Nochmal die Eiweiß- und Spurenelemente-Frage

  • Moin,
    ich muß etwas weiter ausholen, sorry.:lol:


    Ich lese grad mal wieder William Albrecht, und der hat schon in den 30-50ern des letzten Jahrhunderts festgestellt, daß viel zuwenig auf die echte Qualität der Nahrung geguckt wird.
    Qualität ist nicht "gut aussehen" und "riesig groß und/oder viel", sondern Qualität der Nahrung sollte sich ganz konkret auf die inneren Werte beziehen, also Gehalt an Mineralien, hochwertigem Protein in ausreichender Menge, sekundären Pflanzenstoffen, etc. - halt auf alles, was jeder Körper zum störungsfreien Funktionieren braucht.


    Zucht bei Pflanzen (und auch bei Tieren) verbessert diese innere Qualität zu 99% NICHT.
    Der biologische Flaschenhals bei ALLEN Lebewesen ist die ausreichende Zufuhr von optimal zusammengesetzten Proteinen - ist das nicht möglich, treten alle möglichen Krankheiten und Parasiten auf.


    Albrecht hatte in einer Artikelserie im "Let's live Magazine" im März 57 einen Artikel drin, der hieß: "Breeding out plant proteins - bringing in diseases".


    Als schlagendes Beispiel hatte er die braunfäule-resistente Wildtomate, die ihre produzierten Proteine als Samen in großen Mengen in der winzigen und sehr unschmackhaften Frucht unterbringt, und noch eine Menge antibiotika-ähnliche Stoffe gegen eben die Braunfäule produziert.


    Fängt man jetzt an, an der Tomate herumzuzüchten, wird sie zwar ziemlich einfach größer und schmackhafter, aber sie verliert unweigerlich ihre Braunfäuletoleranz, weil sie sozusagen vom Proteinerzeuger zum Kohlenhydraterzeuger (süße Tomaten!) umgebastelt wird, und damit nicht mehr genug dieser Abwehrstoffe herstellen kann.
    Die Fähigkeit zu dieser Proteinsynthese wird quasi verdünnt bis zur Wirkungslosigkeit, und ist auch kaum rückzüchtbar.


    (Es glaubt ja wohl wirklich niemand mehr, daß hydroponisch auf Steinwolle und Nährlösung gezogene Hollandtomaten vollwertig sind, oder?:lol:)


    In der Septemberausgabe desselben Jahres hatte er dann einen Artikel: "Fertilizing with nitrogen: fertility imbalance und insect damage", mit einem Bild von 3 Maiskolben.
    Der erste wuchs auf einem Boden, wo der Bodentest sagte, alles okay, aber zur Ertragssteigerung noch Stickstoff und Phosphat gegeben wurden, der zweite auf einem Boden, wo nur Stickstoffdünger, aber dafür in doppelter Menge gegeben wurde, und der dritte auf dem gleichen Boden, aber ohne jeden Dünger.
    Die ersten beiden waren Hybridsorten, die dritte "open-pollinated", also samenecht.


    Nach zwei Jahren Lagerzeit konnte man sehen, was der Getreidekapuziner, ein Vorratsschädling mit ihnen angestellt hatte: Nr. 1 war zur Hälfte aufgefressen, Nr.2 nahezu komplett, aber an Nr. 3 war nur ein einziges Korn am ganzen Kolben befallen....
    (in einem späteren Jahrgang gab es einen ähnlichen Artikel über den Maiswurzelbohrer - der ist aber leider noch nicht wieder online).


    Worauf ich letzten Endes hinaus will, ist die Tatsache, daß die Qualität der Nahrung für Mensch & Tier permanent abnimmt, weil fast niemand nachhaltig wirtschaftet, und auf sein Bodenleben und dessen Versorgung schaut, insbesondere mit seltenen Spurenelementen.


