Gesetz zum Schutz von Belöegstellen in SA geplant

  • Liebe Kollegen,
    man plant in Sachsen-Anhalt ein Gesetz zum Schutz von Belegstellen. Demnach soll ein behördlich festgelegter Radius von 7 bis 10 km um Belegstellen gelegt werden in dem nur Völker der jeweiligen Zuchtlinie der Belegstelle gehalten werden dürfen; der Amtstierarzt muß die Gesundheit der Völker bei Einbringung in diesen Radius bestätigen. Diese Sektoren werden nach Anhörung des Landsimkerverbandes eingerichtet, geändert oder aufgelöst.


    Finde ich ja ganz kurios aber womöglich ist das in anderen Bundesländern schon Standard?
    Bringt das denn was? Leider steht nicht im Gesetz drin daß die Imker in solchen Gebieten auch Anspruch auf Stellung entsprechender Weiseln haben...und was wenn ein Imker im Randgebiet steht und es da still umweiselt? Und wenn da ein Fremddrohn...


    Und was ist mit den ganzen "Wildimkern" ohne Vereinsbindung?


    Naja, ich frage mich ob man so wirklich funktionstüchtige Landesbelegstellen erzeugen und halten kann...


    Wie ist Eure Meinung dazu?


    Grüße
    Melanie

  • Ziemlich rigorous, das Ganze. Man könnte meinen, man wäre wieder zurück in den guten alten DDR-Zeiten. Das damalige Zucht-Verbot für Buckfastbienen hat übrigens auch nicht funktioniert. Aber in Dessau ist die Rassenfrage wohl noch sehr wichtig, jedenfalls scheinbar wichtiger als die individuellen Freiheiten. Bin mal gespannt, wer das alles kontrolliert, wer anderer Leute Beuten nach Bienen mit orangenen Ringen durchsucht, wer die Grundstücke in Abwesenheit des Besitzers betritt und mit welcher Handhabe. Und welche Strafen gibt es wohl für einen Bienenstock, der sich selbst umgeweiselt hat und wozu wird ein Schwarm bestraft.
    Ein Kollege, der sich eine eigene kleine inoffizielle Belegstelle aufbaut, hat das wesentlich besser gelöst. Er hat die umliegenden Imker überredet mitzumachen, und an die drumherum verschenkt er regelmäßig Königinnen. Und wer einmal eine Buckfast hatte, der will keine andere mehr :-).
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Was soll den daran kurios sein? Belegstellenköniginnen will fast jeder haben, aber die müssen ja auch irgenwo herkommen. Solche Schutzgebiete gibt es gerade in SH und Niedersachsen häufig auf Inseln. Das sind meiner msinung nach auch die sichersten, wobei gut geplante und geführte Landbelegstellen auch wunderbar funktionieren können.


    Das ist alles auch nur eine Ergänzung und ein Angebot an die Imkerschaft. Und, gleich vorab: Nein, ich bin auch der Meinung, dass Vielfalt wichtig ist. Und sehe gerade Belegstellen als wichtig für deren Erhalt an.


    Beim Umweiseln der Umgebungsvölker auf die jeweilige Zuchtlinie hat man im Übrigen das Problem, durch die benachbarten Völker ein Einwandern fremder Drohnen zu provozieren, wenn deren Flugradius dadurch unterschritten wird.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • bei uns in Bayern gibt es um jede anerkannte Belegstelle einen Schutzbereich mit
    RADIUS 7,5 km, auf Antrag auch erweiterbar auf 10 km.


    LWG-Bayern Belegstellen Vollzugsverordnung :Biene:


    und innerhalb dürfen keine anderen Zuchtrichtungen gehalten werden ...
    rund um unsere Belegstelle sind die Buckfast deshalb "verboten"


    habedieEhre JR

    Wer an den Dingen seiner Stadt keinen Anteil nimmt, ist kein stummer Bürger, sondern ein schlechter Bürger (Perikles, griechischer Staatsmann, -490 bis -429)


  • Und Dunkle oder Italiener sind im Schutzkreis erlaubt? Auch von der Linie der Belegstelle abweichende Carnicastämme?

