Totale Bauerneuerung, Vorgehensweise

  • Ich möchte an dieser Stelle meine Erfahrungen mit der totalen Brutentnahme aufzeigen, wäre interessant, wenn sich Andere auch anschließen, da es für Anfänger auf den ersten Blick recht kompliziert erscheinen mag, wenn man es aber verstanden hat, nicht mehr viel dahinter steckt.

    Ich habe am 15 Juli bei einem Volk begonnen, das richtig viel Honig in den Honigräumen hatte, aber bei einer Durchsicht keine Kö und auch keine frische Brut mehr vorhanden war.

    Zu diesem Zeitpunkt war bei mir noch Tracht, was mir wichtig erschien, da so Räuberei erst gar nicht aufkommt und außerdem noch genügend Zeit bleibt, um die neuen Waben zu bauen und Winterbienen zu erbrüten.

    - Ein Volk, das ich seit 3 Jahren auf Mittelwänden gehalten hab
    - Ganze Beute einrauchen, damit sich die Bienen vollsaugen
    - Ich habe alle Honigräume abgenommen und zur Seite gestellt
    - Bruträume (2 Zander) ebenfalls
    - Boden am alten Platz gelassen, etwas Futterteig mit Papier lose abgedeckt
    - Leere Kiste auf alten Boden
    - Alle Bienen aus den Honigräumen hinein gefegt
    - Honigrämchen auf andere Völker verteilt, da ich deswegen noch nicht schleudern wollte.
    - Bienen von allen Brutwaben bis auf 4 ebenfalls in die leere Kiste
    - Kö dazu, im Käfig
    - Deckel drauf und über Nacht so belassen, die Bienen finden sich zu einer Traube zusammen und so soll angeblich der Bautrieb wieder geweckt werden (hab ich auch nur gelesen).
    - Am nächsten Tag hab ich die Traube in die Kiste gestaucht und sofort eine neue Kiste mit Leerähmchen mit Anfangstreifen (diesmal Zander 1,5) aufgesetzt, Kö im Käfig zum ausfressen oben mit rein gehängt.
    - Wieder Deckel drauf und sofort von oben mit Zuckerwasser 1:1 gefüttert, obwohl Tracht war, ich wollte auf Nr. sicher gehen.
    - Am nächsten Tag die obere Kiste abnehmen, zur Seite Stellen und die untere leere Kiste weg geben. Die Kiste mit den Leerrähmchen auf den Boden.

    Nach 4 Tagen hab ich das erste Mal nachgesehen, eigentlich recht früh, aber ich hab beim Naturbau schon erlebt, das die Waben im oberen Bereich so dick ausgebaut wurden, das die Rähmchen nicht mehr gezogen werden konnten.
    War aber in diesem Fall alles O.K, 4 Waben waren fast fertig, weitere 3 waren zur Hälfte ausgebaut. Stifte vorhanden.

    Dieses Volk hab ich einmal mit Milchsäure besprüht, das wars.


    Brutscheune:
    Die Brutwaben, die ich entnommen habe, habe ich einfach hinter den Beuten wieder so aufgestellt, als ob es ein richtiges Volk wäre.
    Ich habe darauf geachtet, das außen Pollen und Futterwaben waren, dann verdeckelte Brut und in der Mitte offene.
    Die Bienen von den 4 Waben, die ich belassen habe, sollten die Brut versorgen.

    Bei dieser Scheune hab ich sofort mit Milchsäure besprüht und das ein Mal die Woche wiederholt.
    Nach 9 Tagen hab ich alle Nachschaffungszellen gebrochen, da ich keine Lust hatte, in dem Gewusel nach einer ungezeichneten Kö zu suchen.

  • Nach diesem Erfolg war klar, das ich mehrere Völker so erneuern wollte.
    Also am 19. Juli bei meinen beiden Trogbeuten, die ich noch aus meiner Anfangszeit habe, die ich aber behalten möchte.
    Ebenfalls beides Mittelwandvölker.


    Da ich hier nicht mit dem Aufsetzen der Kisten arbeiten und auch nicht alle Honigwaben aufteilen konnte, musste es anders gehen.


