Forderung nach Alternativen im Biomasseanbau

  • Sommerloch, da melden sich in den Parlamenten die Hinterbänkler zu Wort.


    Bitte nicht falsch verstehen, er hat ja Recht mit seiner Aussage und seinen daraus abgeleiteten Forderungen. Aber ich gehe (fast, ich kenne den Herrn ja nicht persönlich) jede Wette ein, dass er das niemals als Antrag oder auch nur als Redebeitrag ins Parlament einbringen wird.

  • Ich denke schon. Der war viele Jahre Chef vom Thüringer Ökoherz, dem Interessenverband für ökologischen Landbau in Thüringen. Und hat über seine Mitgliedschaft im Vorstand des Fördervereines Deutsches Bienenmuseum Weimar auch eine gute Anbindung an imkerliche Befindlichkeiten... :daumen:


    Was sich dann natürlich an Oppositionsideen in Landesgesetzgebungen wiederfinden wird, wird eher marginal sein. Da hast Du Recht.


    rst

  • Hach Klaus,
    ob wir das noch einmal erleben werden?
    Ich meine das im Ernst. Hier bei uns baut man gerade eine riesige Biogasanlage.
    Rate mal, womit sie ausschließlich bestückt werden darf? Angeblich, weil alles andere den Produktionsprozess gefährden könnte.
    Viele unserer heimischen Bauern reiben sich schon mal die Hände, bekommen sie doch vom Betreiber sogar Zuschüsse zum Anbau, Düngung und Ernte des Maises. Maschinenpark inklusive.
    Die paar Aufrechten, die (noch) klar denken können, werden einfach nicht Ernst genommen.
    Erschreckend ist, wie "breit" angelegt die Kampagne der Betreiberfirma aufgezogen ist: Da sprechen Kommunalpolitiker, Landespolitik, Lobbyisten, selbsternannte Landschaftsschützer alle plötzlich nur noch die Sprache des Betreibers der Anlage.
    Und alle wollen sie nur das beste für uns...
    Es wundert mich nicht, dass man mit derartigen Projekten hier in die Provinz auswandert, sonst wo haben Politik und Verbraucher das System schon längstens durchschaut, nur hier ticken die Uhren halt noch anders.
    Hoffentlich nicht mehr lange...
    Es ist wie mit der Atomlobby in den 70er und 80er Jahren. Da wird mit Geld gewunken und mit ein paar Subventionen gelockt, und schon geben unsere Stammtischpolitiker ihr Gehirn an der Garderobe ab.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michael,
    Du hast den IST-Zustand sehr treffend beschrieben!
    Aber es hat sich schon an vielen Stellen herumgesprochen, dass genau in dem Bereich, der am "umweltverträglichsten" zur Energieerzeugung mit NaWaRo´s beitragen könnte, technologisch viel getan werden muss! Fast jede Gemeinde sucht händeringend nach Möglichkeiten die sogenannten Grünschnitt- und Garten- und Bioabfälle umwelt- und vorallem verbraucherverträglich in den Griff zu bekommen. Und es spricht sich auch langsam herum, dass es nicht sinnvoll ist, das ganze im Frühjahr und im Herbst individuell abfackeln zu lassen.
    Die Technologien zur Verwertung sind in der Entwicklung. Nur wollen die meisten Hersteller natürlich ersteinmal mit ihrem jetzigen knowhow Geld verdienen. Die Bauern denken dann auch eher wirtschaftlich, als Bodenerhaltend. (ist mein Eindruck)
    So sehr ich auch denke, dass diese Technologien ein Bestandteil unserer zukünftigen Energieversorgung sein wird, so sehr bin ich davon überzeugt, dass wir alle endlich anfangen müssen einzusehen, dass wir mit unserem heutigen energieverschwendenden Lebensstil nicht mehr weit kommen werden, ob mit oder ohne Biomassenutzung.


    Gruß
    Ralph
    der sich bewußt ist, was für Energie bei der Nutzung des Internets noch verschwendet wird, der aber mittlerweile auch mit Technik arbeitet, die ca. 1/8 dessen verbraucht, wie die vor fünf Jahren genutzte.