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • uns wurde bei der letzten Ameisen-Oxal-Thymol-Perizin-Schau eingetrichtert, dass nur
    die Carnica-Linie zugelassen sei - was immer das heißt - nix mit Dunklen oder Italienern


    ich bin 15 km Luftlinie weg - also ich darf auch meine Südländer haben


    [INDENT]Belegstellencode - 2/23/3
    Belegstellenbetreiber - Züchtergruppe Bienenzuchtverein Plattling
    Schutzkreis - 7,5 km
    Zuchtrichtung - Carnica-Linie
    zuständiges Veteriäramt - Landratsamt Deggendorf
    [/INDENT]

    Wer an den Dingen seiner Stadt keinen Anteil nimmt, ist kein stummer Bürger, sondern ein schlechter Bürger (Perikles, griechischer Staatsmann, -490 bis -429)

  • Danke für die Hinweise - habe mir die bayerische Verordnung durchgelesen. Letztlich finde ich die schon hart da zumindest keine Obergrenze genannt wird - was also, wenn jeder Züchter eben "Reinzuchtgebiete" schaffen will? Und hier in Berlin würde es schon an den zahlreichen "Schwarzimkern" und "wilden Völkern" scheitern. Und welche Gebiete sind eigentlich nun keine "Wandergebiete"? Das ist doch fast jeder Landstrich?


    Ich würde mir zumindest eine Regelung wünschen, bei der die "zwangseingemeindeten" Imker nicht zum Kaufen teurer Königinnen gezwungen werden oder ist das eh Usus daß dann alle entsprechend versorgt werden?


    Gibt es Untersuchungen die belegen, daß solchermaßen gesicherte Landbelegstellen die gleiche Qualität aufweisen wie die mit geographischen Hindernissen wie Inseln, Berge usw.?


    Grüße
    Melanie

  • Upsi,
    dann T`schuldigung an alle Ossis, die Wessis scheinen es genauso zu machen. Asche auf mein Haupt, dumm gebabbelt iss schnell, sorry.
    Aber nur mal so nebenbei, wenn mir einer vorschreiben würde, welche Königinnen ich zum absolut überteuerten Preis bei eben dieser Belegstelle kaufen muss, wenn einer meine Bienen nach Abstammung überprüfen wollte, sollte ich einen erwischen, der sich unaufgefordert meinen Bienen nähert, oder wollte er eine nachgewiesene Abstammungsurkunde von mir haben, phööööö
    Viele Grüße
    Wolfgang, der austickt, wenn ihm jemand unsinnige Vorschriften macht

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Ich bin jedenfalls froh, in der Nähe eine Belegstelle zu haben. Hier im Raum Dessau geht es mit dieser Belegstelle um Varoa-Tolleranz. Ob das nun eine Zukunft hat oder nicht, wurde hier schon ausführlich diskutiert. Aber es macht trotzdem Sinn. Diese Stämme sind auch friedlich und fleißig. Es war dieses Jahr nun das erste für diese Belegstelle und ich hoffe, dass es noch viele erfolgreiche Jahre geben wird.

  • Ich würde mir zumindest eine Regelung wünschen, bei der die "zwangseingemeindeten" Imker nicht zum Kaufen teurer Königinnen gezwungen werden oder ist das eh Usus daß dann alle entsprechend versorgt werden?


    Nein, das ist es eher nicht. Ich kann nur für die Inseln sprechen. Von diesen müssen Imker im Zweifelsfall während der Zuchtsaison sogar abwandern. Mit Entschädigung, soweit ich weiss.


    Gibt es Untersuchungen die belegen, daß solchermaßen gesicherte Landbelegstellen die gleiche Qualität aufweisen wie die mit geographischen Hindernissen wie Inseln, Berge usw.?


    Ja. Zumindest zur Sicherheit von Inselbelegstellen; etwa hier: http://www.bienenzucht.de/unte…%20paarungssicherheit.htm

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Hallo Miteinander,
    so wie ich das aus einigen Berichten und persönlichen Aussagen beurteilen kann,
    gibt es kaum sichere Belegstellen.
    Ein Züchter aus der Gegend hier berichtete mir, das einer nach der Abwanderung der Belegstellenvölker einer Inselbelegstelle mal Ableger mitunbegatteten Königinnen aufstellte, und diese begattet wurden.
    Nach Golz verhinderte die Unzuverlässigkeit der Landbelegstellen Inzuchtanzeichen bei der Carnica.
    Wie kurios die Schutzvorschriften manchmal sind, hat sich vor zwanzig Jahren gezeigt, als festgestellt wurde, das sich am Torfhaus und am Brocken zwei Belegstellen in unmittelbarer Nachbarschaft befanden; in unterschiedlichen Staaten...
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Miteinander,
    so wie ich das aus einigen Berichten und persönlichen Aussagen beurteilen kann,
    gibt es kaum sichere Belegstellen.


    Da ist sicher einiges unklar. Und für komplett sicher halte ich Belegstellen auch nicht. Wobei es ja "DIE" Belegstelle nicht gibt, sondern alle versuchen, ein Grundprinzip zu verfolgen und die Reinpaarungswahrscheinlichkeit zu erhöhen. Dazu gibt es sicher nichts besseres; instrumentelle Besamung will ich meinen Königinnen nicht antun.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Hallo Melanie !


    Liebe Kollegen,
    man plant in Sachsen-Anhalt ein Gesetz zum Schutz von Belegstellen. Demnach soll ein behördlich festgelegter Radius von 7 bis 10 km um Belegstellen gelegt werden in dem nur Völker der jeweiligen Zuchtlinie der Belegstelle gehalten werden dürfen; der Amtstierarzt muß die Gesundheit der Völker bei Einbringung in diesen Radius bestätigen. Diese Sektoren werden nach Anhörung des Landsimkerverbandes eingerichtet, geändert oder aufgelöst.


    Hier kannst Du sehen wie es bei uns in Hessen ist:


    - Hessische Belegstellenverordnung
    - LHI anerkannte Belegstellen (eine gesetzlich geschützt)



    Und was ist mit den ganzen "Wildimkern" ohne Vereinsbindung?


    Was immer damit ist !
    ... in unserer Gemeinde schätze ich Diese auf 25% ...



    Naja, ich frage mich ob man so wirklich funktionstüchtige Landesbelegstellen erzeugen und halten kann...


    In 10km Radius zu unserer anerkannten Vereins-Belegstelle gibt es zwei anerkannte Rein- bzw. Vermehrungszüchter, diese halten bei Ihren Drohnenvölkern Schwestern der auf der Belegstelle stehenden Drohnenvölker.


    Eine 100%ige Sicherheit gibt es nicht (Ihr habt alle den Bericht "Einschränkung durch Zucht ?" von Job van Praagh in DBJ 1/2010 noch vor Augen), wie vielfältig die Bienen eines Volks sind.



    Grüße
    Melanie


     
    Gruß
    Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Ginge es bei der Belegstelle nur um Varroatoleranz, könnte man ebensolche Buckfastlienen - so es sie denn gibt - ebenfalls mit in das Programm aufnehmen und eine Belegstelle für die Zucht varroresistenter Bienen führen. Es geht ja angeblich um die Varroresistenz oder doch wieder nur um den Hype um die Bienenrasse einiger Rassefetischisten?


    Ansonsten würde ich mich bemühen, meine hauseigene "Belegstelle" am Verteidigungsministerium auch zur Belegstelle erklären zu lassen, schließlich will ich Buckfast halten, vermehren und auch züchten.


    Den meisten Imkern ist es sowas von egal, auf welchen Namen ihre Biene hört. Hauptsache, die Bienen sind gesund, stechen nicht allzuviel, bringen eine gute Honigernte und lassen sich passabel führen.


    Gruß, Klaus