Aloha,
wir haben in den letzten Monaten allerlei (positive) Merkwürdigkeiten gesehen, und fragten uns, woran es liegen könnte.
Die Antwort ist ganz einfach: wir haben die Bienen in Ruhe gelassen.
Nach dem Totalverlust haben wir die zugekauften Völker genau einmal sehr früh (18.4.) geteilt, und dann nichts mehr gemacht, außer großzügig aufzusetzen.
Am WE der 21.KW fielen die ersten Vorschwärme - für unsere lokalen Verhältnisse sehr spät.
Wir haben die Schwärme eingeschlagen und angesichts der aktuellen Trachtverhältnisse auch nicht gefüttert, im Gegensatz zu sonst, aber auch die Tracht war 4 Wochen hinterher und es war Wahnsinn, was reinkam - und wieviel davon verbaut und verbrütet wurde (24 Waben DNM in weniger als drei Wochen im Naturbau), wir mußten viel schneller weitere Zargen aufsetzen, als wir dachten, allein um die reine Bienenmasse unterzubringen - Übervölkerungsschwärme wollten wir dann doch nicht).
Seitdem haben wir nur ab und zu mal unter den Deckel geguckt, und bei Bedarf weiter aufgesetzt, mit dem Ergebnis, daß alle Völker mindestens zwei Zargen a 8W voll mit Honig haben (und auch noch mindestens eine Zarge in Bearbeitung drauf) und auch noch mindestens 6 gut gefüllte Randwaben im Brutraum.
Erstaunlich ist, daß es bisher nur einen einzigen Fall von Räuberei gegeben hat - Henry hatte ausnahmsweise mal nicht recht, da hat sich wirklich nur das Muttervolk die Ressourcen des weisellosen Schwarms zurückgeholt - aktuell ist nichts von Räuberei zu sehen, und normal haben wir die immer so ab Sommersonnenwende.
Varroaschäden haben wir auch absolut keine gesehen bisher - wir haben Milben in der Brut, aber anscheinend kriegen die Bienen das noch sehr gut alleine in den Griff.
Die gegenseitigen Putzorgien der Bienen vor den Fluglöchern abends sind sehenswert, und ich glaube nicht, daß da nur Staub und Dreck beseitigt werden, sondern auch Milben entsorgt oder wenigstens durch Füße-abbeißen geschädigt werden.
Unsere Bienen sitzen also gut versorgt auf ihrem selbstgebauten Brutnest und Honigraum mit reichlich Honig und Pollen und wurden kaum gestört/gestresst.
Sie tragen grad immer noch viel Pollen ein, und sind extrem entspannt, es hängen Mengen von Bienen in den noch nicht ausgebauten Zargen rum, ohne wirklich zu bauen - man hängt halt so rum.![]()
Sie haben keinen Streß - der Wintervorrat ist in jedem Fall gesichert, die Brut ist versorgt, alles easy-going.....
Und behandelt werden sie auch nicht.
Jetzt gucken wir uns doch mal das Leben eines bundesdeutschen Normalvolks an:
ab Mitte April wöchentliche Schwarmkontrollen mit kompletter Durchsicht, was jedesmal das Beutenklima für Tage aus dem Tritt bringt.
Jede Weiselzelle wird gebrochen, was die Bienen nur zum besseren Verstecken veranlaßt - Stress pur, wenn die Entscheidung FÜR den Schwarm einmal gefallen ist, weil die Bienen dann wirklich alles daran setzen, das auch durchzuziehen, ob es dem Imker paßt oder nicht.
Irgendwann macht der Imker dann Ableger, um den Schwarmtrieb zu dämpfen - das Volk wird völlig aus dem Tritt geworfen, weil das Brut/Bienenverhältnis nicht mehr stimmt.
(über die Auswirkungen des Drohnenbrutschneidens schweige ich lieber ![]()
).
Irgendwann merken auch die Bienen, daß der Schwarm nicht mehr klappt, und schalten um auf "Wintervorrat sichern" - der Imker freut sich, daß endlich Honig reinkommt, schafft aber nicht rechtzeitig genug Platz dafür (siehe die verzögerte Raumwahrnehmung der Bienen - aufsetzen, wenn der Honigraum halbvoll ist, ist drei Wochen zu spät...).
Dann kommt das Trachtende - der Imker entnimmt alles an Honig, was er will, und oft genug auch die Reserve der Randwaben.
Und er setzt das Volk auf zwei Zargen runter, was sich vorher auf vier oder mehr ausbreiten konnte.
