Einfüttern dann Varroa-Behandlung oder umgekehrt

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    ...Es wird allerdings bei nur 14 bis 18 Grad tagsüber entsprechend länger dauern...


    Das stimmt leider nicht. Der Effekt ist, dass die Säurekonzentration in der Stockluft bei zu niedrigen Temperaturen zu niedrig ist, um bei den Varroen eine Atemlähmung hervor zu rufen. Die Temperatur muss stimmen oder das Ganze funktioniert nicht. Falls du jetzt Völker behandeln möchtest, solltest du über Alternativen zur AS recherchieren.
    Falls du keine oder wenige Milben auf den Windeln hattest - bist du sicher, dass sie von Ameisen nicht weggetragen wurden? Dafür reichen sehr wenige Ameisen aus. Wenn du mit der Windel eine Diagnose stellen möchtest, solltest du sie mit einem Klebstoff bestreichen, der den Austrag verhindert. Dazu gibt es etliche Beiträge in diesem Forum. Eine Fehldiagnose kann katastrophale Auswirkungen auf deine Völker haben.


    Gruß Ralph

  • Hallo Holbee!
    Ich sage es ungern in dieser Deutlichkeit und Eindringlichkeit, aber wenn du erst Mitte September behandelst und dann auf gutes Wetter angewiesen bist, gute Nacht.
    Ausgehend von meinen diesjährigen Erfahrungen sind die Völker bei Nichtbehandlung bis JETZT in einem vermutlich echt problematischen Zustand, da die Jung- und Winterbienen zu einem nicht zu unterschätzenden Teil bereits geschädigt sind, sei es offensichtlich mit Krüppelflügeln oder durch geringere Vitalität.


    Wenn du dann auffütterst, das Brutnest somit endgültig fast komplett schließt und dann behandelst, dann hast du wunderbar milbenfreie aber verkrüppelte und geschädigte Bienen, die im Laufe des Spätherbstes oder im Winter vermutlich das Zeitliche segnen und sterbend nach und nach die Völker verlassen, bis die bekannte "Handvoll Bienen und Königin" noch vorhanden ist.
    Diese Völker sind dann behandelt, aber zu spät, und gefüttert, aber zum falschen Zeitpunkt.
    Ich denke ein völliges Auffüttern vor der ersten Behandlung des Jahres ist ziemlich unsinnig, da so die Bienen zwar entmiblt werden, die jedoch nötigen jungen und ungeschäüdigten Bienen zur Überwinterung nicht mehr erzeugt werden können.


    Ich habe nach dem Abschleudern Ende Juli die HR abgeräumt nach dem Auslecken, direkt in einem FZ aufgesetzt und abends gefüttert. Nach ein paar Tagen AS auf die Völker und am Folgetag wieder ein kleiner Schuss Sirup.
    So brüten diese Völker seitdem zunehmend milbenfreier und dank stetiger Fütterung am Folgetag der Behandlungen sowie sowieso wöchentlich reichlich. Die jetzt daraus entstehenden Bienen sind Winterbienen oder aber Bienen die Winterbienen aufziehen.


    Mein Rat: Behandle trotz Enkel oder sonstigen Verpflichtungen so bald wie irgend möglich, sprich morgen!
    Sonst beisst du dir sonstwohin, wenn dir die Völker im Herbst eines nach dem anderen eingehen.


    Gruß
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Hallo Patrick, deine Erklärung finde ich plausibel, ich danke dir dafür! Ich werde morgen also zunächst behandeln und dann erst auffüttern. Zur Zeit herrscht relativ gutes Wetter mit Temperaturen nahe 20° bei uns, für AS-Behandlung also gut geeignet.


    Holbee

  • Hallo Michael, Ralph und Patrick!