    - Ich habe alle Honigräume zu Seite gestellt
    - Alle Brutwaben raus und in normalen Magazinen an der Seite geparkt
    - Rähmchen bei einer Beute mit MW, bei der Anderen mit Anfangstreifen eingehängt, ich war etwas unsicher, ob MW so funktionieren würden, da die Bienen sich ja nicht zur Traube finden können.
    - In der Mitte ein Rähmchen mit großteils offener Brut und möglichst keine Verdeckelte
    - Alle Bienen der Brutwaben bis auf 4 in die leere Trogbeute gefegt
    - Neue Kö einfach dazu, weil ich nicht mit dem Käfig rum machen wollte
    - Absperrgitter drauf
    - Honigräume wieder drauf
    - Auch hier nach 4 Tagen kontrolliert, alles in bester Ordnung. Inzwischen wollte ich abschleudern, obwohl immer noch Tracht war und hab dann mit Füttern begonnen.
    - Nach weiteren 5 Tagen dieses eine Bruträhmchen, inzwischen verdeckelt, raus und durch ein Leerähmchen bzw. Mw ersetzt.
    - Verdeckelte Rahmen in Tiefkühltruhe, dann in Wachsschmelzer


    Brutscheune:
    Behandlung wie oben. Nur hab ich diesmal nach dem brechen der Zellen (diesmal nach 12 Tagen) eine kleine Wabe mit offener Brut aus einem Apidea Kästchen zugehängt, um ihnen das Gefühl zu geben, nicht hoffnungslos Weisellos zu sein.
    Ich hatte Angst, das sie mir drohenbrütig werden, keine Ahnung ob dieses Vorgehen was bringt, mich hat es beruhigt.
    Diese Nachschaffungszellen hab ich dann erst mit dem auflösen der Scheune entnommen.


    Nachdem ich gesehen habe, das das Ganze gut funktioniert, hab ich noch 2 weitere meiner 9 Trachtvölker so behandelt und auf Naturbau umgestellt. Diesmal auch ohne das hängen lassen in der Leerzarge.




    Aus der ersten Brutscheune hab ich einen Kunstschwarm auf 1,5 Zander gemacht, kamen fast 4 Kg Bienen zusammen, diesen auch auf Naturbau. Der ist noch nicht ganz fertig, schaut aber sehr gut aus.
    Mit der 2. hab ich auch einen Kunstschwarm gemacht, allerdings auf MW, da ich Angst hatte, das es schon zu spät für Naturbau ist. Auch der ist sehr gut unterwegs.


    Mit den Restlichen Bienen aus der 3. Partie, hab ich die anderen Völker verstärkt.



    Ob mein Vorgehen richtig war oder nicht, kann ich nicht sagen, auf jeden Fall sind alle Völker, ohne Ausnahme so stark, als ob nie etwas gewesen wäre.
    Und was mir noch wichtiger ist, alle Völker, die ich von MW auf Naturbau umgestellt habe, haben einwandfreien Wabenbau errichtet, es sind für meinen Geschmack recht wenig große Zellen vorhanden, überwiegend Arbeiterbau.
    Zum großen Teil sind sie bereits fertig mit Bauen oder haben nur noch Reste fertig zu stellen, und das bei Zander 1,5 auf 11 Rahmen.


    Auch das eine Trogbeutenvolk, das ich auf Mw gesetzt habe, hat bereits 15 Rähmchen ausgebaut und auf 3 Rähmchen schon verdeckeltes Futter.


    Alle erneuerten Völker haben Brut in Hülle und Fülle.


    Ich hab in den Brutscheunen übrigens keine Verkrüppelten oder Flugunfähigen Bienen gehabt.

  • Hallo,


    das hört sich ja sehr gut an und dein Vorgehen ist auch gut beschrieben. Ich werde dieses Verfahren im nächsten Jahr bei einem Volk auch mal ausprobieren, allerdings mit einer Fangwabe. Kannst du mir erklären, wieso du diese Fangwabe für Varoamilben beim ersten mal weggelassen hast und beim zweiten mal gemacht hast? Kannst du unterschiede zwischen den Völkern in der Anzahl der toten Milben erkennen? Desweiteren interresiert es mich, wie es mit der Einwinterungsstärke aussieht. Die Bienen haben sich doch jetzt nochmal ganz schön abgearbeitet, erkennt man das nicht an der Einwinterungsstärke? Wäre über Antworten dankbar!


    Gruß
    Thomas

  • Hallo Thomas,


    beim ersten mal hab ich einfach keine offene Brut mehr gehabt, da ich einige Zeit nicht nachgesehen hatte und so nicht bemerkt hab, das keine Kö da ist.


    Von der Einwinterungsstärke könnte ich (bis jetzt) nichts sagen. Sind so zimlich alle Wabengassen besetzt.
    Warum auch nicht, es werden so gut wie alle Bienen zum Ausbauen nur eines Brutraumes verwendet, die ursprünglich auf mindestens 3 Räumen saßen.


    Milbenzählen mach ich nicht, schon gar nicht um diese Jahreszeit, mir ist das zu aufwändig und zu wenig aussagekräftig, da ich Ameisen habe.


    In der kalten Jahreszeit, wenn die Ameisen weniger werden schau ich schon auf die Windel, aber nicht wegen der Milben.

