Das erste Mal in der Heide - und wie geht es weiter?

  • Ich durfte dieses Jahr zum ersten Mal in ein gesperrtes Gebiet mit Heide auf ca. 300 ha. Da das Wetter denkbar ungünstig und meine Völker auf diese Gelegenheit nicht vorbereitet waren, stellte ich nur ein einziges Volk dort rein. Nun, es ist für die Biologen, die dieses Projekt betreuen genauso neu, wie für mich.
    Die Heide blüht nur spärlich. Dafür gibt es viel Thymian dort.
     
    Ich erwarte natürlich keine Riesenernte. Aber ich hörte von Schwierigkeiten, den Honig aus den Waben zu bekommen. Auch weiß ich noch nicht so recht, was ich mit dem Volk am Ende machen soll.
     
    Nun, ich brauche Hilfe und hoffe auf Eure Beiträge. Wenn das gut geht, werde ich im nächsten Jahr mich mit deutlich mehr Völkern auf diese Aufgabe vorbereiten.
    Ich danke Euch schon mal im Voraus.
     
    Schwärmer :roll:

  • Sollte die Heide gehonigt haben, muß der Heidehonig raus aus dem Volk, weil die Bienen sehr schlecht auf Heidehonig überwintern.
    Und aus den Waben bekommt man den Heidehonig nur durch einen Stipper o.ä. raus. Oder die Waben zerschneiden und als Scheibenhonig verkaufen.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo Schwärmer,


    auf http://www.nordbiene.de/videos.htm , ganz nach unten scrollen, gibt es Links zu Lehrfilmen des iwf Göttingen zur Heideimkerei, die in einer traditionellen Imkerei in der Lüneburger Heide gedreht wurden. Da ist auch ein Film zur Scheibenhonig- gewinnung bei.
    Das mich das Thema auch ungemein interessiert weißt du ja schon!
    Viele Grüße aus dem Naturpark Dübener Heide!
    Bienlars

    Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht. Vaclav Havel

  • Moin


    Also, Thymian und Heide. Ideal!!!
    Als erstes die Waben ganz normal schleudern.
    Dann kommt der Thymia Honig raus.
    Danach kannst Du Dir die Waben noch mal genau anschauen, ob überhaupt eine erntefähige Menge Heidehonig in den Waben drin ist.
    Wenn ja, dann müssen Heidehonigwaben "gestippt" werden.
    Z.B mit so einem Gerät: http://www.swienty.com/shop/vare.asp?side=0&vareid=107380&catid=1131
    Ich bezweifele aber, das dieses Jahr genügend Heidehonig eingetragen wurde. Der Juni war zu trocken und ab Mitte August war es zu kalt.


    Aber der Thymian - auf Sandboden müsste sehr gut gewesen sein.
    Kommt drauf an, wann Du angewandert bist.
    Der Thymian fängt normalerweise so ab Mitte Juli an und blüht bis etwa Mitte August. Das nächste Mal mag es bessersein, den Satdnort schon mitte Juli anzuwandern..


    Noch ein Wort zu Thymianhonig.
    Er stinkt erbärmlich, wenn er eingetragen wird. Ich kenne Imker, die Ihre Ernte das erste mal vergraben habe:lol:
    Bei der Schleuderung und im Glas ist alles wieder gut.
    Ein absoluter Spitzehonig, mit Seltenheitswert!