  • Also müßte die Forderung nicht nach Alternativen im Biomasseanbau lauten, sondern nach Alternativen im Konsumverhalten des "Konsumenten", des Verbrauchers?


    Ob Grünschnitt nun individuell zweimal im Jahr oder ganzjährig zentral abgefackelt wird (im großen Stil!) - beide Varianten tragen zur Zerstörung von Humus bei, denn Grünschnitt ist dazu gedacht, im Boden langsam abgebaut zu werden. Und nicht dazu gedacht, verfeuert zu werden.


    Wo soll denn die Nahrung für die nachwachsenden Rohstoffe herkommen?


    Die ganze Idee der Biomasse ist schlichtweg verrückt, denn sie wird mehr Probleme verursachen als die bisherige Nutzung von Öl und Kohle. Denn wenn hier Kreisläufe aufgebrochen und "zur Strecke" gebracht werden, als Einwegstraße, dann ist doch kristallklar, dass ein schnelles Aufbrauchen dieser Ressource die Folge sein wird.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Die eigentliche Idee bei der Biogaserzeugung war ja auch nie, Lebensmittel, Grünzeug o.ä. zu vergären, sondern Pflanzenreste, Bioabfälle, Mist und Gülle.
    Also den "letzten Rest" noch rauszuholen.
    Aber wie immer, wenn der Staat mit Subventionen eingreift, finden sich Lücken, die sofort ausgenutzt werden.


    cu

  • Moin Imkers,
    gestern kam ein Bericht im TV. Vattenfall fördert in Brandenburg den Anbau von "Pappelfeldern", die Stockausschläge sollen im Turnus von 3 Jahren dann regelmäßig "abgemäht" werden. Noch sind es wenige Hektar, Vattenfall will aber
    mehrere 10 000 Hektar pflanzen. Das Häckselgut soll dann im Kraftwerk verbrannt werden.
    Die Sache ist "besonders ökologisch weil CO²neutral", mag ja sein, und was ist mit der Ackerfläche und der Monokultur? Dazu wurde nichts gesagt.


    schön Tach
    Bernd

    "Wenn Neider, Hasser dich umringen, dann denk an Götz von Berlichingen."

  • ...sondern Pflanzenreste, Bioabfälle, Mist und Gülle.
    Also den "letzten Rest" noch rauszuholen.


     
    Die Unterscheidung Nahrungsflanzen oder Pflanzenreste macht zwar einen menschlich-sozialen Unterschied - für den Boden ist das letztlich aber egal, welche organischen Materialien ihm als Nahrung entzogen werden.


    Wir haben in der Nähe eine neue Grünschnittverbrennungsanlage. Die Stadt ist seither viel fleißiger geworden mit dem Schneiden der Hecken, der Wegränder und der Grünflächen. Und die Gegend wird immer kahler, der Boden immer entlebter.


    Nochmal, wovon sollen sich denn der Boden ernähren, wenn alles organische Material vergast wird?


    Im Boden leben pro Hektar etwa 10 Tonnen Lebewesen! Das entspricht dem Gewicht von 100 Schlachtschweinen. Die wollen gefüttert werden - oder sie rächen sich, indem sie Bakterien, Viren, Parasiten und Destruenten schicken, um die überirdische organische Masse in den Boden zu ziehen.


    Wehe, wenn der Boden hungrig ist!


    Bernhard

  • ...Wehe, wenn der Boden hungrig ist!


    ...


     
    Schon mitbekommen, dass es genau darum geht? Das Stickstoffsammler in den Fruchtwechsel wieder mit eingebut werden sollen, dass Gärreste auch nicht völlig Nährstofffrei sind?


    Zitat

    ...Nochmal, wovon sollen sich denn der Boden ernähren, wenn alles organische Material vergast wird? ...