  • Günther, vielen Dank, hast alles super beschrieben. :daumen::daumen:


    Ein spontaner Gedanke: wirkt sich der Brutknick irgendwie aus? Vielleicht meinte das in etwa auch Thomas Linux bezüglich Winterbienen? Soweit ich mich erinnere sollte lt. Dr. Büchler / Kirchhain der Termin 2 Wochen vor Trachtende sein. Keine Ahnung wie er das weiss wann Trachtende ist, allein die Wetterprognose hinkt oft bereits mächtig für einen Tag ;-)


    Ich hab mir irgendwie den Termin Ende Juni / Anfang Juli eingeprägt, das ist auch noch rel. zeitnah zur Sommersonnwende, für mich ein gelernter Zeitpunkt für letzte Neuvolkbildung / Jungvolkbildung. Aber das hängt ja wohl auch von der Neuvolkstärke ab, bei einem 4 Kilo KS hätte ich überhaupt kein Bauchweh.


    Ja, ich denke wie du bezüglich Drohnenbrütigkeit, mit ner frischen Wabe zum Nachschaffen nimmt mann nicht die Hoffnung auf ne neue Chefin :-))) ... die Mädels bleiben quasi bes-chef-tigt :wink:


    Noch ein Gedanke:
    wem das mit der Fangwabe zu komplex ist (mir erstmal auch), der kann ja das brutfreie Volk sanfter Behandeln als mit AS: eben wie du mit Michsäure oder mit einem neuen Produkt auf Essigsäurebasis (ToBee , hat aber meines Wissens in D noch keine Zulassung, in A allerdings denk ich sogar für Bioimkerei ?!)


    Und um die Scheune auch sicher brutfrei zu bekommen wäre die zweite "Hoffnungswabe" denkbar, so hat das hier auch eine Imkerin beschrieben. Hab aber vergessen wer das wo und wie schrieb.


    Bienen-Lebensverkürzend wirkt sich die Brutpflege aus (wo hab ich das gelesen, ich werd alt:confused:), das könnte bedeuten, dass das entbrutete Volk den Knick zahlenmässig kaum merkt.


    Ausserem werden vermutlich Ammen flugs zu Flugbienen und können sich noch voll auf die Tracht konzentrieren, was der Imker natürlich nicht ablehnt :p:wink:


    Mir gefällt diese Behandlung zusehens besser:


    -weg von AS
    -problemlose Wabenhygiene
    -rel. einfache Völkervermehrung
    -rel. wirksame Varroabekämpfung


    einziger Nachteil der mir spontan einfällt: die Königin muss sicher gefunden werden.


    Könnte man die (zuvor über Flucht bienenleeren) HR gleich wieder aufsetzen, sofern man MW einsetzt und nur eine fangwabe setzt?
    Ansonsten ist ja die Gefahr, dass man in den Honig Milchsäuregeschmack bringt ?!


    Da fällt mir grade ein, dass ich irgendwo einen Vergleich las bezüglich Wirksamkeit Fangwabe, und die schnitt (alleine) nicht so gut ab. Müsste in einem der letzten Imkerfreunde gewesen sein?! ... das werd ich mal suchen.

  • Hallo


    ich war auf einem Vortrag von Dr. Büchler


    in Kurzform


    14 Tage vor Trachtende
    heißt vor geplantem Abschleudern
    weil dies der Zeitpunkt ist an dem sogar der Ertrag leicht steigt
    und keine Auswirkungen auf die Volksstärke hat.


    Königin muss man nur finden wenn an sie umweiseln will
    Alle Bienen aus dem Brutraum in die neue Beute und einige von über dem Absperrgitter zu den Brutwaben.


    Brutscheune mit AS behandeln, alles andere hatte im versuch keine guten Ergebnisse


    Gruß Uwe

  • ...Alle Bienen aus dem Brutraum in die neue Beute und einige von über dem Absperrgitter zu den Brutwaben....


     
    Moin Uwe!
    Also die Kö mit abstossen (wenn man sie nicht findet) und zu den Brutwaben / in die Scheune Bienen aus dem HR, sofern sie über Absperrgitter gesetzt waren.


    Habs gefunden: der Vergleich mit Diagramm findet sich im Imkerfreund (IF) 7 / 2010 auf Seite 8+9, das Verfahren wurde wohl 7 /2009 (S 10-12) im IF von Dr. Büchler vorgestellt.


    Kann man die HR sofort wieder auf das entbrutete Volk aufsetzen, sofern man als Behandlung nur die Fangwabe einsetzt?