    Glückwunsch und viel Spaß mit dem Standplatz


    Gruß
    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

  • Hallo Schwärmer,
    ich wandere auch fast jedes jahr in die Heide .Dieses jahr hatte ich meine Bienen aber nur wegen der Touristen rausgeschaft und schon am 20.august wieder heimgeholt ,heidehonig war nur in geringer menge eingetragen und wurde auch nicht entnommen.Bei der überwinterung auf Heidehonig kommt es meiner meinung nach vor allem auf die Bienenrasse an ,im letzten jahr war die ernte bei mir sehr gut und es wurden bei allen völkern die waben ,auf denen sich Brut befand in den völkern gelassen und sofort eingefüttert,im frühjahr lebten nur noch wenige Carnica aber alle Buckfastvölker .Die ehemals in Deutschland heimische Dunkle Biene bzw. Heidebiene war auch in der lage, auf heidehonig zu überwintern .
    Angewandert wird erst wenn die Heide voll in Blüte steht anfang August ,denn zuerst blüht die alte Heide die nur wenig ertrag bringt und von den Bienen auch kaum beflogen wird ! Um die heide gut zu nutzen muss man vorher unbedingt für genügend brut sorgen ,bei mir durch wanderung in die Sonnenblume oder Weißklee bzw. durch zugabe von Brutwaben die Völker verstärken.
    Heidehonig ernten ist auch kein problem ,er muss nur sofort nach entnahme aus dem volk entdeckelt und mit einem Stipper bearbeitet werden ,bei wenigen völkern genügt dieser kleine hier http://cgi.ebay.de/Entdecklungsgabel-Imkerei-Honig-Waben-/280560007369?pt=Spezial_Landwirtschaft&hash=item4152adf8c9
    Auch ist zu beachten das sich Heidehonig aus mehrmals bebrüteten Waben viel besser schleudern lässt und diese auch kaum zu bruch gehen.
    Ich hoffe das nächstes jahr besser wird ! s.ohrisch

  • Den Erfolg einer Überwinterung auf Heidehonig anhand der Bienenrasse auszumachen halte ich für falsch.
    Ich habe schon Carnica-Völker, die total neuen Wabenbau hatten (während der Heidetracht gebaut) und ich diese daher nicht schleudern wollte bzw. konnte, weil die Waben zu Bruch gegangen wären, auf 100% Heidehonig mit Erfolg überwintert.
    Die Buckfastbiene erreicht durch ihr Brutverhalten die Heidetracht in größerer Volksstärke und kann damit den Schwund durch Spinnennetze des Altweibersommers etc. so besser ausgleichen. Ein Buckfastvolk wird daher auch stärker in den Winter gehen als ein Carnicavolk und damit auch besser überwintern. Das sind jedenfalls meine derzeitigen Beobachtungen bzw.- Vergleiche zwischen beiden Rassen.

    Zitat

    Angewandert wird erst wenn die Heide voll in Blüte steht anfang August ,denn zuerst blüht die alte Heide die nur wenig ertrag bringt und von den Bienen auch kaum beflogen wird !


    Das verstehe ich jetzt nicht. Heide blüht an den einjährigen Trieben. Egal ob alte oder junge Heide. Was dieses Jahr austreibt, blüht auch in diesem Jahr. Deshalb ist es ja für die Heide auch wichtig, das das Frühjahr recht feucht ist. Sei es durch eine große Schneeschmelze oder durch regen im Mai. Nur dadurch kann sie lange Triebe mit reichlich Blüten entwickeln. Feuchtigkeit hatten wir genug, die Trockenheit im Juni spielt keine Rolle. Vor 2 Jahren war es so heiß und trocken im Sommer, das Heideflächen braun und verbrannt waren als hätte da jemand mit Gift gespritzt. Dennoch hatten wir eine Spitzenernte.
    Dieses Jahr war der August einfach zu kalt und daher ist in diesem Jahr der Heidehonig etwas ganz Besonderes.


    Beste Grüße
    Hartmut

  • Hallo Leute,
    habe gestern mal nach meinem einsamen Heide-Volk geschaut. Die obere Honigzarge völlig trocken und die untere knapp zur Hälfte gefüllt und wenig verdeckelt. Die Heide blühte tatsächlich kaum. Der Thymian hat es wohl auch nicht gebracht. Ich denke, das Volk war nicht richtig vorbereitet und das Wetter denkbar ungünstig. Nächstes Jahr versuch ich es klüger. Vielen Dank für Eure Tips und schönes Wochenende.


