Honig bleibt klar

  • Liebe Forianerinnen und Forianer,


    inzwischen habe ich schon gemerkt, dass die Honigverarbeitung ein ziemlich schwieriges Gebiet ist, (für mich zumindest) und hier im Forum gibt es dazu zwar schon Unmengen von Fragen und entsprechend noch mehr Antworten, die mich allerdings in ihrer Gesamtheit eher verwirren. Hier nun meine Frage, auf die ich hoffentlich erhellende Antworten bekomme.
    Am 02.08. habe ich zum 2. Mal Honig geschleudert, der um einiges dunkler war als mein erster Ertrag. Dieser Honig weigert sich nun standhaft, in irgendeiner Form zu kristallisieren. Alle paar Tage rühre ich zwar, glaube aber, mir dass sparen zu können.
    Nun meine Frage:
    Kann der Honig noch geimpft werden, oder bleibt er vielleicht so, wie er ist?


    Falls Fragen nach der Tracht kommen: Zu meiner Beschämung muss ich gestehen, dass ich mich in meinem ersten Imkerjahr eigentlich nur mit Bienen und deren Haltung beschäftigt habe.
    Die Tracht: Tja ... äh..., rings um Weiden, Felder und Eichen, diverser Holunder und Klee. Läusetechnisch herrschte hier erfreulicherweise tote Hose. Wo die Damen so hingeflogen sind, ich weiß es nicht. :oops:


    Danke für Eure Antworten und noch eine schöne Restwoche wünscht
    Fiona

  • Der Honig meiner August-Ernte ist auch dunkel und bis jetzt nicht kristallisiert. Den habe ich gar nicht erst gerührt. Ich war mir nämlich ziemlich sicher, dass ich zumindestens "vorwiegend" Waldhonig von meinen Bienen habe. Er ist wunderbar dunkel bernsteinfarben und jetzt noch unverändert von sehr dickflüssiger Konsistenz.


    Nun wohne ich (mit den Bienen) im Wald. Aber nach deiner Beschreibung entsprich dein Honig im Aussehen und in der Konsistenz meinem Honig. Deshalb glaube ich, dass deine Bienen auch von irgendwelchen Lachniden im Umkreis deines Standes Honigtau (oder Blatthonig - ist meine ich dasselbe) geholt haben.


    Holbee

  • Hallo Fiona,
    Honig kann in flüssiger Form oder aber in gerührter Form angeboten werden. Gerührt werden hauptsächlich schnell kristallisierende Blütenhonige wie Raps. Je höher der Glucosegehalt im Honig ist, desto schneller kristallisiert er. Rapshonig hat einen Glucosegehalt von 41% und einen Fructosegehalt von 39%. Glucose kristallisiert bei einer Konzentration von 32% (Sättigungspunkt) aus, deshalb kristallisiert Rapshonig relativ schnell. Robinienhonig hat einen Glucosegehalt von 27% und einen Fructosegehalt von 44%, deshalb bleibt der Robinienhonig sehr lange flüssig. Fructose kristallisiert im Honig nicht aus, sondern bleibt immer flüssig. Die Sättigungskonzentration für Fructose in Honig liegt bei 79%. Wald- und Blatthonige erreichen 32% Glucose meist nicht, deshalb bleiben sie auch lange flüssig.
    Für den Imker ist es relativ einfach, sich für die flüssige oder gerührte Form zu entscheiden. Kristallisiert der Honig innerhalb ein bis zwei Monaten, bietet sich die gerührte Verkaufsform an. Bleibt der Honig länger als zwei bis drei Monate flüssig, bietet sich die flüssige Verkaufsform an. Zu beachten ist allerdings auch die Farbveränderung. Wenn dunkle Honige gerührt werden, gibt es oft eine graue, meiner Ansicht nach unansehliche Farbe. Oft sind auch Geschmacksveränderungen feststellbar. Dunkle Honige schmecken flüssig oft besser.
    Viel Erfolg mit Deinem ersten Honigexperiment
    wünscht Dir
    winolf

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  • Läusetechnisch herrschte hier erfreulicherweise tote Hose. Wo die Damen so hingeflogen sind, ich weiß es nicht.


    Hallo Fiona,


    ich vermute, dass sie in die Eichen geflogen sind....:wink:


    Honigtau kann von Tanne, Fichte, Kiefer, Lärche, Eiche und Ahorn gewonnen werden.


    Herzliche Grüße
    Regina

    Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.(Oliver Hassencamp)

  • @ alle Antwortenden


    Vielen Dank für Eure Antworten.
    Wenn ich geahnt hätte, dass der Honig so lange flüssig bleibt, hätte ich bestimmt auch schon ein paar Gläser abgefüllt. Da ich mir aber erst so ganz langsam einen kleinen Kundenstamm aufbaue (Kolleginnen und Kollegen, Nachbarn), will ich schon sicher gehen, dass sie nicht nach einigen Wochen Beton im Glas haben. Also heißt es abwarten ....


    Einen schönen Tag wünscht
    Fiona

  • Hallo Fiona,
    ich würde trotzdem einige Gläser abfüllen und verkaufen/verschenken.
    Wohlschmeckender Honig bleibt beim Kunden nicht wochenlang im Glas, der ist meist ratzfatz aufgefuttert. Du könntest ja auch in kleine Gläser abfüllen, und damit Deine Kunden "anfüttern". :wink:
    Ich persönlich finde flüssigen Waldhonig einfach spitze...:daumen:


    Herzliche Grüße
    Regina

    Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.(Oliver Hassencamp)

  • Ja, ich habe dieses Jahr ein ähnliches "Poblem" zumal einige Kunden festen Honig wünschen. Daher habe ich eine Charge schon ausschließlich als "Animpfhonig" für das nächste Jahr in Vorbereitung. Dann werde ich einen Teil des Honigs - sofern eben nicht Robinientracht - gleich animpfen und beides in dichten Abfüllkannen verwahren. Dann kann ich beiden Kundenwünschen gerecht werden.


    Melanie