Faulgasproduktion

  • Moin, moin,


    ich habe überlegt, wohin dieses Thema gehört, irgendwie spielt es ja auch in die Tracht rein.


    Ich sehe mit Entsetzen, wieviel Flächen jetzt dem Maisanbau zur Gewinnung von Faulgas gewidmet werden, und ich befürchte, das nimmt noch zu.


    Für Bienen, für Insekten überhaupt und für alle, die damit kein Geld verdienen, ist das lästig, schädlich oder gefährlich.


    Angesichts der Anbaumethoden sollten wir wenigstens ostentativ aufhören, den Irreführenden Begriff "Biogas" zu verwenden. Es handelt sich um Faulgas und um ein Veraasen von landwirtschaftlichen Produkten.


    Der Begriff Bio ist doch geschützt, es müssen Anbaurichtlinien einghalten werden, die auf den Maisäckern definitiv nicht eingehalten werden.


    Was meint Ihr?


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Hi Clas,
    guter Ansatz, find ich auch gut es so zu benennen.
    Was mich wundert, dass Anlagen die mit Grünschnitt und alle Arten von Mist auskommen, gar nicht richtig zum Einsatz kamen.
    Ob da Absicht dahinter steckte?
    Da gab es eine Fa. bioenergy systems, die ohne diese Einbringung von Mais usw. klar kam. Ist inzwischen Geschichte, trotz Umweltpreis und Auszeichnungen. Vielleicht gerade deshalb?????
    Bei mir nehmen die Faulgasanlagen auch immer mehr zu.
    Bin letzte Woche über die schwäbische Alb ins Allgäu gefahren und war sehr erschreckt über die, immer größer werdende Maiswüste.


    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Moin, moin,


    eine der Absichten, die dahinter stecken, ist die betriebswirtschaftliche Ergebnisoptimierung. Wenn das Futter für die Fäulnisbakterien mehr Energie enthält, gibt es mehr Faulgasertrag, damit mehr Strom und damit mehr Geld.


    Wenn Kuh, Schwein oder Huhn da erst ihren Energiebedarf gedeckt haben, gibt es entsprechend weniger Gasertrag.


    Anlagen, die Mist und Gülle verarbeiten, liefern bei gleichem sonstigen Einsatz weniger, als wenn man Kuh, Huhn und Schwein weglässt und gleich das Futter in die Anlage wirft. Also lässt man, auf den Kaufmann hörend, die Tiere weg. Angeblich geht der Trend inzwischen sogar zu Cobcornmix, das da an die Anlagen verfüttert werden soll. Und Grünschnitt ist wenig pumpfähig.


    Anlagen, die sowas verarbeiten können, gibt es schon, in der Abfallwirtschaft zur Verarbeitung organischer Abfälle. Das Verfahren heißt Trockenfermentation, wobei trocken schon recht relativ ist.


    Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Moin moin,


    das mit dem Mais hat so weit ich weiß den Vorteil das er pflegeleicht ist und viel energie liefert. Letztens habe ich erfahren das versuche mit Sonnenblume laufen da ist noch mehr Dampf hinter. Was ja dann wieder gut wäre, nicht nur für die Anlage :daumen:.
    Aber das mit der Sonnenblume ist wieder schwerer da sie anfällieger ist ( so weit ich weiß ).


    Alles im allem liegt es aber am Preis, wenn ich 100 ha bearbeiten soll morgens und abends melken, fütter, ausmisten und Jungtiere versorgen oder Mais ( pflügen, gubbern, sähen, spritzen, ernten, ...) alles arbeiten die man fremdvergeben kann oder nach der Arbeit selber machen. Untern Strich bleibt da mehr und was da teilweise an Pacht gegeben wird da kannste nicht für wirtschafen.


    mfg der Heini


    P.S. Wenn ich da ein Denkfehler habe hängt mich bitte nicht gleich auf:-(

    Arbeit ist teilweise doof, Arbeit an den Bienen geht, Bienen bei der Arbeit zu gucken macht Laune