    Da hängt aber alles dran - z.B. Vitamin B12 kann nur bei Anwesenheit von Kobalt hergestellt werden und ist als solches essentiell für Menschen (kommt nur in tierischen Produkten vor), Selen ist Bestandteil von 30-50 Proteinen, und bei vielen Elementen weiß man bis heute nicht, ob und wie wichtig sie für Menschen sind....


    Der Sprung zu den Bienen geht natürlich über die Pflanzen - was ist die einzige Eiweißquelle für Bienen?


    Pollen.


    Was passiert denn mit den Bienen, wenn das Polleneiweiß nicht mehr "perfekt" für Bienen ist, weil Spurenelemente fehlen und nötige Proteine nicht gebildet werden können?


    Was bewirkt Stickstoffüberdüngung bei der Proteinsynthese der Pflanzen?
    Der Kohlenhydratanteil steigt, der Proteingehalt sinkt.
    (früher hatte guter Weizen ganz locker 16-20% Eiweiß, heute muß man froh sein, wenn er noch 12% hat, Elitesorten 14%...das geht so grad noch zum Backen, darunter ist es nur noch Futterweizen).


    Wo ist also bitte die Studie über den exakten Eiweißgehalt/Zusammensetzung des Pollens unserer gängigen Massentrachten und deren Auswirkungen auf die Bienengesundheit?


    Ich denke, daß die Varroa und alle anderen Bienenkrankheiten nur deshalb so gefährlich sind, weil die Bienen schlicht mangelernährt sind - das Bißchen an Wildpflanzen um Massentrachten herum reißt es nicht raus.
    Nicht die Honigmenge ist der Faktor fürs Überleben der Völker, sondern es hängt alles, wirklich alles, am Eiweiß.


    Man sollte mal ständige AFB-Gebiete auf ihre Pollenvollwertigkeit untersuchen - fehlt auch nur eine einzige essentielle Aminosäure, kann das nötige Protein nicht gebaut werden - siehe Mais und seine Lysinfreiheit - die Folgen für Menschen kann man leicht googeln...


    Warum soll das bei den Bienen anders sein?
    Wir können unsere Nahrung wenigstens noch auswählen und supplementieren - Bienen können das nicht, die haben nur Pollen oder gar nix.


    Letztendlich ist der Irrweg der Landwirtschaft "schuld" - schiere Masse und Ertrag geht sehr deutlich vor Qualität.
    Das liegt aber auch daran, daß niemand eben diese Qualität bezahlen will, sondern alles billig sein muß...:roll:


    Alle Tiere (Mensch eingeschlossen) haben ein tiefes inneres Bedürfnis nach hochqualitativer Eiweißnahrung - Ziegen hüpfen nicht umsonst über den Zaun, um Buschwerk statt Gras fressen zu können, und Wild kommt in Gärten, um eben nicht mehr das stickstoffgeblähte Ackergras fressen zu müssen.


    Warum werden die Menschen mit billiger Kohlenhydratnahrung denn immer fetter?


    Weil sie HUNGER haben, der mit reiner Menge nicht gestillt werden kann, sondern nur mit Qualität im oben beschriebenen Sinn.


    Wer je im Frühjahr Wildkraut/Baumblätter-Salat gegessen hat, weiß, was ich meine.:-D
    Davon kann man nicht viel essen, weil man sehr schnell satt im besten Sinn des Wortes ist.


    Von dem hochverarbeiteten eiweißarmen Krams wie Fertigmahlzeiten, Junk-food und Chips/Frühstückscerealien mit Unmengen an Zucker und Salz kann man Tonnen essen und ist doch nicht "satt".


    Glaubt hier wirklich jemand, unseren Bienen ginge es in dieser Umwelt besser?
    Plus ihrem Kampf gegen PSM-Auswirkungen?


    Ich mag mich irren, aber ich denke, den Bienen (und uns allen!) wäre am meisten geholfen, wenn es keine Monokulturen mehr gäbe, bzw. wieder sehr vielfältige Fruchtfolgen, mit sehr hoher innerer Qualität.
    Daß das ein Wunschtraum ist angesichts der industrialisierten Landwirtschaft, ist mir schon klar - aber jeder kann was tun, in seinem eigenen Garten, vor seiner eigenen Tür.


    Blaukorn-Dünger aus dem Garten verbannen, Bodenanalyse machen lassen, sich dran halten, und als erstes einen Küchenkompost anlegen und sich daran machen, den Boden "natürlich" zu verbessern, sprich, das Bodenleben zu fördern.


    Da beginnt der Kreislauf.
    Nicht warten auf Gesetze, sondern selbst anfangen.
    Für die Bienen.:daumen::Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • ...Von dem hochverarbeiteten eiweißarmen Krams wie Fertigmahlzeiten, Junk-food ...kann man Tonnen essen und ist doch nicht "satt"...


    Als ich das las, fiel mir doch glatt Deine Diskussion um die Verfütterung von "Pollenersatzstoffen" ein, die Du vehement protegiert hast.
    Hast Du da neue "Erkenntnisse"?


    rst

  • Nein, hab ich nicht - aber lieber Supplemente als gar nix.
    Daß das eine Krücke ist, ist mir klar - GsD haben wir das dieses Jahr nicht gebraucht.
    Den Mais-mono-ernährten Kindern in Südamerika helfen Chlorella-Kekse auch enorm - ohne hätten sie keine Chance.


    Supplementierung kann aber kein Normalzustand sein.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen


  • Ich lese grad mal wieder William Albrecht, und der hat schon in den 30-50ern des letzten Jahrhunderts festgestellt, daß viel zuwenig auf die echte Qualität der Nahrung geguckt wird.
    Qualität ist nicht "gut aussehen" und "riesig groß und/oder viel", sondern Qualität der Nahrung sollte sich ganz konkret auf die inneren Werte beziehen, also Gehalt an Mineralien, hochwertigem Protein in ausreichender Menge, sekundären Pflanzenstoffen, etc. - halt auf alles, was jeder Körper zum störungsfreien Funktionieren braucht.


    Pah wer erzählt denn sowas? Qualität wird von der Zunge unterschieden (ja die welche nicht von künstlichen und natürlichen Aromen schon völlig fehlgeleitet ist). Mir ist völlig Wurst ob eine Gewächshausgurke oder Tomate irgendwelche Mineralstoffe mehr oder weniger hat - wenn ich sie esse weiß ich ob die Qualität stimmt. Wenn man auf die "inneren Werte" achtet dann kann man sich ganz schön verrückt machen lassen. Da esse ich lieber eine mehr mit etwas weniger Superduperstoffen :)
    Nur so mal am Rande
    Olli

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • :lol: Öhm, Olli,
    du übersiehst dabei nur eine Kleinigkeit:

    Zitat

    Da esse ich lieber eine mehr mit etwas weniger Superduperstoffen


    Das können WIR uns leisten - die Bienen nicht.
    Wenn der Boden durch zuviel Kalkstickstoff oder aus anderen Gründen Kupfermangel hat, führt das nicht bloß zu Ernteeinbußen bis zu 20%, sondern auch zu saumäßiger Qualität (

    Zitat

    Beispiele für Qualitätsminderungen durch Kupfermangel sind:
    Zitrusfrüchte, wenig ansprechendes Aussehen, Fruchtgröße reduziert
    Zwiebeln, schlecht ausgefärbt und schwammig
    Karotten, schlecht ausgefärbt
    Salat, schlecht ausgefärbt und welk
    Birnen, Korkbildung und Korkfleckigkeit


    Zitat

    Photosynthese, Atmung, Fortpflanzung, Proteinbildung, Lignifizierung (Verholzung), Auxin-Regulation, Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und andere Funktionen der Pflanzen können durch Kupfermangel beeinflußt werden.


    Gestörte Fortpflanzung bedeutet bei Pflanzen sehr häufig verkrüppelte sterile Pollen - glaubst du, das ist dann vollwertige Nahrung für Bienen?
    Die können nicht in den nächsten Bio-Supermarkt und sich was vernünftiges holen...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Stimmt, die Landwirte mit ihren Turbokühen machen uns ja auch glauben, dass sie ohne Soja als Eiweisspender im Kraftfutter nicht auskommen. Auf die Frage, warum denn die altbewährten heimischen Kraftfutterzusätze nicht mehr ausreichen kommt der Verweis darauf, dass "die neuen Kühe" für ihre Spitzenleistung halt auch spezielles Futter benötigen.


    Mh, wo ist jetzt der Bezug zu Dir und den Bienen? :confused:


    Dann überlege Dir schon mal ein paar neue Argumente für Dein nächstes Bienenjahr...


    rst

  • Den Mais-mono-ernährten Kindern ........


    Hallo,
    hier wurde und wird ja schon häufig die mindere Qualität des Maispollen für Bienen hervorgehoben. Gleich zur Klarstellung: Ich will auch keine Maiswüste.
    Nur war ich doch überrascht, als diese Tage bei Maurizio/Schaper "Das Trachtpflanzenbuch" das Folgende gelesen habe: Danach gibt es schwach wirksame Pollenarten die lebensverkürzend auf Bienen wirken (z.B. Haselnuss, Erle, Birke, Pappel). Und stark wirksame Pollenarten die eine Lebensverlängerung bei Bienen bewirken z.B. Krokus, Obstbäume, Weiden, Mohn, Edelkastanie, MAIS und Kleearten.
    Leider konnte ich in dem sehr umfangreichen Literaturverzeichnis des Buches noch keinen Querverweis finde, da im Buchtext selber keine direkten Verweise zur Literaturliste gibt.
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk


  • Gestörte Fortpflanzung bedeutet bei Pflanzen sehr häufig verkrüppelte sterile Pollen - glaubst du, das ist dann vollwertige Nahrung für Bienen?
    Die können nicht in den nächsten Bio-Supermarkt und sich was vernünftiges holen...


    Nein natürlich nicht aber vielleicht holen sich die Tiere eher die nahafteren Sachen wenn sie mitbekommen das etwas nicht so nahaft ist? Ich glaube nicht dass man über soetwas mehr als Mutmaßungen äußern kann weil man nicht wirklich drinne steckt :).
    Olli

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

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  • Olli : wieso höseln dann Bienen im Frühjahr sogar Sägemehl?
    Kein Schild dran "Ist nix für Bienis"?:cool:


    @rst: ich hab Sandboden, und mit Mulchmähen (in Ermangelung von Weidetieren) a la Voisin kriegen wir langsam den Humusgehalt erhöht - es findet ja kein Austrag statt, sondern reine Biomassezunahme, durch die Bäume.
    Ist interessant zu beobachten, was dann plötzlich alles wächst/wachsen kann, was vor ein paar Jahren gar nicht ging - dauert halt....
    Für die Bienen ist dadurch deutlich mehr Vielfalt da, vor allem an Mehrjährigen.
    Tw. kamen da jetzt Sachen hoch, die ich vor 2 oder mehr Jahren gesät habe, und damals nicht mal keimten (Lavendel, Thymian, Salbei, Natternkopf, etc), und ich denke, das liegt auch am pH-Wert und dem zunehmendem Wasserspeichervermögen.


    Eisvogel : die "lebensverkürzenden" Pollenarten sind alles Windbestäuber - Zufall?
    Oder liegt es daran, daß es mehr Arbeit für die gleiche Pollenmenge braucht aufgrund der Winzigkeit der Pollen gegenüber (insektenbestäubten) Blütenpflanzenpollen?
    Ich bleibe aber trotzdem dabei, daß Maismonokulturen übel für die Bienis sind - als das Trachtpflanzenbuch geschrieben wurde, kam grad mal Raps als Massentracht auf, ich glaub nicht, daß man die damalige Struktur der LW mit der heutigen vergleichen kann - wenn man alte Luftbilder sieht, könnte man heulen, was es damals alles gab - auch auf einem normalen Bauernhof waren 7-Jahresfruchtfolgen Standard, mit Futterleguminosen etc., und vor allem blühenden breiten Feldrainen...:-(

