Varroa Nachkontrolle - wann aussagekräftig?

  • Rubikon,
    schöne Zusammenfassung, ich stimme dir soweit zu. Mit den Zahlen hab ich noch keine Erfahrung, aber ich vermute eher nicht 600 sondern weniger. Je kleiner das Brutnest desto geringer der Multiplikator. Wie gesagt, reine Vermutung.


    Weiss jemand, wie hoch die durchschnittliche Lebenserwartung einer Milbe ist (behandlungsbereinigt) ??


    Jule, es gibt tatsächlich untersch. Varroen:


    "Die vier bekannten Arten der Gattung Varroa, von denen nur Varroa destructor überregionale
    Bedeutung erlangt hat, unterscheiden sich untereinander wie folgt:


    v. jacobsoni, v. destructor und v. rinderi haben eine querovale Körperform im Gegensatz zu
    v. underwoodi, die eine elliptische Form besitzt.


    v. jacobsoni und v. destructor kann von v. rinderi durch kurze und scharf geschlungene Peritreme, eine geringere Anzahl von endopodalen Borsten und das Fehlen einer der Borsten am palpalen Trochanter unterschieden werden (DE GUZMAN & RINDERER, 1999).


    v. destructor unterscheidet sich wiederum von v. jacobsoni dadurch, dass adulte Weibchen signifikant längere und weniger sphärische Gestalt besitzen als weibchen von v. jacobsoni. (ANDERSON & TRUEMAN, 2OOO)."
    (Zitat Markus Renz: Die Populationsdynamik
    der Bienenmilbe Varroa destructor (Anderson)
    bei Völkern von Apis mellifera
    unter besonderer Berücksichtigung der Reinvasion, 2003, S. 3)


    Dann hab ich auch noch was gelesen zu unterschiedl. Genotypen mit unterschiedl. Virulenz (gleiches Buch S. 9):
    "2.2 Unterschiedliche Virulenz der Varroa-Milben


    Wie bereits ausgeführt, besteht die Art Varroa destructor aus mehreren Genotypen die
    anhand von DNA-Vergleichen klar voneinander zu trennen sind (ANDERSON & FUCHS,
    1998; GUZMAN & RINDERER, 1999; ANDERSON & TRUEMAN, 2000).
    In diesem Zusammenhang wurde vermutet, dass sich diese ,,Varroa-Typen" auch hinsichtlich ihrer Virulenz unterscheiden und dass beispielsweise für die stabile Varroatose-Situation in Südamerika weniger eine Resistenz des Wirtes, sondern vielmehr eine geringere Virulenz des Parasiten verantwortlich ist (ANDERSON & FUCHS, 1998; DE GUZMAN & RINDERER 1999).
    Allerdings fehlt bisher eine klare Verbindung zwischen spezifischen Varroa-Genotyp
    und Wirtsschädigungen. Bisher unveröffentlichte Untersuchungen an der Landesanstalt für Bienenkunde lassen vermuten, dass sich mitteleuropäische und südamerikanische Varroa-Milben genetisch nicht unterscheiden (GARRIDO pers. Mitteilung)."

  • Hallo zusammen, hallo Frank,

    Frank schrieb:

    Hätte ich ne Ahnung gehabt, was alles als Imkeranfänger auf mich zukommt, hätte ich wohl die Finger davon gelassen.

    Das wäre schade gewesen! Deine Beiträge zeigen, wie gut Du Dich in das Thema hineingearbeitet hast und mit welchem Engagement Du bei der Sache bist.
    Solche Kollegen brauchen wir - und die Bienen sowieso! :)


    Frank schrieb:

    Jetzt grausts mir vor der Winterbehandlung, denn laut Fachberater muss sichergestellt sein, dass die Völker Brutfrei sind. Egal ob MS oder OS. Dazu muss die Traube ausnandergerissen werden - ...

    Bei Sprühbehandlungen wirst Du ums Wabenziehen nicht herumkommen, das ist so. Und in diesen Fällen ist Herbert's Tipp genau der richtige. Wieder dicht machen und eine Woche später noch mal gucken - das wäre voll daneben.
    Falls Du Brut herausschneidest: Untersuche die verdeckelten Zellen mal auf Varroen und teile das Ergebnis hier mit. Es gibt nämlich sehr unterschiedliche Meinungen über den Befallsgrad im Winter.