    Und für die Sammelbrutableger gibts offensichtlich wieder keine wirkungsvolle Alternative zu AS. Zumindest geht das so aus dem Artikel hervor. Schade, dass keine Thymolpräparate wie Api Life Var oder Thymovar mitgetestet wurden, leider war auch MS und OS nicht ausreichend wirksam.

  • ich erlaube mir mal einige Artikel zum Thema (von arnd) hier reinzustellen:


    Quelle:
    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=22325&p=245380#post245380


    Wie ich vermute sind manche Artikel mit denen ausm IF identisch, hab die Links aber noch nicht durchgearbeitet, dachte aber das passt perfekt hier rein.

  • TBE & Naturbau mit 12er Dadant:


    1) HR runter
    2) Alte Beute zur Seite und neue Beute an den Platz, mit Rähmchen und Anfangsstreifen (5 Stk. drin, 5 Stk. zur Seite legen)
    5) Wabe mit offener Brut suchen, an die 6te Stelle hängen
    6) Königin suchen und auf die Wabe laufen lassen
    7) Alle Bienen von den alten Waben in die neue Beute schütteln (nicht 100%ig abschütteln) und die zur Seite gelegten 5 Waben mit Anfangsstreifen rein, Schied daneben.
    8) Honigräume wieder drauf
    9) Alte Beute einpacken und auf nen anderen Stand fahren, Bier aufmachen und chillen.
    10) Nach einer Woche die Fangwabe raus und in die Brutscheune, noch mal chillen.


    Zu Punkt 6:
    Muss man nicht, die können sich auch eine nachschaffen.


    Zu Punkt 7:
    Einfach nur die Waben nehmen und über der neuen Beute abschütteln - zwei mal schütteln - es sollen noch Bienen drauf bleiben. Die Bienen in der alten Beute - an der Wand und auf dem Boden - bleiben wo sie sind, die kommen mit zum neuen Platz, ich will mich ja nicht verkünsteln, kostet zu viel Zeit und ich will ja so schnell wie möglich mein Bier. =;o)


    Zu Punkt 9:
    Wenn das Volk ein Gutes war, dann einfach ne Queen nachziehen lassen. Kurz bevor die anfängt zu legen, ist das Volk kurz Brutfrei: Behandeln.
    Ist das Volk kein Gutes, einfach am dritten oder vierten Tag eine Königin im Käfig über Nacht in den Kasten hängen. Am nächsten Tag sind alle Nachschaffungszellen ausgefressen und die Brutscheune bleibt Weisellos.


    Zeitpunkt:
    Sommersonnenwende bis 2 Wochen vor Trachtende.
    Nach Trachtende sofort langsam füttern. Auffüttern erst im September, wenn die Waben etwas stabiler geworden sind.


    Wenn es ruhige Bienen sind, einfach mal den Schleier und die Handschuhe weglassen. Die sind so mit sich selbst beschäftigt, da jibbet keine Stiche.


    ... ist doch net schwer, oder?




    Grüße!
    Arnd

  • Warum nur AS in der Brutscheune wirkunsvoll sein soll, versteh ich nicht. Mit Milchsäure erwischt man jede Milbe, da ja keine neue Brut vorhanden ist.


     
    Ich verstehs auch nicht, aber so ist das Ergebnis der Studie von Dr. Büchler. Vielleicht weil in der Versuchsreihe SOFORT behandelt wurde und nur AS in die Brut wirkt ???


    ... und Arnd, danke für die Mutmache, ich brauch aber wohl das Bier vorher ;-))))) wegen Kreislauf und Dehydration am Stand und so ...


    bei meinem letzten KS (das war auch mein erster) krabbelte mir eine vom Rähmchen aufn linken Daumen, ich habs der schon angesehen dass die so böse guckte, und kaum hab ich fertiggedacht - PIEEEKS - genau oben ins letzte Daumengelenkt. Schade um die Biene ;-)

  • Hallo,


    Ich hätte gerne gewusst, ob es für die komplette Brutentnahme auch eine Methode gibt ohne Vermehrung der Völker?


    Denn wenn man das im Juli/August macht, dann hat man ja normalerweise seine Völker schon vermehrt..


    Nebenbei sei bemerkt: Ich benutze die Dadant Beute (Adam, 12-ver) und die mag Imker's Rücken nicht unendleich umstellen, zumal wenn die BR bebrütet und schön mit Futter-Reserven aufgefüllt sind.


    Eléonore

  • Genau wie Arnd sagt, verstärke die Völker die Du hast. Dazu die Bienen gut einräuchern, ihnen genug Zeit lassen sich mit Honig vollzusaugen und kehre dann die Bienen vor die Fluglöcher der zu verstärkenden. Am besten Abends, dann ziehen die lieber ein und fliegen nicht so schnell zurück.