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hi,


    ich denk auf die reine Proteinzusammensetzung kann man das gar nicht ausschließlich reduzieren.
    Sicherlich gibt`s die essentiellen Aminosäuren und wenn man Schwein, Rind, Mensch oder auch Bienen komplett einseitig ernährt, also immer nur eine Proteinquelle der gleichen Zusammensetzung, dann müsste diese schon sehr ideal - sprich "vollwertig" (denn das heißt es eigentlich) zusammengesetzt sein. Welche ist das schon? Es gibt einseitige Ernährungen, die schnell zu Mangelernährungen führen und welche, die kaum Probleme machen, solange ab und zu noch was anderes gegessen werden kann. Die Maisernährung ist da ja ein gutes Beispiel beim Menschen.
    Frage ist also, was kommt außerdem noch rein und welchen Inhaltes? Schaffen die Bienen es, den Mangel bei z.B. Monokultur xy woanders zu finden, dann fällt es vielleicht nicht so ins Gewicht.
    Allerdings ist bei uns Menschen z.B. auch relevant, dass die Kombination aus verschiedenen Proteinen besonders günstig ist, die Ergänzung tierischer und pflanzlicher Herkunft z.B. verschiedene Kombinationen können dann vom Gehalt her besonders gut verwertet werden, sprich das Top-BiofleischSteak kommt solo gar nicht so gut bei uns an wie mit Beilagen.
    Bei den Bienen ist es eben nur der Pollen, der Lieferant ist, keine andere Proteinquelle zusätzlich.
    Die Bienenmasse, die ein Volk in der Saison "herstellen" muß ist bei den Wirtschaftsvölkern nun auch viel größer als bei ursprünglichen Bienenrassen. Die reine Masse kommt ja auch nachweislich jedes Jahr zu Stande - aber ist es auch noch eine entsprechende Qualität (ich meine jetzt sozusagen die "innere Zusammensetzung" mit all ihren resultierenden Funktionen)?


    Und da stimme ich Sabine voll zu: Da sind wir Imker zuerst gefragt, alle anderen aber auch. Es muß für mehr Vielfalt gesorgt werden. Die Bienen sind da ja nur ein Aspekt, auf den wir nun betont schauen, viele andere Insekten und Wildtiere hängen aber ebenfalls am eingeschränkten und verflachten Angebot.


    Was ich oben meinte, dass es das allein aber vermutlich gar nicht ist:
    Was ist mit den sekundären Pflanzenstoffen? Man weiß doch immer noch keine wesentlichen Einzelheiten über deren Funktionen, hat das Thema gerade mal angerissen. Geschweigedenn über die in natürlich gewachsenen Nahrungsmitteln gegebene Kombination derselben.
    Unimitierbar!


    Zum Thema Fettwerden der Billigkohlenhydraternährten. Njein.
    Fett, es ist das Fett zum größten Teil bzw die Kombi aus Großmenge KH (Lagerung nach Umbau in Speicherfett) und Fett (sofort ab in den Speicher), immer davon ausgegangen, dass die aufgenommenen Mengen nun mal keiner mehr verbrennt heutzutage. Und das Fett ist das Billige.


    Und zum Thema Hochzucht/Leistungsrinder:
    Leider ist das so, dass man hochgezüchtete Rassen mit Milchdrüsen mit absoluter "metabolischer Priorität" hat, sprich "Energiefressende Euter", die 10.000 kg/Jahr sind nah. Soll heißen, wenn diese gekalbt haben, setzt ein Stoffwechsel ein, der es dermaßen in sich hat, dass Fütterungsfehler zu bedrohlichen Ausfällen und Krakheiten bei der Kuh führen, die kann man in diesem Falle meist wirklich nicht mehr auf die Weide stellen und einfach Gras mampfen lassen (obwohl ja auch hier nur noch Hochleistungssorten plus Düngung auf den Weiden geboten werden; da wächst nicht "einfach so eine Wiese vor sich hin"). Letztendlich ist das ein REchenexempel: Milchmenge täglich raus aus der Kuh, Grasmenge, die dazu nötig wird? - Paßt nicht mehr rein in die Kuh bzw liefert nicht genug Protein, Calcium etc., welches für den Ertrag nötig ist, wird folglich einfach der Kuh durch weitere Milchproduktion entzogen. Also Kraftfutter und Soja vorne rein. Die Viecher laktieren sich im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode, bei Fehlfütterung schnell, bei Powerfutter aber auch. Oft ist nach drei Laktationsperioden Ende.