    Schwärmer

  • Schwärmer und andere Interessenten:


    In die Heide geht man nur mit einem Honigraum und einem Brutraum. Wer mit zwei Bruträumen in die Heide geht, muss schon ein sehr sehr starkes Volk haben! Wenn ein Volk 11 bis 15 kg in der Heide einträgt, kannst Du extrem zufrieden sein. Das ist dann super und dafür reicht ein Honigraum aus.
    In diesem Jahr war bei uns der Juni und Juli viel zu trocken, so dass in der ersten Augustwoche die überwiegende Heidefläche noch braun war. Wenige Tage mit Regen haben für neue grüne Triebe und Blüten gesorgt, insbesondere in den Flächen, die mit viel Aufwand in dem vorigen oder vorvorigen Jahr gepflegt worden waren. Dies ließ hoffen. Die Entwicklung lag nun nur ca. zwei Wochen zurück. Auch fing dann die Heide an zu honigen. In den folgenden Woche gab es dann häufig Regen, also kein Flugwetter. Zahlreiche Imker sind gar nicht angewandert. Ertrag bei mir: Zwei Völker nullkommanichts im Honigraum; in neun Völkern zusammen 37 kg, jeweils in Segeberger Beuten. Die Körbe werden erst am 28.9. abgestoßen, bleiben dann zwei Tage zum Abkühlen liegen und können dann abgeerntet werden. Einige sind sehr leicht, andere muss man zu heben schon ordentlich anpacken. Die Körbe standen auf einem anderen Standplatz. Mal sehen was dabei herauskommt. Beim heutigen Imkerstammtisch war die bisher beste Ernte in Beuten 7,5 kg/Volk, Körbe hat dort niemand. Jedoch haben noch nicht alle den Honig entnommen.
    Eingewandert wird in die Heide nicht, wenn sie blüht, sondern wenn sie honigt. Das kann man riechen. Als pauschaler Zeitraum kann man dafür den 12. August bis 12. September annehmen. In diesem Jahr war es aber nicht so.
    Früher war es so, dass der Honigraum, z.B. bei Karnitzkörben, erst aufgesetzt oder durch entfernen des Schiedes freigegeben wurde, wenn die Heide gut honigte. Dann war dieser Raum in kürzester Zeit mit Naturbau ausgefüllt. Manche Imker haben auch beim Lüneburger Stülper Schiede eingesetzt. Dies war aber sehr aufwändig, denn für jeden Korb musste der Schied genau angepasst sein.
    Nach der Heidewanderung ist der Bienenbestand in jedem Volk kräftig reduziert; denn 'die Heide frisst die Bienen'. Sie bleiben z.B. in den zahlreichen Spinnennetzen hängen, weil nicht genug Heidschnuckenherden vorhanden sind, die bei der Beweidung die Spinnennetze zerstören und die Heide verjüngen. Oder sie haben sich schlicht abgearbeitet. 6Als Folge sind häufig Völker zu vereinen und der Bestand ist kräftig reduziert. deshalb nur mit guten starken Völkern in die Heide wanderen, sonst ist anschließend die Trauer groß.
    Heide(press)honig ist ein Luxusartikel. Deshalb bin ich auch mit oben genannten 37 kg zufrieden. Ein Jahr so, ein Jahr anders. Der alte Heideimker sagte: Eine Ernte im Korb. Eine Ernte im Keller (Honig). Eine Ernte auf dem Boden (Wachs) und eine Ernte auf der Bank (Geld).


    Es grüßt der
    heidjer Wolfgang

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

  • Hallo Wolfgang,


    danke für Deinen Beitrag - hat mir geholfen. Dann kann ich ja wohl noch relativ zufrieden sein mit einer halb gefüllten Honigzarge. Nun, das sind flache Zargen. Dann werden das wohl kaum 6 kg sein... Aber immerhin! Im nächsten Jahr komme ich mit mindestens 6 starken Völkern in die Heide und dann...


    Nein, Heidschnucken sind nicht vorhanden, aber eine Wildpferd-Herde (Kunik-Pferde) und eine Herde Heckrinder. Alle leben da ganzjährig und wild. Das ist richtig stark. Das ganze wird von der FH Anhalt betreut und dokumentiert. Bei google unter "oranienbaumer heide" suchen und finden...


    Schönes ruhiges Wochenende allen Kollegen


    Guido

  • Hoffentlich düngen die lieben großen Tiere nicht zu viel; denn das mag Heide gar nicht. Oder kommt jemand daher, der regelmäßig die Humusschicht abträgt? Wie auch immer, das Projekt wird ja wissenschaftlich begleitet. Es schafft jedenfalls Arbeitsplätze und gibt Möglichkeiten für Diplomarbeiten o.ä.


    Viel Erfolg im nächsten Jahr!
    heidjer Wolfgang

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)