    Für die Träufelbehandlung habe ich noch nie Brutnester geöffnet. Bei uns gibt es meist um den Monatswechsel Dezember eine kühlere Periode und an deren Ende, wenn die Temperaturen wieder leicht steigen, liegt mein "idealer" Zeitpunkt. Das hat bisher immer ausgereicht.
    Meine früheste Behandlung war mal am 5. Dezember und meine späteste am 2. Weihnachtstag.
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo zusammen, hallo Rubikon,


    Rubikon schrieb:

    Dieser Behandlungsmilbenfall hängt von der regelmäßig unbekannten Erfolgsquote der Behandlung ab und lässt offen, wieviel Restmilben nach der Behandlung noch übrig geblieben sind.

    Das ist nicht weiter tragisch, wenn gleichartige Völker, am gleichen Standort, in den selben Kästen mit der gleichen Methodik behandelt werden und deren Milbenfall anschließend verglichen wird.
    Die Unterschiede im Behandlungserfolg sind da nicht so riesig.


    Rubikon schrieb:

    Nach meinen Aufzeichnungen kann man grob schätzen, dass bei natürlichem Milbenfall auf eine gefallene Milben pro Tag ca. 200 (plus minus 100) Milben im Volk kommen.

    Warum solltest Du das nicht annehmen dürfen? Mit mir kannst Du Dich darüber nicht streiten. :)

    • Der Dr. Liebig darf heute annehmen, dass bei mehr als 0,5 Milben/Tag eine Winterbehandlung fällig ist.
    • Der Dr. Liebig durfte früher annehmen, dass bei mehr als 5 Milben/Tag eine Winterbehandlung fällig ist.
    • Der Guido Eich darf annehmen, dass bei mehr als 2/5tel dunkler Milben Reinvasion vorliegt.
    • Der Bernhard darf annehmen, dass die Schadschwelle bei 30-50 Milben natorlichen Milbenfalls liegt.
    • Der Herbert darf annehmen, dass ein Drittel der Varroen auf den Bienen hockt.
    • Der Lothar darf annehmen, dass nur ein fünftel der Varroen auf den Bienen hockt.
    • Die Kirchhainer dürfen annehmen, dass ein 4%-Befall der Bienenprobe im Oktober nicht behandelt werden muss.


    Warum solltest Du also nicht annehmen dürfen, dass die Gesamtmilbenzahl Faktor 200 vom natürlichen Milbenfall ist?
    So viel Liberalität muss schon sein, wenn's an unumstößlichen Wahrheiten mangelt. :)


    Und ich darf annehmen, dass ich nach der Beurteilung des Milbenfalls nicht mehr wissen muss, als mir meine vier Kategorien sagen:

    • "Das ist völlig unkritisch."
    • "Unklar. Hier muss ich bald nochmal kontrollieren."
    • "Hier muss ich später handeln."
    • "Hier muss ich sofort handeln."


    In Kirchhain habe ich heute den Satz gehört:

    "Milbenkontrolle ist ab sofort so wichtig wie Schwarmkontrolle."


    Die Thymol-Behandler hat es dieses Jahr offenbar am härtesten getroffen.
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Das mit dem Tymol war bei den kalt-Wetterphasen fast schon abzusehen.
    Auch eine AS- Behandlung muss an das Wetter angepasst sein.


    Ich nehm jetzt mal an, dass Bettruhe angesagt ist.
    Morgen 19° da nehm ich mal an die Bienen/Varroen sind aktiv, da will ich nicht fehlen.


    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Hallo Rudi,
    wie war

    Zitat

    Die Thymol-Behandler hat es dieses Jahr offenbar am härtesten getroffen.

    Es war auch letztes Jahr bei mir so, dieThymolvölker hat es erwischt. Zwei MiniPlus mit Thymol habe ich noch. Allerdings, wenn ich bei der Überwinterung den Winteranfang als Stichtag nehme, dann hatte ich keine Verluste.