    Sabine : Ja, die Studie dazu, die wäre klasse. Wird aber wohl Utopie bleiben.


    "Der Mensch ist was er isst" (Ludwig Feuerbach).


    Die Biene auch, why not?


    Packen wir`s an. Immer dran denken.:daumen:


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • [quote='sabi(e)ne','https://neu.imkerforum.de/forum/thread/?postID=250076#post250076']
    Als schlagendes Beispiel hatte er die braunfäule-resistente Wildtomate, die ihre produzierten Proteine als Samen in großen Mengen in der winzigen und sehr unschmackhaften Frucht unterbringt, und noch eine Menge antibiotika-ähnliche Stoffe gegen eben die Braunfäule produziert.[QUOTE]



    Hallo Sabine,


    ich gehe jetzt einfach mal von einem Druckfehler aus. :wink: 
    Wildtomaten sind nämlich überaus schmackhaft!
    Es gibt etliche alte Tomatensorten, die keine Hybriden sind und immer wieder nachgezüchtet werden können. Das Problem, keine von ihnen ist resistent gegen Braunfäule. Das hat bei mir, auf Grund des kühlen und feuchten Wetters, zu einem Ernteausfall von 50% geführt. Dem gegenüber stehen die neuen Hybridsorten, welche Resistenzen gegen Braunfäule aufweisen! Ja, die gibt es!!!
    Ähnliche Probleme hatte ich bei anderen Gemüse- oder Obstsorten. Ernteausfälle, verwurmtes Obst und Gemüse, Pilzbefall, da alles zu feucht war und die Pflanzen nicht resistent genug waren.
    Man kann sicherlich gegen Hybride und hochgezüchtete Pflanzen schimpfen und Einwände hervorbringen. Aber Fakt ist, dass der Nahrungsbedarf, allein der westlichen Industrienationen, nicht durch Bioerzeugung abgedeckt werden kann!!! Bioerzeugung benötigt viel mehr Platz und Zeit, welche beide nicht vorhanden nicht, als konventionelle Erzeugung!
    Oder glaubst Du, dass der Nachbar um die Ecke sagt, Prima, ess ich eben nur noch einmal im Monat Fleisch und wenn es keine Getreide, kein Brot und keine Kartoffeln gibt, weil die Ernte ausgefallen ist. Auch gut. Macht überhaupt nichts!?


    Hinzu kommt, dass sich nicht jeder Bio leisten kann. Und wohl dem der einen eigenen Garten hat um sich hier und da selbst etwas anzubauen. Aber wenn man sich das ganze Jahr über selbst versorgen möchte, bedeutet dies riesige Flächen beackern zu müssen, Vorratshaltung zu betreiben und sonst keiner anderen Arbeit mehr nachgehen zu können.


    Und dann wird der Nährwert von Pollen in Frage gestellt...... ich traue den Bienen durchaus zu, dass sie selbst auswählen können was gut für sie ist. Ein Raps- oder Maisfeld in der Nachbarschaft bedeutet doch nicht gleich, dass die Bienen nun verhungern oder nur noch minderwertigen Pollen haben. Glaub ich nicht!
    Genau das ist in unserer Gegend nämlich der Fall und wir haben eine sehr hohe Imker und auch Völkerdichte!!! Seit Jahrzehnten!!!