  • Die Entwicklung der Maisanbauflächen ist sicher unangenehm, aber nur Symtom einer fehlgeschlagenen politischen Entwicklung. Also meckert nicht über den Maisanbau sondern über unsere Gesetzgeber! Biogasproduktion ist nur rentabel wenn der Produzent den gesetzlichen Zuschlag fü die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen erhält ( NAWARO). Bei den meisten Anlagen kippt die Rentabilität wenn etwa 30% oder mehr Abfälle vergast werden für die keine Vergütung gezahlt wird (da gibt es eine sogenannte Positivliste). Wenn ich z.B. Abfälle aus der Zuckerrübenindustrie oder sonstigen Lebensmittelindustrie verwende, oder Fäkalien, ist dies nicht zuschussfähig im Sinne der NAWARO - Vergütung. Vergütet wird nur zum Einsatz gebrachte Biomasse welche direkt vom Feld kommt. Werden Abfälle aus anderen Fabriken, welche dort im Produktionsprozess entstehen, eingesetzt gelten diese laut NAWARO - Positivliste nicht mehr als nachwachsender Rohstoff und werden nicht gefördert. Wenn dieser Definitionsirrsinn beendet würde, schrumpfen die Maisanbauflächen erheblich und die heute nicht ökonomisch verwendbaren Abfälle würden sie ersetzen.

  • Moin, moin,


    der Gesetzgeber hat da zweifellos ein dummes Gesetz gemacht.


    Dennoch ist ja niemand gezwungen, sich an solchem Widersinn zu beteiligen. Man muss ja nicht so eine Anlage bauen. Man will es, und dann muss man den allfälligen Vorwurf schon aushalten.


    Allein schon Biomasse zu ernten statt Korn und Kartoffeln oder Rüben ist doch unbäuerlich. Das Ernteprodukt dann gleich wieder verfaulen zu lassen, um das Faulgas zu gewinnen, erst recht.


    Außerdem gibt es ja nicht entfernt so viel organische Abfälle, dass damit all die Anlagen wirklich gefüttert werden könnten. Der Organikmüll hier aus dem Landkreis könnte vielleicht eine, höchstens 2 Anlagen füttern. Die aus der Investition entstandene wirtschaftliche Zwangslage wird also den Maisanbau weiter in die Zukunft tragen.


    Und Sonnenblumen sind schön, aber, was ich höre, zu saftig, um daraus Silage herzustellen, wenn die Infrastruktur für Maissilage angelegt ist. Das könnte bedeuten, dass der Erntezeitpunkt den Imker nicht wirklich freut. Meine hier im Garten zum Beispiel blühen noch, aber die Maishäckseler stehen schon in den Startlöchern und warten auf trockneres Wetter. Außerdem erfordert der flächenhafte Anbau den Einsatz von Herbiziden, und nach meinem Kenntnisstand gibt es nach Mais Nachbauprobleme. Ich bin also schon bereit, mich zu freuen, wenn ich ein Sonnenblumenfeld sehe, aber auch erst dann. Beide Kulturen sehe ich in der großen Fläche als bodenschädlich an.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • In Sachsen Anhalt existieren zur Zeit etwa 180 Kleinanlagen und 5 Großanlagen. Die größte Anlage betreibt die Firma Nordmethan mit 15.000.000 Nm³/a Gasproduktion. Dazu benötigen sie 140.000 t Biomasse. Wenn der NAWARO - Bonus nicht so sinnlos geregelt wäre könnten sie auch weitgehend auf Mais verzichten. Heute verbrauchen sie etwa 110.000 t Mais im Jahr.
    Über Zuckerrübenplantagen und Subventionswahnsinn im Zuckerbereich regt sich hier auch keiner auf und wenn unbehandelte Gülle auf den Acker kommt und der Nitrateintrag im Boden exorbitant ist, stört sich auch keiner. Solange Land, Bund und EU mit teilweise irrwitziger Subventionspolitik eine sinnvolle Landwirtschaft verhindern, können wir als Imker hier auf und ab springen wie wir wollen, es wird sich nichts ändern. Biogasanlagen können eine große Hilfe sein und Überproduktionen auch sinnvoll verwerten, denn ein Export in andere Länder zerstört dort nur die kleinbäuerlichen Existenzen und die lokale Landwirtschaft.