Streß pur - einmal durch die ungewöhnlich hohe Bienendichte und noch mehr durch den Vorratsverlust.
Jede Biene des Stocks weiß jederzeit genau, wieviel Vorrat über Kopf und sonstwo da ist - der Schock über die radikale Entnahme und den ebenso geschrumpften Raum löst echte Panik aus - die Bienen werden hektisch ohne Ende, ihr Überleben ist gefährdet, aus ihrer Sicht, es ist ja Trachtende und die Tage werden kürzer.
Dann kommt der Imker mit der Standard-Varroabehandlung seiner Wahl - Streß hoch zehn, weil brutkillend und stockklima-zerstörend für Wochen.
Dann gibt es Zuckerfutter - aber ohne ausreichend Raum, es über dem Brutnest zu lagern, also muß die Brut eingeschränkt werden - wieder Streß, weil das zu dieser Jahreszeit falsch ist aus Bienensicht, es ist der zweite Bruthöhepunkt....
Dann kommt die kalte Jahreszeit, und die Bienen arrangieren sich irgendwie mit ihren Verhältnissen - und mitten in der brutlosen Zeit gibt es noch eine Säuredusche und eine massive Änderung des Stockklimas - Streß.
Ist das alles tatsächlich "Bienenhege"?
Jetzt kommt der BWL-Teil:
Wir drahten mit Steckdrähten aus Edelstahl, und löten nur Anfangsstreifen ein - damit sind schon mal pro Zarge etliche Minuten Arbeitszeit gespart, sowohl beim Einbauen als auch beim Ausschneiden alter Waben.
Ablegerbildung im Juni mit gezogenen begatteten Königinnen ist viel zu spät - die natürlich Vermehrungszeit der Bienen per Schwarm ist hierzulande Ende April/Anfang Mai.
Das sollte man nutzen, anstatt dem entgegenzuwirken.
Viel weniger Aufwand an Zeit & Arbeit mit den Bienen zu arbeiten statt gegen ihre Programmierung.
Honigernte in Frühtrachtgebieten: nur den tatsächlichen echten Überschuß entnehmen, und genug für die Bienen drinlassen.
Es ist sch***egal, was andere Imker über einen denken angesichts der Ertragszahlen - was kostet dieser Überschuß?
Wir haben dieses Jahr alles dringelassen, aus reinen BWL-Gründen.
Es gibt eine ausrechenbare Grenze, die den Unterschied im Deckungsbeitrag ausmacht.
Was bringt es mir, wenn mein Aufwand für den Honig im Glas exorbitant hoch wird, weil ich nicht nur Futter holen und bezahlen muß, sondern auch noch zu Honigverarbeitung/Vermarktung/Material auch noch meine Arbeitszeit zu realistischem Lohn einrechne?
Da mache ich definitiv Minus.
Wenn ich den reinen Überschuß ernte, den das Volk NICHT zum Überleben braucht, und ich den auch nicht als Ersatz kaufen muß, ist dieser Teil der Ernte zu sehr niedrigen Kosten/Aufwand produzierbar.
Aber sobald ich diese Grenze überschreite, kostet mich jedes Glas deutlich mehr an Produktionskosten, wenn ich meinen eigenen Mindestlohn pro Stunde und alle anderen Kosten ansetze.
Von daher: warum hinterfragt keiner die "normale" Imkerei in diesem Sinn?
Und in diesem Fall würde eine Bescheidenheit des Imkers statt der normalen "Ertragsgeilheit" auch noch positiv für das Leben der Bienen wirken....
Es weiß doch eigentlich jeder, daß wir jeden Tag allen möglichen Krankheitserregern und Parasiten ausgesetzt sind - krank werden wir aber erst, wenn wir unter Streß stehen und unser Immunsystem in die Knie geht.
Den Bienen geht es nicht anders - die normale Imkerei ist streßverstärkend statt streßentlastend.
Denkt doch mal ausgiebig drüber nach...
Wirtschaftlicher Erfolg, Ertrag UND Bienenfreundlichkeit sind keine Gegensätze - nur kostet heutzutage die zweite Hälfte vom Ertrag konventionell deutlich mehr als das Doppelte der ersten Hälfte...wer ist fit genug, das selbst zu rechnen und kennt seine eigenen Vollkosten wirklich?
Es würde viel Arbeit und Kosten sparen, weniger Honig zu ernten - und den Bienen würde es deutlich besser gehen.:Biene: