Einrichten des Wintersitzes

  • Hallo,
    oft hört man von Imkern, dass ein Wintersitz eingerichtet werden müsse. Hiermit ist gemeint, dass der Imker die Waben im Bienenvolk nach für ihn zweckmäßigen Kriterien umordnet. Andere Imker wiederum meinen, dass das nicht gut wäre, weil die Bienen ihren Wintersitz für sich schon am besten geordnet hätten.
    Was mir fehlt, ist eine griffige Begründung in der Art "Wenn man als Imker den Wintersitz umordnet, dann besteht die Gefahr, dass ..." Was ist nun für "..." einzusetzen? Ist es die Angst vor dem Futterabriss in der kalten Jahreszeit? Oder etwas anderes? Wer weiß hier etwas möglichst Konkretes darüber?
    Gruß Ralph

  • Hallo Ralph,


    ich kann dir die Frage nicht konkret beantworten. Aber mich erstaunt immer wieder, was der Imker immer alles besser weiß, als das Bienenvolk. Das Bienenvolk hat schon überlebt, als nur Bären den Honig geraubt haben. Überhaupt ist das "umsortieren" erst durch den Mobilbau möglich geworden.


    Last die Biene machen, die weiß besser als wir, was gut für sie ist.


    Gruß
    Werner

  • Hi,


    habe dazu, weil es hier vor kurzem in nem anderen Fred auftauchte auch noch nirgends ne nachvollziehbare Begründung gefunden.


    Dieses Einrichten steht z.B. auch in "Imkern Schritt für Schritt", ein Büchlein, welches ich mir mal ganz zu Beginn meines keimenden Bienenwunsches geholt habe. Aber es steht halt einfach nur da, es steht genauso da, dass man Drohnenbrutrahmen erstellt und ausschneidet....


    Na jedenfalls liest es sich schon wie ein akkurates Wabensortieren, wie Wäsche auf der Leine - nach System, aber ohne tieferen Sinn außer der Ordnungsliebe. Mag ja ein Grundgedanke dahinter stecken.
    Bloß warum hatten die Bienen den nicht, wenn er so genial sein soll und warum steht er nirgends zum Nachlesen?


    Bin mal gespannt, ob noch jemand was dazu schreibt, warum diese Sortiererei stattfinden soll.


    Viele Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Miteinander,
    vielleicht wird den Wintersitz einrichten verständlicher, wenn man in der Imkergeschichte mal einige Jahrzehnte zurückgeht.
    Zur Zeit der damals häufigsten Beute, der Blätterbeute mit (umstrittenen!) 20 bis 24 Waben in zwei Etagen.
    Damals wurden die Völker in einer Etage auf möglichst wenigen Waben überwintert.
    Sechs bis acht Waben waren da eine erstrebenswerte Anzahl.
    Diese mussten gut ausgebaut sein und möglichst nicht allzu dunkel (diese kamen in den Wabenschrank, helle und schlecht ausgebaute zum Einschmelzen).
    Zusätzlich wurde auf diesen Waben noch der Honigvorrat geschätzt, um vom teurem Zucker noch ein oder zwei Pfund zu sparen.
    Aber muss man für diese Praxis wirklich Jahrzehnte zurückgehen?
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Also Wintersitz richten light muss nicht unbedingt schlecht sein: schlecht ausgebaute Waben, die als Trennschied zum Futter wirken könnten oder dunkles Zeug (schon früher) raus. Dabei kann man dann noch mal nen kurzen Blick auf die Oberträger der jeweiligen Zargen richten und gut. Und in Segebergern etwa unten die 11. Wabe rausnehmen, damit man im Frühjahr bei aufgequollenen Rähmchen besser rankommt. Das geht alles ohne großes Auseinandergereiße.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter


  • hey
    Die Bienen hatten den doch, den genialen Plan, deswegen hatten sie doch alles so eingerichtet. Dafür sprechen tausendundeins Gründe, entweder erfasst man es mir einem Schlag, oder eben nicht...dann kann man auch nichts mehr tun, außer selber die Ordnung der Waben herstellen, ist was mehr Arbeit, aber jedem das seine ;)
    gruß

    "One of nature's biggest forces is exponential growth" (A.Einstein)

  • hallo,


    den Wintersitz einrichten heist dunkle Waben so anordnen, dass man diese im Frühjahr leicht entnehmen kann.
    Bei Warmbau kommen diese ganz zurück, die Bienen sitzen im Frühjahr meistens an der warmen Stirnseite, so kann man die dunklen meist auch leeren Waben entnehmen. Bei mehrräumiger Überwinterung ist das alles hinfällig, da ja Zargenweise gearbeitet wird.
    Wichtig ist dass der Wintersitz nach dem Abräumen und vor dem Auffüttern gerichtet wird, d.h. im Juli. Nach oder während dem Auffüttern darf nichts mehr gerichtet werden, da die Bienen sich das schon selbst gemacht haben.