    Gruß
    Herbert

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Rudi,
    Danke für das Lob, das tut ab und zu gut, und natürlich an alle die hier was beitragen und "annehmen, dass...."
    Wir leben mindestens in einer 4 dimensionalen Welt, drum gibts auch immer mehr als eine Ansicht. Das ist gut, denn das erweitert den eigenen Horizont. Mit 4 mein ich übrigens Höhe, Breite, Tiefe und die Zeit.
    Ich glaub sogar noch an eine 5. ... aber das gehört hier nicht hin ;-))


    A propos Thymolbehandler
    es gibt auch Imker, die das Zeug kristallin in die Beuten (z.B. auf die OT am hinteren Rand / Rähmchenauflage) streuen. Scheinbar mit Erfolg, denn ohne Streifen bzw. Trägermaterial lässt sich die verdunstete Menge besser kontrollieren. Es ist genauso legal wie die 85% AS ohne Rezept. Also nicht zugelassen.


    Wer hats erfunda? Wohl auch die Schweizer Institute.
    Aber auch hier ist Kontrolle unabdingbar, wenn ich das richtig verstand, behandelt dieser Imker bis zu 14 Wochen (nach letzter Schleuderung) mit dem Zeug, an das er rel. günstig rankommt.

  • Das mit dem kristallin auf die Rähmchen ist glaub ich nicht erlaubt.
    Ich meine das dazu die Oberträger hohl mit einer Gazeabdeckung gemacht werden und darin dann das Tymol.
    Kommt aber meines Wissens zu erhöhten Tymolwerten im Honig.
    Ganz sicher bin ich mir nicht.


    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Hallo Herbert,

    Herbert schrieb:

    Allerdings, wenn ich bei der Überwinterung den Winteranfang als Stichtag nehme, dann hatte ich keine Verluste.

    Kompliment! Voller Erfolg und völlig bewegungsneutral! :) :daumen:
    Und ich schwitz mich ab...

    Du solltest mal mit dem Heiner Geißler reden. Begriffsbildungsqualitäten wird er bei seinem Schlichterspruch gut gebrauchen können. :)
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo Fränkle,

    Zitat

    A propos Thymolbehandler es gibt auch Imker, die das Zeug kristallin in die Beuten (z.B. auf die OT am hinteren Rand / Rähmchenauflage) streuen. Scheinbar mit Erfolg, denn ohne Streifen bzw. Trägermaterial lässt sich die verdunstete Menge besser kontrollieren. Es ist genauso legal wie die 85% AS ohne Rezept. Also nicht zugelassen.


    Wer hats erfunda? Wohl auch die Schweizer Institute.


    Das Thymolrähmchen hat Franz K. Rektor der gleichnamigen Imkerschule in BW erfunden. Das Rähmchen blieb das ganze Jahr im Volk, meine ich. Es hat auch jahrelang gut funktioniert, weil die Anwender in höheren Landesteilen imkerten und viel weniger Brutsätze haben. Vor drei Jahren hat er mir erklärt, dass die Varroen jetzt resistent gegen Thymol wären. Vielleicht hatte der Honig auch ein G'schmäckle und dadurch eine Käuferresistenz hervorgerufen. Er setzte dann auf kleine Zellen, weil die Maden in ihnen den Zugang der Milbe zur Futterstelle versperren. Er hat mich eingangs auch gleich examiniert mit der Gretchenfrage. "Was habe sie für eine Milbe - jacobsonie oder destructor?" Weil ich jacobsonie nicht schreiben kann, habe ich diese mit dem böseren Namen genommen.:daumen: Was jetzt gerade Mode ist bei ihm, das weiß ich nicht. Vermuten kann ich es.


    Gruß
    Herbert

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • moin Herbert!


    und wie lautet deine Vermutung?


    der besagte Imker ist der Meinung, das Thymolgestinke verwirrt die feine Varroanase und sie erwischt den idealen Zuschlupftermin nicht mehr oder schlechter. Ob sich da eine Resistenz entwickelt, weiss ich nicht. Varroen werden dann wohl auf gute Nasen selektiert ;-)