen Mindelsee


    Michael

    Imkerei Mader, Radolfzell-Stahringen