Imkern mit der Badehose - oder - meine Bienen sind zu zahm!

  • Hallo Forumsgemeinde,


    das Thema ist ein bekanntes, ich möchte wissen, inwiefern es zum tatsächlichen Problem werden kann.


    Ich habe Buckfast. Wenn ich die Magazine öffne, sind umherlauernde einzelne Wespen immer sehr schnell dabei mal eine Wabe auszuschlecken oder von der Fütterung zu naschen. Nun ist es mir schon passiert, dass ich so eine Wespe wieder mit einsperre. Am nächsten Tag fliegt die bei Sichtkontrollen durch die transparente Abdeckfolie immer noch munter im Stock rum.


    Ich liebe meine Buckfast, mit denen kann man wirklich in der Badehose imkern. Jedoch denke ich, dass das weggezüchtete Abwehrverhalten eben jenen Wespen auch das Überleben im Stock sichert. Ist hier aber nicht die Räubereigefahr erheblich größer?


    In einer Beschreibung der Dunklen Biene habe ich gelesen, dass diese sich gegen Eindringlinge verteidigen, im Gegensatz zu sanftmütigen Carnica (oder eben meine Buckies). Bedeutet weiterhin das Wegzüchten des Abwehrverhaltens nach außen nicht auch gleichzeitig eine Schwächung des Immunsystems gegen Krankheitserreger nach innen? Was meint ihr?



    Beste Grüße
    Martin

  • Halli Hallo Martin,


    zwei Schritte vor und dann einen zurück......:cool:


    Ich kenn mich mit Bienen (noch) nicht so aus.
    Aber ansonsten: In der Natur gibt es nichts einfach umsonst.:daumen:


    Da hat man zum Beistift, relativ gesunden einmal blühenden Rosen, gerade das nachblühen (remontieren) genetisch beigebogen.
    Und daraus folgten mehrfachblühende Rosen, deren Blätter allerdings Opfer der verschiedensten Krankheiten wurden und deren Duft auf der Strecke blieb. Erst in neuerer Zeit wurde da massiv gegengesteuert und es gibt jetzt mehrfachblühende, duftende Rosen (die vielleicht dann nicht so winterhart sind) :-(
    Irgendwelche Defizite gibt es immer.....


    In der Regel gilt in der Natur: Je höher und je spezieller die (Über)Zuchtstufe, desto empfindlicher das Ergebnis.
    Wildformen sind meistens urtümlicher und stabiler.


    Sicher werden auch die Bienenzüchter immer wieder rückkreuzen, um das Erbgut z.B. durch die dunkle Biene wieder aufzufrischen.


    Die Frage ist: ob eine durch menschlichen Intellekt und Wünschen gesteuerte Evolution (z,B. Friedlichkeit/Honigertrag etc.), letztendlich besser ist, als eine rein von der Natur angestossene Entwicklung, die konsequent nur der Weiterentwicklung dient.


    Wir möchten Bienen, die friedlich sind und vielleicht gipfelt des Pazifismus unserer Geflügelten darin, dass sie zu allen friedlich sind.
    Wenn dem so wäre, würde sich in der freien Natur, dieses Thema dann wahrscheinlich von selbst erledigen:
    Die friedlichen Völker würden widerstandslos ausgeraubt, haben keine Winternahrung und in kurzer Zeit hat sich das Problem erldigt.....


    Bei der modernen Bienenhaltung muss der Imker steuernd eingreifen um seine Völker zu bewahren. Seine Intressen sind eben anders gelagert, als die natürliche, evolutionäre Entwicklung es vorsehen würde.


    Bis denne denn


    Reiner

    zu dem Bildchen da oben links: Manche mögen es für einen Fußball halten, es ist aber die wahrscheinlich größte Rundwabe der Welt ;-)

  • Zu überlegen ist doch die dunkle Biene wieder heimisch zu machen. Die hat doch jahrtausende gelernt hier klarzukommen. Die hat Spitzmäuse überlebt und auch andere "Störenfriede"

    Wo kämen wir den hin wenn jeder fragt wo kämen wir den hin und keiner geht um nachzusehen wo wir hinkämen

  • Zu überlegen ist doch die dunkle Biene wieder heimisch zu machen. Die hat doch jahrtausende gelernt hier klarzukommen. Die hat Spitzmäuse überlebt und auch andere "Störenfriede"