    Sorry Bernhard, aber das ist genau die Damagogie, die Du den AgroChemiefirmen immer vorwirfst! Sonst bist Du doch auch hin und wieder Realist? Oder?


    rst

  • jetzt lasst mal die Kirche im Dorf!
    Grundsätzlich ist die Nutzung von Biomasse als Beitrag zur Stillung des enormen Energiehungers unserer Gesellschaft ein guter Weg.


    Es muss natürlich alles mit Maß und Ziel verfolgt werden. Mais als ausschließlichen oder vorrangigen Grundstoff zu nehmen ist nicht sonderlich Sinnvoll. Ebensowenig gut ist natürlich eine Abholzung oder Ausräumung der Landschaft.


    Diese findet aber auch nicht statt, zumindest nicht durch Kommunale Betriebe.
    Ein größerere Eifer der Stadtverwaltungen beim Heckenschneiden oder beim Abmähen von Wegrändern kann kaum mehr als ein subjektiver Eindruck, der sicherlich einer Überprüfung nicht standhalten wird.
    Die Kommunen fahren landauf landab aus Kostengründen die Personalstärke bei den Stadtgärtnereien und Bauhöfen oft über das vertretbare hinaus zurück. Ungepflegte und verwilderte Grünflächen sind weit häufiger als zu häufig gemähte und geschnittene.


    Monokulturen jeder Art schaden unserer Umwelt. Kohle statt Biomasse kann aber auch nicht die Lösung des Problems sein.


    Auch die Imkerschaft sollte sich überlegen was sie will!


    Zu hunderten pilgern wir zu den Raps-Monokulturen, da regt sich eigenartigerweise kaum Kritik.
    Der Mais, ebenfalls fast ausschließlich als Biomasse angebaut, wird aber als das Böse schlechhin gegeißelt.
    Beides ist ökologisch betrachtet gleich schlecht.
    Eine sinnvolle Fruchtfolge und ein Naturverträglicher Anbau ist bei der Biomasseerzeugung wie bei jeder anderen Form der Landwirtschaft auch ein Gebot der Vernunft. Dafür gilt es sich einzusetzen, alles andere ist weder Erfolgversprechend noch ökologisch oder ökonomisch sinnvoll.

  • Vor 2 oder 3 Wochen hat mir mein Vater einen Artikel aus der Landpost gezeigt:
    Versuchsweiser Anbau von Wildkräutern für die Produktion von Biogas.
    Die Gasausbeute ist eindeutig schlechter, aber dem stehen mehrere Vorteile gegenüber:

    • mehrjähriger Anbau und somit weniger Bodenbearbeitung spart Zeit, Saatgut und Sprit
    • weniger Bedarf nach Düngemitteln und PSM
    • ganzjährige Grasnarbe und damit weniger Erosion
    • Bodenverbesserung (Durchwurzelung und Anbau von Stickstoff-grabbern)


    Und für Imker wäre das ein Traum.:wink:


    Wenn ich mich recht erinnere sollen nächstes Jahr in Bayern und Hessen(?) größere Praxistests starten...

    Mit freundlichen Grüßen -- Traugott Streicher

  • Schon mitbekommen, dass es genau darum geht? Das Stickstoffsammler in den Fruchtwechsel wieder mit eingebut werden sollen, dass Gärreste auch nicht völlig Nährstofffrei sind?


    Du kannst Dir sicher sein, dass ich das mitbekommen habe und dass ich die Unterschiede ausführlichst kenne. :p_flower01:


    Deswegen meine Einwände.


    Alles was durch eine Biogasanlage gegangen ist, ist wertlos für den Boden.


    Der Unterschied liegt im anaeroben und aeroben Abbau, sowie die entsprechenden Stoffwechselprodukten. Da liegen Welten zwischen. Der eine Teil der Biogasanlagenprodukte findet sich in der Atmossphäre wieder und der andere Teil verschmutzt über das Grundwasser die Meere. Denn der Boden kann solche Stoffe nicht verwerten.


    Der Boden bleibt hungrig.


    Über Alternativen bezüglich Biomasse hat sich auch Herr Braun Gedanken gemacht:
    www.nachhaltige-landnutzung.de/dateien/hof_braun.pdf


    Viele Grüße
    Bernhard