    Und noch was zu einseitiger Ernährung....... wo bitte steht geschrieben, dass unsere Form der Mischkost das Non plus ultra der Ernährung ist??? Inuit ernähren sich fast ausschließlich von tierischen Produkten! Warum wohl? Liegts vielleicht an den Eisbergen vor der Haustür? :roll:


    Viele Grüße
    Katrin, die sich für alte Obst-und Gemüsesorten einsetzt, da dies der Sortenvielfalt dient, aber auch froh ist, dass sie sich und ihre Familie ebenso mit fremdproduzierten Lebensmitteln versorgen kann!

  • Oh bitte - ist das Thema grundsätzlich für euch uninteressant, oder fällt euch einfach nix dazu ein?:-(


    Hallo Sabine, habe diesen thread doch gerade erst gefunden!


    Hast du schon Minerals for the Genetic Code von Charles Walters gelesen?
    http://www.acresusa.com/books/closeup.asp?action=search&prodid=1516&catid=&pcid=2
    ... in diesem Buch geht es um die Zusammenhänge zwichen allen Elementen des Periodensystems, den Proteinkreisläufen, Krankheitsbildern und anderen biologischen Zusammenhängen nach Dr. Olree.


    Darin steht u. a. folgendes:
    Alle Elemente sind notwendig damit ein Körper perfekt funktionnieren kann, da die Zellen sie als aktive Zentren in ihre Enyzme einbauen. Wenn ein Mineral fehlt können die Zellen oft auf biochemischen Umwegen gerade noch Ersatz-Enzyme erzeugen, aber nur mit viel mehr Aufwand.


    An Katrin:

    Zitat

    Fakt ist, dass der Nahrungsbedarf, allein der westlichen Industrienationen, nicht durch Bioerzeugung abgedeckt werden kann!!! Bioerzeugung benötigt viel mehr Platz und Zeit, welche beide nicht vorhanden nicht, als konventionelle Erzeugung!


    Stimmt nicht. Was es in der Biolandwirtschaft mehr braucht ist vor allem Planung und Beobachtung. Leider sind uns durch die Vereinfachungen durch Dünger- und Pestizide viele Erfahrungswerte verlorengegangen.


    Daß man auf biologisch bewirtschafteten Flächen sogar noch mehr als auf konventionellen produzieren kann habe ich auf unserer eigenen Farm in den letzten Jahren erlebt: Es ist jetzt schon Oktober und unsere Kühe und Schafe stehen noch immer in tiefem Gras! Und das alles bei geringeren Produktionskosten!


    Daß Bioprodukte (noch) teurer sind als konventionelle liegt vor allem an der Art wie sie vermarktet werden. Aber je mehr Leute sie kaufen desto mehr werden produziert, und dann kann auch der Preis nach unten gehen, da es sich nicht mehr um Luxusartikel handelt.


    Bei deinen Obstbäumen könntest du ja wrklich einmal den Boden untersuchen lassen und dann die fehlenden Mineralien mit dem richtigen Gesteinsmehl zuführen, du wirst dich wundern über die wunderbaren Früchte, wenn der Boden stimmt. Und wahrscheinlich brauchst du nur kleine Mengen, die dann aber einen großen Unterschied machen werden.


    Freue mich, daß sich jemand um die alten Sorten bemüht,
    Doris

  • Hallo.....mal bitte einige Anmerkungen von meiner Seite....
     
     
    Selbstverständlich bin ich gegen den übermässigen Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden - nicht nurim Hinblick auf unsere Bienen.
     
    Klar kaufe ich auch lieber Bio-Produkte oder alternativ zumindest heimische Sachen, die nicht um den halben Erdball geflogen werden (da geht mir der Bio Charakter schon wieder verloren).
     
    aber:
     
    Mangelerscheinungen bei meinen Völkern bzw. Krankheiten aufgrund fehlender Nährstoffe kenne ich bisher bei mir hier gar nicht, auch nicht bei den Nanchbarimkern. Ich wohne zwar auch in einer sehr aufgeräumten Ecke, was die landwirtschaftliche Nutzfläche bzw. den verbliebenen "Restwald" angeht, aber ich bin immer wieder erstaunt, wie die Völker sich entwickeln und wie verschieden bunt doch die Pollenhöschen zu jeder Jahreszeit sind. Auch mit Ausfall druch Vergiftungen hatte ich bisher nichts zu tun. Und dass, obwohl meine Völker teilweise mitten im Ort stehen und der "gemeine Hobbygärtner" auch ganz gut mit Gift um sich schmeisst und sich vor allem dabei um die Tageszeit der Ausbringung und die richtige Dosierung einen schei.... kümmert.
    Da geben sich die Landwirte wahrscheinlich sogar noch mehr Mühe..zumindest wenn man Ihnen erklärt, worauf sie achten müssen.
     
    Aber das Thema Ernährung finde ich aus einem anderen Grunde interessant:
    Natürlich kenne ich die natürliche Wildbienen-Völkerdichte in einer unberührten Landschaft nicht. Man muss jedoch bedenken, dass wir kaum noch unberührte Landschaften haben (Punkt1), zudem eine heimische Bienenrasse oft fehlt (zumindest die ursprüngliche, Punkt2) und die Bienen auch noch künstlich in Hochleistungsvölkern gehalten werden (Punkt3). In welche Specht- oder Erdhöle passen denn bitte 30 KG Frühtracht und 30 KG Linde rein :-) ?
    Vielmehr müssen wir uns fragen ob es nicht auch an uns liegt. In meinem Ort gab es vor mir jahrelenag keinen Imker - dann gab es mich mit jetzt 7 Völkern (aufgebaut in 3 Jahren) und im letzten Jahr ist jemand auch gleich mal mit 8 Völkern eingestiegen. SO - von Null auf 15 Völker in 3 Jahren in einem, wie gesagt sehr aufgeräumten Gebiet.
    Vielleicht sind das dann auch einfach mal schon zuviele Esser an einem mässig gedeckten Tisch. Klar ist doch, dass die sich dann zur Not auch das nehmen, was übrig bleibt. Aber weniger Völker wären halt optimaler versorgt. Dieser Punkt wird bei vielen Imkern, die ich kenne, fast komplett irgnoriert. Die haben einen Stand der ganz läuft, fahren mit ihren "Reihenhaussiedlungen" dahin und erwarten von 10 Völkern an einem Stand natürlich die 5fache Erntemenge, wie von den zwei Völkern im Jahr davor - ach und Ableger sollen da natürlich auch noch was werden. Sorry, aber das geht gar nicht und das ist auch genau der Punkt. Bienen finden "immer" was - wirklich - aber nur wenn sie sich nicht gegenseitig stressen. Ich habe max 2 Völker + 1 Ableger auf einem Stand (wohlgemerkt maximal!). Räuberei kenne ich dadurch z.B. gar nicht.
     
    Über Putenmastställe regt sich jeder auf - aber, dass es an manchen Ständen einfach übertrieben wird, will auch keiner hören. Klar ist das ne scheiss Jökelei von Stand zu Stand, gerade beim schrittweisen Auffüttern, aber es bringt was ! Und ob Wildbienenvölker in einer solchen Volksstärke überwintern wie gezüchtete Bienen (was also den Pollenbedarf angeht) wage ich mal ganz stark zu bezweifeln.
     
    Und starke Völker können mehr ab, als vor sich hin vegitierende in Punkto Belastungen. UNd in Sachen Bestäubung ....wieviele Blüten kann eine Biene nochmal pro Tag anfliegen und wieviele dann ein ganzes Volk ? Da sollten 3 Völker bei mir im Ort mal ganz entspannt die innerdörfliche Bestäubung abfackeln können - paar 100.000 anderen Insekten sind ja auch noch da.
     
    Fazit: weniger ist mehr !:lol:
     
     
    Für gesunde Bienen!
     
    Weimaraner

    Meine Betriebsweise ist es keine Betriebsweise zu haben - jedes Jahr ist anders !