    Euren "lauten" und aus fester Überzeugung und somit aus Eurer Sicht unumstößlich richtigen Äußerungen möchte ich mal etwas entgegnen:


    Im normalen Jahr findet bei uns die Spättracht in der Heide ca. vom 12. August bis zum 12. September statt. Anschließend wird abgeerntet und mit 60%-iger AS behandelt, sowie aufgefüttert. Glaubt Ihr, dass alle Imker bei uns jedes Jahr alle Völker verlieren und deshalb im Frühjahr neue Völker kaufen? Nur weil Ihr es so nicht kennt, solltet Ihr nicht so massiv reagieren.
    Im letzten Winter habe ich kein Volk verloren! Weil die Heideblüte in diesem Jahr vierzehn Tage Verzögerung hat, stehen Beuten und Körbe, bei denen Heide die einzige Tracht des Jahres ist, noch im Trachtgebiet. Sie werden in den nächsten vier bis fünf Tagen zurückgeholt. Dann, siehe oben, beginnt der imkerliche Großeinsatz: Abernten, Vereinigen, Behandeln, Füttern, Behandeln (drei bis vier Mal) ... und zwischen den Jahren mit OS träufeln.
    Und wenn Ihr noch so massiv reagiert: Es funktioniert. Natürlich geht es dabei nicht stur nach Tagen, sondern das Wetter wird selbstverständlich auch berücksichtigt.


    In der Hoffnung, dass alle Imker gegen die Varroose etwas unternehmen, grüßt Euch
    Heidjer Wolfgang

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

  • Mahlzeit, Wolfgang!
    Ich reagierte massiv, da ich Sorge um des Holbee`s bees hatte.
    Und aufgrund meiner Erfahrungen dieses Jahr würde er mit den Milbenzahlen von mir ein Problem bei dieser Vorgehensweise kriegen.
    Ansonsten glaube ich dir gerne, dass es funktioniert wie du es machst.


    Gruß
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Kann das sein, dass die Feuchtigkeit, die durchs Füttern (Zuckerwasser 3:2 in Portionen nicht über 4liter) im Stock ist, die Verdunstung der AS verlangsamt? Denn zu kalt ist es bei uns nicht.

    fragt freundlich
    Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Jule () aus folgendem Grund: Nachtrag

  • Hallo Jule,
    da das flüssige Futter keine AS enthält, nimmt es hinein stürzende AS-Moleküle auf, sondert aber keine ab. Daher wird die AS-Konzentration an der Grenze zum Futter in der Stockluft abgesenkt, was zu einer Diffusion der AS-Moleküle in Richtung Futter führt. Bei genügend großer Oberfläche saugt daher das Futter die AS-Moleküle aus der Stockluft durch Diffusion heraus und vermindert so deren Wirkung auf die Milben. Durch das Umtragen des Futters bei der Einfütterung sorgen die Bienen dafür, dass sich die oberflächliche Schicht des Futters nicht mit AS entsprechend dem Dampfdruck sättigen kann. Also entweder vor oder nach der Einfütterung behandeln, wenn kein Futter umgetragen wird.
    Das während der Fütterung in der Stockluft enthaltene Wasser verlangsamt die Verdunstung des Wassers in der Ameisensäure und führt dadurch zu einer Überfeuchtung des Dochts oder des Schwammtuchs und damit auch zu einer Verminderung der Wirkung.
    Welcher der beiden Effekte dominierend ist, kann ich nicht sagen; vermutlich spielen beide eine Rolle.
    Gruß Ralph

  • Kann nicht einer so einen Fühler erfinden: Stäbchen in Stock reinhalten, Säure in Luft- Konzentration ablesen:wink:


    Ich habe mir so beholfen, dass ich den Doch vergrößert habe. Nun bin ich gespannt auf den Totenfall...


    Naja, aber das Problem, dass unverdeckeltes oder nur tw verdeckeltes Futter im Stock ist, mindestens bei der 2. Behandlung, das hat ja jeder. Also müsste es ja bei den Empfehlungen zur Behandlung berücksichtigt sein...


    Ich trau einfach dem Frieden nicht und bin daher unsicher: ich habe die ganze Zeit immer wenige Varroen gezählt, auch nach der 1. Behandlung ist wenig gefallen - habe ich wirklich so wenig, oder funst die Behandlung nicht?


    Gruß Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

  • Hallo Jule,
    "Erfindungen" haben wir genug. Lösungen brauchen wir.
    Kannst Du jetzt verstehen, dass ich meine "Nassenheider" und sonstige Verdunster schon vor Jahren im Dutzend verkauft habe und
    mich wieder an die Schwammtücher begeben habe?
    Lies doch mal, was Henry schreibt.

    Grüße an alle


    Michael




    -Das größte Geheimnis ist, ein Genie zu sein, aber niemand außer einem selbst weiß es-

    (Mark Twain) Donald Duck