     
    Du machst die Friedfertigkeit an der Bienenrasse fest, ich dachte jedoch bisher, die Friedfertigkeit sei alleine Ergebnis von Auslese bei der Völkervermehrung in den letzten Jahrzehnten. Es gibt Halter von Dunklen Bienen, die behaupten, dass die Stechfreudigkeit der Dunklen ein Gerücht sei. Z.B. auf http://www.dunkle-nordbiene.de findet sich u.a. "Dunkle Bienen sind friedlich, um nicht zu sagen lammfromm"
    Zur Spitzmaus hatte ich neulich gelesen, dass die im Winter tote, heruntergefallene Bienen fressen würde. Es könne jedoch passieren, dass sie zwar hungrig durch den engen Eingang kommt, aber vollgefressen nicht wieder heraus, und dann für Unruhe sorgt, was den Bienen schadet. Wenn das stimmt (stimmt es?), dann hat das auch nichts mit der Anpassung von Dunklen Bienen ("hat doch jahrtausende gelernt hier klarzukommen") zu tun, sondern mit der Konstruktion der Beuten.


    Ideal wäre natürlich eine Biene, die zwar gegenüber dem Menschen, insbesondere dem Imker, absolut friedlich ist, aber jeden Eindringling gnadenlos niedermacht. Im Prinzip wären die Bienen ja in der Lage, jede Wespe, Ameise und auch jede Varroa zu packen und rauszuschmeißen. Dummerweise fehlt ihnen der Antrieb dazu.


    Grüße,
    Robert

  • Hallo,
    zur Buckfast kann ich nichts sagen, ich halte Carnica-Bastarde, die ich nicht unbedingt mit Badehose bekleidet bearbeiten kann. Bei denen haben die Wespen keine Chance. Mitunter sieht man im Flugloch ein dickes Bienenknäuel, das sich langsam zum Rand des Flugbretts bewegt und schließlich herunter fällt. Unten löst sich das Knäuel auf und übring bleibt eine tote Wespe oder Hummel. Man muss also nicht unbedingt die Dunkle halten.
    Gruß Ralph

  • Hallo Matahari,
    werden deine Bienenvölker ständig ausgeräubert oder ist dein "Wespenproblem" das einzige, was dich stört?
    Wenn deine Völker ganz normal gedeihen und Honig sammeln, dann gönne doch der Wespe ihren Erfolg. Sie wird dein Volk nicht umbringen...
    Wenn natürlich ständig deine Völker ausgeräubert werden, mache dir mal Gedanken.
    Ich kenne hunderte Imker, die dich um solche Völker beneiden....

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo,


    Zitat

    Bedeutet weiterhin das Wegzüchten des Abwehrverhaltens nach außen nicht auch gleichzeitig eine Schwächung des Immunsystems gegen Krankheitserreger nach innen?


    Nein, das muß nicht zwangsläufig miteinander kombiniert sein, denn das eine ist Verhalten, das andere eher eine Frage der Mikrobenzusammensetzung, denn eine "Immunabwehr" so wie wir sie bei uns verstehen, haben die Bienen nicht. Wie krankheitsanfällig ein Volk ist, liegt auch an seiner Stärke, der Ernährung, der Umgebung, Belastung mit anderen Stoffen, Betriebsweise etc.


    Ansonsten Stimme ich Reiner voll zu aber auch Michael. Es sind doch nun mal von Dir gehaltene Bienen, dann genieße deren Friedfertigkeit, wenn sie doch gesund sind. Nur wegen des Verhaltens sind sie wohl jetzt nicht akut gefährdet.


    Mein Carnica-Buckfast-Landmix-Volk ist auch so lammfromm, dass es einfach Freude macht.
    Das geht wie schon mal beschrieben auch ohne Schutz. Ich nehm die aber auch in der Warré kaum auseinander. Angriffe gab`s auf jeden Fall noch keine.
    Ein Stich: Bienenhalterin hat eine Biene unbemerkt auf dem Rock sitzen und stützt sich mit dem unterarm rein.....:wink:
    Sitzgelegenheit 1m vor dem Flugloch, die machen nichts.
    Wespen lassen die aber nicht rein! Das kann ich sehr gut beobachten und Fremdbienen auch nicht.


    Viele Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Marion und die anderen,


    Du hast schon recht, die Stechfreude ist nicht mit der Immunabwehr im allgemeinen kombinierbar, so wie ich vermutet habe. Ich hab mich da auch noch mal mit meinen Imkerpaten besprochen. Der hat geäußert, solange die Wespen nicht die Brut ausräumen, sondern nur am Futter schlecken, liegt kein großes Problem vor.


    Nachdem ich aber heute beobachtet habe, dass hier nicht nur einzelne Wespen im Stock sind, sondern beinahe im Sekundentakt ein und ausfliegen (und ein Imkeralptraum heute Nacht bereits ein Wespennest im Bienenvolk gesehen hat), war es mit meiner Toleranz am Ende. Kurzerhand habe ich das Flugloch stark verengt. So konnten die Wespen nicht mehr so ohne weiteres einfliegen, bzw. hab ich gesehen, dass die Buckies schon mal eine totstechen.


    Natürlich macht es sehr viel Freude, ohne Schutz imkern zu können, man bekommt tatsächlich ein engeres Gefühl zu den Bienen. Dies möchte ich auch nicht mehr missen!


    VG
    Martin

  • Hallo Martin,
    jetzt bitte mal Butter bei die Fische:
    Im ersten Absatz schreibst Du.

    Zitat

    Wenn ich die Magazine öffne, sind umherlauernde einzelne Wespen immer sehr schnell dabei mal eine Wabe auszuschlecken oder von der Fütterung zu naschen. Nun ist es mir schon passiert, dass ich so eine Wespe wieder mit einsperre. Am nächsten Tag fliegt die bei Sichtkontrollen durch die transparente Abdeckfolie immer noch munter im Stock rum.


    Und ein paar Absätze weiter kommt dann dies :

    Zitat

    Nachdem ich aber heute beobachtet habe, dass hier nicht nur einzelne Wespen im Stock sind, sondern beinahe im Sekundentakt ein und ausfliegen (...) Kurzerhand habe ich das Flugloch stark verengt. So konnten die Wespen nicht mehr so ohne weiteres einfliegen, bzw. hab ich gesehen, dass die Buckies schon mal eine totstechen.


    Du redest da aber von zweierlei Dingen!
    Ersteres ist ein leichtes Verfliegen von einzelnen Räubern in deine Beuten, wie sie immer mal wieder passieren.
    Zweiteres ist ein regelrechtes Ausräubern.
    Mit diesem Volk stimmt irgend etwas nicht, und ich bin kein Prophet, wenn ich behaupte, es wird über kurz oder lang nicht mehr existieren.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michael,


    danke für die Prophetie!



    Es ist so: vor Tagen haben nur vereinzelt Wespen in den Stock gefunden, nun sind es mehr, sie fliegen auch deutlich ein. Sie Fressen jedoch nicht die Honigwaben komplett leer (sitzen ja Bienen drauf), sondern naschen eher vom Zuckerwasser oder irren einfach im Stock umher. Heute morgen beobachtete ich eben, wie sie regelmäßig einflogen, was die Fluglochverengung wiederum eindämmte.


    Eine Räuberei wie es zwischen zwei Bienenvölkern vorkommt, liegt jedoch nicht vor, da wäre der Stock innerhalb kurzer Zeit leer.


    Mein Volk ist ok, halt noch ein relativ kleiner Ableger. Sie können sich nun aber besser zur Wehr setzen, und wenn ich morgen meinen Bee-Booster einsetze, habe ich in einer Woche doppelt so viele Bienen drin, und keine Wespe hat mehr ein Chance. :-)


    VG
    Martin

  • Hallo


    selbst der schwache Ableger müsste mit kleinem Flugloch
    die Wespen abwehren.


    Ich behaupte, er hat ein Varroa Problem
    bitte Befallskontrolle und Behandlung machen


    Sonst wird Michael leider Recht behalten.


    Gruß Uwe

  • Hallo Uwe,


    muss jetzt irgendwie ein Missverständnis vorliegen: Mein Ableger kommt nun mit engem Flugloch einigermaßen mit den Wespen klar. Varroabehandlung habe ich bereits begonnen, die Ableger sind rel. Befallsarm. Aber Du hast recht, könnte eine Ursache sein.


    Viele Grüße
    Martin