  • Moin, moin,


    sie verwerten aber nicht Überproduktionen, sie rufen sie hervor. Fast alle mir bekannten Brachflächen sind weg, Ackerrandstreifenprogramme sehe ich auch nicht mehr, an meinem Weg zur Arbeit gibt es kaum mehr Grünland, nur Mais, Mais und nochmals Mais.


    Zuckerrüben sind ebenfalls ein Problem, aber keine neuerliche Verschärfung, solange nicht Faulgasanlagen zur Vergärung von Zuckerrüben gebaut werden. Investoren, die das wollen, gibt es.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Clas Lehmann () aus folgendem Grund: rsf

  • Ich kann nur für unsere Gegend sprechen. Hier sind etwa 8% der landwirtschaftlichen Nutzfläche mit Mais belegt. Ich denke das ist eine vertretbare Menge. Wenn dort kein Mais wäre, wären es andere Monokulturen und leider keine blühenden Mischkulturen.

  • Hallo MIteinander,
    und wo sollen demnächst noch Getreide usw. für die Lebensmittel angebaut werden?
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Wenn wir mal aufhören unsinnig viel Fleisch zu produzieren, was Futtermittel in enormen Mengen verschlingt, werden auch immer genug Flächen für Lebensmittel in Deutschland vorhanden sein. Ist es etwa sinnvoll nur Brust und Keulen vom Geflügel in Deutschland zu vermarkten und den Rest, die sogenannten Karkassen und was der verwöhnte deutsche Gaumen nicht mag, mit staatlichem Zuschuß nach Afrika zu verschiffen um dort mit Dumpingpreisen die einheimische Landwirtschaft zu zerstören, den Menschen die wirtschaftliche Lebensgrundlage zu entziehen. Auch diese tollen Exporte wurden mit Futtermitteln aufgezogen,welche um den halben Erdball geschippert wurden, oder hier Ackerflächen belegten und auslaugten. In Deutschlands Schlachthöfen werdeb z.B. jährlich etwa 51.000.000 Schweine verarbeitet. Die müssen vor der Schlachtung auch mal gefüttere werden. Also ich esse auch Fleisch, aber nicht etwa ein 2/3 Schwein. Wo bleiben diese Massen? Wieviel Ackerfläche wird für Futterproduktion benötigt und wo bleibt die viele Gülle??? Bevor wir uns auf die Ächtung einer Technologie wie Biogaserzeugung hier einlassen, welche bei sinnvollem gesetzlichem Rahmen eine Vielzahl von Problemen lösen kann, sollten wir als umweltbewußte Menschen einmal mit den grundlegenden Fehlentwicklungen in unserem Land auseinandersetzen.

  • Noch ein Fakt. Biogasanlagen gehören zu den erneuerbaren Energien und ich bin eigentlich froh über jede Anlage. In Sachsen Anhalt wurden 2009 49% des Stromverbrauches mit Hilfe der Erneuerbaren erzeugt. Im Jahr 2010 hoffen wir das der Anteil auf 60% steigen wird.
    Wenn anderswo noch gegen atomkraftwerke gekämpft wird, versuchen wir hier den Neubau von Kohlekraftwerken zu verhindern und hoffen das 2035 das letzte Kohlekraftwerk in Sachsen Anhalt abgeschaltet wird. Mir sind noch mehr Biogasanlagen, bei entsprechender gesetzlicher Anpassung, zehnmal lieber wie neu erschlossene Tagebaue und abgerissene Dörfer.