  • Hallo


    das herrichten des Wintersitzes, so kann ich mich an meine Anfänge erinnern, bedeutet, das im Wintersitz keine unbebrüteten Waben sind, die wurden rausgenommen, weil sie als Trennschied wirken.
    Ein Volk das sich normal entwickelt und ungestört durch den Imker, hat keine unbebrüteten Waben im Wintersitz, sondern höchstens am Beutenrand.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Da kann ich Drobi nur zustimmen - Imker sollte seine Finger rauslassen, die Bienen haben das schon lange selbst geregelt.
    Und "gefährlich" sind nicht unbebrütete Waben grundsätzlich, sondern die mit dem Propolisrand - darüber gehen sie tatsächlich freiwillig nicht hinaus.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • also, ich kann nur sagen, dass ich das Innere meiner Beuten (Segeberger) das letzte mal im Juni sehe, kein Scherz ! mal abgesehen von der Abnahme des Honigraums nach der Linde Ende Juli (aber da gucke ich unten auch nicht rein !). Also weiss ich nicht definitiv ob die Queen bei allen fit ist. Da sie aber alle stark waren beim Abnehmen der Futterwaben in den letzten Tagen, gehe ich davon aus..:-) bin ein bekennender Verfechter des "in Ruhe lassens". Bisher immer gut damit gefahren. Und Wintersitz ist nicht gleich Wintersitz.
    Ich hatte im letzten Winter einen vermeintlich schwachen Ableger/Jungvolk. Es brach mir fast das Herz, aber ich habe mich auch bei diesem strikt an die Regel gehalten und sie absolut seit Juni in Ruhe gelassen. Die hatten drei Wabengassen bestezt und einen Wintersitz auf je vier Waben übereinander in zwei Zargen...also quasi nach gängiger Meinung ein Fall zum Abschreiben. Aber die Viecher wissen es halt besser. Kaum Totenfall im Winter und bestes Volk (mit Abstand) der aktuellen Saison. Der Gesamtertrag dürfte deutlich jenseits der 40 KG liegen - und das bei der Ausgangssituation !!


    LASS DIE IN RUHE MACHEN !!!
    ...

    Meine Betriebsweise ist es keine Betriebsweise zu haben - jedes Jahr ist anders !

  • Hallo Leute,
    Wintersitz einrichten gut, aber was tun?
    Absperrgitter raus! Den Rest machen die Mädels, im Magazin nur noch übern Winter den Bodenschieber weg.
    Wer mit Hinterbehandlung werkelt, die Brettchen raus - bis auf das Hinterste, wegen den Fenstern. Jetzt könnte man noch Leisten hochkant auf die untersten Waben stellen (alte Rämchen gehen gut!) als Kletterhilfe, wenn 2-Raum- überwinterung angesagt. Bei Einraum hänge ich alles hoch, lasse die Brettchen drinn, bis auf das 1., unten sind dann 3 Kletterwaben und das Fenster. So halte ich den Zugwind draußen und die warme Luft bleibt oben drinn. Im Frühjahr guckt nicht gleich jeder Sonnenstrahl bis Hinten durch und die Mädels werden nicht so schnell wuschig.
    Meine Grundregel: Die Mädels wissen besser als wir, was gut ist. Die machen das schon länger.
    Knäcke

  • also, ich kann nur sagen, dass ich das Innere meiner Beuten (Segeberger) das letzte mal im Juni sehe, kein Scherz ! mal abgesehen von der Abnahme des Honigraums nach der Linde Ende Juli (aber da gucke ich unten auch nicht rein !). Also weiss ich nicht definitiv ob die Queen bei allen fit ist. Da sie aber alle stark waren beim Abnehmen der Futterwaben in den letzten Tagen, gehe ich davon aus..:-) bin ein bekennender Verfechter des "in Ruhe lassens". Bisher immer gut damit gefahren. Und Wintersitz ist nicht gleich Wintersitz.


    Hallo zusammen
    habe ich doch schon in nem anderen "Fred" geschrieben,dass die Mädels sich sowieso nicht an Lehrbücher halten.
    Bei mir ist es ähnlich: Etwa Ende Juni die letzte große Durchsicht, danach nur noch bei Völkern, die irgendwie auffällig sind und ab und zu bei den Ablegern. Es reicht mir auch, frische Brut, Stifte zu sehen und dann mache ich das Volk wieder zu. Wabentausch mache ich zargenweise im Frühjahr, sodass ab Juli die Bienen sich in Ruhe selbst auf den Winter vorbereiten und einrichten können.
    Also, Du bist mit der "Nicht-Kontrolle" nicht allein und es klappt auch.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi