Lavendel bzw. Lavendelöl vorbeugend gegen Bienen-Krankheiten?

  • Liebe Bienenfreunde,


    ich habe nun schon das zweite Mal aus Ungarn gehört, dass dort Lavendel vorbeugend unter den offenen Boden gelegt werden bzw. Lavendelöl gegen Krankheiten und Milben verwendet wird.


    Hat da jemand Erfahrungen, ist das ernst zu nehmen?


    Gruß,


    Summ!

  • Nein, ist es nicht. Vermutlich wird auch mal jemand im ungarischen Imkerforum omme.hu schreiben, er habe nun schon fünf Beiträge gelesen, in denen es heißt, daß der Brottrunk gegen Milben helfen würde und in Ungarn die Imker fragen, ob sie was dazu sagen könnten. Im schottischen Imkerforum könnte mla jemand auf die Idee kommen, er hätte bei einem Urlaub in Deutschland einen Imker getroffen, der Magnete vergräbt und ob jemand in UK damit Erfahrung hat.


    Nur weil man irgendwo irgendwas hört..


    Gruß, Klaus

  • Also, lieber Klaus, vergrabene Magnete und Lavendelblüten bzw. Lavendelöl sind doch zwei unterschiedliche Themen. Worauf begründest Du Deine selbstsichere Aussage? Kennst Du wissenschaftliche Untersuchungen, hast Du konkrete Versuche unternommen oder das auch nur gehört oder in einem Forum gelesen?


    Gruß,


    Summ!

  • Hallo


    Lavendel soll eine vertereibende wirkung auf Schadinsekten haben. Aber ob es den Bienen was bringt weis ich nicht,haber aber das hier mal gefunden:


    http://books.google.de/books?id=y4plAAAAMAAJ&pg=PA468&lpg=PA468&dq=Bienenpflege+Lavendel&source=bl&ots=JpfWaLAJNl&sig=RUW-sUATKRrM_YscWQqsTcSOtmw&hl=de&ei=jV1lTJu8IML78AbKuuTQCA&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CBoQ6AEwAA#v=onepage&q&f=false


    Ist zwar schwer zu lesen aber Interessant find ich.


    Gruss
    Markus

    "Willst du Gottes Wunder seh'n, musst Du zu den Bienen geh'n."

  • Ganz einfach, Lavendelöl hat nichts im Bienenvolk zu suchen. Was ins Bienenvolk zu Behandlung von Krankheiten eingebracht werden kann, ist klar definiert und Lavendelöl gehört nicht dazu. Ätherische Öle landen auch im Honig wie z.B. bei falscher Thymolanwendung.


    Ein vitales Bienenvolk unterstützt man am besten mit einfachen hygienischen Maßnahmen.


    Dazu gehören regelmäßige Bauerneuerung, eine Desinfektion mit der Flamme oder gegebenenfalls Natronlauge und eine gute Versorgung mit Pollen und Nektar. Das Bienenvolk hat Selbstheilungskräfte, wozu man auch den Putztrieb zählen kann, der dafür sorgt, daß totes und/oder geschädigte Bestandteile des Bienenvolkes möglichst schnell entsorgt werden.


    Insofern gehört das Einbringen von Lavendelöl in die Kategorie Heilsteine, kosmische Strahlung, Magnete und ähnlicher Wunderheilmittel.


    In Österreich lief noch letztes Jahr ein Wahnsinnsgeschäft mit Aufklebern, die man auf die Front der Bienenkästen kleben mußte, damit die Varroa draußen blieb. Das hat sogar geklappt, insofern als nach einer gewissen Zeit des "Wirkens" die Bienenkästen keine Bienen mehr enthielten und wo keine Bienen mehr, da auch keine Varroa...


    Ganze Vereine haben sich daran beteiligt, während der Österreichischen Berufsimkertage hat der Carnicazüchter Chr. Wurm während seines Referates zum Thema "Kleines Zellmaß" darüber berichtet, teilweise unter großer Erheiterung der Zuhörer. Abends an den Stammtischen hat man sich dann amüsiert über diese Imker, die noch so großen Blödsinn ausprobieren müssen. Die Bienen haben es ausbaden müssen.


    Gruß, Klaus

  • die Bienenkästen keine Bienen mehr enthielten und wo keine Bienen mehr, da auch keine Varroa...
    Gruß, Klaus


    ... ja das kennen wir ja von Deiner "Imkerei", und dann verkaufst Du Kunstschwärme aus Italien, wo Lavendel und ähnliches zur natürlichen Flora gehört!!
    LG IMME


  • Ganze Vereine haben sich daran beteiligt, während der Österreichischen Berufsimkertage hat der Carnicazüchter Chr. Wurm während seines Referates zum Thema "Kleines Zellmaß" darüber berichtet, teilweise unter großer Erheiterung der Zuhörer. Abends an den Stammtischen hat man sich dann amüsiert über diese Imker, die noch so großen Blödsinn ausprobieren müssen. Die Bienen haben es ausbaden müssen.
    Gruß, Klaus


    Vermutlich stand auf den Aufklebern: Für Varroa Eintritt verboten ;-) Dumme Menschen gibt es nicht nur in Österreich, sondern auf der ganzen Welt. Die ungarischen Imker, die Lavendelöl verwenden, verwenden selbstverständlich auch Ameisensäure. Wenn ich heute Antibiotika gegen meine Seitenstrangangina nehme, heisst das noch lange nicht, dass ich deshalb auf Kräutertees verzichte.


    Klaus, Du bist mir leider die Erklärung schuldig geblieben, warum keine Lavendel oder ätherischen Öle verwendet werden sollen. Du hast Deine Meinung kundgegeben, deren Stichhaltigkeit ich zumindest anzweifle. Die Verwendung von Lavendelöl oder ätherischen Ölen mit kosmischer Strahlung oder mit Magneten gleichzusetzen, ist Deinerseits nicht ganz durchdacht ;-) Die Untersuchungen der Schweizerischen Eidgenossenschaft scheinen mir hingegen seriös zu sein: "25 von 55 getesteten Substanzen führen zu einer hohen Milbensterblichkeit"....


    Jedenfalls denke ich, dass da was dran ist. Und Lavendelblüten in den Bienenstock zu legen, kann noch keiner Biene geschadet haben.

  • Bei vielen Versuchen wird allerdings untersucht, inwiefern die ätherischen Öle eine direkte toxische Wirkung auf die Varroen haben.


    Die Wirkung einiger ätherischen Öle ist jedoch eine andere: Das Vorhandensein von ätherischen Ölen zur Fütterung der Bienenbrut hat zur Folge, dass die Eibildung bei den Varroenweibchen gehemmt wird. Sie brauchen länger und sie produzieren weniger Milbeneier. Auch die Milbenjungen, wenn sie sich von Bienenlarven ernähren, die mit ätherischen Ölen angereicherter Nahrung gefüttert wurden, entwickeln sich langsamer.


    Die Folge daraus ist, dass diese Suppression nicht zu spontanem Milbenabfall führt, wie es die letal-toxischen Gifte tun (Säuren, Perizin, etc.), sondern nur die Milbenpopulation niedrig gehalten wird.


    Eine einmalige im Jahr erfolgende Behandlung ist da sicher nicht (!) erfolgreich. Wenn dieses Wirkprinzip berücksichtigt wird, dann ist die logische Konsequenz, dass das ganze Jahr über diese ätherischen Öle in der Bienennahrung vorhanden sein müssen. Denn wenn die Population der Milben einmal aus dem Ruder läuft, ist da mit der Unterdrückung der Eibildung nicht mehr viel zu retten.


    Die Universität West Virginia hat das untersucht. Siehe: http://www.wvu.edu/~agexten/varroa.htm


    Die ätherischen Öle sollten eigentlich ganz natürlich Bestandteil der Bienennahrung sein.


    Die abnehmende Vielfalt der Blütenpflanzen, sowie die Abnahme des Bodenlebens, trägt wohl dazu bei, dass Pollen und Nektar vielleicht noch mengenmäßig zur Verfügung stehen, doch kaum noch qualitativ.


    Das Abnehmen des Bodenlebens in durchschnittlichen Zahlen:


    Anteil der Lebendmasse an der Gesamtmasse Ackerboden/Forstboden: 0,1 %. Im Humusboden sind das 20 %.
    Abweichung: 19,9 %. Insbesondere interessant, weil es das Bodenleben ist, dass die Nährstoffe für die Pflanzen aufbereitet.


    Restliche organische Substanz. Im Ackerboden machen diese 6 % aus. Im Humusboden sind es 65 % Anteil!


    Mineralische Substanz. Im Ackerboden sind es 94 %. Zum Vergleich macht die mineralische Substanz im Humusboden lediglich 15 % aus!


    Das Luftporenvolumen beträgt im Ackerboden 10%, während es im Humusboden 50 % ausmacht.


    Die Differenzen zwischen einem fruchtbaren Boden und dem Istzustand der heutigen Äcker und Forsten zeigt eindeutig, dass die Böden vollkommen entlebt sind.
    Das schlägt sich durch zu allen überirdisch lebenden Wesen, sei es Pflanze, Tier oder Bien.


    Ich bin der Überzeugung, dass ein einziges künstliches in den Stock ätherisches Öl auf Dauer da nicht viel weiter hilft. Vielmehr ist es die Mischung, die von Jahr zu Jahr wechselt, welche für die Unterstützung des Bienenimmunsystems so notwendig ist. Diese Öle und Fettsäuren sind ja auch Bestandteile des Propolis, welches ebenfalls nur so wirksam ist, weil die Mischung uneinheitlich jedes Jahr wechselt. Gegen Propolis können deshalb keine Resistenzen entstehen.


    In ähnlicher Weise verhält es sich mit der gesamten Nahrungsversorgung der Bienen.


    Die Probleme der Bienen haben ihren Ursprung im Zustand der heutigen Böden.


    Dies wird der Weisheit letzter Schluß sein. Es lohnt sich, diese Zusammenhänge zu untersuchen und zu beobachten.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Hallo Bernhard ,


    Deine Gedanken zu diesem Thema sind ohne Zweifel richtig und zeigen auch zum Teil das Dilemma auf welches über Jahrzehnte unsere Natur kennzeichnet .
    An dieser Stelle könnte man die Polemik natürlich ohne Ende fortsetzen .
    Nur , um auf einen deiner letzten Sätze zu kommen , " die Probleme der Bienen haben ihren Ursprung imZustand der heutigen Böden " ist natürlich viel zu tief gegriffen. --- Sie haben eindeutig ihren Ursprung in der umfassenden Vergewaltigung der Natur .---
    Warum , Weshalb und Weswegen sind Themen über die sich jeder Kommentar erübrigt .
    Wenn ich über diese Dinge nachdenke tun mir nur die nach uns kommen leid . Nur , was haben die verbrochen das sie es in , man kann ja jetzt schon bald sagen , absehbarer Zeit , nicht mehr erleben werden, das über Blüten Bienen summen !!!
    Und da helfen auch keine Appelle und sonstwelche Aktionen : wie Wir es gern hätten und wie es die Vernunft gebietet steht den Interessen derjenigen die das Sagen und die Macht haben nun mal entgegen . Dafür gibt es bekanntlich unzählige Beispiele , jeden Tag .
    Sie wissen das " Sie " sich den Ast absägen auf dem " Sie " sitzen : "Sie " tun es trotzdem . Ob gern oder weniger gern, ist letzten endes auch egal .
    So sind leider die Aussichten .


    Gruß hannes


  • Klaus, Du bist mir leider die Erklärung schuldig geblieben, warum keine Lavendel oder ätherischen Öle verwendet werden sollen.


     
    ... ich werde der 'Vor'letzte sein der für Klaus sprechen würde. Das kann er trefflich selbst gut genug. Aber summ@, Klaus hat klar und deutlich seinen Standpunkt geschrieben. Da vertritt er die gesetzlich geregelte Vorgabe. Darüber könnte man streiten ob das richtig oder falsch ist.
    Ich halte auch nichts von ätherichen Ölen oder irgend einem Grünzeug in/an der Beute. Da gehört es meiner Ansicht nicht hin. Und wenn ich hier im Forum lese, das Nelkenöl auf einem Tuch oder mit Wasser als Bienenverteibungsmittel in/auf den Brutraum gegeben wird, da frag ich mich, was denn noch alles in die Beuten reingegeben werden soll. Ich kann da nur den Kopf schütteln. Mit der Reinhaltung eines Honigs von Fremdstoffen, hat da nichts zu tun. Aber auch rein gar nichts.


    Wenn die Annahme das Lavendelöl helfen sollte stimmen würde, dann hätten die Imker die in die Lavendelfeldern wandern in F, I, Sp oder anderswo eine unermeßlichen Vorteil. Doch davon habe ich von keinem Wanderimker (200-500 Völker) jemals etwas gehört. Ich halte die ganze Sache, ebenso wie die Magnetplättchen oder andere - auch von Klaus angedeuteten - Maßnahmen und Mittelchen für reine Geschäftemacherei und für groben Unfug an den Bienen. Die extrem Konzentrationen der Moleküle derartiger Öle kommen in der Natur doch gar so nicht vor. Deshalb weichen die Bienen auch fluchtartig dieser Konzentration aus .... bis die Stockluft auf er 'erträgliches' wieder verdünnt wurde. Ich halte, wie oben bereits gesagt, davon nichts, aber auch überhaupt nichts. Weder von meiner Sichtweise wie es eine Biene erleben könnte (!) noch von Standpunkt eines Imker der einen guten, unverfälschten und reinen Honig ernten möchte.


    BernhardHeuvel@
    ... Deinen Standpunkt halte ich zwar für etwas überspitzt, doch von Ansatz für nachvollziehbar. Leider haben wir keinen Einfluß auf die Bearbeitung/Anbau der Ackerflächen. Oder hast Du schon mal erlebt, dass die Imker auf Honig verzichten und nicht (!!!) in den Raps einwandern (sein als Beispiele hier genannt) um den Ertrag gezielt zu mindern? Meiner Ansicht ginge es nur so. Die Wirtschaftlichkeit derartiger Monokulturen einfach verhindern. Und hier liegt das Problem. Es funktioniert nicht. Dann werden halt andere Imker anwandern. Aus mit so einem Konzept. Deshalb geht es wahrscheinlich nur mit einem Zusammenbruch des Ökosystems. Leider. Ja ich weiß, das ist keine gute Aussicht.